Mexiko sträubt sich gegen weltgrößte Freihandelszo

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Mexiko sträubt sich gegen weltgrößte Freihandelszone

Quebec City, 7. Mai (Bloomberg) - Seit der Unterzeichnung des Abkommens über die Nordamerikanische Freihandelszone (Nafta) konnte Mexiko seine Exportquote deutlich steigern. Ein Erfolg, auf den die Mexikaner stolz sind, den sie aber nur ungern teilen möchten. Sie betrachten die für 2005 geplante 13 Billionen Dollar schwere Freihandelszone von Alaska bis Argentinien mit Argwohn. Kritiker sind der Ansicht, die mexikanische Regierung habe der Free Trade Area of the Americas voreilig zugestimmt.

Für die lateinamerikanischen und karibischen Staaten hätte die Freihandelszone den Vorteil, ihre Waren zollfrei in die USA exportieren zu können. Doch davon profitieren die Mexikaner bereits seit sieben Jahren. Mexiko könnte an Attraktivität verlieren, warnen Kritiker. "Wir brauchen mehr Zeit und sollten die Dinge jetzt nicht überstürzen", warnt Jaime Woldenberg, Präsident von Tubacero SA, einem Hersteller von Stahlrohren. "Wir müssen jede Branche einzeln unter die Lupe nehmen."

Durch das am 1.1.1994 in Kraft getretene nordamerikanische Freihandelsabkommen können mexikanische Produzenten ihre Waren zollfrei in die USA und Kanada exportieren - allerdings gelten für die von ihnen verwendeten Materialien restriktive Ursprungsregeln. Seitdem schießen die so genannten Maquiladoras wie Pilze aus dem Boden. Diese Niedriglohnbetriebe, hinter denen viele der großen internationalen Konzerne stehen, kamen in der Vergangenheit vor allem wegen ihrer unwürdigen Arbeitsbedingungen ins Gerede.

1993, also ein Jahr vor Unterzeichnung des Abkommens, beliefen sich Mexikos Exporte in die USA auf 32,9 Mrd. Dollar. Im letzten Jahr wurden Waren für 135 Mrd. Dollar über die 3.200 km lange Grenze ausgeführt. Damit übertrifft Mexiko sämtliche Staaten Lateinamerikas, berichtet das U.S. Commerce Department. "Mexiko und die USA ergänzen einander", erklärt Jaime Serra Puche, der die Nafta-Verhandlungen seinerzeit anführte. "Mexiko hat viele Arbeitskräfte und wenig Kapital, bei den USA ist es genau umgekehrt." Von einem Beitritt Mexikos zur weltgrößten Freihandelszone rät der frühere Handelsminister ab.

Das tägliche Handelsvolumen zwischen den USA und Mexiko liegt bei rund 675 Mio. Dollar. Kein Wunder, dass auch die restlichen Staaten Lateinamerikas ein Stück vom großen Kuchen ab haben wollen. Der Freihandel "wäre ein enormer Vorteil, vor allem wenn man bedenkt, was Nafta für Mexiko bedeutet", erklärt Werner Odenheimer von der Association for Manufacturing Technology in Sao Paulo. "Wir hätten bevorzugten Zugang zu lateinamerikanischen Märkten, was gegenüber Asien oder Europa ein klarer Vorteil wäre." "Der zollfreie Zugang gilt für beide Richtungen. Kommen die Brasilianer zu uns, gehen wir zu ihnen", erklärt Rafael Rubio, Marketingleiter von Hylsamex SA, dem zweitgrößten Stahlproduzenten Mexikos.

"Die Regierung befindet sich in einer heiklen Lage", beobachtet Raul Anibal, Volkswirt beim Center for Economic Research and Teaching in Mexico City. "Es wäre politisch sehr unklug, offen gegen die geplante Freihandelszone einzutreten. Mexiko kann die Dinge nicht aufhalten, sondern nur dafür sorgen, dass die eigenen Interessen gewahrt bleiben", fügt der Volkswirt hinzu.

Regierungsvertreter plädieren dafür, dass die regionalen Unterschiede in der neuen Freihandelszone berücksichtigt werden. Dazu sollen die Zolltarife für entwickelte Länder schneller gesenkt werden. Zudem will Mexiko auch weiterhin bilaterale Vereinbarungen treffen. In diesem Zusammenhang steht die mexikanische Regierung mit der Europäischen Union, Israel und einem Dutzend lateinamerikanischer Staaten in Verhandlungen.

"Wir haben keine Angst vor einer gesamtamerikanischen Freihandelszone", versichert Alfonso Nieto, Sprecher der mexikanischen Botschaft in Kanada. Dem kann Woldenberg nur zustimmen. "Wir sind für den freien Handel. Aber er muss fair organisiert sein." Teilnehmer des Amerika-Gipfels, die an der Vereinbarung zur Freihandelszone feilen, sehen das anders. Sie bemängeln die Verzögerungstaktik der Mexikaner. "Sie wollen ihren privilegierten Zugang zum US-Markt mit niemandem teilen", beobachtet Odenheimer. "Kein Wunder, dass sich die Verhandlungen in die Länge ziehen."


 

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