Neue Seilbahnen in den Alpen

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 25.12.06 13:33
eröffnet am: 25.12.06 13:33 von: Knappschaft. Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 25.12.06 13:33 von: Knappschaft. Leser gesamt: 355
davon Heute: 1
bewertet mit 3 Sternen

25.12.06 13:33
3

8451 Postings, 6040 Tage KnappschaftskassenNeue Seilbahnen in den Alpen

Per Riesenrad und Taxi auf die Piste

Der Klimawandel macht den Wintersportorten in den Alpen zu schaffen: Immer öfter bleibt der Schnee aus. Dennoch haben die Skigebiete wieder Millionen von Euro in noch modernere Lifte, Gondeln und Seilbahnen investiert - darunter auch Weltneuheiten: Der Trend geht zum Pistentaxi.

 

Wien/Zürich - Was Klimaforscher über die Zukunft der Alpen sagen, müsste Seilbahnbetreibern eigentlich große Angst machen: In etwa hundert Jahren könnte das Gebirge wegen des Temperaturanstieges nahezu frei von Gletschern sein, lautet eine der Prognosen. Auch die jährliche Schneefallmenge wird bis dahin kräftig zurückgehen, ergaben Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg.

Auf die Investitionen in neue Seilbahnen und Pisten haben solche Vorhersagen bisher aber keine Auswirkungen: Auch zur Wintersaison 2006/07 erwarten die Skiläufer wieder etliche Neuheiten. Gigantische Gondeln und neue Technologien sind ebenso dabei wie ein Pisten-Taxi.

Neue Seilbahnen: Riesenrad und Rekordgondel

Fotostrecke starten: Klicken Sie auf ein Bild (4 Bilder)

"Unser Investitionsvolumen liegt diesmal bei etwa 500 Millionen Euro", sagt Ingo Karl, Vorsitzender des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs in Wien. Damit liege man nur wenig unter dem Niveau des Vorjahres, als 523 Millionen Euro für neue Beschneiungsanlagen und Lifte ausgegeben wurden. Die Bedrohung durch den Klimawandel werde von der Branche sehr ernst genommen. "Aber in den letzten neun Jahren sind die Winter bei uns nicht wärmer geworden, sondern eher kälter", sagt Karl und verweist auf den sehr schneereichen vergangenen Winter.

Die wichtigsten Neuheiten in Österreich finden Skiläufer in Tirol. Rund 22 Millionen Euro werden allein für die neue Galzigbahn in St. Anton am Arlberg ausgegeben. "Das ist ein absolutes Novum in den Alpen", sagt Karl. Zu der Anlage gehört nach Angaben der Arlberger Bergbahnen unter anderem "das längste und schwerste Förderseil, das bisher weltweit für Personenseilbahnen produziert wurde" - es wiegt 120 Tonnen.

Der Clou an der neuen Galzigbahn soll das Einsteigeverfahren sein: Mit Hilfe von "Riesenrädern" werden die 28 Gondeln vom Niveau des Tragseils auf die Bodenhöhe heruntergebracht. "Das macht das Einsteigen viel bequemer, weil man nicht mehr mit Skiern in der Hand und in steifen Plastik-Skischuhen Treppen steigen muss", so Karl.

Rekordverdächtige Gondeln

Mit der neuen Bahn verdreifacht sich in St. Anton die Zahl der auf den Galzig beförderten Skiläufer auf etwa 2200 pro Stunde. Das ist zwar deutlich mehr, als die neue Ahornbahn in Mayrhofen im Zillertal bewältigt. Aber die hat auch nur zwei Gondeln - allerdings sehr geräumige: Jeweils 160 Skiläufer können einsteigen und sich in sechseinhalb Minuten vom Ortszentrum auf das 2000 Meter hohe Ahornplateau bringen lassen.

