Machtkampf bei VW

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Machtkampf bei VW

"Die Lage ist hochexplosiv"

Showdown in Wolfsburg: Aufsichtsratsboss Piëch will Konzernchef Pischetsrieder offenbar um seinen Posten bringen. Doch der Ausgang der Kraftprobe ist ungewiss.
Von Karl-Heinz Büschemann

In der Spitze des VW-Konzerns wurde die neue Auseinandersetzung als gravierende eingeschätzt. ?Wir nehmen das sehr ernst. Pischetsrieder weiß, dass es Spitz auf Knopf steht?, sagte ein VW-Manager der Süddeutschen Zeitung. ?Die Lage ist hochexplosiv?. Über Piëchs Wunschkandidaten Winterkorn hatte es am vergangenen Wochenende in Medienberichten spekulativ geheißen, er werde wahrscheinlich demnächst zum VW-Chef aufrücken. Der 58-Jährige hatte danach sein Interesse aber dementiert.

In einem Interview mit dem Wall Street Journal sagte Piëch, der von 1993 bis 2002 VW-Konzernchef war, die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien geschlossen gegen den Verbleib von Pischetsrieder. Das Kontrollgremium sei in dieser Frage gespalten. Er selbst werde im Zweifelsfalle aber für Pischetsrieder votieren. Piëch hatte den früheren BMW-Chef an die Spitze des größten europäischen Autokonzerns geholt. Der Aufsichtsratsvorsitzende wies auf die Macht der Arbeitnehmer hin. ?Ich kenne kein deutsches Unternehmen, in dem jemand überleben konnte, der die Stimmen der Arbeitnehmer gegen sich hatte.?

Land Niedersachsen und Porsche überrascht

VW-Manager weisen darauf hin, dass Piëch in dem Interview kein Wort der Würdigung für Pischetsrieders? Arbeit gefunden, sondern Kritik geäußert habe. So bemängelte Piëch, dass Pischetsrieder das Luxusauto Phaeton, das ein Lieblingsprojekt des früheren Konzernchefs war, wegen schlechter Verkaufszahlen vom US-Markt genommen habe. Von Piëch ist bekannt, dass er Zweifel an der Strategie seines Nachfolgers hat.

Piëchs Äußerungen sind beim Land Niedersachsen wie bei der Porsche AG, die beide mit knapp 20 Prozent an dem Unternehmen beteiligt sind, auf Überraschung gestoßen. Das berichten Kreise, die dem Aufsichtsrat nahe stehen. Von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wie vom Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist bekannt, dass sie beide hinter Pischetsrieder stehen. Wiedeking wie Wulff wollten den Audi-Chef Winterkorn nicht an der Spitze des größten europäischen Autokonzerns sehen.

Erst im Januar sei zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch, der Porsche AG und dem Land Niedersachsen vereinbart worden, dass der Vertrag von Pischetsrieder im Mai für fünf Jahre verlängert werde. Der VW-Gesamtbetriebsratsratsvorsitzende Bernd Osterloh teilte mit, die Vertragsverlängerung für Pischetsrieder stehe zur Zeit nicht an. ?Wir werden Spekulationen zu Personalien keine neue Nahrung geben.?

VW kämpft mit Überkapazitäten und hat eine Sanierung angekündigt. 20.000 von gut 100.000 deutschen Arbeitsplätzen sind in Gefahr. Die Sanierung, die vor allem vom Markenchef der an der Verlustgrenze arbeitenden Kernmarke VW, Wolfgang Bernhard, betrieben wird, hatte zuletzt zu heftigem Streit mit dem Betriebsrat geführt. Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, die Arbeitnehmervertreter kritisierten die Forschheit des Ex-Mercedes-Managers Bernhard.

Piëch will weiter mitreden

Wiedeking und Wulff wurden offenbar auch von Piëchs Plänen überrascht, im VW-Aufsichtsrat bleiben zu wollen. Nach dem Einstieg von Porsche hatten Wulff, Wiedeking und Piëch sich im Januar darauf geeinigt, dass der Aufsichtsratsvorsitzende seinen Posten im Frühjahr 2007 räumen werde. Doch offenbar will Piëch weiter bei Volkswagen mitreden.

Auch wenn er nur noch als einfaches Mitglied im Kontrollgremium sitze, werde das seinen Einfluss nicht verringern. ?Ich muss nicht Vorsitzender sein, um die richtigen Ideen in das Unternehmen zu bringen.?

(SZ vom 2. März 2006)
 

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