+++ Koma-Patientin Schiavo gestorben +++ o. T.

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neuester Beitrag: 15.06.05 22:46
eröffnet am: 31.03.05 17:08 von: Kalli2003 Anzahl Beiträge: 37
neuester Beitrag: 15.06.05 22:46 von: AbsoluterNe. Leser gesamt: 835
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31.03.05 17:08

58960 Postings, 6383 Tage Kalli2003+++ Koma-Patientin Schiavo gestorben +++ o. T.

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11 Postings ausgeblendet.

31.03.05 19:32

26159 Postings, 6002 Tage AbsoluterNeulingWoher weisst Du das mit den Reaktionen, Rigomax?

Absoluter Neuling  

Ich darf Inkontinente nicht überraschen.
[Bart Simpson]

 

31.03.05 19:41

8021 Postings, 6361 Tage Rigomax#13: Presse, Fernsehen, Web. Wurde öfter genannt. o. T.

31.03.05 19:45

weisst du auch die quelle?

Absoluter Neuling  

Ich darf Inkontinente nicht überraschen.
[Bart Simpson]

 

31.03.05 19:58

8021 Postings, 6361 Tage RigomaxIch führe nicht Buch über alles, was ich lese oder

sehe.

Bitte, sage es genau: Welche von mir geschilderte Reaktion zweifelst Du an?

Von T. Schiavos Reaktionen wurde nun wirklich viel berichtet. Ich habe wenig Lust, mich jetzt in eine Recherche treiben zu lassen, nur um Dir Quellen mit Datum und Seitenzahl oder URL nennen zu können.
Aber ich mache Dir dazu folgenden Vorschlag: Du suchst selbst nach den Quellen. Wenn Du bis Montag Mittag nichts gefunden hast und mir das bis Montag Abend per BM mitteilst, suche ich und poste das Ergebnis hier.
 

31.03.05 20:41

8021 Postings, 6361 Tage Rigomax@AN: Abgemacht? Ich habe noch eins vergessen:

Du solltest das Ergebnis Deiner Bemühungen dann bis Montag Mittag auch hier posten. Die BM war nur als Erinnerung gedacht, für den Fall, daß ich das hier nächste Woche übersehe.  

31.03.05 21:05

282 Postings, 5643 Tage BimBamverstehe es nicht

ich grübel da schon seit einer Woche und habe mich wirklich bemüht alle Seiten objektiv zu berücksichtigen. Ich verstehe aber einfach nicht warum man die Frau nicht weiterernähren wollte/konnte. Wer zum Geier hat etwas davon wenn sie tod ist??  

31.03.05 21:13

9950 Postings, 6839 Tage Willi1Wollte ja eigentlich nich -aber:

als das Entwürdigendste an dieser Sache fand ich die ewigen Bilder in den Nachrichten. Erbärmlich diese Effekthascherei mit einem leidenden Menschen.
Verhungern lassen ist ebenso absolut menschenunwürdig.

Scheiss Welt, Big Brother im Krankenhaus, ekelhaft!

Willi  

31.03.05 21:23

282 Postings, 5643 Tage BimBamrichtig Willi

das ist aber nicht das Schlimmste, sondern ich empfinde die staatliche Willkür über den Kopf der Angehörigen hinweg und gegen deren Willen den Tod anzuordnen als pervers.

Wieso durfte sie nicht wenigstens auf Kosten anderer weiterleben? Mir geht das einfach nicht in den Kopf.  

31.03.05 21:29

59073 Postings, 7197 Tage zombi17@Bimbam, mal ganz zynisch

Wer hat etwas davon, wenn sie weitergelebt hätte? Solche Geschichten gibt es jeden Tag tausendmal, die arme Frau war eben nur die Bekannteste!

Kann sich jemand an diesem Film mit Kirk Dougles erinnern?


Reporter des Satans
Ace in the Hole


Sehenswert
Drama, USA 1951, Regie: Billy Wilder, Buch: Billy Wilder, Walter Brown Newman, Lesser Samuels, Kamera: Charles Lang jr., Musik: Hugo Friedhofer, Produzent: Billy Wilder. Mit: Kirk Douglas, Jan Sterling, Bob Arthur, Porter Hall, Frank Cady, Richard Benedict, Ray Teal, Frank Jaquet.