 

Damit hat Mayrhofen die größten Seilbahngondeln, die jemals für die österreichischen Alpen gebaut wurden. Vom Plateau aus geht es in einer fünfeinhalb Kilometer langen Abfahrt zurück in den Ort. Die örtlichen Bergbahnen haben 18 Millionen Euro für die Erneuerung ausgegeben.

Im Pitztal in Tirol geht es derweil besonders hoch hinaus: In 2689 Metern über dem Meer entstand eine "Talstation" für einen Sechser-Sessellift und eine Achter-Gondelbahn, die bis auf 3287 Meter führen. An "Österreichs höchster Baustelle" wurden insgesamt 15 Millionen Euro investiert.

 

Schneller und bequemer auf die Piste

Auch in anderen Teilen der Alpen sollten die Wege in die Skigebiete schneller und komfortabler werden. So hat zum Beispiel die Südtiroler Region Dolomiti Superski im Sommer neun bestehende Lifte durch neue Anlagen ersetzt. Unter anderem in Alta Badia, Gröden/Seiser Alm und in Val di Fiemme/Obereggen wurden ältere Sessellifte gegen modernere Kuppel-Sessellifte oder durch Kabinenbahnen ausgetauscht.

In deutschen Skigebieten änderte sich ebenfalls einiges. So wurde etwa am Fellhorn bei Oberstdorf die Sesselbahn-Endstation Schlappoldhöfle zur Zwischenstation gemacht: Insgesamt 94 Achter-Gondeln bringen pro Stunde 2400 Fahrgäste zum 1770 Meter hoch gelegenen Schlappoldsee. Bisher war ein Umsteigen in einen Schlepplift nötig.

Bereits am achten Oktober nahmen die vier neuen Doppeltriebwagen der Bayerischen Zugspitzbahn den Betrieb auf. 19 Kilometer lang ist ihre Strecke von Garmisch-Partenkirchen zum Zugspitzplatt, pro Tag sollen sie bis zu 3000 Skiläufer in das Wintersportgebiet bringen.

Weltneuheit nur für Hotelgäste

Auch die Schweiz modernisierte Anlagen und baute neue - insgesamt gaben die Bergbahnbetreiber zur neuen Saison rund 121 Millionen Euro aus, sagt Oliver Kerstholt von Schweiz Tourismus in Zürich. So bekam Zermatt eine neue Gondelbahn von Furi auf den Riffelberg für bis zu 2400 Passagiere pro Stunde. In Flumserberg in der Ostschweiz entstand die erste kuppelbare Achter-Sesselbahn des Landes, die bis zu 4000 Wintersportler in der Stunde nutzen sollen.

Als Weltneuheit angepriesen wurde außerdem eine "Coaster" genannte Bergbahn in Arosa. Sie wird vom "Tschuggen Grand Hotel" betrieben, das aufwendig renoviert und umgebaut wurde und am 1. Dezember Neueröffnung feierte. Der "Coaster" ist eine Art Taxi auf Schienen und "bringt die Gäste wie ein Lift auf die Piste", wie es Kerstholt von Schweiz Tourismus ausdrückt. Neun Wintersportler passen in die voll verglaste Kabine hinein, die jedoch ausschließlich "Tschuggen"-Gäste nutzen können.

 

Dass die Prognosen in Sachen Klimawandel in den kommenden Jahren die Neubau-Aktivitäten der Bergbahnbetreiber bremsen könnten, ist kaum zu erwarten. Von den 3200 Seilbahnen und Liften Österreichs zum Beispiel seien rund 1800 in den Jahren vor 1998 gebaut worden, sagt Verbandsvorsitzender Ingo Karl. "Da wird die Investitionsbereitschaft hoch bleiben." Insbesondere gehe es darum, künftig mehr Strecken mit Kunstschnee beschneien zu können. Das sei in Österreich erst bei 50 Prozent der Pisten der Fall, "in Südtirol sind es schon 80 Prozent".

 

   Antwort einfügen - nach oben