Marktausblick: Weg nach unten ist offen

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22.07.02 06:15

95440 Postings, 7124 Tage Happy EndMarktausblick: Weg nach unten ist offen

Die Aktienmärkte haben nach Ansicht der meisten Analysten das Schlimmste noch nicht überstanden. Aufschluss über die weitere Entwicklung wird von den in der kommenden Woche anstehenden Quartalszahlen großer Unternehmen erwartet.

Zwar würden schlechte Unternehmensnachrichten inzwischen besser verkraftet als zuletzt, heißt es. Dennoch sei der Markt vor negativen Überraschungen nicht gefeit, eine nachhaltige Erholung mithin nicht zu erwarten.

Auch in dieser Woche legen zahlreiche Firmen, vor allem aus dem High-Tech-Sektor, ihre Quartalsergebnisse vor. Konjunkturdaten sind dagegen Mangelware. Daher dürfte sich die Entwicklung der Rentenmärkte abermals am Aktienmarkt orientieren.

Der Euro übersprang am Montag erstmals seit Februar 2000 wieder die Paritätsschwelle zum Dollar, was aber eher mit dem schwachen Zustand der US-Devise als der Stärke der Gemeinschaftswährung zusammenhängt. Am Freitagabend notierte der Euro mit 1,0142 $.

Indizes schließen schwächer

In der vergangenen Woche schlossen die weltweiten Indizes nach volatilen Handelstagen noch einmal deutlich schwächer. In den USA verloren der Dow Jones und der Nasdaq Composite im Wochenvergleich 7,7 und 3,9 Prozent. In Europa schwächten sich der Stoxx 50 um 6,6 Prozent und der Dax um 5,8 Prozent ab.

Dabei überwogen zum Wochenende negative Meldungen. Enttäuschende Geschäftsprognosen der Technikkonzerne Epcos , Ericsson und Infineon drückten die Kurse europaweit. Weitgehend positiv verlief dagegen die Entwicklung der Deutschen Telekom . Nach dem Abgang von Konzernchef Ron Sommer legte die T-Aktie kräftig zu, bis am Freitag Gewinnmitnahmen einsetzten.

Ratschläge, welche Branchen derzeit Renditen versprechen, geben die Marktstrategen nicht mehr ab. Zu viel hänge an den Quartalsausweisen und Geschäftsprognosen vor allem der Tech-Firmen. "Ende der Woche sehen wir klarer für die High-Tech-Branche", sagte Adrian Hopkinson von WestLB Panmure.

Weg nach unten ist offen

Wenn allerdings der zuletzt beobachtete Trend zu pessimistischen Ausblicken auf die zweite Jahreshälfte anhält, könnten die Kurse auch in dieser Woche wieder abwärts weisen. "Obwohl mehr Unternehmen mit ihren Ergebnissen die Erwartungen übertroffen haben, haben die Kurse darauf kaum positiv reagiert", beschreibt Robert Dickey von RBC Dain Rauscher die Lage.

"Aber die negativen Reaktionen, wenn Prognosen verfehlt wurden oder Ausblicke enttäuschten, sind dramatisch", sagte Dickey. Am meisten davon betroffen sind bislang Technikwerte. "Die Prognosen waren fast alle vorsichtig, mit stagnierenden oder niedrigeren Zahlen für das nächste Quartal", klagt Laura Conigliaro von Goldman Sachs. "Die Branche meldet keine Erholung bei den Investitionen, zudem ist unklar, in welche Richtung der private Verbrauch geht."

Zahlen-Flut ebbt nicht ab

Die Fortsetzung der Bilanzsaison führen in den USA Halbleiterfirmen wie Altera , Novellus , Applied Micro Circuits und LSI Logic an. Zudem berichten Telekomunternehmen und -ausrüster wie AT & T , SBC , Bell South , Lucent , JDS Uniphase und Corning sowie die Pharma- und Chemiekonzerne Bristol-Myers Squibb , Wyeth , Schering-Plough , Dupont und Dow Chemical . Auch 3M , Colgate-Palmolive und Gillette , Eastman Kodak , McDonald's , Amazon.com , Xerox und der Medienkonzern Viacom berichten.

