Mögliche Nischenlösung für konservative Anleger

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eröffnet am: 30.10.05 11:40 von: bammie Anzahl Beiträge: 1
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8970 Postings, 6127 Tage bammieMögliche Nischenlösung für konservative Anleger

Kaum jemand hat die Sondervermögenfonds zur Altersvorsorge beachtet. Wer aber keine Chance auf eine staatliche Förderung hat, für den kann das Mischkonzept interessant sein

Die Zahlen 32 und 1,8 Milliarden beschreiben die Kennziffern der Altersvorsorgesondervermögens-Fonds (AS-Fonds). 32 dieser Anlagemöglichkeiten gibt es ausweislich der "Standard & Poor's"-Datenbanken, und sie bündeln Anlegergelder im Wert von immerhin mehr als 1,8 Milliarden Euro.

Was auf den ersten Blick nach viel Geld aussieht, relativiert sich aber bei näherer Betrachtung. Denn auf mindestens 1,2 Milliarden Euro bringen es bereits die in Deutschland erst vor etwa einem Jahr zugelassenen Hedge-Fonds. Ein einfacher Aktienfonds wie der DWS Vermögensbildungsfonds I faßt heute schon mehr als sieben Milliarden Euro. Vom Auslaufmodell, einem unverkäuflichen Fonds, will in der Branche dennoch niemand etwas wissen.

In den Universal Fonds AS I zum Beispiel investieren die Anleger wieder, heißt es bei Universal Investment. Der Fonds hat ein Volumen von nur 2,4 Millionen Euro. In dieser Größenordnung pflegen die Controller in den Fondsgesellschaften bereits sehr nachdrücklich darauf zu drängen, den Fonds ganz einfach zu schließen.

Bei Universal scheint sich allerdings der Vertrieb durchzusetzen. Der Fonds soll nicht geschlossen werden, heißt es. Seine Wertentwicklung gibt den Optimisten recht. Immerhin hat Albrecht Gohlke mit dem Fonds in den vergangenen fünf Jahren seinen Anlegern einen Zuwachs von über 18 Prozent erwirtschaftet.

Ein klassisches Aktieninvestment hätte für ein Minus auf den Konten der Anleger gesorgt. Der MSCI Welt zum Beispiel, Standardmaßstab für die Entwicklung der Aktien weltweit, hatte im gleichen Zeitraum mehr als 38 Prozent verloren. Das sei keine Hexerei, winkt Manager Gohlke ab. "Aufgrund der Anlagepolitik hat der Fonds Anleihen zu halten, die bereits vor wesentlichen Kursverlusten schützen." Tatsächlich hat der Gesetzgeber schon zum 1. April 1998 klare und strikte Grenzen gezogen, als er die Grundrisse dieser Fondsgattung festlegte.

Ein AS-Fonds muß zu mindestens 51 Prozent Aktien und Immobilien halten. Der Aktienanteil seinerseits darf nur zwischen 21 und 75 Prozent des Wertes pendeln, Immobilien dürfen maximal 30 Prozent ausmachen. Ungesichert kommen Fremdwährungsrisiken nur zu 30 Prozent in das Fondsdepot. Alles andere sind dann Anleihen. Zusätzlich müssen die Anbieter Sparpläne auf diese Fonds anbieten, die 18 Jahre laufen oder zumindest bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres des Anlegers. Nach drei Viertel der Laufzeit sollen Anleger regelmäßig kostenlos in einen anderen Fonds wechseln können, zum Beispiel einen offenen Immobilienfonds. Dahinter steht eine umfassende Regelung, damit Anleger sowenig Risiko wie möglich mit der neuen Form der Altersvorsorge eingehen.

Für die Fondsgesellschaften ergibt sich die Chance, der übermächtigen Lebensversicherungsbranche ein unter Umständen konkurrenzfähiges Absicherungsprodukt entgegenzusetzen. Die Anbieter griffen zu, legten 43 solcher Fonds auf und warben kräftig dafür. Doch obwohl auch Manfred Laux, damals Chef des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), der Branchensage zufolge die AS-Fonds sogar im Fernsehen bei Robert Lembkes heiterem Beruferaten anpries, wollten die Anleger nicht so recht.

Kein Wunder, denn schon bald kamen die Riester-Fonds auf, die wie eine Lebensversicherung steuerlich gefördert waren. Die doppelte Konkurrenz war eindeutig zuviel für den Neuling, AS-Fonds schienen am Ende zu sein.

