Italienurlaub 2003, Rückschau

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neuester Beitrag: 28.08.03 15:04
eröffnet am: 28.08.03 12:34 von: verdi Anzahl Beiträge: 4
neuester Beitrag: 28.08.03 15:04 von: Heinz Leser gesamt: 1108
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28.08.03 12:34

4503 Postings, 7036 Tage verdiItalienurlaub 2003, Rückschau



Erinnern Sie sich noch? Der Kanzler fuhr in diesem Jahr nicht in den Urlaub, weil ein italienischer Politiker die deutschen Touristen als lärmende Horden bezeichnet hatte. Andere fuhren trotzdem. Wie aber hat sich der Deutsche an sich in diesem heiklen Sommer präsentiert?


Wie die Deutschen waren? Am Anfang stocksauer. Ich habe schon gemerkt, dass meine deutschen Kunden verärgert waren, gleich nach den ungeschickten Äußerungen dieses Staatssekretärs von der Lega Nord. Sie waren kühl und manchmal richtig hart, haben nur bestellt, zack, zack, kein freundliches Wort, die Kellnerinnen waren ganz verstört. Aber jetzt ist alles wieder in Ordnung, zum Glück, denn unser Restaurant zwischen Dom und Sprachuniversität ist natürlich immer voll mit Ausländern. Manche Italiener werfen mir das richtig vor. Du hast ein Ausländerlokal, sagen sie. Aber bitte schön, was soll ich machen? Solange die Deutschen kommen, kann ich ruhig schlafen. Ich mache auch schon um sieben Uhr abends die Küche auf, weil sie ja ein wenig früher essen als wir Italiener. Und sie kennen sich gut aus: Tagliatelle al tartufo, Pasta mit Trüffeln, lieben sie besonders. Sie sind kultiviert, das finde ich. Das war früher anders, vor Jahren hatten wir afrikanische Kellner, da haben die deutschen Kunden tatsächlich protestiert. Einige wollten nicht von einem Schwarzen bedient werden, sind aufgestanden und gegangen. Doch, das hat es gegeben. Aber heute, schreiben Sie das bloß nicht, heute sind die arrogantesten Gäste die Franzosen.
ASSUNTA
Wirtin der Trattoria La Lanterna in Perugia, Umbrien
 

Was heißt hier: Wie war ich? Hoffentlich kommen noch ein paar Deutsche im Herbst! Der Sommer mit ihnen war jedenfalls ziemlich ruhig. Selbst die deutschen Jugendgruppen machen inzwischen keinen Krach mehr. Wir haben lieber Deutsche als Italiener, ganz ehrlich. Die Italiener sind so anstrengend, stellen Ansprüche. Zu still! Zu laut! Zu viel Musik! Zu wenig Musik! Der See zu kalt! Der See zu warm! So geht das in einem fort. Ständig beklagen sie sich. Die Deutschen aber sind präzise vorbereitet. Sie wissen, was sie hier erwartet, und wollen auch gar nichts anderes. Manche kommen schon seit über zehn Jahren, als richtige Stammgäste, einige sind sogar unsere Freunde geworden. Die Signora Regina aus Dortmund hat vor ein paar Jahren zu ihrem Geburtstag einen ganzen Bus mit ihren deutschen Freunden voll geladen, und alle sind zu uns gekommen und haben gefeiert. In diesem Jahr aber sind weniger Deutsche da. Nein, nein, mit Berlusconi hat das nichts zu tun, die kommen unseretwegen und weil sie den See lieben, denen ist doch die Regierung egal. Die Flaute liegt am Euro, alles ist so teuer geworden, einige Restaurants in der Umgebung nehmen jetzt 30 Euro, wofür sie früher 30000 Lire verlangten. Mit der Mark, das waren andere Zeiten.
GIANFRANCO LAMPANI
Campingplatzbetreiber in Amalasunta, Lago di Bolsena, Latium
 

