Mulmige Gefühle

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eröffnet am: 22.12.06 07:44 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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935214 Postings, 6147 Tage moyaMulmige Gefühle

Mulmige Gefühle

von Jochen Steffens

Meine mulmigen Gefühle nehmen Tag für Tag zu. Je mehr ich in Zeitungen lese und Medien höre, desto bewusster wird mir, dass die Stimmung an den Börsen zu gut wird. Alles und jeder ist bullish. Für uns wird es also Zeit bearish zu werden! Wie immer hübsch antizyklisch. Denn sehr lange kann das nicht gut gehen!

Ich hatte Ihnen vor einigen Tagen den S&P500 gezeigt und darauf hingewiesen, dass wir uns in der letzten Phase der Rallye befinden. Und das macht es zurzeit so schwer. Es ist wie ein Goldberg, der von unten ausgehöhlt wird. Niemand weiß genau, wann er einbricht, sicher ist nur, dass er irgendwann einbrechen wird. Bis dahin muss man versuchen, so viel Gold (Gewinne) aus diesem Berg rauszuholen wie es eben geht.

Wäre ich ein Langfristanleger und hätte seit 2004 nach und nach Positionen aufgebaut, würde ich nun anfangen, diese Positionen Stück für Stück zu verkaufen. Mein Gefühl will mir aber auch bei meinen kurzfristigen Positionen ständig klar machen, alles, am liebsten sofort zu verkaufen. Das kann jedoch ein großer Fehler sein. Denn wenn es tatsächlich die letzte Phase der Rallye seit 2003 vor einer größeren Konsolidierung sein sollte, dann kann es noch eine impulsive Aufwärtsbewegung geben.

Die Großen müssen noch raus

Und hier werde ich ein wenig ?verschwörungstheoretisch?, aber vielleicht nur deswegen, weil ich einfach nicht an so viel Dummheit glauben kann.

Ich vermute tatsächlich, dass die bullishen Einschätzungen der Banken und Fonds die Medien bullish werden lassen sollen. Wenn die Menschen dann überall lesen, dass es mit Deutschland aufwärts geht, dass die Börsen immer weiter und weiter steigen werden, dass alles einfach nur nach goldenen Zeiten aussieht, dann können die großen Jungs nämlich ihre Positionen in den so entfachten Kaufrausch unbemerkt abstoßen.

Aber, nichts was passiert, wird in Charts unbemerkt bleiben. Man würde dieses massive Verkaufen in die entstehenden Käufe am Umsatz erkennen. Aus diesem Grund bildet sich ein ?richtiges? Top mit einer Umsatzspitze oder aber einer längeren Seitwärtsbewegung mit gleichbleibend hohem Umsatz (Distrubution). Beides ist aber im Dax noch nicht zu erkennen. Seit Mitte November dünnen die Umsätze sogar eher aus. Auch das spricht dafür, dass es noch etwas weiter gehen wird.

Und trotzdem, mir juckt die Bullenkappe und ich würde nichts lieber tun, als sie abzuwerfen. Aber wahrscheinlich ist das ein gutes Zeichen, denn ich denke, dass es nicht nur mir so geht. Wahrscheinlich muss die Börse noch etwas Überzeugungsarbeit leisten, indem sie noch weiter ansteigt.

Was ich jedoch nicht glauben kann, und deswegen diese verschwörerischen Gedanken, ist, dass die Institutionellen so dämlich sind, diese ganzen Gefahrenzeichen NICHT zu sehen. Jedenfalls nicht die erfahrenen Fondsmanager. Also, irgendetwas ist da im Bush.

Die bullishere Variante

Sollte aber diese letzte Phase wieder ausbleiben und es bereits jetzt wegbrechen (so wie im Mai dieses Jahres, Sie erinnern sich vielleicht), so wäre das mittelfristig gesehen sogar bullisher. Dann könnte es jetzt zu einer Konsolidierung wie im Mai kommen, mit anschließend ähnlich impulsiver Aufwärtsbewegung. Dafür spricht aber auf charttechnischer Ebene noch nichts.

Nerven wie Drahtseile

In den nächsten Wochen werde ich also Nerven wie Drahtseile haben müssen. Ich habe eine für Zockerscheine ziemlich große Summe in einen Schein auf den Dax investiert. Es war ein einmaliger Schein und ich habe damals einen Gewinn aus einem anderen Schein in diesen umgeschichtet. Diesen Optionsschein habe ich zu etwas mehr als 0,04 ? im September 2005 gekauft und auch meinen Kunden empfohlen.