Fokus auf Tyco

Von besonderem Interesse sind AOL Time Warner , dessen Geschäftsführer Robert Pittman gehen muss. Ebenfalls im Fokus stehen die wegen ihrer Bilanzmethoden in die Kritik geratenen Unternehmen Tyco und Halliburton .

Europäische Tech-Unternehmen, die Bericht erstatten, sind ST Microelectronics am Montag, Telecom Italia Mobile, ABB und Siemens am Mittwoch sowie Alcatel und Olivetti am Donnerstag. Ferner weisen Reuters am Montag, Abbey National , GlaxoSmithKline , Seat Pagine Gialle und Dassault Systems am Mittwoch, EADS , British Telecom , Pechiney , Renault und Rhodia tags darauf sowie Alliance & Leicester und Schering am Freitag Quartalsberichte aus.

Konjunkturdaten, die in jüngster Zeit auf eine leichte Erholung hinwiesen, werden fast keine veröffentlicht. In den USA stehen an interessanten Daten lediglich am Donnerstag die Auftragslage für langlebige Güter im Juni und der Juli-Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan am Freitag an. Während bei den Auftragseingängen ein leichter Zuwachs von 0,5 Prozent nach 0,9 Prozent im Mai erwartet wird, rechnen Volkswirte für den Michigan-Index mit einer Stagnation bei 86,5 Punkten.

Optimistische Devisenstrategen

Für den Euro sind die Strategen weiterhin optimistisch. "Der Dollar ist noch immer rund zehn Prozent überbewertet", schreibt Goldman Sachs. "Die stärkste Überbewertung ist gegen den Euro und viele asiatische Währungen zu beobachten." Den "fairen Wert" für den Euro sehen die Strategen derzeit bei rund 1,19 $.

Auch die Experten der Deutschen Bank gehören zu den "Euro-Bullen". Doch sehen sie auf Grund der extremen Positionierung der Marktteilnehmer und einer ihrer Meinung nach möglichen Sommer-Rally bei den US-Aktien kurzfristig gute Chancen für eine Kurskorrektur.

Yen drohen Interventionen

Der Yen, der die vergangene Woche mit leichten Gewinnen gegen den Dollar beendete, dürfte weiter von Angst vor Eingriffen der japanischen Notenbank (BoJ) zur Schwächung der heimischen Währung geprägt sein. Da seit dem 28. Juni kein weiterer Markteingriff der BoJ mehr erfolgt ist, wirft die Commerzbank die Frage auf, ob Tokio bereits das Handtuch geworfen hat.

Wirkungslose Interventionen

Dennoch folgern die Strategen, dass die Einsicht überwiegen dürfte, dass beim gegenwärtigen Marktumfeld Interventionen keinen Erfolg haben dürften. Denn trotz der Interventionen im Mai und Juni im Gesamtvolumen von 33 Mrd. $ sei der Fall des Yen auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten nicht verhindert worden.

"Der Erfolg von Interventionen wird also weitestgehend davon abhängen, ob sich der Dollar nach seinem starken Wertverlust stabilisieren kann", schreibt die Commerzbank. "Dann ist auch damit zu rechnen, dass Japan verstärkt versuchen wird, den Yen in die bevorzugte Spanne von 125 bis 130 Yen pro Dollar zurückzuführen.".

ftd.de

 

22.07.02 06:17
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95440 Postings, 7124 Tage Happy EndGreenspans Rede sollte jeder gelesen haben

Sie ist so bemerkenswert, dass sie im Grunde in voller Länge abgedruckt werden müsste. Die jüngste Rede von Alan Greenspan war ein echter Rundumschlag.

Gegen die Politiker, die zu hohe Budgetdefizite fabrizieren und den Betrügereien in den Firmen durch falsche Rahmenbedingungen Vorschub leisten; gegen die Geschäftsführer, die sich von der grassierenden Gier haben anstecken lassen; und - implizit - gegen die Anleger, die trotz der niedrigsten Inflation seit 40 Jahren mit zweistelligen Gewinnwachstumsraten rechnen. Die massenhafte Verbreitung nicht verbuchter Mitarbeiteroptionen ist nur ein Symptom. Zu Recht glaubt Greenspan, dass die Angestellten früher oder später die Kasse klingeln hören wollen, statt Optionen zu akzeptieren. Die Firmengewinne würde das weiter belasten.