Ja, er steckt zum Glück noch fest! Kirk Douglas als zynischer Reporter  
Bei einem Mineneinsturz ist ein Mensch verschüttet worden. Er muss sterben, weil der ehrgeizige und skrupellose Reporter Charles die Rettungsaktion bewusst verzögert, um durch Sensationsberichte sein Comeback bei der Zeitung zu erreichen...

Ein packendes, exzellent inszeniertes und gespieltes Drama, das - mit einem gewissen Zynismus - die Praktiken der Boulevardpresse bloßstellt. Eine brillante Breitseite auf die Sensationslüsternheit des Publikums, sicher einer der bittersten Filme Billy Wilders, der jedoch kommerziell floppte. Für den Regisseur und Autor war dies der Anlass, nie wieder ein solch kompromißloses Buch zu schreiben oder zu verfilmen.


Bei der heutigen Berichterstattung, vor allen der privaten Sender muss ich immer an diesem Film denken. Medien, Politiker, Verkäufer: Alle wollten ihr Stück vom Kuchen abhaben, auf Einzelschicksale kann leider keine Rücksicht genommen werden:-)


 

31.03.05 21:35

282 Postings, 5643 Tage BimBamihre Eltern und Verwandten und

sie selbst evtl. auch !???

Zombi - sehr sehr zynisch und sicher nicht ernst gemeint.  

31.03.05 21:42

59073 Postings, 7197 Tage zombi17Ich weiss es wirklich nicht

ob ich es ernst meine:-(( Wenn ich mich als diese Person sehe, hätte ich mir auch den Tod gewünscht. Wenn ich so etwas vorher verfüge, verlange ich von meinen Angehörigen, das sie meine Interessen vertreten. Aber was ich niemals möchte, dass sowas durch die Medien getreten wird und sich alle möglichen Interessengruppen mit meiner Person profelieren möchten. Das sterben sollte eine private Sache bleiben.
Jedes verletzte oder kranke Tier wird human von seinen Leiden erlöst, wieso es bei Menschen nicht möglich ist, entzieht sich meiner Kenntnis.  

31.03.05 21:46

282 Postings, 5643 Tage BimBamsolange es noch Hoffnung gibt

- und die gibt es in solchen fällen immer - und sogar enge Verwandte daran glauben und hoffen, solange darf nicht ein Einzelner über den Tod eines Menschen verfügen dürfen.  

31.03.05 21:55

59073 Postings, 7197 Tage zombi17Rafft ihr das nicht? Sie hat es selbst verfügt!!!

Wobei ich anmerken muss, dass verhungern oder verdursten nicht gerade human ist.
Betrachtet es als entgültige Erlösung und lasst das leidige Thema ruhen. Ich tue es hiermit.  

31.03.05 22:37

9950 Postings, 6839 Tage Willi1Zombi,

ein letztes Wort von meiner Seite:
Aus meiner heutigen Sicht stimme ich Dir zu,
wenn ich aber da läge, keine Ahnung ...

Willi  

31.03.05 22:51

42128 Postings, 7690 Tage satyrPevers finde ich Bush und seine Christnazis

verursachen den Tod von tausenden Menschen ,lügen und betrügen
und präsentieren sich als Retter des Lebens,da kann ich nur Pfui Teufel sagen.  

31.03.05 22:55

59073 Postings, 7197 Tage zombi17@satyr, das

hatte ich auch im Kopf, aber das hätte den Rahmen gesprengt und hilft der armen Frau auch nicht. Für mich sind das alles verlogene Heuschler und ich verweise auf den Film
"Ace in the Hole". Wer ihn nicht kennt sollte das unbedingt nachholen.
Es spiegelt unsere Gesellschafft wieder, dagegen war Orville ein Stümper.  

31.03.05 22:56

9950 Postings, 6839 Tage Willi1Auch richtig satyr! o. T.

31.03.05 23:03
1

42128 Postings, 7690 Tage satyrOb es richtig oder falsch war die Frau sterben

zu lassen oder nicht ,kann ich sowieso nicht entscheiden,da von uns
keiner die genauen Umstände kennt wer lügt wer sagt die Wahrheit.
Keiner kann sagen wie sich die Frau gefühlt hat und ob sie noch etwas
gefühlt oder mitbekommen hat.
Pevers ist es auf jeden Fall,dass das Pfaffenpack mit dem Leid der Frau
ihr Süpchen kocht.
Habt ihr mal darauf geachtet bei jesem Interview schwarze Krähen die sich
in den Vordergrund spielen.  

