Oelboom verursacht Geldschwemme am Golf

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15292 Postings, 5655 Tage quantasOelboom verursacht Geldschwemme am Golf

Der Höhenflug des Ölpreises bewirkt in den Golfländern eine Börsenhausse und explodierende Immobilienpreise. Das reale Wirtschaftswachstum jedoch hinkt hinterher.

Von Astrid Frefel, Kairo

Mit doppelseitigen Inseraten in der pan-arabischen Tageszeitung «al-Hayat» wird in diesen Tagen die Geburt einer neuen Stadt für 200 000 Einwohner in Oman angekündigt. Al-Madina al-Zarqa wird in den kommenden 10 bis 15 Jahren aus dem Wüstensand gestampft werden. Sie kommt nördlich von Muscat auf dem Weg Richtung Arabische Emirate zu liegen. Das Projekt der Superlative sieht Investitionen von 15 Milliarden Dollar vor. Nachdem gigantische Bauvorhaben in den Emiraten, in Qatar und in Bahrain von sich reden machten, will sich auch das Sultanat Oman ein Stück vom Kuchen sichern.

Rasante Geldvermehrung

Der dritte Ölboom, der im Jahr 2003 begann, hat den Ölförderländern des Golfs einen unermesslichen Geldsegen beschert. Ökonomen kommen kaum nach, die Prognosen zu revidieren. Saudiarabien wies im vergangenen Jahr den zweithöchsten je erzielten Budgetüberschuss aus. Das saudische Budget für das laufende Jahr sieht eine weitere Verdopplung des Überschusses auf 187 Milliarden Riyal (knapp 65 Mrd. Fr.) vor. In Kuwait wurden die staatlichen Ausgabe von 19,5 Milliarden Dollar von den Einnahmen um 11 Milliarden übertroffen.

Jeden Monat fliessen zusätzliche staatliche Gelder von fast 6 Milliarden Franken in die saudische Wirtschaft, wie Khan Zahid, Chefökonom der Riyad Bank, berechnet hat. Ein Multiplikator von 16 und eine Umlaufsgeschwindigkeit von 6 führen dazu, dass aus jedem Öl-Riyal schliesslich 16 werden. Diese Ölgelder sind deshalb nicht nur ein Schmiermittel für die Ökonomie, Zahid nennt sie «Feuerkraft». Allerdings wächst die reale Wirtschaft mit 8,7 Prozent im Jahr 2005 nicht in dem Masse wie der nominale Reichtum, denn die Liquidität geht zu einem grossen Teil in den Import, in Aktien und in Immobilien.

Für ein reales Wirtschaftswachstum zählten aber die Auswirkungen auf die Nachfrage nach lokal produzierten Gütern und Dienstleistungen. Lediglich wenige Sektoren wie Zement, Petrochemie und die Bauwirtschaft hätten ihre Produktion gesteigert, schreibt Zahid in seiner Studie. Als Gründe fügt er an, dass es einfacher sei zu importieren und dass ? noch wichtiger ? die lokale Wirtschaft nicht dynamisch genug sei. Die grosse Herausforderung sei es deshalb, die Wirtschaft so umzustrukturieren, dass sie nicht mehr von der Liquidität gesteuert werde, sie müsse eine produktive Maschine werden.

Regionale Umschichtung

Dass die Liquidität in der Region auf Rekordhöhe ist, zeigen die Aktienindizes. Der Shuaa-Index beispielsweise, der 254 Firmen in 12 arabischen Ländern umfasst, stieg in diesem Jahr um 67 Prozent, nach jeweils 60 Prozent in den letzten beiden Jahren.

Aktienausgaben, vor allem von Firmen, die im Öl- und Gassektor tätig sind, werden hundertfach überzeichnet. Die Preise im Immobiliensektor explodieren, insbesondere in den Emiraten. In Dubai gibt es Beispiele von 20 Prozent Preissteigerung pro Monat. Eine zunehmende Zahl von Analysten warnt deshalb, dass Aktien und Immobilien bereits überbewertet seien.

Tatsache ist, dass es für das viele Kapital zu wenige Anlagemöglichkeiten gibt. Das hängt auch damit zusammen, dass seit dem 11. September arabische Investoren weniger in Europa und den USA anlegen, sondern die eigene Region und zunehmend Asien vorziehen. So hat etwa die staatliche saudische Ölgesellschaft Aramco kürzlich bekannt gegeben, dass sie sich zusammen mit Exxon Mobil und der chinesischen Sinopac an einem Grossprojekt in China zum Ausbau von Raffineriekapazität, einer petrochemischen Anlage und einem Tankstellennetz beteiligt.

Saudische Fonds, die 2000 noch 57 Prozent ihrer Gelder im Ausland angelegt hatten, haben diesen Anteil inzwischen auf 24 Prozent reduziert.
Tages-Anzeiger.ch

 

 

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