Deregulierung, IT-Revolution und Globalisierung haben zu einem derartigen Wettbewerb geführt, dass die Preise kaum noch steigen, in vielen Sektoren sogar sinken. Der US-BIP-Deflator hat zuletzt gerade mal um 1,3 Prozent zugelegt. Im Vergleich zu den 50er und frühen 60er Jahren, als die Preise ebenfalls unter Druck standen, wachsen Bevölkerung und Beschäftigung heute deutlich langsamer, weshalb die nominalen Firmenumsätze und Gewinne nicht an die damaligen Raten heranreichen. Für die Anleger ist das eine der wesentlichen Aussagen von Greenspan (neben der Forderung nach einer besseren Kontrolle der Geschäftsführer). Ein beträchtlicher Teil der BIP-Steigerungen rührt eben aus reinen Qualitätsverbesserungen, die den Kunden nutzen, den Firmen aber keine zusätzlichen Umsätze bescheren. Beispielsweise ist die reale Produktion von Hochtechnologie im Juni wieder auf den Stand von Ende 2000 gestiegen. Die Firmenumsätze haben sich derweil kaum erholt und liegen um 22 Prozent niedriger als im Dezember 2000. An der Börse aber zählen die Gewinne - und dafür braucht es Umsätze.



Das Gute ist, dass die US-Börse langsam fair bewertet aussieht, zumindest en gros. Der S&P 500 ist am Freitag auf seinen Nachkriegstrend zurückgefallen. Im Verhältnis zu den in der BIP-Statistik ausgewiesenen Gewinnen - in denen Optionen berücksichtigt werden, wenn auch erst bei Ausübung - liegt der Index unter dem Schnitt seit 1950. Mit nominalen Trendgewinnen gerechnet und unterstellt, dass - wie seit 1950 im Mittel - 50 Prozent ausgeschüttet werden, ergibt sich bei einer Wachstumsrate von fünf Prozent und einem Diskontsatz von acht Prozent ein fairer Wert für den S&P 500 von 860 Punkten.

Das Allerschlimmste dürfte daher ausgestanden sein. Aber es gibt Haken: Falls es so etwas wie einen fairen Wert überhaupt gibt, liegt es in der Natur der Dinge, dass Kurse mal darüber notieren - und mal darunter. Wenn die Geschäftsaussichten wie heute (Überinvestition, Verschuldung, Sparmangel, geplatzte Börsenblase) schwach sind, können Aktien erheblich unter das faire Niveau fallen. Und sofern man mit preisbereinigten (realen) Werten rechnet, wie Greenspan es anregt, liegen Gewinne und Kurse doch noch über ihrem langfristigen Trend. Vor allem die Schwergewichte an der Börse bleiben mit äußerster Vorsicht zu genießen, selbst wenn der Markt demnächst zu einer weiteren Bärenrally ansetzen sollte.  

22.07.02 06:22

95440 Postings, 7124 Tage Happy EndZwischen Baisse und Hausse

Investieren in Zeiten des Bilanzbetrugs? Fred Schwed erinnert in seinem Klassiker "Where are the Customers? Yachts?" daran, dass es Möglichkeiten gibt, auch aus dem größten Börsenschlamassel heil herauszukommen.

Wenn es an der Börse eine Hausse gibt und jeder sich um Aktien reißt, dann sollten Sie alle Ihre Aktien verkaufen. Vom Erlös kaufen Sie konservative Anleihen. Die Aktien werden zweifellos weiter steigen, aber darum brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Warten Sie einfach auf die Baisse, die früher oder später kommen wird. Wenn die Baisse oder die Verkaufspanik zu einer nationalen Katastrophe wird, verkaufen Sie Ihre Anleihen (zur Not mit Verlust) und kaufen die Aktien zurück. Die Aktien werden weiter fallen, aber auch das braucht Sie nicht zu kümmern. Warten Sie einfach auf die nächste Hausse. Wiederholen Sie diese Operation, solange Sie leben, und Sie werden das Vergnügen haben, als reicher Mann zu sterben."

