Kalifornien muss Hinrichtungen aufschieben

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eröffnet am: 23.02.06 08:39 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 1
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24466 Postings, 5833 Tage EinsamerSamariterKalifornien muss Hinrichtungen aufschieben

Mangels Ärzte

Kalifornien muss Hinrichtungen aufschieben

Der US-Bundesstaat kann keine Ärzte für seine Todeskammer finden ? und löst damit eine landesweite Debatte über Exekutionsmethoden aus.
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Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger kannte keine Gnade. Wäre es nach dem Willen des Ex-Terminators gegangen, dann hätte der im Jahr 1981 wegen Folter, Vergewaltigung und Mordes einer 17-Jährigen zum Tode verurteilte Michael Morales am Mittwoch (Ortszeit) in der Hinrichtungskammer des Gefängnisses San Quentin durch eine Giftspritze sterben sollen.

Exekution in letzter Minute gestoppt

Doch buchstäblich in letzter Minute musste der Staat die Exekution des 46-Jährigen stoppen. Der Grund: Die Gefängnisleitung konnte keinen Arzt finden, der wie vorgeschrieben bei der Hinrichtung anwesend sein wollte. Damit ist die Vollstreckung von Todesurteilen in Kalifornien erst einmal für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.

Welle von Klagen erwartet

Der Fall Morales, so sind sich Experten sicher, könnte bald landesweit eine Flutwelle von Klagen gegen die in den USA angewandten Exekutionspraktiken auslösen. Im Wesentlichen geht es dabei um die Frage, ob Hinrichtungen eine ?grausame und unübliche Strafe? darstellen. Denn diese ist in der amerikanischen Verfassung nämlich ausdrücklich verboten.

Schmerzen durch ?Giftcocktail??

Morales` Rechtsanwälte hatten sich genau auf diesen Passus berufen, als sie vor der Exekution ihres Mandanten vor Gericht zogen. Der in Kalifornien übliche ?Giftcocktail?, der Todeskandidaten zuerst in Schlaf versetzt und anschließend zum Atem- sowie zum Herzstillstand führt, könne unnötige und schwere Schmerzen auslösen, warnten die Juristen. Eine solche Hinrichtungsmethode sei ebenso ?grausam wie unüblich? und verstoße damit klar gegen die Verfassung.

Bezirksrichter Jeremy Fogel schloss sich diesem Argument zwar im Prinzip an, wollte die Exekution deswegen aber nicht gleich stoppen. Stattdessen ordnete er an, dass Morales vor der Hinrichtung ein besonders starkes Betäubungsmittel bekommen solle, damit er ohne Schmerzen sterben könne.

Nur Mediziner darf Betäubungsmittel spritzen

Was der Richter bei seiner Entscheidung jedoch übersah: Im Gegensatz zum ?Giftcocktail?, der von speziell dafür ausgebildeten Gefängnisangestellten verabreicht werden kann, dürfen Betäubungsmittel laut Gesetz nur von Ärzten oder medizinischem Fachpersonal gespritzt werden.

Doch es ließ sich einfach kein Arzt finden, der dazu bereit war, Morales für eine schmerzfreie Hinrichtung in Tiefschlaf zu versetzen. Viele Mediziner befürchteten zudem, aktiv in die Exekution eingreifen zu müssen, falls Morales ? aus welchen Gründen auch immer ? in der Todeskammer plötzlich wieder aufwachen solle. Und dies sei mit der ärztlichen Ethik nicht vereinbar: ?Wir versuchen Leben zu retten und nicht zu beenden?, meint ein Arzt.

?Giftcocktail? weit verbreitet

Kalifornien ist bei weitem nicht der einzige Staat, der seine Todeskandidaten mit einem ?Giftcocktail? hinrichtet. 37 der 38 Bundesstaaten mit Todesstrafe praktizieren diese Methode ? zum Teil mit mehr als fragwürdigen Mitteln. Einige der verwendeten Todeschemikalien dürfen nicht einmal zum Einschläfern von kranken Hunden eingesetzt werden, weil das Tierquälerei wäre.

Todesstrafenexperte Richard Dieter, Direktor des ?Death Penalty Information Center? in Washington, ist davon überzeugt dass sich bald Amerikas höchste Richter mit der Verfassungsmäßigkeit diverser Hinrichtungsmethoden beschäftigen müssen: ?Das wird bis vor den Obersten US-Gerichtshof gehen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass sich jemals einen Arzt finden lässt, der freiwillig eine Exekutionskammer betritt.?

Quelle: focus.de

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