31.03.05 23:18
1

95440 Postings, 7157 Tage Happy EndNachruf auf Terri Schiavo

Das Objekt eines Kultur- und Machtkampfes

Von Siegfried Buschschlüter, Deutschlandfunk-Studio Washington

Was auch immer ihr letzter Wille gewesen sein mag, und genau werden wir es wohl nie wissen - das kann sie nicht gewollt haben: Dass aus einem Streit zwischen ihrem Ehemann und ihren Eltern, bei dem es zunächst um Geld ging, eine jahrelange juristische Auseinandersetzung wurde. Dass die Familienfehde öffentlich ausgetragen wurde und sie und ihr Leiden zum Objekt der Öffentlichkeit machte. Dass sie 15 Jahre, nachdem ihr Herz aussetzte und ihr Gehirn auf Dauer geschädigt wurde, in das Zentrum einer makabren Totenwache rückte, in der die Angehörigen als Antagonisten und die Medien als Voyeure aus einer persönlichen Tragödie ein nationales Trauerspiel machten.

Das kann Terri Schiavo nicht gewollt haben.

Nicht gewollt habe sie auch, beteuerte ihr Ehemann Michael, dass man sie künstlich am Leben erhalte. "Keine Schläuche für mich", habe sie ihm bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt. Unter anderem nach dem Tod von Familienangehörigen, die ebenfalls künstlich am Leben gehalten wurden. Schriftlich hatte sie das nicht hinterlassen - nicht ungewöhnlich für eine junge Frau. Dass ihr Mann erst zehn Jahre später diese Willenserklärung zu Protokoll gab, löste bei ihren Eltern, Robert und Mary Schindler, Misstrauen aus. Aber da waren sie mit ihrem Schwiegersohn auch schon hoffnungslos zerstritten.

Mit einem Streit um Geld fing es anZunächst wegen Geld. Michael Schiavo waren bei einem Schadenersatzprozess gegen den Gynäkologen, der seine Frau behandelt hatte, 300.000 Dollar zugesprochen worden. Davon hätten die Schwiegereltern einen Teil für sich beansprucht, sagte er. Michael Schiavo habe es abgelehnt, das Geld für neue Behandlungsmethoden auszugeben, sagten sie.

Bitter wurden die Eltern auch, als ihr Schwiegersohn nach fünf Jahren mit einer Freundin zusammenzog, mit der er inzwischen zwei Kinder hat. Anlass für den Versuch der Eltern, ihm das Sorgerecht abzuerkennen. Doch die Gerichte gaben ihm Recht. Immer wieder, über sieben Jahre hinweg, durch alle Instanzen.

Vor sieben Jahren stellte Michael Schiavo zum ersten Mal den Antrag, die künstliche Ernährung seiner Frau einzustellen. Unter Berufung auf gerichtlich bestellte Gutachter argumentierte er, das Gehirn seiner Frau sei irreparabel geschädigt, eine Besserung nicht zu erwarten.

Streit der GutachterEs gab auch Minderheitengutachten, die davon sprechen, Terri Schiavo sei nicht in einem anhaltend vegetativen Zustand, sondern bei minimalem Bewusstsein. Diese Diagnose stellte in der Schlussphase ein Neurologe, ohne die Patientin selber untersuchen zu können, nur durch Beobachtung ihres Verhaltens und Studium verschiedener Videoaufnahmen.

Ein entsprechendes kaum als seriös zu bezeichnendes Gutachten diente dem Gouverneur des Bundesstaates Florida, Jeb Bush, als Anlass für eine Intervention in letzter Minute. Es liege möglicherweise eine Fehldiagnose vor, argumentierte Bush.

Zu dem Zeitpunkt hatte der US-Kongress in Washington in einer überstürzt einberufenen Nachtsitzung ein Sondergesetz verabschiedet, das den Bundesgerichten die Zuständigkeit für den Fall Schiavo übertrug. Für viele Rechtsexperten ein klarer Verstoß gegen die Gewaltenteilung.

