Olympiade: Internetnutzung für Journalisten schwer

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eröffnet am: 31.07.08 17:33 von: Trickse Anzahl Beiträge: 4
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31.07.08 17:33
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627 Postings, 5597 Tage TrickseOlympiade: Internetnutzung für Journalisten schwer

In der beschnittenen Welt

Bericht aus dem Pekinger Pressezentrum: Die Seiten von Walt Disney funktionieren, die von Amnesty International nicht. Und: Es ist eine neue Erfahrung, dass überall Polizisten in Uniform auf- und ab spazieren und einen sogar auf dem Weg zum Hotelzimmer nach der Akkreditierung fragen.
Von Holger Gertz
Internet Beijing

Journalisten haben traditionell Schwierigkeiten mit ihrem technischen Equipment, und es kommt vor Beginn einer Großveranstaltung öfter vor, dass in einem Pressezentrum hektisch an Kabeln gerissen oder auch mal ein Laptop gegen die Wand geworfen wird. Vor den Olympischen Spielen in Peking richtet sich die Wut der Journalisten allerdings nicht gegen das kleine Gerät, sondern gegen den großen Apparat: China blockt Internet-Seiten, und das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist offenbar einverstanden mit dieser Zensur. Ein Versuch, durchgeführt mit mehreren Computern unterschiedlichen Fabrikats, beweist: Im Pressezentrum erscheint die chinesische Seite der BBC nicht, auch die der Deutschen Welle baut sich nicht auf, und wer etwas zu Tibet finden will, genauer zur Gewalt der Chinesen gegen die Tibeter, kommt bis zur Vorschlagsseite von Google, dann ist Schluss. Bei Falun Gong dasselbe: "Kann nicht angezeigt werden", heißt es im Info-Fenster, wahrscheinliche Ursache: "Es ist ein Problem mit der Website aufgetreten."

So kann man das sehen, allerdings hatte das IOC in Gestalt seines Präsidenten Rogge noch vor Tagen versprochen, der Zugang zum Internet werde frei sein, jedenfalls dort, wo die Medien arbeiten. Die Medien arbeiten nicht nur in Pressezentren, es gibt auch Medienhotels, in denen die chinesischen Gastgeber die Internetnutzung in den Zimmern möglich gemacht haben. Das heißt, sie haben ein Kabel bereitgestellt, das man in den Laptop stöpselt, dann hat man Zugang zum Beispiel zu den Seiten von Walt Disney, denen des Landesverbandes Rheinischer Schweinezüchter, und auch das weltweite Pornoangebot erschließt sich in seiner ganzen Fülle. Die chinesische Seite der BBC öffnet sich im Medienhotel überraschenderweise auch.

Bei den kritischen Themen, bei Falun Gong und Tibet, ist es aber wie im Pressezentrum. Keine Seiten vom Schweizer "rainbownet", keine vom "Tibetfocus", und nur wenn man die harmlosen Begriffe gemeinsam mit den sogenannten heiklen eingibt, Walt Disney mit Tibet zum Beispiel, kriegt man die Verbindung zu einer Firma, die Walt-Disney-Figuren als Tibeter-Teppich anbietet. Amnesty International kann auch im Medienhotel nicht erreicht werden, allerdings springen sämtliche Seiten, die die Kommunistische Partei Chinas zum Inhalt haben und jubelnde Kommunisten vorführen, sofort auf.

Es ist eine beschnittene Welt, die sich schon nach zwei Tagen offenbart, im Netz und in der Realität. Es ist eine neue Erfahrung, dass im Foyer ein Polizist in Uniform auf- und ab spaziert und einen sogar auf dem Weg zum Hotelzimmer nach der Akkreditierung fragt. Aber es war auch nicht anders zu erwarten. Dass das IOC sich in der Internetfrage so devot verhält wie kürzlich beim Thema Tibet, kann ein Hinweis sein auf die Atmosphäre, in der die Spiele ablaufen werden. Die IOC-Seite im Netz preist in schönen Worten die olympische Idee, die viel mit Freiheit, Bildung, Respekt und all dem zu tun hat. Diese Seite ist auch in China überall verfügbar.


