Keine Entwarnung nach Amoklauf-Warnung: Trittbrett

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eröffnet am: 07.12.06 11:47 von: Meier Anzahl Beiträge: 1
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1847 Postings, 5765 Tage MeierKeine Entwarnung nach Amoklauf-Warnung: Trittbrett

Nach der Ankündigung eines Amoklaufs an einer baden-württembergischen Schule halten Nachahmer die Polizei in Atem. An einer Schule im Ortenaukreis hat die Polizei drei junge Männer festgenommen. Einer von ihnen hat gestanden, per E-Mail am Mittwochabend einen Überfall auf eine Schule angekündigt zu haben.
Bei den Festgenommen handele es sich um 19, 23 und 35 Jahre alte Männer, sagte ein Polizeisprecher in Offenburg am Donnerstag. «Natürlich gibt es jetzt Trittbrettfahrer», sagte eine Sprecherin des Innenministeriums am Donnerstag in Stuttgart. Zahlen konnte sie zunächst nicht nennen.
Polizei bleibt präsent
Die Polizei zeigte auch am Donnerstag vor Schulen im Südwesten weiter Präsenz. «Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen», sagte ein Sprecher. «Das Risiko von Trittbrettfahrern ist zu hoch.» Ein Unbekannter hatte beim Internet-Killerspiel «Counterstrike» Mitspielern geschrieben, dass er an seiner Schule am gestrigen Mittwoch in Baden-Württemberg für ein Blutbad sorgen wolle. Am Nachmittag fand die Polizei die Leiche eines 18-jährigen Offenburger Schülers, den seine Eltern als vermisst gemeldet hatten.
Der Polizeisprecher sagte, es sei weiter ungeklärt, ob dieser die Warnung auch verfasst habe. «Die Ermittlungen laufen weiter auf Hochtouren.» Es gebe zahlreiche Hinweise von Lehrern, Eltern und Schülern auf verhaltensauffällige Mitschüler. Diese würden überprüft, bislang ohne Ergebnisse. Die Sache sei «sehr komplex». Kultusminister Helmut Rau (CDU) forderte die Eltern auf, ihre Kinder nicht zu Hause zu lassen. Am Mittwoch waren einige Schulen im Land geschlossen geblieben. Der Polizeisprecher schloss nicht aus, dass auch am Donnerstag vereinzelt der Unterricht ausfallen kann.
Kritik an Informationspolitik
Unterdessen mehren sich Kritik am Vorgehen der Landesregierung sowie Forderungen nach Konsequenzen. Der Landeselternbeirat in Baden-Württemberg mahnte eine bessere Informationspolitik des Kultusministeriums an: Es sei bedauerlich, dass die Warnung so spät und dann auch nur über E-Mail an die Schulleiter gegangen sei. Die Lehrergewerkschaft GEW forderte ein verbessertes Krisenmanagement. «Wir sollten die Ängste der Schüler, Eltern und Lehrer nicht beiseite schieben, sondern in den Klassenzimmern auch in Zukunft zum Thema machen», sagte der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem.
Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) schloss sich Forderungen nach einem Verbot von Killerspielen an: «Das wird das Problem zwar nicht lösen, aber wir können nicht tatenlos zuschauen.» Es sei atemberaubend, wie sich das Internet zu einem Kriminalitätsschauplatz entwickelt habe. Bayern und Niedersachsen wollen mit einer gemeinsamen Bundesrats-Initiative ein Verbot so genannter Killerspiele durchsetzen. Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) will den Gewaltdarstellungs-Paragrafen 131 des Strafgesetzbuchs so ändern, dass die Herstellung, Verbreitung und Nutzung von Gewalt verherrlichenden Computerspielen bestraft werden kann. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will demgegenüber derzeit kein neues Strafgesetz gegen «Killerspiele» schaffen.
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte mehr qualifiziertes Personal bei der Polizei. Für die Fahndung im Internet seien Beamte nötig, die genauso klug sind, wie diejenigen, die sich «in den Netzen verstecken», sagte der BDK-Bundesvorsitzende Klaus Jansen am Mittwoch im Saarländischen Rundfunk. Dafür müsse auch mehr Geld ausgegeben werden. (N24.de, dpa)
 

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