Joschka - das Kampfschwein

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eröffnet am: 08.09.05 12:44 von: duschgel Anzahl Beiträge: 10
neuester Beitrag: 11.06.08 22:49 von: Don Rumata Leser gesamt: 561
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08.09.05 12:44
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5687 Postings, 7233 Tage duschgelJoschka - das Kampfschwein

Joschka Fischer hält in seiner vielleicht letzten Schlacht um Wählerstimmen immer noch einen Sieg für möglich - Beobachtungen im Wahlkampf

 

Der Außenminister auf Wahlkampftour: Joschka Fischer kämpft für Rot-Grün

Foto: dpa

Von Carsten Fiedler

Der Außenminister hat Pasta geordert, per Handy aus dem Bus heraus. Bloß keine Zeit verlieren. Beim noblen Italiener in Erfurt werden Bandnudeln mit Steinpilzen gereicht, dazu Salbeitee mit viel Honig. Für die kaputte Stimme. "Ich bin der einzige aus dem Grünen-Spitzenteam, der heiser ist. Das gibt mir zu denken", krächzt Fischer. Wie immer bei ihm hat so ein Spruch, scherzhaft dahingesagt, eine versteckte Botschaft. Diesmal lautet sie: Wer außer mir würde das hier überhaupt durchstehen? Wer kann kämpfen wie ich?

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Joschka Fischer tourt durch Deutschland, sechs Wochen lang. In einem mit grüner Folie und seinem Konterfei beklebten Bus. 14 000 Kilometer, 68 Städte, 81 Veranstaltungen. Auf den Marktplätzen der Republik wirft sich der Spitzenkandidat der Grünen in eine Schlacht, die eigentlich verloren ist. Gut drei Wochen vor der Wahl liegt Rot-Grün bis zu 13 Prozentpunkte hinter Schwarz-Gelb. Die Zeit läuft davon, doch Fischer gibt sich unbeirrt. "Diese Wahl wird auf den letzten Metern entschieden", lautet sein Mantra, das er allen Ungläubigen einhämmert. Fischer ist der letzte Prediger der rot-grünen Sache. "Wir können die Sache noch rumreißen. Glauben Sie einem alten Kampfschwein", erzählt er den skeptischen Journalisten im Bus.

Ob er wirklich selbst daran glaubt? Sinnlos, ihn das offen zu fragen. Fischer hat eine heilige Aura um sich geschaffen, er motiviert sich durch beständige Selbstbeschwörung. Alles, was Hoffnung macht, wird aufgesogen. Zum Beispiel seine ungebrochene Zugkraft als Wahlkämpfer, auch in Ostdeutschland. In Erfurt, Leipzig, Magdeburg oder Potsdam kommen nie weniger als 1000 Zuhörer zu seinen Veranstaltungen. "Im Schnitt 35 bis 40 Prozent mehr als 2002", berichten die Grünen-Wahlkämpfer. Die Frage ist nur: Erreicht Fischer die Menschen wirklich? Oder wollen sie nur einen letzten Blick auf den deutschen Außenminister werfen?

Erfurt, zwölf Uhr mittags. Die Joschka-Bühne steht auf dem Anger, einem Platz am Rande der Altstadt. Es gibt Bioapfelsaft für 50 Cent, grüne Wahlhelfer verteilen Kondome mit dem Spruch "Guido verhüten". Fischer kommt. Dunkler Anzug, dazu ein blau und hellblau gestreiftes Poloshirt. "Ihr seht, ich kämpfe um jede Stimme, auch um meine eigene", kräht er. Es folgen Attacken gegen Merkel, Kirchhof und Lafontaines linke Truppe. Natürlich nutzt Fischer auch den Amtsbonus. Die Lage im Irak und im Iran mache ihm große Sorgen. Und erst Afrika: "Wenn die beginnen, ihre Konflikte zu exportieren, dann kann das Mittelmeer nicht tief genug sein. Das sage ich Ihnen nicht als Wahlkämpfer, sondern als Ihr Außenminister." Keine Zwischenrufe, keine Pfiffe, am Schluß braver Applaus. "Das war ja eine starre Wand", klagt später jemand aus dem Wahlkampftroß. Unsinn, meint Fischer: "Am Ende haben sie doch gut geklatscht."

