MONEY-Börse,Top-Manager mit Rhetorik-Schwäche

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eröffnet am: 31.03.08 08:33 von: buran Anzahl Beiträge: 1
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245706 Postings, 5196 Tage buranMONEY-Börse,Top-Manager mit Rhetorik-Schwäche

MONEY-Börse
Top-Manager mit Rhetorik-Schwäche
Warum sind Deutschlands Top-Manager so erstaunlich schwache Redner, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten, wundert sich FOCUS-MONEY-Redakteur Markus Voss.


Löscher, Obermann, Funke: Die Chefs von Siemens, Telekom und Hypo Real EstateAn die Achterbahnfahrt der Börse haben sich die Anleger mittlerweile gewöhnt. Verliert der Dax einmal ?nur? 0,2 Prozent, wie Freitagmittag, gilt das schon fast als Stabilisierung. Irritierend bleiben jedoch extreme Kurskorrekturen, wie sie in den vergangenen Wochen bei der Hypo Real Estate, der Telekom oder Siemens zu beobachten waren. Binnen weniger Stunden lösten sich Milliarden an Börsenwert in Luft auf. Schlechte Nachrichten werden von der Börse zu Recht bestraft. Schlimm wird es für die Aktionäre jedoch, wenn schlechte Nachrichten vom Vorstand auch noch schlecht verkauft werden, weil er die Börsenreaktion einfach unterschätzt hat. ZUM THEMA
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Ein gutes Beispiel lieferte diese Woche die Hypo Real Estate: Im Januar hatte das Unternehmen nach einer überraschenden Gewinnrevision um 295 Millionen Euro 37 Prozent seines Börsenwerts verloren. In Zahlen waren das zwei Milliarden Euro, das Siebenfache der abgeschriebenen Summe. Grund dafür war, dass Vorstandschef Georg Funke, der noch im November Wertberichtigungen steif und fest ausgeschlossen hatte, in den folgenden Presse- und Analystenkonferenzen ein schwaches Bild abgab. Dass er nicht erklären konnte, warum der Wertverfall im Portfolio so spät erkannt wurde und wie groß die verbleibenden Risiken überhaupt sind.

Am Donnerstag trat Funke wieder vor die Presse. Diesmal hatte er nicht nur den kompletten Jahresabschluss dabei. Eigens angeheuerte Berater hatten ihm dazu einen Foliensatz erstellt, der keine Fragen offen ließ. Der Markt bekam die lange ersehnte Transparenz über die Risiken der Bank ? und Funke einen Kursgewinn von fast 13 Prozent. Aus Sicht der Aktionäre ist das ärgerlich. Denn der Fall zeigt, welcher Schaden hätte vermieden werden können, wenn der Vorstand im Januar besser kommuniziert hätte. Das Niveau, von dem sie damals fiel, hat die Aktie nämlich noch lange nicht erreicht.

Missverständnis sorgt für Kursdesaster

Der Telekom kostete Mitte März ein Missverständnis Milliarden. Festnetzchef Timotheus Höttges hatte gesagt, dass der Konzern in der T-Home-Sparte an der Kostenschraube drehen müsse und weitere Kunden im Festnetzgeschäft verlieren werde. Die Börse interpretierte das als Gewinnwarnung ? und wertete die Telekom um sechs Milliarden Euro ab. Schon öfter hatte Höttges auf den drohenden Kundenschwund hingewiesen. Doch Investoren gingen davon aus, dass die nun von Höttges erwähnten Probleme noch hinzukämen. So hatte es der Manager aber gar nicht gemeint. Der Konzern stellte das umgehend richtig. Trotzdem blieb der Kurs der T-Aktie im Keller.

Siemens-Chef Peter Löscher dachte richtig, als er mit der Gewinnwarnung vor zwei Wochen das Versprechen verband, seine Mittelfristprognose bis 2010 trotzdem einzuhalten. Doch die Börse glaubte ihm nicht. Das liegt weniger an der Person Löscher als daran, dass Siemens-Manager viel zu oft eigene Probleme kleingeredet haben. Dieses Bild wieder zu korrigieren wird Jahre dauern.

Soziale Kompetenz als Führungskriterium

Sind deutsche Vorstände schlechte Kommunikatoren? Könnte ein bisschen mehr Klarheit und Esprit bei öffentlichen Auftritten gar den Aktienkurs heben? In den Aufsichtsräten hat die Debatte darüber tatsächlich begonnen: ?Wir müssen die kommunikative Kompetenz unserer Führungskräfte stärker ausbilden?, bekannte Allianz-Aufsichtsratschef Henning Schulte-Noelle Anfang März bei einer Podiumsdiskussion auf dem 15. Münchner Management-Kolloquium. Der knorrige Manager, eine Ikone der Deutschland AG, gab sich ungewohnt einsichtig: ?Wir haben Führungsstärke lange verwechselt mit Fachkompetenz und dem Erreichen von Performance-Indikatoren?, sagte Schulte-Noelle. Dann kam dem knorrigen Manager ein Satz über die Lippen, den man aus seinem Mund wohl am wenigsten erwartet hatte: Auch ?soziale Kompetenz? sei wichtig, nuschelte Schulte-Noelle.

Er meinte damit, dass ein Konzernchef seine Aussagen auch in den gesellschaftlichen Kontext einordnen muss. Unvergessen der Fauxpas, den sich einst Deutsche-Bank-Chef Ackermann leistete, als er die Verkündung eines Rekordgewinns mit der Ankündigung von Entlassungen verknüpfte. ?Blöder geht?s nicht?, bemerkte der frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel, der in München neben Schulte-Noelle auf dem Podium saß. Das zeige, wie sich einige Manager von der Realität entfernt hätten. ?So was zerstört den Kitt in unserer Gesellschaft?, ergänzte Vogel. Im Mittelstand käme niemand auf die Idee, solche Meldungen abzugeben. Dort herrsche mehr Realitätssinn.  
http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/...-boerse_aid_267374.html  

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