Neuer NBA-Dresscode

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 01.11.05 12:46
eröffnet am: 01.11.05 11:33 von: Happy End Anzahl Beiträge: 4
neuester Beitrag: 01.11.05 12:46 von: utscheck Leser gesamt: 273
davon Heute: 2
bewertet mit 1 Stern

01.11.05 11:33
1

95440 Postings, 7130 Tage Happy EndNeuer NBA-Dresscode

SPIEGEL ONLINE - 01. November 2005, 06:18
URL: 
http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,382127,00.html

Neuer NBA-Dresscode
 
"Ein rassistisches Statement"

Von Martin Fünkele

Das riecht nach Ärger: Heute startet die NBA in eine neue Saison. Geht es nach den Verantwortlichen, sollen die Spieler künftig nicht mehr wie Gangster-Rapper, sondern wie Gentlemen auftreten. Die Stars revoltieren gegen den neuen Dresscode und fordern dessen Abschaffung.

Vielleicht hätte David Stern einfach einmal bei Hans Christian Andersen nachschlagen sollen. Mitte des 19. Jahrhunderts schrieb der dänische Dichter das Märchen "Des Kaisers neue Kleider". In der Parabel stellt er die Arroganz und Oberflächlichkeit eines Herrschers bloß, der statt im funkelnden Zwirn am Ende ohne alles dasteht. So ähnlich könnte es dem NBA-Commissioner auch ergehen. Wenn am 1. November in der National Basketball Association (NBA) die neue Saison beginnt, ist Schluss mit lustig - so zumindest die Vorstellung des Chefstrategen.

APPhilly-Star Iverson (mit Ehefrau Tawanna): "Es ist ein Riesenschwindel"

Statt der knallbunten Spaß-Klamotten des HipHop-Lables "Ecko" soll dann der seriöse Look von "Dolce & Gabbana" die Körper der Superstars umhüllen. Aus Gangstern werden Gentlemen. In einem zweiseitigen Memo unterrichtete Stern die Spieler über seine "Business casual"-Kleiderordnung. Demnach haben NBA-Profis bei allen offiziellen Auftritten zumindest im Sakko, "Dress"-Jeans und geschlossenen Schuhen zu erscheinen. T-Shirts, Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen und dicke Klunker landen auf dem Index.

Was auf den ersten Blick lapidar erscheint, eröffnet bei genauerem Betrachten einen tiefen Riss: Auf der einen Seite finden sich die vornehmlich weißen Zuschauer und Clubchefs wieder, auf der anderen ihre Stars, die zu fast 80 Prozent schwarzer Hautfarbe sind.

So richten sich die Proteste der Betroffenen auch nur vordergründig gegen die Beschneidung des individuellen Stils. "Das ist eine Menge Mist", so Tim Duncan. "Den Ansatz versteh ich ja, aber dass sie so weit gehen, ist einfach nur bescheuert", sagt der Power Forward vom Meister aus San Antonio. "Ich habe ein Problem damit, dass wir keine Ketten mehr tragen dürfen", mault Stephen Jackson (Indiana Pacers). Dann spielt er die Rassismus-Karte: "Für mich ist das ein rassistisches Statement. Da fast alle jungen Schwarzen in der Liga schwere Ketten tragen, kann ich damit nicht einverstanden sein."

Es entwickelt sich eine muntere Schlammschlacht, bei der die gehört werden, die am lautesten schreien. "Die Ketten, der HipHop und die Throwback-Jerseys sind Teil unserer Kultur", poltert Paul Pierce von den Boston Celtics. Trainer-Guru Phil Jackson (Los Angeles Lakers) hält dagegen: "Einige Spieler hatten Gefängnis-Kutten an - sie sahen aus wie Gangster. Es war Zeit, das zu ändern." Dass Jackson zu seinen Flower-Power-Zeiten selbst in Latzhosen durch die Gegend rannte, leugnet er nicht, "nur zu den Spielen kam ich damit nie".