Diese Börsenweisheit stammt aus Fred Schweds berühmtem Buch "Where are the Customers? Yachts?", das im Jahr 1940 erstmals erschienen ist. Gerade in trüben Börsenzeiten wie jetzt ist es hilfreich, den Blick vom Tagesgeschehen abzuwenden und eine längerfristige Perspektive einzunehmen. Bilanzierungsskandale, enttäuschende Unternehmensgewinne und pessimistische Prognosen haben die Stimmung an den Börsen gründlich verhagelt.

Die Situation ist von einem allgemeinen Vertrauensverlust geprägt. Mit Enttäuschungen und Kurseinbußen mussten Börsianer zu allen Zeiten leben; BilanzMauscheleien, die von der Schönfärberei bis zum offenen Betrug reichen sind aber zumindest bei Unternehmen von Weltgeltung wie Worldcom, Enron, Xerox oder Vivendi Universal ein seit den frühen 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts überwunden geglaubtes Phänomen.

Bei allem kurzfristigen Schaden für die Aktienkultur haben solche Vorfälle auf lange Sicht aber auch ihren Nutzen. Die Manager wissen, dass Analysten und Anleger vorgelegte Unternehmenszahlen in Zukunft weit akribischer unter die Lupe nehmen und nicht mehr unbesehen glauben werden. Auch die Zeit der Gefälligkeitstestate von Wirtschaftsprüfern dürfte vorbei sein. Wie der Fall Arthur Andersen zeigt, kann so etwas nicht nur die Aktionäre des geprüften Konzerns, sondern auch das Prüfungsunternehmen selbst in den Ruin treiben.

Zunächst aber ist der Schaden angerichtet, und es wird eine Weile dauern, bis das Vertrauen der Anleger wieder hergestellt ist. Selbst positive Konjunkturdaten und überraschend gute Ergebnismeldungen wie jüngst von so bedeutenden Unternehmen wie Dell Computer, General Electric oder Philips werden kaum zur Kenntnis genommen, während sie in einer optimistischeren Börsenphase wahrscheinlich für ein Kursfeuerwerk gesorgt hätten.

Wie "beliebt" Aktien derzeit sind, lässt sich unschwer an den Kursen und an ihrer Entwicklung seit Jahresbeginn ablesen. Und Schweds Börsenweisheit dürfte sich auch diesmal wieder bewahrheiten: Wenn die Stimmung schlechter ist als die Lage und Anleihen Aktien weit outperformen, ist für Langfristanleger die Zeit zum Handeln gekommen. Obwohl jeder Investor zumindest in der Theorie weiß, dass Aktien Langfristanlagen sind, machen sich nur die wenigstens klar, was das in der Praxis für sie bedeutet. Ein heute 30-Jähriger muss sich voraussichtlich noch 45 Jahre lang mit Fragen der Geldanlage beschäftigen; wenn er Glück hat, sogar noch weit länger. Wer Aktienbestände in sehr schwachen Börsenzeiten aufbaut oder aufstockt, hat langfristig die besten Chancen auf lukrative Renditen.

Bei der Auswahl der Aktien sollte man derzeit weniger auf die Ertragskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Cash-Flow-Verhältnis achten als auf die Substanz, sprich: auf eine günstige Relation zwischen Kurswert und Buchwert. Substanzstarke Titel sind nach unten gut abgesichert und dürften am stärksten profitieren, wenn der Trend an den Börsen dreht. Extrem wichtig ist eine gute Diversifizierung des Depots, denn bei aller Sorgfalt kann es passieren, dass sich die eine oder andere Aktie als Flop erweist. Bei großen Portefeuilles sollten nicht mehr als fünf Prozent des Gesamtvolumens auf eine einzelne Aktie entfallen, bei kleineren höchstens zehn.