Im Mai dieses Jahres stand dieser Schein schon einmal bei 0,40 ?, also knapp 1000 % im Plus. Dann kam der Maieinbruch und er rutschte bis auf 0,10 ? im Verkauf abwärts. Natürlich voll investiert.

Jederzeit kann das wieder passieren, denn der Optionschein ist sehr weit aus dem Geld und hat bis gerade gebraucht, wieder an die 40 Cent zu laufen. Wenn der Schein einbricht, dann tut er es sehr, sehr schnell. Stopp-Kurse sind nicht möglich, dazu schwankt der Optionsschein zu heftig!

3500 % im Plus bis März

Auf der anderen Seite, wenn der Dax bis März auf 7200-7400 Punkte steigt, steht der Schein bei 1,20 ? - 1,60 ? (je nach Volatilität zu diesem Zeitpunkt). Das sind ca. 3500 % Gewinn! Stellen Sie sich einfach vor, Sie haben 1000 ? in so einem Schein, dann wären das 36.000 ?. Bei 10.000 ? wären es bereits 360.000 ?. Und Sie sitzen vor dem Monitor und sehen, wie die Summe Tag für Tag ansteigt und ansteigt und wissen, jederzeit kann der Schein in wenigen Tagen oder sogar Stunden derart einbrechen, dass ein Verkauf sinnlos wird und all das schöne Geld ist futsch!

Und nun lesen Sie überall nur noch bullishe Kommentare. Ihre Zweifel steigen und Sie wissen nicht, verkaufen oder drin bleiben. Das Spiel wird natürlich zudem bei weiter steigenden Kursen jeden Tag verrückter, weil immer mehr Geld auf dem Spiel steht!

25.000 % die einmalige Hammerrendite

Aber es wird noch verrückter. Der Schein läuft bis Ende 2008. Sollte der Dax zu diesem Zeitpunkt bei 11.000 Punkte stehen, dann notiert der Schein bei ca. 10 ?! Das sind glatte 25.000 Prozent Gewinn! Sie würden also aus 1000 ? glatte 250.000 ? machen! Steuerfrei! (Naja, je nachdem). Aus 10.000 ? machen Sie mal eben dann 2,5 Mio. Euro. Das haben Sie im Hinterkopf, ständig!

So, aber bis dahin kann der Schein jederzeit auch komplett wertlos verfallen. Nada, nichts! Was also tun?

Mein Plan zurzeit ist, den Schein zu einem unschlagbar guten Kurs verkauft zu kriegen, am besten Anfang März bei 7400 Punkten im Dax zu 1,50 ? oder so. Dann warten bis der Einbruch vorbei ist, um im Oktober/November in diesen Schein je nach Börsenlage zu diesem Zeitpunkt, mit der Hälfte der Summe bei wesentlich tieferen Kursen wieder einzusteigen.

Das zu schaffen, grenzt an Perfektion! Gehen wir realistisch davon aus, dass es nicht möglich sein wird. Aber ich werde es versuchen, auch um meiner Kunden willen! Um das allerdings zu schaffen, braucht man Nerven aus Stahl. Doch egal wie gut man auch ist, jeder neue Tag kann das endgültige Ende dieses Traums bedeuten. Und es kann plötzlich und unerwartet über Nacht kommen, man denke an Thailand.

Ein Stein auf den Schultern

Niemand, der das noch nicht miterlebt hat, kann sich vorstellen, wie das ist, solche Summen jeden Tag zu verfolgen. Jeden Tag zu sehen, wie sich die 1000 Dollar Scheinchen bei nur leicht fallenden Kursen in wenigen Sekunden in Rauch auflösen, nur um kurze Zeit später zäh und mühsam wieder hervorzukommen.

Noch ist das alles ein Spaß, aber ich habe es auch schon kennengelernt, wenn die Summen ein Niveau erreichen, wo es ?persönlich? wird. Wenn man dann nach langer Zeit einen solchen großen Gewinn realisiert, ist das, als ob ein riesiger Stein von den Schultern rollt, als würde man nach langer Zeit der Krankheit endlich gesund aufwachen. So krank oder verrückt sich das auch anhört, aber gerade darum liebe ich diese Börse, weil sie in der Lage ist, uns mit jeder Faser unseres Körpers an sich zu binden. Was wäre das Leben langweilig ohne diesen Wahnsinn...

Viele Grüße

Ihr

Jochen Steffens

Gruß Moya

 

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