Im Gegensatz zu Allen Iverson. Der kleine Guard der Philadelphia 76ers gilt als Ikone der HipHop-Generation. Neben eigenen Rapsongs vertreibt er eine Modelinie und bedient durch sein furchtloses Spiel und seine rebellische Art ideal das Klischee des Straßenkämpfers. "Ich glaube nicht, dass es dem Image der Liga hilft - weil es eine Lüge ist", so Iverson. "Die ganze Sache ist ein Riesenschwindel. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit, jeder seinen eigenen Stil - ich finde es nicht fair, wenn man das den Leuten nicht gestattet."

"Seien wir doch einmal ehrlich", sagt der Filmemacher Spike Lee gegenüber der "Washington Post", "Image ist alles! Nach der Prügelei in Detroit letztes Jahr und anderen Vorfällen hat die Liga festgestellt, dass sie ein PR-Problem hat. Das wollen sie ändern." Im selben Zusammenhang meldet sich anonym eine NBA-Offizieller zu Wort: "Wenn du mit hundert Leuten auf der Straße sprichst und die meisten denken, unsere Spieler sind die schlimmsten unter den Profisportlern, dann hast du ein Problem."

Gestützt wird diese Beobachtung von einigen Marketing-Experten, die herausgefunden haben wollen, dass aktuelle NBA-Spieler unter den US-Athleten am schlechtesten zu vermarkten seien - noch schlechter sogar als die ehemaligen Korbball-Ikonen.

Und vieles deutet darauf hin, dass dieses Phänomen mit den Vorkommnissen vom 11. November im Palace von Auburn Hills zu tun hat. Damals kam es nach einem harten Foul von Ron Artest (Indiana) an Ben Wallace (Detroit) zu einer Massenschlägerei, an deren Ende sich Artest mit einem Zuschauer anlegte, der ihn zuvor mit einem Becher Bier beworfen hatte. Am Schluss standen elf Verhaftungen und eine Gesamtstrafe von 133 Spielen Sperre. Artest wurde für den Rest der Saison (77 Spiele) suspendiert und büßte 5,4 Millionen Dollar seines Gehalts ein. Von vielen wurde dieser Ausbruch der Gewalt als Verrohung der Sitten interpretiert. Die Schuldigen waren schnell gefunden: Junge, reiche schwarze Spieler.

"Jordans Nachfolger kamen aus der HipHop-Generation"

Dabei wünschte sich die NBA Ende der neunziger Jahre nichts sehnlicher als Typen wie Artest. Nachdem die Liga die finstere Dekade der Drogen- und Vergewaltigungsskandale mit Hilfe der Popularität von Larry Bird und Magic Johnson hinter sich gebracht hatte, verschaffte ihr Michael Jordan in den Neunzigern den endgültigen Durchbruch. Jordan war alles - und davon immer der Beste. Er war genial als Spieler, brillant als Marketing-Figur und unerreicht als Popidol.

APDetroits Wallace (M.): Beteiligt an Massenschlägerei
Als das NBA-Über-Ich im Januar 1999 seine Karriere zum zweiten Mal beendete (er kehrte von 2001 bis 2003 nochmal zurück), drohte ein erneuter Absturz. Fieberhaft wurde nach einem Jordan-Ersatz gesucht. "Die Nachfolger kamen aus der HipHop-Generation", sagt Jim Kahler der "Los Angeles Times". "Wir haben nach mehr Tattoos und einem anderen Kleiderstil gesucht", erklärt der Mann, der von 1991-2002 als Marketing-Direktor der Cleveland Cavaliers arbeitete.

Folglich setzte die Liga voll auf den Urban Lifestyle. In den Arenen hämmerte der Bass von "Snoop Dogg" oder "50 Cent" und HipHop-Ausstatter wie "FUBU" und "D'Funkd" sollten der Liga als offizieller Partner zum zeitgenössischen Image verhelfen. Die Rap-Combo "Nappy Roots" reiste als Teil einer NBA-Promotiontour durchs Land - Jay-Z schaffte es sogar bis in den Kreis der Entscheider: Bei den New Jersey Nets ist der Rapper Anteilseigner. "Die wahre Frage ist doch, wie kann man von der ökonomischen Power der HipHop-Industrie profitieren ohne den schlechten Beigeschmack abzubekommen", fragt Artemisia Apostolopoulou, Professor an der Greene State University.

