Kurz vor der Wahl ...

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eröffnet am: 12.09.05 19:57 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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Kurz vor der Wahl ...

von Martin Weiss

In der ersten vollen September-Woche schaffte der deutsche Leitindex zum Wochenschluss hin den Sprung über die psychologisch wichtige Marke von 5000. Der Dax konnte seit Anfang September beachtliche 3,7 Prozent zulegen.

Fürwahr, die extrem feste Entwicklung im saisonal eigentlich eher schwächeren Börsenmonat September vermag auf den ersten Blick schon zu überraschen. Vielleicht sogar umso mehr, da auch die Zahl der Optimisten wieder extrem hoch ist. Knapp zwei Drittel aller Investoren befinden sich im Bullenlager, nicht einmal ein Viertel ist bearish.

Sicherlich, die Hoffnung auf einen Regierungswechsel scheint den deutschen Aktienmarkt immer noch zu beflügeln. Seit der Ankündigung der Neuwahlen im Mai diesen Jahres konnten sich deutsche Aktien von der US-Leitbörse deutlich abkoppeln. Während die US-Märkte tendenziell eher seitwärts liefen, schaffte der Dax seit dem 22.5. ein stattliches Plus von gut 15 %.

Gewiß, politische Börsen haben langfristig gesehen immer kurze Beine.
Dennoch sind vor dem Hintergrund der kommenden Wahlen durchaus Verwerfungen im Bereich des Möglichen. Insofern könnte dem Dax schon ein deutlicher Rückschlag drohen, wenn der wie von vielen Marktbeobachtern bereits eingepreiste Regierungswechsel (sprich eine schwarz-gelbe Bundesregierung) nicht zustande kommt.

Im Hinblick auf die Top-Wahlkampfthemen fiel schon auf, dass die langfristig entscheidenden Fragen (Demographie, Staatsverschuldung, globalisierte Arbeitsmärkte) eher im Dschungel von diversen Steuerreformvorschlägen untergingen.

Wie auch immer, nur am Rande wurde erwähnt, dass jeder Säugling in Deutschland mittlerweile mit einer offen ausgewiesenen Staatsschuld von knapp 17000 Euro das Licht der Welt erblickt. Oder, anders formuliert, dass mittlerweile mehr als ein Fünftel aller Steuereinnahmen für die Zinstilgung des Staatsschuldenbergs verwandt werden müssen. Seltsamerweise wird auch nicht einmal ansatzweise von der Tilgung der Staatsschulden gesprochen. Letztlich ist dies wohl eher unbeachtlich, zumal im Verlauf der Jahrzehnte die Staatsschuld bereits auf mehr als 330 Prozent der Steuereinnahmen angestiegen ist.

Angesichts dieser Daten ist es schon sehr überraschend, dass die Renditen von Bundesanleihen weiterhin fast schon exzessiv tief sind.
Gewiss wirkt diese im historischen Vergleich extrem niedrige Verzinsung sicherlich auch stützend auf den Aktienmarkt. Wirklich spannend dürfte es aber werden, wenn diese Entwicklung kippt und die Renditen wieder eher tendenziell zulegen.


In diesem Kontext sollte sehr genau auf die weitere Entwicklung bei den Energiepreisen geachtet werden. Sicherlich, noch scheint nicht zuletzt aufgrund fehlender Zweitrundeneffekte (sprich kaum
Reallohnsteigerungen) bzw. auch mangels starker Preissteigerungen bei nachwachsenden Agrarrohstoffen die Inflation im Griff zu sein. Dennoch gilt es, diese latenten Inflationsgefahren keinesfalls zu unterschätzen.

Vor dem Hintergrund dieser strukturellen Problemberge vermag es kaum zu verwundern, dass der Preis für das gelbe Edelmetall tendenziell eher weiter fest bleibt. Ohnehin sprich auch im historisch saisonalen Vergleich einiges dafür, dass Gold auch kurzfristig zulegen könnte.

Es wäre wahrlich keine große Überraschung, wenn zum Jahresende hin die Bandbreite zwischen 480-500 $ je Feinunze erreicht wird ...

Gruß Moya

 

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