Vom Kampf der Kulturen zum MachtkampfDie Debatte verlief zutiefst emotional. Immer wieder wurde die Unantastbarkeit des Lebens beschworen, von überzeugten Befürwortern der Todesstrafe, und immer wieder beriefen sich die Abgeordneten, vor allem die Republikaner, auf das von den Eltern aufgenommene Video. Dem entnahmen sie, Terri Schiavo sei bei Bewusstsein, reagiere, lache und weine.

Doch es gab auch Stimmen von demokratischen Abgeordneten, die bei den Republikanern politische Motive vermuteten. Genauso empfand es die große Mehrheit der Wähler, die in mehreren Umfragen den Konservativen ein politisches Kalkül unterstellte und deutlich machte, dass sie von einer Einmischung der Politiker in Privatangelegenheiten der Bürger nichts halte.

Vermutlich genauso wenig wie von der immer schriller werdenden Kampagne der Abtreibungsgegner, die im Fall Schiavo einen willkommenen Anlass sahen, ihren rechtskonservativen Feldzug gegen Demokraten und Liberale auf die Justiz auszuweiten. Auch dafür finden sie im Kongress ihre Sponsoren, wie den republikanischen Abgeordneten Steve King aus Iowa.

Aus dem Kulturkampf ist schon längst ein Machtkampf geworden.
 

31.03.05 23:23

42128 Postings, 7690 Tage satyrKlasse Artikel Happy o. T.

31.03.05 23:25
2

26159 Postings, 6002 Tage AbsoluterNeuling@rigomax

Was sollen denn diese Ultimaten an mich zum Posten von Links???
Wir hatten Besuch - also ein bisschen Geduld...


Zurück zum Thema:

ich masse mir nicht an, die Wahrheit zu kennen, aber die Verhältnismässigkeit der veröffentlichten Erkenntnisse lasse ich nicht durch eine Äusserung wie "Frau Schiavo hat Lebensreaktionen gezeigt. Sie konnte ihre Freude zeigen, wenn ihre Verwandten am Krankenbett auftauchten. Sie konnte ihren Kopf den Besuchern zuwenden" sollten so nicht unkommentiert stehen bleiben, daher ein paar Gedanken dazu:

Offenbar ist die Frau seit 15 Jahren hirntot oder zumindest schwer hirngeschädigt, diagnostiziert durch mehrere Neurologen im Verlauf dieser langen Zeit. Der Ehemann (als "Sorgeberechtigter") kämpft seit langem für den mutmasslichen und nach seiner Aussage von ihr geäusserten Willen seiner Ehefrau, nicht künstlich am Leben erhalten zu werden. Die Entschädigung für den damaligen Behandlungsfehler floss in einen Fonds zur Finanzierung ihrer Pflege, die Sachlage sieht nicht unbedingt danahc aus, als wolle er sie wegen des Geldes sterben lassen. Kann aber auch anders sein.

So weit, so schlecht - eigentlich eine Sache für eine vertrauensvolle Meinungsfindung zwischen den Angehörigen, Pflegenden und behandelnden Ärzten.

Was passiert aber? Die Eltern bzw. der Ehemann der Patientin rufen medienwirksam Presse und Gerichte an.
Familie Bush - namentlich Governor Jeb und President Bush schalten sich in den Vorgang ein. Warum?
Googel mal "Schiavo" - was für Seiten kommen als erstes? Fundamentalchristliche Webseiten und fundamentalchristliche Weblogs.

Ich weiss nicht, ob die Patientin Restbewusstsein hat oder nicht.
Offenbar wissen das aber unheimlich viele Leute, die die Frau gar nicht kennen, weil sie für sie beten.
Und weil sie für sie beten, muss sie (Rest-) Bewusstsein haben (sonst macht das Beten ja auch keinen Sinn).

Um Deinem Quellenbedürfnis nachzukommen: die Aussage, dass Frau Schiavo noch Restbewusstsein haben könnte, Empfindungen haben könnte, Angehörige erkennen könnte use. - alles im Konjuktiv (!) stammt von einem (einem einzigen!) Neurologen namens William P. Cheshire Jr. von der Mayo-Klinik. Dieser Neurologe hat die Frau aber gar nicht untersucht, sondern seine Diagnose anhand von Videoaufnahmen und passiver Beobachtung gestellt. Ein Neurologe, nach 15 Jahren, der die Patientin gar nicht untersucht hat. Und wo werden diese "Befunde" veröffentlicht? Auf fundamentalchristlichen Webseiten, in fundamentalchristlichen Weblogs etc. Beispiel: http://www.christianexaminer.com. "Neutralere" Kollegen haben diese Diagnose aufgrund der offensichtlichen Befangenheit des Arztes angezweifelt (nachzulesen z. B. NY Times).