Leipzig, Augustusplatz, 20 Uhr am gleichen Tag. 1500 Menschen sind gekommen, die Stimmung ist unterschwellig aggressiv. "Geh nach Hause", brüllt einer, der sich unter einer schwarzen Anarcho-Fahne postiert hat. "Warum bist du denn gekommen, wenn ich nach Hause gehen soll?" raunzt Fischer zurück. Der Protest ist organisiert, von Ver.di, Attac und der PDS. Fischer spürt, daß er die Menge mit Argumenten allein nicht erreichen kann. Er stellt auf Nahkampf um, läßt sich auf Scharmützel mit den Pöblern ein. Das kann er wie kein anderer. "Wenn Merkel und Kirchhof an die Macht kommen, dann habt ihr nicht nur Grund zur Montagsdemo, dann könnt ihr gleich die ganze Woche demonstrieren", ruft er. Er verrichtet Schwerstarbeit, hat die Menge vor dem Gewandhaus zum Schluß aber unter Kontrolle. Völlig verschwitzt läßt er sich in seinen Dienstwagen fallen und ins Hotel bringen. "So viel Opposition hatte ich noch nie zu Bette zu bringen", sagt er. Er ist wirklich stolz auf seinen Auftritt.

Die Antwort darauf, warum sich Fischer diese Ochsentour überhaupt noch einmal antut, ist einfach: Er kann nicht anders. In Fragen der Macht ist er bekennender Extremist. "Mir ist bei allen Veränderungen im Laufe der Jahrzehnte eine Art Extremismus im persönlichen Lebensstil bis heute geblieben ..., und das immer mit vollem Tempo und letztem Einsatz", hat er 1999 in seinem Buch "Mein langer Lauf zu mir selbst" geschrieben. Nicht von ungefähr hat er auch jetzt wieder mit dem Laufen begonnen: Er greift darauf zurück, weil es ihm schon einmal Erfolge als Wahlkämpfer bescherte. Fischer will sich nicht vorwerfen lassen, nicht alles versucht zu haben. Sogar seine Lebensgefährtin und deren Tochter sind in den ersten Wochen im Bus dabei, um sein Wohlbefinden zu steigern.

Zumindest für die Ehrenrettung von Rot-Grün, seines Lebenswerkes, kämpft Fischer. Wenn es denn nicht mehr reichen sollte, will er wenigstens einen überzeugenden Abgang hinlegen, genau wie Gerhard Schröder. Anders als der Kanzler kann es sich Fischer im Falle einer Niederlage aber aussuchen, ob er sich noch einmal als Fraktionschef auf die Oppositionsbank schwingt.

Fischer ist jetzt 57 Jahre alt. Wenn das grüne Ergebnis stimmt, wird er sich als Politiker eben noch einmal neu erfinden.

 

08.09.05 12:47

10041 Postings, 6734 Tage BeMiDa lacht die Bundeskanzlerin

... meinte gestern Josef am Rednerpult.  

08.09.05 12:54

5687 Postings, 7233 Tage duschgelsein Unterhaltungswert ist unbestritten


hoffentlich bleibt er im Bundestag, bis er in 3 Jahren die Köhler-Nachfolge antritt ;-)  

08.09.05 15:17

7114 Postings, 7052 Tage KritikerEin Kampfschwein ist

eine Wildsau, die gerne im Dreck rumsuhlt.
= ein typisch "moderner" Außenminister (?).

Und ein Köhler brennt Holzkohle - für die nächste Party.

Und das Ausland denkt: hoffentlich kommt Der nicht wieder.
Im Vergleich war der Rippentropp ein Gentleman. - Kritiker.  

