Kondom als Maßanzug

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 01.12.06 18:07
eröffnet am: 01.12.06 17:50 von: permanent Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 01.12.06 18:07 von: nobody ... Leser gesamt: 1421
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

01.12.06 17:50
1

20752 Postings, 6151 Tage permanentKondom als Maßanzug

HANDELSBLATT, Freitag, 1. Dezember 2006, 15:56 Uhr
Kondomhersteller fertigt auf Bestellung an

Ein Maßanzug für deinen Johnson

Von Felix Wadewitz

Kondome von der Stange sind oft zu klein oder zu groß ? ein deutscher Hersteller schafft Abhilfe. Mit Hilfe einer Messvorlage aus dem Internet kann Mann sich das passende Präservativ maßschneidern lassen.



Ein Plakat einer Aids-Aufklärungskampagne, das für Kondome wirbt. Foto: dpa
Bild vergrößernEin Plakat einer Aids-Aufklärungskampagne, das für Kondome wirbt. Foto: dpa

PENANG. Es ist wie beim Schneider. Nur dass Mann in diesem Fall selbst Hand anlegt. ?Folgen Sie den Instruktionen, um ihren Johnson abzumessen?, so beginnt die Bedienungsanleitung. ?Johnson?, das steht da tatsächlich. Die Messvorlage findet Mann auf der Internetseite » www.condomania.com zum Ausdrucken.

Zuerst wird der Papier-Penis mit den vielen Zahlen und Buchstaben ausgeschnitten. Dann wird Maß genommen. Die Länge wird durch einen Buchstaben angegeben ? J ist ganz klein, G ganz groß. Der Umfang ergibt sich, wenn das Maßband um den ?Johnson? gewickelt wird. Die Zahlen (33, 55, 77) sind keine Zentimeterangaben, nur Bestellcodes. Die Kombination aus Buchstabe und Zahl ergibt dann das passgenaue Kondom: L77, N99, A55 und so weiter. Addiert man die verschiedenen Kombinationen aus Länge und Umfang, kommt man auf insgesamt 70 verschiedene Größen.

Die Marke mit den maßgeschneiderten Präservativen heißt ?They fit?, und sie will den Markt für Kondome revolutionieren. Der Mann dahinter ist Klaus Richter, Kondom-Fabrikant in der dritten Generation.

Die deutschen Kondomhersteller haben ein Problem

?Es gibt Kondome in allen Farben, allen Geschmacksrichtungen, manche spielen sogar Musik. Aber ausgerechnet die Größe variiert kaum?, sagt der 54-Jährige. Das sei fast so, als ob alle Männer in Schuhen der Größe 42 herumlaufen würden: ?Die einen kriegen davon Druckstellen, die anderen verlieren permanent ihre Latschen.?

Das will Richter mit seinen Kondomen ändern. Die könnten vielleicht auch der Branche wieder Auftrieb geben. Die deutschen Kondom-Hersteller haben ein Problem: Während sich die Zahl der verkauften Kondome in den 90er-Jahren fast verdoppelte, stagniert sie seit dem Jahr 2000 bei etwa 200 Millionen Stück pro Jahr. Und daran ändern auch die Kampagnen nichts, die Jahr für Jahr zum Welt-Aids-Tag starten. So auch am heutigen Freitag, an dem Prominente und Gesundheitsbehörden erneut vor der zunehmenden Sorglosigkeit im Umgang mit der Immunschwächekrankheit warnen und dafür werben, Kondome zu benutzen.

<!--nodist-->

Lesen Sie weiter auf Seite 2: ?Das muss sitzen wie ein Maßanzug.?

<!--/nodist-->

In Deutschland stammt fast jedes zweite Kondom von Mapa. Das norddeutsche Unternehmen, das Total Fina Elf gehört, hat die Traditionsmarken Fromms und Blausiegel im Programm und stellt mit ?Billy Boy? den potentesten Vertreter auf dem deutschen Kondommarkt. Neben Mapa spielen hier zu Lande nur die weltweite Nummer eins, Durex, sowie Ritex aus Bielefeld in der ersten Liga mit. Dagegen ist Richter nur ein kleiner Spieler. Aber einer, der davon überzeugt ist, sich mit seinem passgenauen Kondom durchzusetzen.

Richter produziert seit 1994 in Malaysia. Dort sind die Arbeitskräfte billig und die Kautschukplantagen direkt vor der Tür. ?Richter Rubber? beliefert Kondommarken in aller Welt mit fertigen Produkten. Das kleine Unternehmen baut außerdem Maschinen für die Kondomherstellung.

