Kein Kriegsboom im Silicon Valley

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Kein Kriegsboom im Silicon Valley

Informationstechnik: Zu viele militärische Aufträge sind schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit

VDI nachrichten, 18.4.2003
Das Silicon Valley verdankt seine Entstehung dem Militär. Egal ob Hewlett-Packard, Intel oder AMD, fast alle der älteren Unternehmen hier bekamen ihre ersten Aufträge vom Pentagon. Bill Hewlett war Ende der Sechziger Jahre sogar stellvertretender Verteidigungsminister der USA.

Doch der Irak-Krieg wird dem Silicon Valley kaum einen Boom bescheren. ?Der Krieg schadet dem Valley eher, als dass er ihm nützt?, so der Volkswirtschaftler Steve Levy vom Center for Continuing Study of the California Economy in Palo Alto. ?Die Kauflust der Bürger ist im Keller und der Krieg hat die wirtschaftliche Erholung der Region eher noch um ein Jahr verzögert?.
Denn die Region hat seit dem Ende des Kalten Krieges einen grundlegenden Wandel hinter sich: Noch 1989 arbeiteten im Silicon Valley etwa 41 000 Menschen in Rüstungsjobs. Heute sind es gerade einmal noch 21 000.
Mit dem PC-Boom und dem nachfolgenden Internetboom schaffte das Valley in den Neunziger Jahren den Umstieg in den zivilen Sektor.
Die Region hat deshalb so wenig Interesse an Rüstungsaufträgen. Denn sie ?erfordern einen Grad an Geheimhaltung und Exklusivität, der die Industrie auch beschädigt?, warnt Hal Plotkin, ein erfahrener Technologie-Kolumnist aus der Region. ?Die Produkte werden zu teuer und sie verlieren die nötige Wettbewerbsfähigkeit, um im härteren, zivilen Markt bestehen zu können?.
 Aber auch das Pentagon hat dazugelernt und verwendet zunehmend so genannte ?Off-the-Shelve-Technologies?, also Bauteile, die nicht mehr exklusiv für das Pentagon, sondern gleich für den zivilen Massenmarkt entwickelt wurden. Für die meisten Hightech-Firmen ist das Militär damit nur noch ein Kunde von vielen geworden.
Der Computerhersteller Silicon Graphics beispielsweise verkauft seine Geräte an die US Navy und an die Filmstudios in Hollywood. Die Firma Packet-Video entwickelt Kompressions-Software für das Video-Streaming von Handy zu Handy, und die Tatsache, dass auch das Pentagon Video-Bilder drahtlos von der Front zum Gefechtsleitstand streamen will, ist nur noch eine Anwendung von vielen.
Die Zeiten, in denen der zivile Sektor militärische Spin-Offs wie das Internet oder GPS kommerziell verwerten durfte, scheinen vorbei zu sein. Stattdessen ist das Pentagon weitgehend auf die Innovationskraft des zivilen Sektors angewiesen. Die Ära eines eindeutig zivilen Sektors ist damit aber ebenfalls vorbei.

   WOLFGANG HARRER

 

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