Die Devise heißt jetzt, sich vom allgemeinen Pessimismus nicht anstecken zu lassen, die gedrückten Kurse zu Käufen zu nutzen. Dass dies nicht immer einfach ist, wusste auch Fred Schwed: "Die Hauptprobleme dabei sind natürlich psychologischer Natur. Man muss Anleihen kaufen, wenn sie allgemein unbeliebt sind, und man muss Aktien kaufen, wenn sie allgemein verabscheut werden. Ich nehme an, dass es tatsächlich ein paar Leute gibt, die so vorgehen, obwohl ich nie das Vergnügen hatte, einen von ihnen zu treffen. Ich nehme das an, weil irgendjemand die Aktien gekauft haben muss, die von den Idioten der Börse zu grausam niedrigen Kursen abgestoßen worden sind."  

22.07.02 11:02
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95440 Postings, 7124 Tage Happy EndDie Panik kommt aus dem Bauch

An der Wall Street regiert der Überlebens-Instinkt. Bloß weg hier, sagen sich die Anleger. Selbst der Chef der New York Stock Exchange malt schwarz.
 
New York - Am Freitag im Hotel Nacional in Havanna, ich bereitete mich gerade bei Coke, Cheeseburger und CNN auf die Rückkehr in den Kapitalismus vor, fiel mein Blick auf den kleinen Kasten auf dem Bildschirm: Dow Jones minus 390 Punkte. Wow. Mein Puls beschleunigte. Was war passiert in Amerika, während der drei Wochen, die ich weg war? Hatten sie New York angegriffen? Hatte Alan Greenspan einen Schlaganfall erlitten?

Nichts dergleichen, stellte sich heraus. Es war alles wie immer. "Another week, another plunge", fasste die "New York Times" am Sonntag trocken zusammen. Neue Woche, neuer Absturz. Insgesamt hatte der Dow Jones weitere 7,7 Prozent verloren, der Nasdaq Composite vier Prozent.

Willkommen zurück an der Wall Street. Alle Leit-Indizes notieren inzwischen unter den Terror-Tiefs vom 21. September. Nasdaq und S&P 500 haben jeweils volle fünf Jahre an Kursgewinnen ausradiert, der Dow Jones immerhin fast vier. Addiert man die Verluste zusammen, kommt man auf sieben Billionen Dollar.

Und es ist noch nicht vorbei. Der Nasdaq könnte bis auf 1000 Punkte fallen, sagen Experten. Der Dow ist so labil geworden, dass es nicht mal mehr einen Auslöser für Crashs im Hundert-Punkte-Bereich braucht. Der Absturz kommt einfach so - zunehmend auch mehrmals pro Woche.

Viele Anleger wollen daher nur noch eins: Raus aus dieser schlimmsten Achterbahnfahrt ihres Lebens. "Ich halte es nicht mehr aus", gestand Nan Hudes gegenüber "Business Week". Die Großmutter verkaufte alle ihre Aktien nach einem der 400-Punkte-Alpträume der vergangenen Wochen. Ihr Verlust: 260.000 Dollar.

So wie Hudes machen es Tausende von Amerikanern: Allein die Abflüsse aus Aktienfonds könnten im Juli 59 Milliarden Dollar erreichen, schätzen die Forscher von Trim Tabs. Das wäre weit mehr als nach dem 11. September.

Die Anlegerflucht wird auch diese Woche die Wall Street dominieren. "Der Markt ist sehr emotional. Wir sehen jede Menge Panikverkäufe", sagte Peter Cardillo, Chef-Stratege von Global Partners Securities, gegenüber "CBS Marketwatch".

Selbst Richard Grasso, Chef der New York Stock Exchange, prognostizierte am Sonntag auf NBC den weiteren Kursverfall: "Der Montag nach einem Freitagsabsturz ist traditionell schwierig, und ich nehme an, dieses Mal wird es nicht anders sein".

