Leserhinweis zu Abfindungsangeboten

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neuester Beitrag: 10.05.01 19:14
eröffnet am: 10.05.01 13:37 von: das Zentrum. Anzahl Beiträge: 3
neuester Beitrag: 10.05.01 19:14 von: numpsi99 Leser gesamt: 187
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10.05.01 13:37
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3357 Postings, 7020 Tage das Zentrum der M.Leserhinweis zu Abfindungsangeboten

Leserhinweis zu Abfindungsangeboten



Zu unserem HV-Bericht Steinbeis-Temming erhielten wir per Email folgende Hinweise eines Aktionärs, der auf wichtige steuerliche Hintergründe hinweist und die wir aus diesem Grund im Folgenden originalgetreu veröffentlichen.
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Sehr geehrter Herr Schrade,
sehr geehrte Damen und Herren,

tauche mal wieder in einem Ihrer Berichte auf. Der Autor fragte mich in einer Pause nach meinem Namen, so daß hier dieser mal richtig geschrieben ist.

Grundsätzlich ist der Bericht gut und sachlich geschrieben. Aber eine Anregung: Einstimmigkeit der Abstimmung kam dadurch zu Stande,daß die börsennotierten Vorzugsaktien nicht zur Abstimmung zugelassen wurde.

Wesentlicher ist aber folgender ASPEKT; den ich und auch Richard Meyer sowie Schramer mehrfach angesprochen habe: Steuerlich ist eine Umwandlung einer AG in eine Personenegesellschaft für einen Steuerinländer, der nicht wesentlich beteiligt ist und die Aktien im Privatvermögen hält, eine Katastrophe.

Folgender Beitrag ist deshalb irreführend:

"Für die noch investierten Aktionäre könnte ein Verbleiben in der umgewandelten Gesellschaft zum einen wegen eines für die Vorzugsaktionäre möglicherweise positiven Ausgangs des Spruchstellenverfahrens (soweit dies von einem der Gesellschafter angestrengt wird), zum anderen wegen der angekündigten Ausschüttung der Differenz zwischen Eigenkapital und gezeichnetem Kapital in Höhe von 7 Mio. Euro (entsprechend 7,33 Euro pro Aktie) interessant bleiben, zumal auch ein späteres Ausscheiden aus der KG zu 62 Euro je eingebrachter Aktie nach dem auf der HV beschlossenen Gesellschaftsvertrag möglich ist."

Die Aussage ist zwar hier mal in puncto der 62 Euro zutreffend, aber unabhängig vom Anschaffungspreis der Aktien muß ich den über Buchwert liegenden Anteil der Aktie versteuern. Hierbei gibt es weder Freibetrag noch Steuerfreiheit von Spekulationsgewinnen. Diese führt z. B. bei mir (830 Aktien zu ca. 62 Euro erworben) zu einem "Gewinn" (62 Euro minus Buchwert) von ca. 30 Euro pro Aktie.

Also, wenn ich irgendwann, auch nach Ablauf der Spekulationsfrist, als Komannditist das Angebot zu 62 Euro annehme, so muß ich auf diese 50 TDM volle Steuern zahlen, obwohl meine Anschaffungskosten genau so hoch waren. Gewinne, die erwirtschaftet, aber nicht ausgeschüttet werden, muß ich ebenfalls als Mitunternehmer voll versteuern. Freibeträge wie für Dividenden gibt es nicht.

Sollten Sie weitere Informationen hierzu wünschen, stehe ich Ihren gern zur weiteren Sachaufklärung zur Verfügung. Das Problem ist, daß nicht nur Ihr Autor diese steuerliche Problematik nicht richtig kennt, sondern die meisten Aktionäre diese Brisanz auch auf der Hauptversammlung nicht kapieren. Deshalb die oft erbitterten Streitereien zwischen lästigen Aktionären und der Verwaltung.

Würde mich freuen, wenn Sie die Aktionäre von Gesellschaften, bei denen Umwandlung bevorsteht, auf diese steuerlichen Katastrophen für jeden Kleinaktionär aufmerksam machen.

MfG
Oermann


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Wir danken Herrn Oermann für diese wertvollen steuerlich pikanten Hinweise und bitten betroffene Aktionäre um Berücksichtigung bei ihren Investments sowie um Rücksprache mit einem Steuerberater, um Vermögensschäden durch falsches Verhalten bei Abfindungsangeboten zu vermeiden.

 

10.05.01 18:43

3357 Postings, 7020 Tage das Zentrum der M.nur 34x gelesen ? o.T.

10.05.01 19:14

532 Postings, 6892 Tage numpsi99Ich war der 60. Leser ...

Zwar ziemlich spezieller Fall, aber danke für die plastische Darstellung.
In der Theorie war mir das Verfahren bekannt, aber Du hast den steuerlichen Nachteil sehr deutlich und plakativ dargestellt, sodaß mir die Auswirkungen jetzt so richtig greifbar bewußt werden. Besonders der Part, daß nicht Anschaffungswert sondern der Buchwert entscheidend ist, war mir schlichtweg nicht mehr klar.
Die Praxis ist eben die beste Schule.

Thanks

Numpsi 99

 

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