08.09.05 16:00

5687 Postings, 7233 Tage duschgelnein, das wäre ein Dreckschwein

Kampfschein sehe ich eher positiv belegt - einer, der für seine Ziele kämpft und nicht gleich resigniert, wenn das Ziel unerreichbar scheint.

Hinzu kommt bei einem Kampfschwein, im Gegesatz zu einem Stier oder Hund, dass er nicht für sich allein kämpft, sondern  vor allem die Herde verteidigt (bzw. Rotte oder wie das heissen mag)

Von dieser Sorte gibts in allen Parteien leider nur sehr wenige  

08.09.05 16:11

7203 Postings, 6977 Tage bullybaerDas Joschka ein Kampfschwein

ist hat er schon in frühen Jahren bewiesen. Nämlich als es darum ging
besetzte Häuser gegen die Räumungskommandos der Polizei mit Steinwürfen
zu verteidigen.

Sollte ROT/GRÜN weiterregieren plädiere ich dafür, ihn zu Verteidigungsminister
zu ernennen.


mfg
bb  

20.09.05 15:48

5687 Postings, 7233 Tage duschgelJoschka als Hinterbänkler?

Fischer will nicht Grünen-Fraktionschef werden
Fischer will nicht Grünen-Fraktionschef werden
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Berlin (dpa) - Außenminister Joschka Fischer steht nicht für das Amt des Grünen-Fraktionschefs im Bundestag zur Verfügung. Er werde auch keine anderen Ämter in Partei und Fraktion übernehmen, sagte Fischer am Dienstag in einer Fraktionssitzung nach Teilnehmerangaben.

Für den Fall, dass die Grünen an einer Regierung beteiligt würden, könne er sich aber ein Regierungsamt durchaus vorstellen.

Die Aufgaben in Fraktion und Partei sollten von Jüngeren übernommen werden, sagte Fischer. Er wolle die Fraktion «einige Jahre aus der hinteren Reihe» begleiten. Sein Bundestagsmandat werde er aber annehmen.

Fischer bekam stehenden Applaus von den sichtlich überraschten Fraktionsmitgliedern. Im Wahlkampf hatte der 57-jährige Grünen- Spitzenkandidat die Rolle des Oppositionsführers stets als «reizvoll» bezeichnet. Fischer war bereits von Oktober 1994 bis Oktober 1998 Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, bevor er Außenminister wurde.

 

20.09.05 15:53

4020 Postings, 6461 Tage MD11wir brauchen

heutzutage keine Politiker, sondern Fanatiker und Berserker.......

...;)  

21.09.05 01:01

5687 Postings, 7233 Tage duschgeltausche Macht gegen Freiheit

«Jetzt will ich meine Freiheit zurückhaben»
Berlin (AP) Für die meisten im Saal war die Überraschung groß. Bei der ersten Fraktionssitzung der Grünen nach der Bundestagswahl ließ Außenminister Joschka Fischer die Bombe platzen: Für den Fall, dass die Grünen in die Opposition wechselten, stehe er für ein Spitzenamt in Partei und Fraktion nicht mehr zur Verfügung, verkündete er. Erst herrschte Totenstille, dann erhielt der heimliche Vorsitzende, der die Grünen als Spitzenkandidat in den Wahlkampf geführt hatte, minutenlang stehende Ovationen. Hinter den Kulissen begann bereits der Machtkampf.

Fischer zog die Konsequenz aus dem Verlust der Mehrheit für Rot-Grün bei der Wahl vergangenen Sonntag. «Ein Lebensabschnitt, ein 20jähriger, geht zu Ende, ein neuer beginnt», verkündete Fischer vor dem Fraktionssaal und fügte hinzu: «Ein Stück Emotion ist dabei.» Drinnen soll er gesagt haben: «Mit der Unterschrift unter den hessischen Koalitionsvertrag habe ich Freiheit für Macht eingetauscht. Jetzt will ich meine Freiheit zurückhaben.»

