Militärtechnik gegen Wilderer

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eröffnet am: 12.12.06 14:25 von: lassmichrein Anzahl Beiträge: 1
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61594 Postings, 6006 Tage lassmichreinMilitärtechnik gegen Wilderer

Militärtechnik gegen Wilderer

 

Seismische Sensoren, die für das Schlachtfeld bestimmt waren, sollen nun das Wildern in den afrikanischen Regenwäldern verhindern

Wilderer sind im Regenwald sehr schwer aufzugreifen: die Verfolgung per Helikopter und Flugzeug ist nicht möglich! Erschütterungssensoren und Aufnahmegeräte aus der Tierforschung sollen nun helfen, insbesondere das Abschlachten von Elefanten in Urwäldern zu stoppen.

Eigentlich denkt man, dass Elfenbein ein Material der Vergangenheit ist, aus dem einst der Schmuck der Könige gemacht wurde. Doch dem ist leider nicht so: auch heute noch, wo die verbliebenen Elefantenbestände in Indien und Afrika schwer gefährdet sind, werden immer noch Tonnen von Elfenbein illegal exportiert und dafür Zehntausende von Elefanten abgeschlachtet. Geschieht dies in der Deckung des Regenwalds, so blieben nicht nur die Wilderer unentdeckt ? ebenso ergeht es ihren Opfern: Erst nach Monaten oder Jahren werden plötzlich hunderte verwesender Elefanten entdeckt, denen ihre Stoßzähne ausgerissen wurden.

Es ist jedoch wenig von Nutzen, die getöteten, verfaulenden Elefanten zu finden ? es wäre vielmehr dringend notwendig, die Wilderer zu entdecken, bevor sie das große Schlachten beginnen, also von der nachträglichen Aufdeckung von Wilderei auf eine Echtzeit-Überwachung umzusteigen. Hierzu wird nun im Kongo modernste Technik benutzt, wie der New Scientist in seiner aktuellen Ausgabe berichtet: Geräte aus dem militärischen Bereich verfolgen die Bewegung der Elefanten und hören ihre Kommunikation ab, die im Sub-Audio-Bereich von 5 bis 30 Hz abläuft.

Kann neben Veränderungen von Eis und Wolken auch illegalen Holzeinschlag entdecken: ICESat 1 (Bild: NASA)

Mit Satelliten wie ICESat, der eigentlich Eis, Wolken und Bodenerhebungen in den Polargebieten ausmessen soll, um die Veränderung der Eisschollen festzuhalten, kann auch illegaler Holzeinschlag entdeckt werden, der nicht nur den Regenwald selbst nach und nach vernichtet, sondern auch bei schon geringen Eingriffen wie dem Einschlagen von Schneisen den Lebensraum und die Sicherheit der Tiere gefährdet.

Ein weiteres militärisches Gerät, das nun statt Soldaten Wilderer entdecken soll, ist ein kleiner Erschütterungssensor namens Trailguard, der an Waldwegen vergraben wird. Er sollte ursprünglich Truppenbewegungen entdecken und reagiert deshalb auf entsprechende Bodenerschütterungen durch mehrere herannahende Menschen, schlägt jedoch erst dann Alarm, wenn diese magnetisches Metall in größeren Mengen bei sich haben, was auf Waffen hindeutet. Reine Wanderer lösen so keinen Alarm aus.

Schlägt ein Sensor an, so funkt er einen Umsetzer an, der auf der Spitze von Regenwald-Bäumen montiert ist und von dort wiederum über einen Satellitentelefon-Link die Wildschützer alarmiert. Auf diese Art können diese bereits reagieren, bevor die Schießerei los geht und die Wilderer nur noch festgenommen werden können, der Schaden an der Elefantenpopulation jedoch bereits eingetreten ist.

Diese Geräte sollen auch an der Pazifikküste von Costa Rica installiert werden, wo Wilderer dabei sind, die lokalen Jaguare und Pekaris auszurotten und in der Republik Altai im Süden Russlands, wo die Wilderer im Winter Schneeleoparden aus dem Hubschrauber jagen.

Eine andere Serie von Geräten, die die Elefanten schützen sollen, sind Akustiksensoren, die Mya Thompson mit ihren Kollegen an der Cornell University in Ithaca, New York entwickelt haben. Diese waren ursprünglich entwickelt worden, um die Kommunikation der Elefanten miteinander zu überwachen. Werden diese Sensoren in Abständen von 100 bis 200 m montiert, so können sie genau protokollieren, wo sich die Elefanten innerhalb dieses Gebiets bewegen und dies bis zu drei Monate zwischenspeichern. Auf diese Art müssen die Elefanten nicht gestört werden, um die Geräte beziehungsweise ihre Speichermedien auszutauschen.

Da dies allerdings nicht dagegen hilft, dass die Elefanten abgeschossen werden, soll in die Geräte zusätzliche eine Erkennung für Schussgeräusche integriert werden, die dann sofort Alarm auslöst. In diesem Moment ist zwar meist bereits ein Elefant tot, doch können die Wilderer zumindest dann kurzfristig entdeckt und festgesetzt werden ? sie können nicht mehr ungestört und unerkannt wochenlang morden.

Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24167/1.html

 

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