Mit Offshoring in die Sackgasse

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neuester Beitrag: 25.11.04 10:48
eröffnet am: 24.11.04 18:53 von: 007Bond Anzahl Beiträge: 2
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24.11.04 18:53

24273 Postings, 7223 Tage 007BondMit Offshoring in die Sackgasse

Wenn Siemens oder SAP, IBM oder T-Systems Software in Indien entwickeln lassen, dann ist das ein Beispiel für Offshoring. Mit diesem Stichwort verbindet sich derzeit eine lebhafte, kontroverse Debatte über die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Dr. Andreas Boes untersucht in Zusammenarbeit mit Ellen Becker (beide ISF München) in seiner Studie "Herausforderung Offshoring", wie es bei IT-Dienstleistern in Deutschland damit aussieht. Sie geben einen differenzierten Einblick in die Strategien und den Entwicklungsstand der Internationalisierung und befassen sich mit deren Folgen für Beschäftigte: kundennahe und kundenferne Jobs, Software-Entwickler und IT-Berater. Ihr Fazit: Wenn Unternehmen Offshoring als Drohkulisse nutzen, um Lohnkostensenkungen durchzusetzen, gefährden sie ihre eigene Internationalisierung. Denn um erfolgreich zu sein, benötigen Internationalisierungsstrategien die aktive Unterstützung der IT-Beschäftigten. Verlagerungsdrohungen sind dafür eine schlechte Basis.

Die am ISF München durchgeführte Studie "Herausforderung Offshoring" stützt sich vor allem auf Intensiv-Interviews mit Beschäftigten, Managern, Arbeitnehmer-, Gewerkschafts- und Unternehmensverbandsvertretern. Anhand dieses reichhaltigen Materials zeigen die Sozialwissenschaftler auf, dass Offshoring Ausdruck eines tiefer liegenden Umbruchprozesses ist: Die Branche durchlebt eine neue Ära der Standardisierung und Industrialisierung von IT-Dienstleistungen. Gleichzeitig werden mit leistungsfähigen Informations- und Kommunikationsnetzen hochqualifizierte Arbeitskräfte in Ländern mit einem weit niedrigeren Lohnniveau direkt erreichbar. Nicht nur einfache Tätigkeiten, sondern auch komplexe Aufgaben wie Software-Entwicklung werden so auslagerbar.

Der Aufbau einer funktionierenden internationalen Produktion stellt die Unternehmen ebenso wie die Beschäftigten vor schwierige Aufgaben. Statt diese gemeinsam anzugehen, wird unter dem Stichwort "Offshoring" einer kurzfristigen Kostensenkung das Wort geredet und die Verlagerungsdrohung als Mittel genutzt, um die Lohn- und Sozialstandards in Deutschland zu senken. Unter der Hand geraten die Unternehmen so in einen Zielkonflikt. Boes macht detailliert die Gefahren deutlich, die vor allem mit der Strategie der "Drohkulisse" einhergehen: Es droht ein Akzeptanzverlust gerade bei den hoch qualifizierten Beschäftigten, der dramatische Konsequenzen für den Erfolg der Internationalisierung haben kann. Das Fazit der Autoren: "Die Orientierung auf Kostensenkung und Verlagerung von Arbeitsplätzen droht den Unternehmen genau die sozialen Grundlagen zu entziehen, welche sie zur erfolgreichen Bewältigung des erforderlichen Restrukturierungsprozesses eigentlich benötigen."

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft  

25.11.04 10:48

24273 Postings, 7223 Tage 007BondIT-Service-Provider nehmen Europa ins Visir

Indische IT-Service-Provider konzentrieren sich auf Europa
24.11.2004 um 14:41 Uhr


MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die indischen IT-Dienstleister suchen in Europa nach weiteren Wachstumsfeldern. Den US-amerikanischen IT-Servicemarkt halten die wichtigsten Vertreter für reif, so dass sie sich nun auf neue Aufgaben konzentrieren können. "Wir wollen den Anteil der Arbeit, den wir in Europa machen, aggressiv ausbauen", kündigte etwa Ramalinga Raju, Chairman von Satyam gegenüber der "Financial Times Deutschland" an. Derzeit stammen rund 16 Prozent der Einnahmen von Satyam aus Europa.

Zusammen kommen die indischen IT-Dienstleister in Deutschland auf einen Marktanteil von 0,4 Prozent, in den USA sind es 1,7 Prozent. Ihre derzeit schwache Position wollen die indischen Häuser mit Übernahmen ausbauen, das erforderliche Geld ist offenbar vorhanden. "Um Europa zu knacken, müssen wir auf Zukäufe setzen. Anders schaffen wir es nicht. Wir haben dafür zurzeit 500 Millionen Dollar zur Verfügung", sagte Phiroz Vandrevala, Executive Vice President von Tata Consultancy Services (TCS), dem größten indischen IT-Services-Provider. Dabei denkt der Manager vor allem an IT-Töchter großer Konzerne und nannte sogar ein konkretes Beispiel: "Sollte etwa eine Fluggesellschaft wie Lufthansa ihre Systemtochter auslagern, wären wir ein Bieter", so Vandrevala.
 

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