New Orleans: "Es kommt noch schlimmer"

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eröffnet am: 07.09.05 09:04 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 3
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07.09.05 09:04

24466 Postings, 5904 Tage EinsamerSamariterNew Orleans: "Es kommt noch schlimmer"

"Es kommt noch schlimmer"

Hydrogeologe warnt

Umweltkatastrophen wie der Hurrikan "Katrina" im Süden der USA werden nach Einschätzung eines Experten in ihrem Ausmaß noch zunehmen und auch häufiger auftreten. "Es wird mit Sicherheit noch schlimmere Hurrikane geben", sagte der Geologe und Hydrogeologe der Universität Leipzig, Walter Gläßer, in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. "Wir bekommen Zustände, die wir aus unserer Erfahrung nicht kennen. Je heißer es in Afrika wird, wo sich die Hurrikane bilden, desto mehr Meerwasser nehmen sie auf und entladen sich gewaltiger an Land", sagte Gläßer.

Die Folgen der Erwärmung hätten das Wetter auch in Deutschland extremer gemacht. "Die Häufigkeit und Heftigkeit der Windhosen und Tornados hat eindeutig zugenommen", sagte der Forscher. "Die Thermodynamik ist völlig durcheinander." Der diesjährige Sommer habe bereits gezeigt, dass die Gewitter hier zu Lande stärker und stürmischer werden. "Dagegen kann man nichts machen. Man muss sich wappnen." Die Politik müsse auf die Klima-Folgen reagieren.

Der Geologe, der zu Forschungszwecken selbst in der Jazz-Metropole war, bezeichnete die Planung der US-Stadt als "vorsätzlich und verbrecherisch". Der Aufbau einer Stadt bis zu acht Meter unter dem Meeresspiegel sei weltweit undenkbar. "Ich habe mich immer gefragt, wie man eine ganze Stadt unter Wasser setzen kann. Da wurde die natürliche Vernunft übergangen."

Für Gläßer ist es unverständlich, dass "die Flutung abgewartet wurde". Wenn das Wasser abgepumpt sei, müssten sich die Verantwortlichen überlegen, wie die Stadt künftig geschützt werden soll. "Der Meeresspiegel steigt weltweit. Es gibt Prognosen von bis zu drei Metern in den nächsten 10 bis 15 Jahren. Regionen wie Bangladesch oder New Orleans sind dann eigentlich nicht mehr bewohnbar. Doch die Amerikaner bauen in Gebieten, die nicht bebaubar sind."

Quelle: n-tv.de

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Der Einsame Samariter

 

07.09.05 09:05

21799 Postings, 7670 Tage Karlchen_INoch viel schlimmer

Michael Jackson will Lied für Hurrikan-Opfer aufnehmen
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Los Angeles (dpa) - Popstar Michael Jackson (47) will ein Benefiz-Lied für die Opfer von Hurrikan «Katrina» schreiben. Der Song mit dem Arbeitstitel «From the Bottom of My Heart» (Aus tiefstem Herzen) soll innerhalb von zwei Wochen aufgenommen werden, teilte Sprecherin Raymone Bain auf der Website des Sängers mit. Jackson wolle andere Sänger und Interpreten um Mithilfe bitten, hieß es weiter.

«Es schmerzt mich, das Leid der Menschen in der Golfregion meiner Heimat zu sehen», teilte Jackson mit. Alle Einkünfte aus dem Verkauf der Platte sollen den Hurrikan-Opfern zufließen.

Bain zufolge will der Sänger damit an den Erfolg seines Benefiz- Liedes «We Are The World» anknüpfen. Der 1985 von Jackson und Lionel Richie geschriebene Song spielte über 50 Millionen Dollar für Hilfsaktionen in Afrika ein.

Am 29. August hatte Jackson seinen 47. Geburtstag im Golfemirat Dubai begangen. Der Sänger war Ende Juli nach Bahrain geflogen, um sich von dem monatelangen Prozess wegen Kindesmissbrauchs zu erholen. Eine kalifornische Jury hatte ihn von den Vorwürfen freigesprochen.

erschienen am 07.09.2005 um 08:50 Uhr
© WELT.de  

07.09.05 10:08

8970 Postings, 6275 Tage bammieSparkurs verhinderte gigantische Rettungsinsel

Allein für New Orleans rechnen die Behörden mit bis zu zehntausend Todesopfern durch die "Katrina"-Flut. Ein von örtlichen Wissenschaftlern vorgeschlagenes Schutzkonzept hätte eine solche Katastrophe mit Sicherheit verhindert. Doch die zuständige US-Armee verwarf die Pläne.

