Letzte Chance Ich-AG

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neuester Beitrag: 08.02.05 17:18
eröffnet am: 06.02.05 16:34 von: Hartz5 Anzahl Beiträge: 17
neuester Beitrag: 08.02.05 17:18 von: Hartz5 Leser gesamt: 518
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06.02.05 16:34

1720 Postings, 5790 Tage Hartz5Letzte Chance Ich-AG

Hab gerade ein paar Zahlen reinbekommen, die in etwa mal verdeutlichen, welchen Umfang dieses Gebilde mittlerweile annimmt.

Für unser Bundesland NRW kann man folgendes (vorläufig) festhalten:
Auch im Januar 2005 haben sich gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als doppelt so viele ICH-AGler (36767) gegründet. Bundesweit waren es im letzten Monat 239147, so daß 15% aller ICH-AG-Gründungen in Nordrhein-Westfalen stattfanden (Daten von der Regionaldirektion für Arbeit NRW).  

06.02.05 17:40

68893 Postings, 6057 Tage BarCodeDa 22% der Bundesbürger in NRW leben

überrascht die Zahl nicht, dass 18% der Ich-AGs dort gegründet werden. Die Idee mit der Ich-AG finde ich prinzipiell gut, weil sie die Leute motiviert, mal selbständig was auszuprobieren. Wenn davon am End nur 20-30% erfolgreich für sich einen Job geschaffen haben, wäre das doch ein Riesenerfolg, oder?

Gruß BarCode  

08.02.05 12:08

1720 Postings, 5790 Tage Hartz5Ich weiß nicht, BarCode, ich weiß nicht

Sicherlich ist es sinnvoll, wenn Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und dies staatlich gefördert wird. Ob es Sinn macht, dies aus einer Drucksituation heraus zu machen, erscheint mir sehr zweifelhaft.

Schaut man auf die Statistiken der Kammern, so ist das Risiko zu scheitern extrem hoch. Vorallem wenn man sich mal den mittleren Zeitraum ansieht. Volkswirtschaftlich wird man in der Summe sicherlich ein Plus aufweisen können.

Die Mehrzahl der Ich-AG Gründer hätte unter anderen Umständen dieses Vorhaben nicht realisiert. Selbst "normale" Gründer einer selbständigen Existenz, haben i.d.R. einen "Notfallplan", wenn dieses Vorhaben scheitert. Wieviele Ich-AGler können überhaupt aus ihrer Situation heraus etwas ähnliches vorweisen?

Ich habe mir einige Unterlagen zu den Existensgründungsseminaren angeschaut. Diese sind i.d.R. sehr gut gemacht und arbeiten auch sehr schön die Fehler heraus, die Existenzgründungen so oft scheitern lassen. Eine Garantie, daß durch deren Befolgung, eine Gründung erfolgreich ist, geben sie allerdings nicht. Der Themenkomplex, wie man am Besten im Fall eines Scheiterns vorgeht, wird überhaupt nicht behandelt.

Aufgrund der o.g. Gründe vermute ich, daß der Anteil derjenigen die scheitern werden noch höher ausfällt, als die Statistiken bisher schon ausweisen. Aber vielleicht läßt pure Existenzangst ja Flügel wachsen.

Welche Möglichkeiten hat ein Ich-AGler denn? Wenn er für sein Vorhaben viel Geld braucht, dann wird er den größten Teil wohl fremdfinanzieren müssen, denn davon auszugehen, daß Arbeitslose über hohe Vermögen verfügen sollte man wohl eher nicht. Als zweites könnten sie ihre Haut zu Markte tragen, sprich mit den Fertigkeiten und Kenntnissen, die sie besitzen, Dienstleistungen anbieten. Hier ist der Fremdkapitalanteil sicherlich geringer, da man aber davon ausgehen kann, daß sie in den meisten Fällen auf schon vorhandene Märkte stoßen, wird der Einstieg wohl hauptsächlich über den angebotenen Preis erfolgen, was wiederum mehr Verdrängung zur Folge hat und im Endeffekt auf ein Nullsummenspiel hinauslaufen könnte mit dem Effekt weiter fallender Preise.

Die Vorbereitungszeit um eine Existenz zu planen, die sich aus dem Stehgreif selber trägt, sprich sich und ggf. eine Familie zu ernähren, erscheint mir viel zu gering. Die Förderung, die sich eigentlich nur auf die Abdeckung eines Teils der Sozialversicherung beschränkt, ist meines Erachtens auch vie zu gering bemessen.

Wie diese Gründer nun in der Arbeitslosenstatistik geführt werden, bleibt mir weiterhin unklar. Fallen sie mit der Gründung ihres Unternehmens raus und man schaut alleine auf die Gründungszahlen eines Monats (da immerhin rund eine Viertelmillionen) dann könnte da eine Zeitbombe ticken, die noch für einige lange Gesichter sorgen könnte. Aber ich betone nochmal, es wird immer schwerer aus der Arbeitslosenstatistik überhaupt noch einigermaßen reelle Zahlen abzuleiten.

