Kapitalisten und Schuldner sitzen im gleichen Boot

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eröffnet am: 30.03.05 20:28 von: moya Anzahl Beiträge: 1
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862173 Postings, 6042 Tage moyaKapitalisten und Schuldner sitzen im gleichen Boot

Kapitalisten und Schuldner sitzen im gleichen Boot

von unserem Korrespondenten Bill Bonner

Inflation, Inflation, Inflation!

Man ist ringsum sicher, dass eine Inflation naht. Öl lag vergangene Woche bei 54 Dollar pro Barrel, die jährliche Steigerung des Verbraucherpreisindex belief sich im Februar auf 5 %. Die Zinssätze steigen ... Einige glauben, dass Greenspan & Co. im Mai eher weitere 50 Basispunkte aufschlagen werden, als die sonst üblichen 25.

Benzin wird zu Höchstpreisen verkauft. Die Hauspreise steigen fast täglich.

Aber die Leser dieses Newsletters sind gewarnt: Anleger kriegen nur selten das, was sie erwarten; wesentlich öfter kriegen sie das, was sie verdienen. Was die Schuldner am meisten wollen, ist eine Entlastung von ihren Verpflichtungen. Die Inflation nimmt Jahr für Jahr ein bisschen von den Schulden weg. Aber Anleger können nach vorne blicken. Normalerweise reicht der Hauch einer steigenden Inflationsrate, damit die Schuldscheinanleger bemerken, dass sie Schläge werden einstecken müssen. Sie werfen die Schuldanleihen raus - und treiben damit die Erträge derselben spektakulär in die Höhe. Und plötzlich ist der Schuldner vom Haken. Er kann seinen Kredit für einen Bruchteil dessen, was er ursprünglich geliehen hat, zurückzahlen.

In diesem Newsletter tendierte ich zu Mitleid mit den Kreditnehmern.
Sie haben sich selbst immer tiefer in die Verschuldung getrieben, getäuscht durch die lockeren Kreditbedingungen der Zentralbank. Aber was ist mit den armen Sparern? Was ist mit denen, die ursprünglich knauserten, um etwas Geld zur Seite legen und investieren zu können.
Was ist mit den Kapitalisten dieser Welt?

Die armen Kapitalisten kaufen Aktien und dürfen sich glücklich schätzen, wenn sie magere zwei Prozent Dividendenerträge erzielen - einen Betrag, der noch unter der Verbraucherpreisinflation liegt. Und wenn sie so freundlich sind, ihr Geld zu verleihen, dann bekommen sie zum Dank kaum sechs oder sieben Prozent - sogar auf Junk-Bonds und schlecht konzipierte Höchstschulden. Sie können sich schon glücklich schätzen, wenn sie überhaupt irgendetwas zurückbekommen. Argentinien konnte seinen Verpflichtungen nicht nachkommen - und zahlte den Gläubigern kaum 30 Cent pro Dollar. Was die Banker aus der Pampa anzubieten hatten: Entweder ihr seid einverstanden, oder ihr lasst es bleiben. Den armen Kapitalisten blieb keine wirkliche Wahl.

Wer sind die größeren Dummköpfe? Die Geldverleiher oder die Kreditnehmer? Wer verdient eher, Pleite zu gehen?

Meine Antwort lautet: Alle beide!

Und so muss ich mich auf die Götter des Marktes verlassen. Wie werden sie beide in den Ruin treiben?

Ich möchte die Leser daran erinnern, dass die lockeren Kredite der Zentralbank nicht zu einer stärkeren, effizienteren und produktiveren Wirtschaft geführt haben. Eher hat es die Preise von Vermögenswerten gesteigert und die Verbraucher dazu verführt, mehr auszugeben, als sie sich leisten konnten.

Aber Verbraucherschulden zeugen keine Verbraucherpreisinflation. Sie zeugen Rezessionen ... und fallende Preise.

Die Kreditschwemme hat sowohl Geldverleiher als auch Kreditnehmer nass gemacht. Den Verbrauchern stehen die Schulden schon bis zum Hals, so dass sie verzweifelt noch mehr Kredite benötigen, um auch weiterhin mit dem Geld um sich schleudern zu können. Sie rechnen damit, dass die Inflation ihre Schulden trocknen wird ... und sie rechnen mit weiteren Krediten, um ihren Durst zu stillen und weiterhin Geld ausgeben zu können. Ich zweifele daran, dass das eintreten wird. Der Verbraucher wird nicht eher durch die Inflation wieder zum Leben erweckt, als er von der Deflation gekreuzigt wurde, das ist meine Vermutung.

Aber auch dumme Geldverleiher werden leiden. Steigende Zinssätze werden kleine Kreditnehmer unter Druck setzen - sowohl unter den Körperschaften, als auch unter den Verbrauchern. Die Preise von Junk-Bonds werden fallen. Unsichere Kreditnehmer werden immer weniger Angebote finden ... und diese nur zu wesentlich härteren Konditionen.

Gruß Moya  

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