Entwickelt wurde das alternative Hurrikan-Notfallkonzept an der Louisiana State University (LSU) in Baton Rouge. Genauer: im Water Ressources Research Institute der Hochschule (LWRRI). Auslöser war die Gewissheit, dass New Orleans nicht ausreichend vor Wirbelstürmen der Kategorie 4 oder 5 mit Windgeschwindigkeiten jenseits von 210 Kilometern pro Stunde geschützt ist. Man wusste: Die Flutwelle, die ein solcher Megasturm vor sich hertreibt, würde die Deiche entlang des Sees Pontchartrain im Norden der Stadt schlichtweg überspülen. Die LWRRI-Forscher schlugen deshalb vor, einen "sicheren Hafen" in der City einzurichten: Eine Kernzone der Innenstadt sollte mit besonders hohen Hochwasserschutzwällen umfasst werden und im Katastrophenfall als Rückzugsgebiet für all jene Bewohner dienen, die - wie jetzt im Fall von "Katrina" - New Orleans nicht verlassen würden, trotz der Anordnung zur kompletten Evakuierung.

Als innerstädtische Rettungsinsel hatten die Wissenschaftler einen City-Sektor zwischen dem Mississippi im Süden und dem quer und kerzengerade durch die Stadt verlaufenden Highway 61 im Norden auserkoren. Dieser Teil des Zentrums wird auch als "Halbmond" bezeichnet, weil er in einer 180-Grad-Schleife des Mississippi liegt. Dort befinden sich nicht nur das französische Viertel, der Superdome, Regierungsgebäude und das Geschäftszentrum von New Orleans, sondern auch mehrere Krankenhäuser und Museen.

Krankenhäuser und Pumpstationen wären verschont worden

Diese Infrastruktur wäre nach Überzeugung der Forscher vor der Flutung im Zuge von "Katrina" bewahrt worden, hätte man das Konzept vom sicheren Hafen verwirklicht. "Eine große Anzahl von Menschen hätte in dieser Zone über einen längeren Zeitraum Zuflucht finden können", sagt die LWRRI-Forscherin und Geographin Nedra Korevec.

Statt nicht geflohene Bewohner von New Orleans im Superdome zusammenzupferchen, hätte man sie "in diesem ganzen, nicht überfluteten Gebiet unterbringen können", betont auch Joseph Suhayda, der frühere Direktor des LWRRI und Vater der Idee vom sicheren Hafen mitten in der Stadt. Für "100.000, 200.000 oder auch 300.000 Menschen" wäre dort Platz gewesen, sagt der Ozeanograph, der sich während seiner jahrzehntelangen Forschungstätigkeit in Baton Rouge eher zum Katastrophenschutz-Ingenieur wandelte: "Die Krankenhäuser, die Pumpstationen - all das wäre erhalten geblieben."

Seit Jahren propagiert Suhayda sein Vorsorgekonzept für New Orleans. Er referierte darüber auf der Nationalen Hurrikan-Konferenz in den USA wie auch auf einer Fachtagung für Katastrophenschutz in Louisiana; er skizzierte den Plan schon 2000 beim "Stadtgipfel" des Bürgermeisters in New Orleans: Politiker, Stadtplaner, Verkehrsexperten und Vertreter von Rettungsdiensten hörten ihm zu. "Die Idee stieß auf ein enormes Interesse", erinnert sich der Hochschullehrer. "Ich möchte nicht als überheblich erscheinen: Aber manche hielten sie sogar für brillant."

Die Army-Ingenieure lehnten ab

Allein: Das für den Hochwasserschutz zuständige Ingenieurs-Corps der US-Armee lehnte das Konzept ab. Es stand ihm sogar völlig ablehnend gegenüber, wie das in den USA erscheinende "Civil Engineering Magazine" im Juni 2003 berichtete. Das Blatt sprach seinerzeit mit Alfred Naomi, dem für die Schutzdeiche in New Orleans zuständigen Projektmanager des Ingenieurs-Corps. "Wir möchten den Leuten kein falsches Gefühl von Sicherheit geben", wandte Naomi der Zeitschrift zufolge ein. Das Wasser draußen zu halten genüge nicht, so der Armee-Verantwortliche damals. Im Falle eines Hurrikans über New Orleans sei zusätzlich mit enormen Winden zu rechnen und niemand könne sagen, welche Gebäude im Stadtzentrum "so ausgelegt sind, dass sie das überstehen".