Eine Flut von Quartalszahlen wird diese Woche über die Börsianer hereinbrechen. 1500 Unternehmen stellen sich dem Markt. Wie immer werden die Anleger positive Nachrichten ignorieren und sich auf potenzielle Skandalfirmen konzentrieren, darunter AOL Time Warner: Am Mittwoch legt das weltgrößte Medienunternehmen seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten einen Gewinn von 22 Cents pro Aktie (Vorjahr: 32 Cents). Der Umsatz soll von 9,2 auf 10 Millarden Dollar gestiegen sein.

Mindestens ebenso wie die Zahlen interessiert Beobachter derzeit das Management des Medienkonzerns. Nachdem die Nummer Zwei, COO Robert Pittman, vergangene Woche gehen musste, könnte laut "Newsweek" kein Geringerer als Steve Case, AOL-Gründer und Chairman, das nächste Opfer sein. Ein Rücktritt von Case, dem letzten verbleibenden AOL-Veteranen nach dem Abgang Pittmans, würde die AOL-Aktie wahrscheinlich auf neue Tiefstände treiben. Sie dümpelte zuletzt knapp über der Zehn-Dollar-Marke.

Auch der Tech- und Telekom-Sektor bietet erneut reichlich Gelegenheit für Enttäuschungen. Nachdem vergangene Woche Schwergewichte wie Microsoft und Sun mit schwachen Prognosen die Stimmung verdorben haben, treten diese Woche unter anderem 3M, AT&T, SBC Communications, Bell South, JDS Uniphase und Texas Instruments an, um einmal mehr zu verkünden, dass das Investitionsklima weiterhin viel zu wünschen übrig lässt.

Kein Experte will mehr spekulieren, was eine Wende an den Märkten auslösen könnte oder wann dieser Moment zu erwarten ist. Zu oft sind ihre Prognosen eines "Bodens" widerlegt worden. Auch jetzt preisen die Analysten den Markt als "überverkauft" und "billig", doch die Anleger hören schon längst nicht mehr hin. Irrational?

spiegel.de
 

22.07.02 13:57

95440 Postings, 7124 Tage Happy EndZittern vor der Wall Street

Die Lage im Dax bleibt angespannt. Sollte die Wall Street schwach eröffnen, könnte der Index alte Rekordtiefstände testen, sagen Händler. Autotitel und Finanzwerte stehen unter Beschuss. Investoren sorgen sich bei der Deutsche Bank um einen Milliardenkredit an Worldcom.

Hamburg ? Die deutschen Aktienmärkte haben gegen Mittag ihre Tiefstände hinter sich gelassen. Doch die Lage blieb angespannt. Der Dax stand gegen 13.15 Uhr noch mit 2,3 Prozent auf 3804 Zähler im roten Bereich, nachdem er am Freitag mehr als fünf Prozent verloren hatte. Das Börsenbarometer hatte am Montag bereits mit Verlusten von rund vier Prozent bei 3747 Punkten ein Jahrestief markiert. Der Index könne nun bis in den Bereich von 3500 Stellen fallen, meinten charttechnisch orientierte Händler. Hier liegen die Intraday-Tiefs vom September 2001.

Am Neuen Markt konnte der Nemax50 ebenfalls wenig Boden gut machen. Nach Verlusten von rund fünf Prozent betrug das Minus zuletzt 3,3 Prozent auf 528 Zähler. Für den weiteren Verlauf des Handelstages sei entscheidend, wie sich die Wall Street nach den Rekordverlusten am vergangenen Freitag nun schlagen werde. Gegen Mittag standen die vorbörslichen Barometer in New York im roten Bereich.

New Yorker Börsenchef appelliert an die Investoren

Angesichts dramatischer Kursverluste in der vergangenen Woche hat der Chef der New Yorker Börse die Anleger gebeten, in den kommenden Tagen einen kühlen Kopf zu bewahren. "Bitte seien Sie geduldig, tun Sie nichts, was sich emotional gut anfühlt - langfristig wäre das ein Fehler", sagte Börsenchef Richard Grasso am Sonntag (Ortszeit) im US-Fernsehsender NBC angesichts einer befürchteten Verkaufswelle am Montag. "Vergessen Sie nie: Vor Tagesanbruch ist es immer am dunkelsten."