(SZ vom 01.08.2008/mb)  

31.07.08 17:37
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627 Postings, 5597 Tage TricksePresse protestiert, China bleibt hart

Im Streit um die Internetkontrolle verschärft sich der Ton: Während sich die Auslandskorrespondenten gegen unannehmbare Sperren wehren, wiegelt das Regime in Peking ab - und greift stattdessen US-Präsident Bush an.

Die Kontroverse über Chinas Zensurpolitik geht in eine neue Runde. Die ausländischen Korrespondenten in China haben gegen den stark eingeschränkten Internetzugang während der Olympischen Spiele in Peking protestiert. "Die Kontrollen widersprechen dem Umfeld, das die Gastgeber versprochen haben, und stehen im Gegensatz zu den Versicherungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dass die Presse wie bei früheren Spielen arbeiten kann", heißt es in einer Stellungnahme des Auslandskorrespondentenclubs (FCCC) in China.

Tausende ausländischer Reporter erführen jetzt die Zensur, die Journalisten und andere Internetnutzer in China jeden Tag erdulden müssten. Der FCCC forderte die Olympia-Organisatoren auf, die Sperren im Internet aufzuheben, "um den Standards der Offenheit zu entsprechen, die von einem olympischen Gastgeber erwartet werden".

Das chinesische Regime will sich von solchen Einwänden weiter nicht beeindrucken lassen. "Lediglich einige Internetseiten werden blockiert, hauptsächlich, weil sie chinesische Gesetze verletzen", sagte der Sprecher des chinesischen Organisationskomitees, Sun Weide. "Wir hoffen, dass die ausländischen Medien in dieser Angelegenheit Chinas Gesetze respektieren."

Peking hatte am Mittwoch eingeräumt, entgegen früherer Zusagen den Internet-Zugang für ausländische Journalisten einzuschränken. Laut eines AFP-Journalisten waren im Pressezentrum der Spiele unter anderem die Seiten der Menschenrechtsgruppe Amnesty International und der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen gesperrt.

Der Vorsitzende der Pressekomission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kevan Gosper, deutete inzwischen an, dass zwischen IOC und Peking möglicherweise ein Abkommen erzielt worden sei. "Es scheint so, als hat es eine Übereinkunft gegeben, über die ich bisher noch nicht informiert wurde", sagte er. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte vor zwei Wochen betont, dass ausländische Journalisten in Peking frei arbeiten könnten und es keine Internetzensur geben werde. "Das ist es, was wir alle denken, aber scheinbar wurde eine andere Übereinkunft getroffen", sagte Gosper.

Chinas Regierung hat das Treffen von US-Präsident George W. Bush mit fünf chinesischen Dissidenten in Washington als "schwere Einmischung in innere Angelegenheiten Chinas" kritisiert. Der Sprecher des Außenministeriums, Liu Jianchao, äußerte Chinas "starke Unzufriedenheit und entschiedenen Widerstand" gegen das Treffen mit den bekannten Aktivisten.

"Diese Leute unternehmen antichinesische und separatistische Aktivitäten unter dem Mantel von Menschenrechten und Religion und gefährden die nationale Sicherheit und soziale Stabilität Chinas", sagte der Sprecher über die Gäste von Bush. Der US-Präsident hatte den Anti-Arbeitslager-Aktivisten Harry Wu, den exilierten Bürgerrechtler Wei Jingsheng, die Uiguren-Führerin Rebiya Kadeer, den kritischen Autor Sasha Gong und Bob Fu empfangen, der sich für verfolgte Christen in China einsetzt.