Übrigens: Eltern, Angehörige, oft auch das Betreuungspersonal tendieren dazu, körperliche und vor allem mimische Reaktionen im Sinne von Bewusstsein überzuinterpretieren. Das ist ein normaler psychologischer Mechanismus, um die Situation ertragen zu können (Angehörige) bzw. die Behandlung lange Zeit durchführen zu können (Pflegepersonal). Eine sehr schwierige Situation, in der die Nerven oft blank liegen und rationale Entscheidungen fast unmöglich sind. Grundsätzlich müssen wir Menschen Reaktionen anderer immer (bewusst oder unbewusst) interpretieren - nur so funktioniert unser Sozialverhalten. Es ist sehr schwer, hinter einer reflexbedingten mimischen Reaktion kein Bewusstsein zu sehen.

Was will ich damit sagen? Nicht, dass ich weiss oder entscheiden möchte, ob Frau Schiavo nur noch vegetativ lebte oder doch eine Form von Bewusstsein hatte. Was ich aber weiss ist, dass die Frau keine Chance auf eine faire und professionell-unabhängige Einschätzung ihrer Situation hatte, nachdem ihre Geschichte in den Gerichtssälen und Medien auftauchte.

Dass sich Politiker in die Entscheidungsfindung einmischen, halte ich allerdings für den eigentlichen Skandal. Ich habe heute einen Gast aus USA gehabt (jüdisch, konservativ, ca. 60 Jahre). Seine Einschätzung (über diesen Fall haben wir noch nicht einmal gesprochen): die USA ist auf einem sehr schnellen und gefährlichen Weg zur Theokratie, völliges Unverständnis, dass Bush eine zweite Amtszeit bekommen konnte, die kommenden drei Jahre reichen, um noch sehr viel wirtschaftlich und politisch innen und aussen zu zerstören.

Leider stimmt das alles.

Ich selbst bin übrigens religiös.

Absoluter Neuling  

Ich darf Inkontinente nicht überraschen.
[Bart Simpson]

 

01.04.05 02:31

58960 Postings, 6383 Tage Kalli2003AN, mal wieder völlige Zustimmung

ich bin nicht religiös!

Aber mal ganz neutral betrachtet ... Selbst wenn Frau Shiavo irgendwann (in drei Tagen, 4 Wochen, 5 Monaten, 6 Jahren, ....) irgendwann mal wieder aufgewacht wäre, was dann?? Selbst wenn sie auch nur ein wenig Hirnfunktionen dann übrig gehabt hätte, was dann??

Blöder Vergleich, aber mit meiner Kreuzband-OP lag ich kürzlich 4 Tage flach und fast alle Muskeln (im rechten Bein) waren futsch. Die Frau lag 15 JAHRE flach ... Selbst wenn sie irgendwann wieder zu Bewusstsein gekommen wäre; wäre Sie ein Pflegefall, der nichts von Ihrer Umgebung wahrgenommen hätte und weiterhin lediglich dahinvegetiert wäre. Sie hätte nichts aber auch gar nichts von Ihrem "Leben" gehabt. Und Ihre Angehörigen ausser Memoaren auch NICHTS!!! AN hat das ganze sicher besser ausgedrückt.

Ich gönne Ihr den Frieden und hoffe, dass Ihr Mann diesen Frieden auch findet. Denn immerhin hat er 15 JAHRE auf diese Entscheidung gewartet. Und das war verdammt noch mal sicher nicht einfach für ihn (auch wenn er Freundin und Kinder mit der anderen hatte).

Ohne Smiley  

Kalli  

 

01.04.05 02:49

58960 Postings, 6383 Tage Kalli2003PS

ich hoffe, dass die geplante Autopsie bzgl. der Hirnleistung dem Ehemann Recht geben!
 

01.04.05 13:26

8021 Postings, 6361 Tage Rigomax@AN(#33): Ich stimme Dir in vielem zu, komme

aber trotzdem zu einer anderen Endbewertung. Im einzelnen:

Vorweg: Ich hatte nicht die Absicht, Dich mit Ultimaten unter Druck zu setzen. Du hattest nach Quellen gefragt und ich hatte den Ball im Sinne von "Such mal selber" zurückgeworfen.