Für heute fürchtete Grasso aber einen weiteren Absturz der Börsen. "Montage nach Freitagsrückgängen waren immer schwierig." Dies werde wohl auch an diesem Montag der Fall sein.

Nur die Post-Aktie kann punkten

Gegen Mittag gab es mit der Deutsche Post  nur einen einzigen Gewinner im Dax. Der Titel kletterte um mehr als vier Prozent auf 10,54 Euro. "Die Gewinne der Aktie sind durch keine neuen Tatsachen oder Gerüchte zu erklären, es ist einfach eine Reaktion auf die starken Verluste der vergangenen Zeit", kommentierte ein Händler in Frankfurt. Noch Ende März hatte der Titel über 17 Euro notiert.

Die Aktie der Deutsche Telekom  konnte ihre Verluste auf rund 0,30 Prozent oder 11,82 Euro reduzieren. Der Konzern will unter dem neuen Vorstandschef Sihler die Sanierung des Unternehmens beschleunigen. Wie der "Focus" vorab berichtet, sollen die Schulden von derzeit 65 auf 50 Milliarden Euro Ende 2003 gesenkt werden.

Halbwegs in Grenzen hielten sich auch die Verluste bei Versorgertiteln. Der Protest gegen die Ruhrgas-Übernahme zeigt erste Wirkung. Abgeschreckt von einem möglichen langen Gerichtsverfahren überlegt Eon -Chef Ulrich Hartmann, auf die Fusion zu verzichten. Die Aktie von Eon verzeichnete zuletzt Verluste von rund einem Prozent auf 51,63 Euro. Die Aktien des Konkurrenten RWE  gaben zuletzt 0,32 Prozent nach.

Kann VW seine Prognosen halten?

Unter Druck dagegen die Aktien der Autobauer. Volkswagen  gaben 4,50 Prozent auf 40,84 Euro ab. Der Konzern könnte das selbst gesteckte Ergebnisziel für 2002 verfehlen. Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" erwarten Analysten rückläufige Verkäufe und hohe Belastungen durch Rabatte und Sonderkonditionen.

Aktien von DaimlerChrysler  reduzierten ihre Verluste auf rund zwei Prozent. Gegen zwei amerikanische Töchter von Mercedes-Benz ermittelt das US-Justizministerium wegen unerlaubter Preisabsprachen. Wie DaimlerChrysler am Freitag in Unterlagen an die US-Börsenaufsicht SEC mitteilte, führe die Kartellrechtsabteilung des US-Justizministeriums eine strafrechtliche Untersuchung durch. Betroffen sind die amerikanische Vertriebstochter Mercedes-Benz USA LLC und deren Tochterfirma Mercedes-Benz Manhattan. Die Aktien des Konkurrenten BMW  verloren rund vier Prozent auf 37 Euro.

Aegon drückt Versicherer tief ins Minus

Zu den Verlierern zählten auch die Titel von Versicherungskonzernen. Allianz  verloren mehr als vier Prozent, Münchener Rück  konnten ihre Verluste leicht auf 2,80 Prozent oder 194 Euro reduzieren. Am Morgen hatte der niederländische Versicherungskonzern Aegon eine defitge Gewinnwarnung herausgegeben. Aegon geht davon aus, 30 bis 35 Prozent weniger zu verdienen als noch im Vorjahr.

Aktien der Deutschen Bank  sind am Montag wegen des Engagement des Finanzinstitutes beim zahlungsfähigen US-Telekomkonzern Worldcom  unter Druck geraten. Die Papiere verloren rund 3,60 Prozent auf 60,85 Euro. WorldCom hatte am Sonntag Gläugigerschutz beantragt und das Engagement der Deutschen Bank mit 1,01 Milliarden Dollar beziffert.

Aktien der HypoVereinsbank  verloren mehr als fünf Prozent auf 24,66 Euro. Die Papiere des Finanzdienstleisters MLP  rutschten um 4,64 Prozent auf 26,29 Euro ab. Auch die Titel der Commerzbank  konnten sich mit Verlusten von rund vier Prozent der Schwäche der Finanztitel nicht entziehen.