US-Kongress kritisiert Menschenrechtslage

Der chinesische Sprecher kritisierte, das Treffen sende ein ausgesprochen "falsches Signal an die feindlichen Anti-China-Kräfte". Die USA sollten aufhören, "sogenannte Menschenrechts- oder Religionsprobleme zu benutzen, um sich in innere Angelegenheit einzumischen, um Schaden von den chinesisch-amerikanischen Beziehungen abzuwenden". Bei dem Treffen hatte Bush mit den Aktivisten über die Menschenrechtsprobleme in China gesprochen und zugesichert, bei seinem bevorstehenden Besuch zur Olympia-Eröffnung in Peking "die Botschaft des Friedens überbringen" zu wollen, wie das Weiße Haus mitteilte.

Die Olympia-Organisatoren haben die Kritik des amerikanischen Abgeordnetenhauses an der Menschenrechtslage in China zurückgewiesen. Der Sprecher des Pekinger Organisationskomitees, Sun Weide, warnte vor Journalisten in Peking davor, die Spiele zu politisieren. Die Vorbereitungen für Olympia hätten den "sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt gefördert", sagte der Sprecher.

Nach Berichten über die verschärfte Verfolgung von Andersdenkenden oder Zwangsumgesiedelten vor den Sommerspielen in Peking rief die Resolution des US-Repräsentantenhauses China zur Einhaltung der Menschenrechte auf. Die Spiele müssten "in einer Atmosphäre stattfinden, die die olympischen Traditionen von Freiheit und Offenheit respektieren", sagte die Präsidentin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. Die mit 419 Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme angenommene Entschließung fordert zudem, dass die Regierung in Peking umgehend "die Unterdrückung tibetischer und uigurischer Bürger sowie ihre Unterstützung der Regime im Sudan und in Birma beendet".

(dpa/AFP/ihe/odg)  

31.07.08 17:50

627 Postings, 5597 Tage TrickseDeutschem Team Hotel verboten

"Sie wollen uns kontrollieren": Die deutschen Beachvolleyballer durften ihr Trainingsquartier nicht beziehen und wurden von den Organisatoren in das Olympische Dorf gezwungen.
Von Felix Meininghaus

Bevor Okka Rau auf dem Frankfurter Flughafen den Flieger nach Fernost bestieg, war die Euphorie grenzenlos: "Ich freue mich riesig auf die Olympischen Spiele", sagte die Beachvolleyballerin: "Nachdem wir uns qualifiziert hatten, kamen bei mir wieder die ganzen schönen Erinnerungen von Athen auf. Diese besondere Atmosphäre ist einfach einmalig." Nach der Landung in Peking ist die Vorfreude jedoch drastisch getrübt worden. Dort erfuhren die deutschen Sandwühler, dass sie ihr Trainingsquartier im Hotelkomplex "Hongfu Gardens" nicht beziehen dürfen. Auch die baggernden Kollegen aus der Schweiz standen vor verschlossenen Türen.

Das Management gab an, es sei von höchster Ebene gestoppt worden. Das Organisationskomitee Bocog habe sein Veto eingelegt. Begründung: Die Sicherheit der Sportler sei nicht zu gewährleisten, zudem gebe es keine Garantie, dass das Essen sauber sei. Stattdessen wurde verfügt, die Athleten müssten im Olympischen Dorf nächtigen. In "Hongfu Gardens" dürfen sie sich lediglich tagsüber zum Trainieren aufhalten. 25 Betten, die vor Jahresfrist gebucht worden waren, stehen nun nachts leer. "Das ist schon echt krass", sagt der deutsche Nationalspieler Christoph Dieckmann, "wir waren geschockt, als wir von dieser Entscheidung gehört haben." Michael Tank, Delegationsleiter, misstraut den Gastgebern. "Ich glaube deren Argumentation nicht", sagt der Arzt aus Hamburg, "die Intention ist, uns zu kontrollieren."