Du schriebst: "Offenbar ist die Frau seit 15 Jahren hirntot oder zumindest schwer hirngeschädigt, diagnostiziert durch mehrere Neurologen im Verlauf dieser langen Zeit." - Sicherlich ist sie schwer hirngeschädigt. Wenn aber ihr Zustand schon als "hirntot" zu bezeichnen wäre, dann könnte ich gut verstehen, daß viele Menschen sich weigern, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. Denn das Kriterium des Hirntodes wird heute als Rechtfertigung für die Entnahme der Organe aus dem im übrigen am Leben erhaltenen Körper gesehen. Und wenn ich mir vorstelle, daß man demnach Frau Schiavo in dem Zustand, in dem sie vor drei Wochen war, die Organe hätte entnehmen können, dreht sich bei mir der Magen um.

Du schriebst: "So weit, so schlecht - eigentlich eine Sache für eine vertrauensvolle Meinungsfindung zwischen den Angehörigen, Pflegenden und behandelnden Ärzten." - Vollkommen richtig. Aber die Welt ist nicht immer so, wie wir sie uns wünschen. Die Angehörigen waren eben nicht einer Meinung. Der Ehemann, der die Vormundschaft hatte, beharrte darauf, daß seine Frau sterben solle, weil sie es angeblich selbst so gewollt habe. Die Eltern bezweifelten, daß ihre Tochter dies gewollt habe und nannten dafür eine Reihe nachvollziehbarer Gründe. Dazu gehört die streng katholische Ausrichtung ihrer Tochter, die eine Selbsttötung ausschlösse. Dazu gehört auch die Unterstellung, der Ehemann, der inzwischen mit einer anderen Frau zwei Kinder hat, aber trotzdem die Scheidung von Frau Schiavo verweigert, habe sich innerlich längst von seiner Frau gelöst und betreibe die Angelegenheit aus anderen, auch finanziellen Motiven.

Wir können beide nicht beurteilen, ob diese Argumente stimmen oder ob es darüberhinaus noch weitere Argumente gibt, die die Angelegenheit in anderem Licht erscheinen lassen könnten. Aber die -unbestrittene- Tatsache, daß er mit einer anderen Frau zusammenlebt, mit ihr zwei Kinder hat und trotzdemn die Scheidung verweigert, weckt in mir ganz erhebliche Zweifel daran, daß es (moralisch) richtig ist, einem solchen Nur-formal-Ehemann das Recht zu geben, den Tod seiner Nur-formal-Ehefrau mit einer von ihm erfochtenen Gerichtsentscheidung anordnen zu können.

Du schriebst: "Ich weiss nicht, ob die Patientin Restbewusstsein hat oder nicht." - Auch richtig. Ich weiß das auch nicht, wenngleich ich schon meine, daß ihre Reaktionen darauf hindeuten. Aber auch ich kann nicht _völlig_ ausschließen, daß es sich nur um vegetative Reaktionen handelt. Ich kann aber auch das Gegenteil nicht ausschließen, und Du nach Deinen eigenen Worten auch nicht.

Und hier kommen wir zum Kern: Wenn es nicht _vollkommen_ (wirklich _vollkommen_!) ausgeschlossen ist, daß die Patientin ein Restbewußtsein hatte, ist für mich die Einstellung der Ernährung der Patientin ganz einfach unmoralisch. Woher nehmen wir das Recht, zu behaupten, daß ihr der Tod jetzt lieber war als das wenige Leben, das sie noch hatte?

Abschließend zum Thema Medien, Gerichte und Politik: Die Angelegenheit läuft schon seit vielen Jahren durch die Gerichte und wurde auch früher schon gelegentlich in den Medien behandelt. Daß das Thema jetzt plötzlich so hochkochte, lag ganz einfach daran, daß es in eine (tut mir leid, das klingt jetzt zynisch) "mediengeeignete Endphase" übergegangen ist. Und daß das zu einem politischen Thema wird, ist auch nichts ungewöhnliches: Wenn die Realitäten mit den moralischen oder anderen Vorstellungen der Politiker im Konflikt sind, kommen Politiker manchmal ins Denken und Handeln. Schlimm ist es erst, wenn nicht einmal das die Politiker ins Denken und Handeln brächte. Der Fall Schiavo hat, zumindest in den Augen einiger Leute, eine Diskrepanz zwischen Moral und Gesetzgebung in den USA offengelegt. Es ist ganz natürlich und sogar wünschenswert, daß sich die Politik um diesen Widerspruch kümmert. Hätte sie es früher getan, wäre uns manches erspart geblieben. Schlecht sind allerdings, und da stimme ich Dir zu, Ad-hoc-Gesetze, die auf den Einzelfall zugeschnitten sind.