Ein Standardkondom ist nur für ein Fünftel der Männer überhaupt geeignet

Gäste empfängt der 54-jährige Richter in der Küstenstadt Penang im Nordwesten des Landes. Von dort geht es in Richtung Kuala Ketil Industrial State, ein Industriegebiet. Die Autofahrt dauert mehr als eine Stunde. Die Klimaanlage surrt gegen die Hitze an. Richter referiert: Es gebe nur normale, etwas größere und etwas kleinere Kondome. ?Die größten Kondome werden nach Afrika geliefert, die kleinsten nach Asien und die mittleren kommen nach Europa und Amerika.? Ein Standardkondom sei nur für ein Fünftel der Männer überhaupt geeignet, zitiert er eine Studie. Richter brachte daher das individuell angepasste Kondom für jedermann auf den Markt. ?Das muss sitzen wie ein Maßanzug?, sagt er.

Der Ort, wo Richter die Maßanzüge herstellt, macht nicht viel her. Ein schmuckloses weißes Bürogebäude und zwei große Produktionshallen auf insgesamt 2 000 Quadratmetern. Innen riecht es nach Obst. Heute ist Tutti-Frutti-Tag ? die Kondome mit Fruchtgeschmack sind für die Liebhaber in Italien bestimmt.

In der ersten Halle stehen die Fließbänder. Hunderte Glaskolben hängen an einer Kette und werden nacheinander in ein Latexbad getaucht. Dann werden die Kondome in riesigen Waschmaschinen gewaschen. In der zweiten Halle testen und verpacken 200 Mitarbeiter die Kondome. So wie Siti Aini.

<!--nodist-->

Lesen Sie weiter auf Seite 3: ?Die Investitionen sind so hoch, das kann sich nicht rechnen.?

<!--/nodist-->

Die Malaysierin arbeitet in einer der beiden Produktionshallen. Sie trägt als Muslimin wie die meisten ihrer Kolleginnen ein Kopftuch. Vor ihr liegt ein Berg mit Präservativen. Einen Gummi nach dem anderen stülpt sie über eine Art Riesendildo, die Test-Maschine erledigt dann den Rest. Bis zu 15 000 Stück prüft Aini während ihrer Acht-Stunden-Schicht. Trotz der überdurchschnittlichen Bezahlung ist es für Richter nicht immer leicht, Leute für diese Arbeit zu finden. Zehn Prozent der Frauen, die an Richter Rubber vermittelt werden, lehnen den Job ab ? sobald sie verstanden haben, worum es eigentlich geht.

Richter sitzt an seinem Schreibtisch, vor ihm ein Stapel Unterlagen. ?Zoll?, sagt er und rollt mit den Augen. 1,5 Millionen They-fit-Kondome hat er 2005 verkauft. Die meisten davon gingen an Käufer aus den USA. Das hat seinen Grund: Bislang sind die Gummis zum Verkauf nur in den Vereinigten Staaten zugelassen. Dort hat der Vertrieb seinen Sitz. Zwar kann jedermann weltweit die Gummis online bestellen, doch die Lieferkosten aus den USA in den Rest der Welt sind oft höher als der Wert der ohnehin schon teuren Kondome ? etwa ein Dollar pro Stück. Dennoch hat Richter Kunden in 35 Staaten, auch in Deutschland.

Die Branche ist skeptisch

Schon bald will Richter die Gummis auch von Europa aus vertreiben, das EU-Zulassungsverfahren läuft. Doch auch dann werden Interessierte den Weg über das Internet gehen müssen: Kaum eine Drogerie hat Platz, um 70 verschiedene Kondomgrößen einer einzigen Marke anbieten zu können. ?Aber wenn wir sie von Europa aus verschicken dürfen, fallen die Lieferkosten weg?, wirbt Richter schon jetzt.

Die Branche jedoch ist skeptisch. ?Die Investitionen sind so hoch, das kann sich nicht rechnen?, heißt es bei der Konkurrenz. Schließlich müsse die Produktion mit 70 unterschiedlichen Gussformen laufen. Das sei viel teurer als das 08/15-Verfahren. Außerdem werde sich die Massenkundschaft kaum auf die relativ hohen Preise einlassen.

Diesen Argumenten will Richter schon bald mit einer Studie der Indiana-Universität entgegnen. Dort haben Forscher in einer mehrjährigen Studie die Sicherheit und den Komfort der They-Fit-Kondome mit normalen Präservativen verglichen. Zu den Ergebnissen will sich der Projektleiter Michael Reece erst äußern, wenn die Studie veröffentlicht ist. Doch in der Branche wird bereits gemunkelt: Demnach soll die Gefahr, dass ein Kondom beim Sex abrutscht oder platzt, bei passgenauen Kondomen nur halb so hoch sein. Immerhin, so viel lässt sich Forscher Reece schon entlocken: ?Bedenkt man die große Bandbreite an Penisgrößen, dann ist der Ein-Kondom-für-alle-Ansatz einfach unrealistisch.?


<!-- ISI_LISTEN_STOP -->
 

01.12.06 18:07
1

619 Postings, 5343 Tage nobody ...Was??? Kondome von der Stange sind oft zu klein...

...oder zu groß??

ZU GROSS??????  

   Antwort einfügen - nach oben