"Das Beste aus der Situation machen"

Bevor also der erste Ball über das Netz geflogen ist, scheinen sich alle Befürchtungen zu bewahrheiten, nach denen die chinesischen Organisatoren ihre Gäste äußerst restriktiv behandeln werden. "In westlichen Gefilden würden wir auf die Barrikaden gehen", sagt Roger Schnegg, Direktor von Swiss Volley, "hier bleibt uns nichts übrig, als das Beste aus der misslichen Situation zu machen."

Schnegg, der vorgereist war, wurde am Montagabend von der Entwicklung überrollt. "Bis dahin war alles klar, doch zehn Stunden, bevor die Sportler eingetroffen sind, ist plötzlich alles geplatzt." Der Funktionär weiß zu berichten, dass der Hotelmanager von der Polizei zur Vernehmung mitgenommen wurde und nach seiner Rückkehr mit Bedauern mitteilte, die Vereinbarungen nicht einhalten zu können. Dabei bleibt die Informationslage bislang dürftig. "Das Problem ist", so Schnegg, "dass von der Bocog niemand mit einem redet."

Für den Schweizer ist das frustrierend, schließlich hatte er ein Quartier ausgesucht, das ideale Bedingungen bietet: Nördlich von Peking ist ein gigantisches Projekt verwirklicht worden, in dem sich praktisch alles findet, was es an Bildungs-, Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten gibt: zwei Universitäten, drei Fünf-Sterne-, ein Sechs-Sterne- und diverse andere Hotels, 30 bis 40 Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, eine Golfanlage, das größte Hallenbad Chinas mit einem riesigen Wellness-Centrum. Mit Mitteln aus Deutschland und der Schweiz war extra ein Beachfeld mit dem Original-Sand installiert worden, auf dem während der Spiele gebaggert wird. Ein weiterer Vorteil der Anlage ist zudem, dass die Sportler dort weitgehend von der verschmutzten Luft des Zentrums verschont bleiben.

Ein niederdrückendes Gefühl

Nun sind die Pläne durchkreuzt worden. So wie den Beachvolleyballern ist es offensichtlich auch anderen Athleten ergangen. So berichtet Schnegg von norwegischen Ruderern, die ihr Camp nicht beziehen dürfen, das sie 80.000 Euro gekostet hatte. Eine Katastrophe bedeutet die von den Machthabern erzwungene Lage zwar nicht, "schließlich", so Dieckmann, "können wir über das Olympische Dorf und die Menschen hier überhaupt nichts Schlechtes sagen". Doch ein niederdrückendes Gefühl bleibt. "Wenn dir jemand vorschreibt, wie du dich vorzubereiten hast", so Dieckmann, "sagt das viel über diesen Staat aus und wie er geführt wird."

Während sich die Beachvolleyballer unter ungünstigen Rahmenbedingungen auf ihr Karriere-Highlight einstimmen, haben die Handballer die Phase der Akklimatisierung noch vor sich. Diesen Donnerstag fliegen sie nach Hongkong und setzen dann mit der Fähre zur Stadt Zhuhai über, wo sie ein knapp einwöchiges Trainingslager geplant haben.

Auch das wollten die Chinesen kippen, "doch aufgrund unserer internationalen Kontakte haben wir das umbiegen können", berichtet der DHB-Vizepräsident Sport, Horst Bredemeier. Derweil wundert sich Werner Graf von Moltke darüber, dass die Gastgeber bei ihrer Bewertung offenbar zweierlei Maßstäbe anwenden. "Warum die Handballer ihre Pläne verwirklichen können und wir nicht", so der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), "kann ich Ihnen beim besten Willen nicht sagen." Bredemeier hofft, "dass die Zusagen morgen noch Bestand haben". Wenn da auf die Delegation der Handballer mal keine böse Überraschung wartet.  

31.07.08 17:50

627 Postings, 5597 Tage TrickseViel Spass bei Olympia 2008!

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