Was das Scheitern für einen Ich-Agler ganz persönlich bedeutet und natürlich auch finanziell, mag sich jeder selber ausmalen. Kommt es dadurch zur privaten Insolvenz, dann werden dadurch Langzeitarbeitslose erzeugt, für die selbst bei vorhandenem Willen, eine Arbeitsaufnahme nicht wirklich lohnt und alle Anreize sind auf Jahre hin verloren.

Kleiner Witz dazu:
Treffen sich zwei Unternehmer. Sagt der eine zum anderen: "Beim nächsten Mal wähle ich auch Schröder". Sagt der andere: "Bist du bescheuert". Daraufhin der Erste: "Ganz im Gegenteil. Unter Kohl hatte ich 100 Konkurrenten unter Schröder nur noch 50".  

08.02.05 12:15

12850 Postings, 6721 Tage Immobilienhaidurch ich-ag's werden arbeitslosenzahlen gesenkt

wer eine ich-ag gründet ist selbständig, wenn er scheitert, dann ist er sozialhilfefall. es gibt keinen weg aus der gescheiterten selbständigkeit in die arbeitslosigkeit. wenn die ich-ag gescheitert ist, sind die leute trotzdem raus aus der arbeitslosenstatistik.  

08.02.05 12:19

473 Postings, 6465 Tage kant@Hartz5

wie die Gründer einer Ich-AG in der Arbeitslosenstatistik geführt werden, fragst Du? Ich kann es Dir sagen: sie werden darin überhaupt nicht mehr geführt, da sie als Selbständige gelten.
Die Bezüge, die man mit Hilfe der Ich-AG bezieht sind (nach abzug der KV und RV) immer noch besser als diejenigen der Arbeitlosenhilfe/Sozialhilfe. Das ist für viele Gründer der Hauptgrund, als Ich-AG herumzulaufen, was ja in aller Regel total hoffnungslos ist - aber, man hat wieder ein Jahr Knete zum Überleben.
Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang auch die Zuwendungen die als "Begleitung" in die Selbständigkeit gelten. Das scheint mir unter den Betrachtern all dieser Errungenschaften weitgehend unbekannt zu sein, daß man aus den fadenscheinigsten Pseudo-Gründen noch zwischen 1.000 und 3.000 Euro obendrauf bekommt. Man braucht nur einen Strohmann, der die REchnung schreibt, z.B. "Vertriebs-Schulung". Man sieht, eine Ich-AG lohnt "volle Pulle" und ist weitaus besser als der sofortige Übergang in die Sozialhilfe!
 

08.02.05 12:21

1720 Postings, 5790 Tage Hartz5@Immobilienhai

Sehe ich nicht so, denn sie sind ja arbeitsfähig und damit ALG2 berechtigt. Sie müßten also wieder in der Statistik auftauchen.  

08.02.05 12:21

19522 Postings, 7071 Tage gurkenfredsicher immo?? dachte, wenn die

arbeitsfähig sind, sind sie auch automatisch im ALG 2 drin und nicht in der sozialhilfe. wäre nach m.a. auch logisch...

mfg
GF

 

08.02.05 12:22

19522 Postings, 7071 Tage gurkenfred@hartz: du warst schneller, hihihi.

08.02.05 12:24

12850 Postings, 6721 Tage Immobilienhainein gurke, eben nicht, selbständige haben kein

alg2-anrecht. das ist doch der scheisstrick mit den ich-ag's. nur wer vorher mal irgendwie in nem arbeitnehmerarbeitsverhältnis gestanden hat bekommt das. als selbständiger bist du weiterhin aussen vor.  

08.02.05 12:27

1720 Postings, 5790 Tage Hartz5@kant

Was mit Tricksereien geht weiß ich nicht. Habe auch die genauen Zahlen nicht im Kopf, wieviel an Zuschuß für die Ich-AGler bezahlt wird. Meine aber das ist nicht viel und degressiv und dabei auch noch zweckgebunden. Im Gegensatz zum Überbrückungsgeld, welches für eine Zeit von 6 Monaten erheblich mehr war, als das Arbeitslosengeld oder die Arbeitslosenhilfe. Ob es das Überbrückungsgeld in der alten Form überhaupt noch gibt ist mir auch nicht bekannt.  

08.02.05 12:29

36221 Postings, 6105 Tage Taliskernein immobilienhai,

nach Scheitern der Ich-AG bekommst du als erwerbsfähiger Sozialhilfeberechtigter ALG2 und bist in der Statistik.
Du würfelst Arbeitslosengeld und ALG2 durcheinander.
Gruß
Talisker  

08.02.05 12:37

129861 Postings, 6044 Tage kiiwiiIm nächsten Jahr, passend zur Wahl, sind die

meisten pleite und wieder in der Statistik (ALG II, jetzt aber der Gruppe der "Sozialhilfempfänger" zuzurechnen).