Indem man sie domestiziert, so dachte zumindest David Stern. Seine Entscheidung, Iversons Tattoos auf dem Cover der NBA-eigenen Publikation "Hoops" wegzuretuschieren, war vielleicht das erste Anzeichen dafür, dass man im New Yorker Headquarter nicht mehr ganz so zufrieden war mit dem urbanen "Ghetto-Feeling". Kurz darauf wurden mehrere Spieler mit bis zu 5000 Dollar hohen Strafen belangt, weil ihre Sporthosen zu lang - oder wie man auf der Straße sagt, zu "baggy" waren. Als nach der Vergewaltigungsklage gegen Superstar Kobe Bryant (2003) ein Jahr später die Schlägerei in Detroit folgte, erreichte das Ansehen der NBA einen Tiefpunkt. Robert Hutcherson, Sprecher der Vereinigung "Sports Fans of America" (knapp eine Million Mitglieder) dazu: "Unsere Mitglieder sagen uns: Die NBA ist eine Gangster-Liga."

TV-Quoten im Keller

Zwar ist diese "Gangster"-Liga ein Drei-Milliarden-Dollar-Business, das im letzten Jahr 23 Millionen Zuschauer erreichte und allein durch einen sechsjährigen TV-Deal (bis 2008) 265 Millionen Dollar einspielt - im quotenfreien Raum bewegt man sich auch in der NBA nicht. Und gerade bei den so wichtigen TV-Ratings brachen die wenig attraktiven Finals (Detroit gegen San Antonio) der vergangenen Saison im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent deutlich ein. Dallas Mavericks-Eigner Mark Cuban vermutet sogar: "Wenn die TV-Quoten höher wären, wäre dieses Thema (der "Dress Code"; Anm. d. Red.) niemals aufgekommen."

Für David Stern, dessen Anzüge ein Privatschneider fertigt, war das nun genug Stoff, um die Liga und ihr Erscheinungsbild in eine andere Richtung zu lenken. Vielleicht liegt es ja daran, dass Stern als Pimpf hinter dem Tresen von "Stern's Deli" Delikatessen verkaufte. Im Laden seiner Eltern lernte er jedenfalls früh, worauf es ankommt: auf den Geschmack der Kunden. Und das sind in der Regel 40-jährige, weiße Mittelschichts-Amerikaner - denn außer ihnen können sich die wenigsten einen 150-Dollar-teuren Abend leisten (Preis für zwei Karten inklusive Parken, Hotdog und Bier).

Mit Beginn der neuen NBA-Saison tritt also Sterns Kleiderordnung in Kraft. Ob er damit allerdings im Kampf um die wichtigen Imagepunkte erfolgreich ist, bleibt fraglich. Nur eins ist sicher: Den härtesten Fighter der Liga interessiert das Ganze nur wenig. Prügelknabe Ron Artest posiert derweil in der Dezember-Ausgabe des Männermagazins Penthouse auf dem Cover. Neben ihm räkeln sich drei Damen, die Sterns "Dress Code" genauso wenig zu interessieren scheint. Außerdem rappt Artest in einem seiner neuen HipHop-Songs: "Mit der einen Hand schreibe ich Autogramme, mit der anderen verkloppe ich Ben Wallace." Man kann nicht davon ausgehen, dass David Stern darüber glücklich ist.  

01.11.05 11:55

31028 Postings, 6866 Tage sportsstarStern war ja schon vorher der meist gehasste

in der Liga. Das wird sich dadurch potenzieren! *kopfschüttel*

Aber mal zum Beginn der neuen Saison einen netten Mitschnitt von LeBron James beim Training. Ich glaube das nennt man Ballgefühl ;-)

http://massdestraction.com/1310-Awesome_Basketballer_and_shoots.html  

01.11.05 12:09

25551 Postings, 7000 Tage Depothalbiererisn das für'n schwachsinn ??

was die nsa macht, ist glaub ich wichtiger...  

01.11.05 12:46

21880 Postings, 6705 Tage utscheckSports ... das ist ja der HAMMER o. T.

   Antwort einfügen - nach oben