Wenn es an der ganzen Angelegenheit etwas Positives gibt, dann ist es folgendes: Man erkennt auch bei uns, daß wir in Deutschland darüber nachdenken müssen, wie ähnliche Fälle bei uns zu behandeln sind. Das ist zunächst Sache der Politik. Was viele nicht wissen: Es gibt in Deutschland etwa 150 Wachkomapatienten, viele davon mit mehr Reaktionen als bei T. Schiavo. Das deutsche Betreungsrecht gibt den Betruern weniger Rechte als in den USA: Selbst wenn bei uns ein Patient einem Angehörigen eine Betreuungsvollmacht mit "unbegrenzten" Befugnissen gegeben hat, muß der Betreuer zusätzlich die Einwilligung des Vormundschaftsgerichtes einholen, wenn auch nur am Bett ein Gitter zum Schutz gegen Herausfallen des Patienten angebracht werden soll. Wenn ein Fall wie der in den USA bei uns in Deutschland durch die Gerichte gezogen würde, würde er sicherlich auch in den Medien und der Politik zum Thema werden. Und der Weg bis zum EuGH ist lang.
 

15.06.05 22:46

26159 Postings, 6002 Tage AbsoluterNeulingDer Vollständigkeit halber. Friede ihrer Seele.

SPIEGEL ONLINE - 15. Juni 2005, 18:41
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,360666,00.html

Komapatientin
 
Schiavos Zustand war hoffnungslos

Das Gehirn der im März gestorbenen US-Komapatientin Terri Schiavo war so schwer geschädigt, dass keine Behandlung ihren Zustand hätte verbessern können. Es habe keine Hoffnung mehr für Schiavo gegeben, teilte ein Mediziner nach der Autopsie der Leiche mit.

DPAKomapatientin Schiavo, Mutter Schindler: "Der Schaden war irreversibel"

Largo - "Der Schaden war irreversibel, und keine Therapie der Welt hätte den massiven Verlust von Nervenzellen ausgleichen können", sagte der Pathologe Jon Thogmartin heute während einer Pressekonferenz in Largo (US-Bundesstaat Florida). Schiavos Gehirn sei zum Zeitpunkt des Todes nur etwa halb so groß gewesen wie das eines gesunden Menschen und habe lediglich 615 Gramm gewogen. Das Wachkoma der Amerikanerin sei auch nicht auf körperliche Misshandlung zurückzuführen. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass sie von ihrem Ehemann misshandelt worden sei, teilte der zuständige Gerichtsmediziner mit.

Terri Schiavo war 1990 in ein sogenanntes Wachkoma verfallen und seitdem mit Hilfe einer Magensonde künstlich ernährt worden. Ihr Ehemann Michael Schiavo hatte in einem langen Rechtsstreit mit den Eltern Bob und Mary Schindler Mitte März 2005 die Entfernung der Magensonde zur künstlichen Ernährung seiner Frau erreicht. 13 Tage später, am 31. März, starb Terri Schiavo.

Ihr Fall hatte in aller Welt eine heftige Debatte Sterbehilfe ausgelöst. Die Ursache des Komas blieb indessen weiterhin unklar. Bob und Mary Schindler hatten Michael Schiavo vorgeworfen, er habe ihre Tochter zu erdrosseln versucht oder anderweitig misshandelt, was im Jahre 1990 ihren Zustand ausgelöst habe. Dem Obduktionsbericht zufolge gibt es dafür jedoch keinerlei Anzeichen.

Laut einer Studie aus dem Jahre 1992 war das Koma möglicherweise eine Folge von Essstörungen, die zum Herzinfarkt geführt hatten. Thogmartin zufolge hatte Schiavo jedoch keinen Infarkt erlitten, und auch für Essstörungen wurde kein Nachweis gefunden.


A.N.
(vincit sedendo)

 

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