Ausserdem kommen im Lauf der Jahre 2005 und 2006 soviele neue Arbeitslose aus verlagerten Jobs hinzu, daß der Statistik das bißchen "Ich-AG-Tricksen" auch nicht mehr hilft und auch nicht mehr anzusehen sein wird.


MfG
kiiwii  

08.02.05 13:22

25951 Postings, 6916 Tage Pichelda gehör ich auch bald dazu ;-( o. T.

08.02.05 13:26

473 Postings, 6465 Tage kant@Hartz5

Ich weiß nicht, was Du mit Überbrückungsgeld meinst, das wovon ich spreche nennt sich "Begleitende Hilfen für Existenzgründer nach §3 der ESF Richtlinien", ein Fond aus Mitteln der EU.
Die Ich-AG ist m.E. in 99% aller Fälle eine Farce und wie KIIWII ganz richtig sagt, wird das mit einem großen Aufwschwung bei den Zahlen der Sozialhilfeempfänger enden.
 

08.02.05 14:05

19522 Postings, 7071 Tage gurkenfredmit anderen worten: es ist wie immer

keiner weiß es so richtig, aber jeder sagt was dazu....
wo kommen die gescheiterten ich-ag´s nun hinterher rein??? sozialhilfe oder ALG 2???

mfg
GF

 

08.02.05 14:51

129861 Postings, 6044 Tage kiiwiipichel, was ist los?

Habs schon im TTT-Thread gesehen. shortsqueeze ?

MfG
kiiwii  

08.02.05 17:18

1720 Postings, 5790 Tage Hartz5@kant

hab ich jetzt begriffen. Fällt aber wohl unter den Stichpunkt Trickserei mit klarer Ausrichtung auf Betrug. Bleibt allerdings die Frage wieviel dieses überhaupt betreiben.

Hier mal die Höhe der regulären Zuschüsse und ohne wirkliche Gewinnabsicht bei Unternehmensgründung reichen die nicht zum Leben.

"Förderung der Gründung einer Ich-AG
Das Arbeitsamt zahlt einen Existenzgründungszuschuss. Der Gründungszuschuss ist ein monatlicher pauschaler Betrag zur sozialen Sicherung des Gründers. Dieser monatliche Zuschuss ist steuerfrei und wird längstens drei Jahre gezahlt. Der monatliche Existenzgründungszuschuss unterliegt auch nicht dem Progressionsvorbehalt und beläuft sich nach Beendigung der Arbeitslosigkeit auf:

600 Eur im ersten Jahr
360 Eur im zweiten Jahr
240 Eur im dritten Jahr
Der Zuschuss ist auf längstens drei Jahre begrenzt. Die Bewilligung des Zuschusses erfolgt jeweils für ein Jahr und wird bei Nachweis der Förderungsvoraussetzungen verlängert. Derzeit ist die neue Förderung bis Ende 2005 befristet. Während des Bezugs des Existenzgründungszuschusses sind Existenzgründer in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig und können auch an der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung teilnehmen. Die Sozialversicherungsbeiträge müssen vom Existenzgründer selbst gezahlt werden. Es sind aber reduzierte Beitragssätze vorgesehen. Bei Misserfolg der selbständigen Tätigkeit kann bei Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, diese vor Ablauf der dreijährigen Förderdauer wieder geltend gemacht werden."

Hier das Überbrückungsgeld, wobei ich nicht weiß, ob es dies überhaupt noch gibt. In der Vergangenheit waren daran höhere Anforderung bzgl. des Nachweises auf eine erfolgreiche Unternehmensgründung gekoppelt (eine dritte Stelle (IHK o.ä) mußte bescheinigen, daß die Unternehmung Erfolg haben könnte). Das Geld reichte auf alle für ein gutes Leben in den sechs Monaten und lag deutlich höher als der jeweilige Satz beim Arbeitslosengeld oder -hilfe. Zudem wahrte man seine Ansprüche auf Stütze bis zu zwei Jahren.

"Alternative zum Existenzgründungszuschuss: Das Überbrückungsgeld
Alternativ - aber nicht zusätzlich - kommt auch eine Förderung durch das Arbeitsamt durch Gewährung des Überbrückungsgelds nach § 57 SGB III in Betracht. Das Überbrückungsgeld wird aber nur für sechs Monate gezahlt. In vielen Fällen wird die Alternative "Existenzgründungszuschuss zur sozialen Sicherung für 3 Jahre" günstiger sein, zumal beim Überbrückungsgeld kein Rechtsanspruch auf Zahlung besteht und ein Antragsverfahren bei der Industrie- und Handelskammer erforderlich ist, in dem der Gründer nachweisen soll, dass die beabsichtigte Firmengründung überhaupt Aussicht auf Erfolg hat. Im Einzelfall ist jedoch abzuwägen. Beim Überbrückungsgeld gibt es keine Einkommensgrenze und es dürfen fremde Mitarbeiter beschäftigt werden. Das Arbeitsamt berät und hält Unterlagen für die Förderung von Existenzgründern bereit."  

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