Hugo Boss enttäuscht

Auf deutscher Seite enttäuschte der Modekonzern Hugo Boss  am Montagmorgen mit einer Gewinnwarnung die Märkte. Die Aktie brachen in der Spitze um mehr als 20 Prozent ein. "Das Hugo Boss zum dritten Mal innerhalb weniger Monate seine Ergebnisprognose für 2002 gesenkt hat, deutet auf ernsthafte Schwierigkeiten hin", kommentierte ein Händler in Frankfurt.

Wall Street: Das Hoffen auf die Kehrwende

Die amerikanischen Aktienmärkte sind am Freitag nach Handelsschluss in Deutschland weiter abgeschmiert und markierten dabei historische Tiefstände. Der Dow Jones war zeitweilig sogar unter die Marke von 8000 Punkten gerutscht.

Nicht unerwartet hat der US-Telekomkonzern Worldcom  in der Nacht zu Montag Gläubigerschutz beantragt, kann seine Geschäft aber vorerst weiter betreiben. Es handelt sich um die größte Pleite der US-Geschichte.

Vor allem neue Meldungen über mögliche Bilanzunregelmäßigkeiten etwa bei AOL Time Warner  oder einer Tochter des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson  hatten die Aktienmärkte unter Druck gesetzt. Zudem lastete die Sorge um die Entwicklung der Unternehmensgewinne auf den Kursen. Zahlreiche Konzerne hatte in der vergangenen Woche vor allem durch einen schwachen Ausblick die Märkte enttäuscht.

Was macht jetzt der amerikanische Verbraucher?

Jetzt beschleicht Marktbeobachter die Angst, dass die US-Verbraucher im Zuge des anhaltenden Kursverfalls nun mehr Geld auf die hohe Kante legen werden. Damit würde die wichtigste Stütze der US-Konjunktur, der private Konsum, ins Wanken geraten. Erst am Freitag hatte Goldman Sachs  seine US-Wachstumsprognose für das zweite Quartal auf 1,5 Prozent gesenkt. Nicht nur der private Konsument auch die Unternehmen gerieten angesichts der schwachen Aktienmärkte in Bedrängnis. Da die firmeneigenen Pensionsfonds im Zuge der Baisse nun weniger Rendite abwerfen, müssten die Konzerne Geld aus eigener Kasse nachschießen, was die Unternehmensgewinne zusätzlich belasten würde, hieß es.

Wall Street: Vernichtende Bilanz seit Jahresbeginn

Und die bisherige Bilanz an der Wall Street ist erschreckend: Seit Jahresbeginn hat der Dow Jones rund 20 Prozent verloren. Beim S&P 500 sind es rund 26 Prozent. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab bislang rund ein Drittel ab.

Manche glauben an eine Trendwende

Gleichwohl werden Stimmen laut, die eine vor allem von Technologiewerten getragene Trendwende an den Aktienmärkten voraussagen. "Es würde mich nicht wundern, wenn wir in der kommenden Woche den Rebound sehen" sagte etwa Ng Ean Kiam von Credit Agricole Asset Management. Und auch Staranalystin Abby Joseph Cohen von Goldman Sachs glaubt an eine bevorstehende Trendwende an den Aktienmärkten.

Ob sich die Stimmung tatsächlich gebessert hat, dafür werden nächste Woche wieder die Barometer gezückt. In München legt das Ifo-Institut am Donnerstag seinen Geschäftsklima-Index vor. Am Freitag veröffentlicht die Universität Michigan das US-Verbrauchervertrauen für Juli. Die Analysten der WestLB rechnen mit einem verbesserten Index in den USA, glauben allerdings, dass sich das Geschäftsklima in Deutschland etwas verschlechtert hat.

Die Wall Street erwartet heute nach Börsenschluss die Geschäftszahlen von Novellus Systems und Texas Instruments. Im Laufe des Handelstages werden American Express  und Altera ihre Geschäftszahlen präsentieren.

Die asiatische Leitbörse in Tokio ging schwächer aus dem Handel. Der Nikkei gab 0,1 Prozent auf 10.189 Zähler ab.  

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