Marchfirst Deutschland gibt Rätsel auf

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Marchfirst Deutschland gibt Rätsel auf
von Hans-Jost Weyandt

  Marchfirst Deutschland mit Standorten in Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt, Chemnitz und München hat
Insolvenz beantragt. Dies hat das Tochterunternehmen des aus der Fusion von Whitman-Hart,
USWeb/CKS und der Mitchell Madison Group hervorgegangenen weltweit tätigen Internetdienstleisters
auf Nachfrage von NET-BUSINESS bestätigt.

Bereits vor drei Wochen hatte die amerikanische Mutter Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Die
juristische Maßnahme sollte es dem Unternehmen ermöglichen, binnen drei Monaten die Sanierung der
amerikanischen Unternehmensteile durchzuführen. Marchfirst Europa mit seinen 23 Büros wäre davon
nicht betroffen gewesen. Die Organisation hätte unabhängig von den Restrukturierungsmaßnahmen
fortgeführt werden können. Ohnehin hatte Marchfirst Europa in den letzten Wochen erklärt, sich von der
Mutter abzukoppeln und die europäischen Aktivitäten mit einem strategischen Partner zu verschmelzen.
Gerüchte, bei diesem Partner handele es sich um den bisher als Kunden bekannten Springer-Konzern,
will erwartungsgemäß keine der beiden Seiten kommentieren.

Vor einigen Tagen, so PR-Sprecherin Martina Fassbender, habe die amerikanische Mutter Insolvenz nach
Chapter 7 beantragt. Das bedeute ein Scheitern der Sanierung und damit Zahlungsunfähigkeit. Dadurch
habe sich auch die Lage für die europäischen Töchter geändert. "Aus bilanzrechtlichen Gründen müssen
nun auch wir Insolvenzantrag stellen", so Fassbender, "obwohl wir gut aufgestellt sind und es eigentlich
nicht müssten." Als Beleg führt die Sprecherin an, dass weder Mitarbeiter entlassen noch
Kundenaufträge storniert würden. Nähere Angaben könne und wolle das Unternehmen zu diesem
Zeitpunkt jedoch nicht machen. Dass auch Marchfirst Deutschland schlichtweg angeschlagen ist,
dementiert Fassbender. Andere europäische Niederlassungen wollten auch auf Nachfrage keine
Stellungnahme abgeben.

Andreas Luecke, Steuerberater und Bilanzexperte bei Arthur Andersen Hamburg, verweist auf einen
weiteren möglichen Grund für diesen Schritt. "Eventuell ist Marchfirst Deutschland zwar zahlungsfähig,
aber überschuldet. Dann hat das Unternehmen das Problem, dass Verbindlichkeiten gegenüber der Mutter
nicht aus den Bilanzen rausgehalten werden können. Denn die ist nicht mehr in der Lage, das finanziell
aufzufangen." Mit dieser Annahme konfrontiert, deutet Fassbender eine zweite Möglichkeit an: "Vielleicht
wollen wir uns ja auch vor Forderungen der Mutter schützen und haben daher Insolvenz angemeldet?"
Zum Hintergrund: Sobald das Verfahren beantragt und vom Gericht auf Zulassung geprüft wird, kann die
Mutter kein Geld mehr aus ihrer Tochter herausziehen.

So zweifelhaft ein solches Vorgehen auch wäre, es verbesserte die Ausgangslage von Marchfirst
Deutschland: Mögliche Forderungen der Mutter können abgewehrt und die Verhandlungsposition
gegenüber dem Strategischen Partner gestärkt werden. Sollte sich die Beziehung zum
Mutterunternehmen weiter verschlechtern, kann der hiesige Insolvenzverwalter die Zerschlagung der
Tochter beantragen. Der strategische Partner kann das Unternehmen trotzdem bekommen: als Asset-Deal
getarnt in Bruchstücken.

http://www.net-business.de/unternehmen/fullstory.html?id=988996783.1  

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