Dennoch haben die AS-Fonds eine Stärke, die viele übersehen. In den Krisenjahren der Börse verlor der Aktienindex MSCI Welt mehr als 40 Prozent, der durchschnittliche AS-Fonds dagegen nur knapp drei Prozent. Als Folge des Mischfondskonzepts lag die durchschnittliche Volatilität der AS-Fonds bei 4,05. Doch während sich bei klassischen Mischfonds der Anleger in den vielen Klassifizierungen in aggressivere und etwas weniger aggressive Fonds, defensiverer und ganz defensiver Ausrichtung leicht verliert, sind bei AS-Fonds die Anlagegrenzen von vornherein klar umrissen. Dafür hat der Gesetzgeber gesorgt.

Gesellschaften wie Dit geben sich auch weiterhin unverzagt. "Wir betrachten insbesondere im Rahmen der nicht staatlich geförderten privaten Altersvorsorge AS-Fonds als sinnvolle Investitionsmöglichkeit. Entsprechend setzen wir diese Produkte in der Beratung ein", sagt Unternehmenssprecher Matthias Jansen.

Auch die Konkurrenz sieht keinen Anlaß, die Fonds vom Markt zu nehmen. Sie fahren die Fonds weiter, wie sie 1998 aufgelegt wurden, die meisten dabei wie einen Mischfonds. So wie auch Manager Gohlke. "Ich habe für meinen Fonds zu internen Zwecken eine zusammengesetzte Benchmark", sagt er. "50 Prozent EuroStoxx 50, 20 Prozent S&P 500 und 30 Prozent REXP. Zur Erzielung einer entsprechenden Outperformance weiche ich aber in stärkerem Maße sowohl bei der Gewichtung wie auch bei den Einzeltiteln ab."

Die Welt betrachten und Unregelmäßigkeiten aufspüren, so wie andere Fondsmanager auch. Nur zieht Gohlke manchmal andere Schlüsse daraus. "Was den hohen Ölpreis angeht, sehe ich eine Ursache in den nicht auf die Qualität des derzeitigen Rohöls abgestimmten Raffineriekapazitäten. Da diese das derzeit lieferbare Rohöl nicht verarbeiten können, kaufe ich nicht die klassischen Öltitel wie Total Fina, sondern die Hersteller von Raffinerien. Bislang geht diese Strategie gut auf."

Andere Anbieter wie der Dit haben diese Produktgattung als ein breit gefächertes System interpretiert und bieten gleich vier ausgewiesene Fonds für Altersvorsorge-Sondervermögen an. Ähnlich wie bei unterschiedlichen Mischfonds aus einem Hause hat jedes dieser Produkte eine andere Aktienquote und ein dementsprechend unterschiedliches Risiko. Der Dit-AS 35 beispielsweise investiert zu gut 75 Prozent in internationale Aktien, der Dit-AS 55 Plus dagegen nur zu 40 Prozent in solche aus dem Euro-Raum. Ohne Währungsrisiko und mit geringer Aktiengewichtung ist dessen Risiko deutlich geringer als das des aktienlastigeren Fonds. Damit ist er für den geeignet, dessen Ruhestand nicht mehr allzu fern ist.

Der vermeintlich individuelle Ansatz scheint anzukommen. Immerhin ist der Dit die Fondsgesellschaft, die mit 325 Millionen Euro noch am meisten Geld in AS-Fonds vorweisen kann. Zu den volumenstärksten Anbietern gehört auch die Deka mit noch mehr als 200 Millionen Euro im Deka-Privat Vorsorge. Ansonsten geben sich die Gesellschaften eher bescheiden, aktiv vertrieben werden diese Fonds nur noch selten. Im Branchenschnitt verlieren die Fonds sogar Geld. Letztmals 2001 wurde im Branchenschnitt Geld vereinnahmt. Seitdem ziehen sich viele Anleger aus den AS-Fonds zurück, trotz der teilweise recht guten Performanceergebnisse. Eine stete Drohung, daß sich eines Tages zumindest bei den Fonds unter zehn Millionen doch die Controller durchsetzen könnten.

AS-Fonds sind ein Nischenprodukt. Doch für den konservativen Anleger, der keine Chance auf eine staatliche Förderung seiner privaten Altersvorsorge hat, sind sie vielleicht eine Nische, in der er sich wohlfühlen kann. Arne Gottschalck


Artikel erschienen am 30. Oktober 2005  

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