Merkels Altlasten

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eröffnet am: 14.09.05 20:19 von: Happy End Anzahl Beiträge: 2
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14.09.05 20:19

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Morsleben wird zum Endlager

Der Atomschrott im Salzlager soll eingeschlossen werden. Kosten: 2 Milliarden Euro

BERLIN  Deutschland bekommt sein Atommüll-Endlager: Das Bundesamt für Strahlenschutz hat gestern bei der zuständigen Genehmigungsbehörde - dem Magdeburger Umweltministerium - die Unterlagen für Morsleben eingereicht. "Der Salzstock wäre das erste Endlager in tiefen geologischen Schichten weltweit", erklärte Wolfram König, Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, BfS, in Berlin.

Morsleben - das sozialistische Pendant zu Gorleben: Bis Ende der 60er-Jahre wurde hier, im Sperrgebiet der innerdeutschen Grenze, Salz abgebaut, Ende der 70er-Jahre begannen die Sozialisten Strahlenschrott ihrer AKWs Greifswald und Rheinsberg einzulagern. Zum richtigen Problem wurde Morsleben allerdings erst durch die Bundesrepublik: Obwohl die Anlage niemals einem West-Genehmigungsverfahren Stand gehalten hätte, wurde nach 1994 wesentlich mehr Müll eingelagert, als in der DDR. König: "Was heißt eingelagert: Der Müll wurde oft einfach durch ein Loch in der Decke abgeworfen." Erst 1998 war es Greenpeace gelungen, per Gericht dem ein Ende zu bereiten.

37.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Mülls lagern heute in einem Schacht, der dafür nicht geeignet ist. Ende der 90er-Jahre war ein Teil eingestürzt. Obwohl Umweltministerin Angela Merkel die katastrophalen Zustände kannte, stoppte erst Rot-Grün den Betrieb.

Insgesamt 4 Millionen Kubikmeter Salzbeton - ein Gemisch aus feinkörnigem Salz, Filterasche, Zement und Wasser - sind notwendig, um den Strahlenschrott einzuschließen. "Die Abfälle sollen dauerhaft isoliert werden", so König. Sein Amt rechnet damit, dass eine Genehmigung bis spätestens 2009 vorliegt. Die technische Stilllegung dauert weitere 15 Jahre. Die Schließung kommt den Steuerzahler teuer: Das BfS hat zwei Milliarden Euro Kosten veranschlagt, an denen sich die Atomkonzerne nicht beteiligen müssen. Nach deren Lesart ist Morsleben eine DDR-Altlast.

"Morsleben steht für die Unterschätzung des Atommülls", sagte König. Wissenschaftler, wie etwa Ernst Ulrich von Weizsäcker, hatten beispielsweise vorausgesagt, dass Atomenergie insgesamt 8.000 Kubikmeter radioaktiven Müll mit sich bringe. Tatsächlich aber fällt diese Menge heute jährlich an. König: "Morsleben belegt, dass es heute keine technologischen Konzepte für die Hinterlassenschaften gibt - wir produzieren nur die Probleme von Morgen."

 

15.09.05 09:34

95440 Postings, 7272 Tage Happy EndMorsleben wird dicht gemacht

Morsleben wird dicht gemacht
 
Das Ende des Endlagers für radioaktive Abfälle in Morsleben naht. Dazu hat das Bundesamt für Strahlenschutz am Dienstag die Planungsunterlagen dem Umweltministerium Sachsen-Anhalt übergeben. Das Landesministerium ist nun für die Genehmigung und die Beteiligung der Öffentlichkeit an den Planungen zuständig.

BfS-Präsident Wolfram König sagte in Berlin, Morsleben wäre das erste Tiefen-Endlager weltweit, das nun nach dem Atomgesetz stillgelegt würde. Die eigentlichen Arbeiten würden etwa 15 Jahre dauern und voraussichtlich rund zwei Milliarden Euro kosten. Damit werde der Austritt von radioaktiver Strahlung für die nächsten 150.000 Jahre verhindert.

Die Finanzierung soll zum größten Teil aus dem Bundeshaushalt kommen. Westdeutsche Betreiber von Kernkraftwerken, deren Atom-Müll zwischen 1994 und 1998 hier eingelagert wurde, haben laut König einen Kostenbeitrag von 150 Millionen Euro durch Gebühren geleistet.

Bis Ende des Jahrzehnts sollen Grubenhohlräume mit rund vier Millionen Kubikmetern Salzbeton, einer Mischung aus Zement, Salz und Steinkohlen-Filterasche verfüllt werden. König: "Das Endlager soll so verschlossen werden, dass die dort lagernden radioaktiven Abfälle dauerhaft und sicher von der Umwelt isoliert sind." Bei einem alten Bergwerk wie in Morsleben sei dies eine besondere Herausforderung, denn es müssten diverse Störfallszenarien berücksichtigt werden, etwa Brände, Erdbeben und Hochwasser.

Das frühere Kali- und Steinsalzbergwerk war bis 1998 das einzige genehmigte Endlager für radioaktive Abfälle in Deutschland. Zu DDR-Zeiten war hier in den 70-er Jahren mit der Einlagerung von Atommüll vor allem aus Kraftwerken begonnen worden. Nach der Wende wurde diese fortgesetzt, bis 1998 per Gerichtsbeschluss das Ende kam. 2001 verzichtete das Bundesumweltministerium endgültig auf die Genehmigung zur Einlagerung von Atommüll in Morsleben.

Quelle: mdr.de
 

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