Konsequenterweise favorisiert das Ingenieur-Corps stattdessen die Strategie von der Total-Evakuierung der Mississippi-Metropole im Fall eines heraufziehenden Megasturmes. Doch die gelingt in der Realität leider nicht, wie sich in den zurückliegenden Tagen zeigte: Mehrere zehntausend Einwohner blieben trotz der Warnungen vor einem Hurrikan der Stärke 4 in der Stadt. Für die Experten der Staatsuniversität von Louisiana war das absehbar. In einer Umfrage hatten über 21 Prozent der Stadtbewohner angegeben, sie würden ihre Häuser in New Orleans auch dann nicht verlassen, wenn es Warnungen vor einem möglicherweise tödlichen Hurrikan gebe.

Der Wissenschaftler ist "vollkommen frustriert"

Joseph Suhayda ist nun "vollkommen frustiert", wie er sagt. Viele Menschenleben hätten wahrscheinlich gerettet werden können, wären die Verantwortlichen dem Rat des Forschers gefolgt. Nach Suhaydas Schilderung hätte es lediglich zwölf Monate gedauert, den flutfesten City-Hafen einzurichten. Der Plan sah vor, auf einer Länge von zwölf Meilen eine knapp zehn Meter hohe Schutzwand hochzuziehen. "Das hätte eine Betonmauer sein können, dichte Spundwände oder auch ein Erdwall, wie man ihn zu Lärmschutzzwecken aufschüttet", erläutert der Ex-Institutschef. Praktischerweise, so Suhayda, hätte man die Flut-Barriere entlang des Highways 61 errichten können.

Im Süden des "sicheren Hafens" wäre es nicht einmal nötig gewesen, für zusätzlichen Schutz zu sorgen: Die Deiche am kurvigen Mississippi-Ufer sind Suhayda zufolge schon heute fast zehn Meter hoch. Es wäre also nur darum gegangen, auch an der Nordgrenze der innerstädtischen Rettungsenklave und an zwei kleinen Abschnitten im Westen und Osten zusätzliche Barrieren auf demselben Schutzniveau zu installieren. Das LWRRI hat die Kosten für das Projekt mit 250 Millionen US-Dollar veranschlagt. Das ist nur ein Zehntel der Summe, die nötig wäre, um sämtliche Deiche am Lake Pontchartrain so zu erhöhen, dass sie auch bei einem Hurrikan der Stärke 4 oder 5 ihre Aufgabe erfüllen. Projektmanager Alfred Naomi hat in diesem Zusammenhang wiederholt von 2,5 Milliarden Dollar gesprochen. Aber "wir sind ein sehr armer Staat", sagt die Geographin Nedra Korevec.

"Es geht nur um den Schutz von Eigentum"

Bisher sind die Deiche im Norden der Stadt nur etwa sechs Meter hoch. Ihre Aufrüstung hat die Regierung in Washington aber nach einer Kosten-/Nutzen-Analyse verworfen. Denn es stellt sich heraus, dass man mehr Geld in die Maßnahme stecken würde, als am Ende in Form vermiedener materieller Schäden herauskäme. "Bei diesen Analysen spielt die Rettung von Menschenleben überhaupt keine Rolle", beklagt Joseph Suhayda, es gehe "allein um den Schutz von Eigentum".

Nach "Katrina" und im Angesicht der akuten Katastrophe ist die US-Armee nun gezwungen, ihre bisherige Haltung aufzugeben. "Wir erörtern die Möglichkeiten für ein Schutzniveau der Kategorie 4 oder 5", verkündete dieser Tage Generalleutnant Carl Strock, der Chef des Armee-Ingenieurskorps, als man ihn auf die Versäumnisse in New Orleans ansprach. Die Einsicht kommt spät, vermutlich zu spät. Denn ob die für ihren Charme berühmte Südstaaten-Metropole jemals wieder komplett aufgebaut werden kann, erscheint inzwischen zunehmend fraglich.

Nedra Korevec aber ist zuversichtlich, dass New Orleans wieder errichtet wird - und dass der "Community Haven" Realität wird. "Sie können die Leute nicht wieder in die Stadt lassen, ohne ihnen Sicherheit zu bieten", sagt sie. Und: "Ich denke, das wird in den nächsten zehn Jahren kommen."  

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