Zwar will sich der Noch-Außenminister nicht komplett aus der Politik zurückziehen. Sein Bundestagsmandat nimmt er an, wie er erklärte. Doch ob er es für die gesamte Legislaturperiode behalten will, darauf legte er sich nicht fest. Auch ein Ministeramt für den Fall einer weiteren Regierungsbeteiligung der Grünen schloss er nicht definitiv aus. Allerdings hält er diesen Fall für unwahrscheinlich. «Bleiben Sie Realist!», antwortete er auf eine entsprechende Frage.

Zwar wollen die Grünen Sondierungsgespräche mit SPD und Union über eine Regierungsbeteiligung führen. Doch eine Ampelkoalition mit SPD und FDP lehnen die Liberalen vehement ab. Und eine so genannte Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen halten die Grünen selbst für eine unrealistische Variante. «Das sind Gespräche, keine Koalitionsverhandlungen», betonte Parteichefin Claudia Roth. Auch die Basis steht einem solchen Projekt eher ablehnend gegenüber, wie ein Abgeordneter berichtete. Fischer bestritt, dass er mit seinem Rückzug den Weg für schwarz-grün-gelbe Sondierungen freimachen wollte. Beides habe «nichts miteinander zu tun».

Die Ankündigung des Außenministers zum Rückzug kam insofern überraschend, als er noch während des Wahlkampfes in einem Interview beteuert hatte, er werde nicht den Opa aus der Muppet-Show machen und von einer hinteren Bank aus sich ins laufende Geschehen mischen. Dies war als Ankündigung interpretiert worden, dass er den Fraktionsvorsitz übernehmen wolle. Jetzt versicherte Fischer den alten und neuen Abgeordneten, er sei «erwachsen und erfahren genug, um nicht von hinten und von vorne reinzuregieren». Für eine Neuaufstellung werde jetzt Klarheit gebraucht.

Die Stellungnahmen der Parteichefs Claudia Roth und Reinhard Bütikofer klangen bereits wie ein Nachruf: «Ohne Joschka Fischer wäre die Partei sicher nicht da, wo sie heute ist», sagte Roth. Er habe «gezeigt, dass Politik Spaß machen kann», er habe die Partei für breite Teile der Bevölkerung geöffnet und bewiesen, dass die Grünen keine Ein-Generationen-Partei seien. Als einen «Einschnitt in die grüne Parteigeschichte», bezeichnete auch Bütikofer den Schritt des Außenministers.

Das Geschacher um sein Erbe begann unmittelbar nach Fischers Abgang. Um den Fraktionsvorsitz bewarben sich Verbraucherministerin Renate Künast und Umweltminister Jürgen Trittin. Auch die noch amtierenden Fraktionschefinnen Katrin Göring-Eckardt und Krista Sager wollten sich nicht einfach so aus der ersten Reihe verdrängen lassen. Zumindest Göring-Eckardt meldete ihren Anspruch direkt an, wie aus Teilnehmerkreisen verlautete.

Künast sagte: «Ich habe meinen Hut in den Ring geworfen.» Sie mache sich allerdings nicht die Illusion, Fischers Fußstapfen «exakt identisch ausfüllen» zu können. Fischers Abgang bedeute einen «Generationenwechsel». Wenn die Partei eine starke Führungsfigur verliere, bedeute dies einen Neuanfang. Sie zitierte Hermann Hesse mit den Worten: «Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.»

 

11.06.08 22:49

63287 Postings, 6393 Tage Don Rumatanaja, Wahlkampf kommt langsam wieder auf uns zu

also den Thread mal im Auge behalten!

:-)
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Es ist dem Untertan untersagt,
den Maßstab seiner beschränkten Einsicht
an die Handlung der Obrigkeit
anzulegen !

Kurfürst Friedrich - Wilhelm von Brandenburg

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