Wie die Deutschen waren? Sportlich und kinderlieb. Deutsche sind anders am Meer als wir Italiener. Sie bleiben den ganzen Tag am Strand, spielen mit den Kindern und treiben Sport. Früher war es voll hier mit deutschen Familien, aus Bayern vor allem, aber auch aus Ostdeutschland. Aber ich weiß, auch ihr habt kein Geld mehr. Die Deutschen sind immer gute Kunden gewesen. Sehr korrekt im Umgang mit allen, die am Strand arbeiten. Nie lassen sie ein Taschentuch neben den Papierkorb fallen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Deutsche und Italiener auf einmal dieselbe Sprache sprechen. Ja, ihr redet über genau dieselben Dinge wie wir. Wir schimpfen auf die Wirtschaftskrise und auf die Regierung. Na ja, die Regierung, da gibt es natürlich große Unterschiede zwischen Italien und Deutschland. Aber unsere deutschen Gäste haben sich eigentlich nicht beklagt über die Attacken der Berlusconi-Leute. Das Thema für uns alle in diesem Sommer ist die soziale Krise. Darüber redet man auch hier am Strand, unterm Sonnenschirm.
PATRIZIA CORNELI
Betreiberin des Strandbads La Conchiglia Silvi Marina, Abruzzen
 

Die Deutschen? Sie waren auch in diesem Jahr wieder sehr wählerisch. Wenn sie kommen, probieren sie alle Weine, die wir haben. Wir haben alle Sorten auf einen Tisch gestellt, Plastikbecher daneben, so kann sich jeder einschenken, was er will. Die Deutschen machen so eine richtige Zeremonie daraus, über jeden Wein denken sie ein bisschen nach. Und dann kaufen sie zum Schluss den besten. Kistenweise. Die Deutschen – ein Volk von Biertrinkern? Dass ich nicht lache. Nein, sie verstehen was von Wein! Nur die Jungen, die hier auf den Bauernhöfen übernachten, wollen die Fünfliterflasche Landwein für 5 Euro. Die anderen nehmen den guten Rotwein für 9,10 Euro. Vielleicht ist das für sie ein gutes Geschäft, denn wir exportieren ihn auch nach Deutschland, und da kostet er wahrscheinlich viel mehr. Auch unser Öl mögen sie, na, die guten Dinge gefallen eben allen, sage ich immer. Wir reden nicht viel miteinander, denn unsere deutschen Kunden sprechen kaum Italienisch. Aber sie wissen, was sie wollen. Noch nie hat sich einer im Nachhinein beklagt.
LUCIANA MARROCOLO
Winzer in der Kooperative Colli Amerini, Fornole, Umbrien  

Wie sie waren, die Deutschen? Großzügig. Wenn sie 2,80 Euro für den Parkplatz bezahlen sollen, lassen die Deutschen immer 20 Cent Trinkgeld. Hier kommen viele hin, mit großen Autos, meistens aus Süddeutschland. Hinter der Macchia liegt ein Prominentenstrand. Umberto Eco macht hier Urlaub, italienische Politiker und Künstler, alles Leute mit Geld, das sie aber nicht so zeigen wollen. Ist ja nichts los hier, nur Dünen, Meer und eine Strandbar. Jedenfalls sind die Deutschen großzügiger als die Italiener. Meine Landsleute lassen sich immer das komplette Wechselgeld herausgeben, auf den letzten Cent. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass sie den ganzen Sommer über hier parken, während die Deutschen ja nur für ein paar Tage kommen.
MASSIMILIANO
Parkplatzwächter Ultima piaggia, Cabalbio, Toscana


Aufgezeichnet von BIRGIT SCHÖNAU

(c) DIE ZEIT 28.08.2003 Nr.36


 

28.08.03 13:58

16448 Postings, 7066 Tage chrismitzEy, wieso hat der Typ keine Socken an?


So ein Modebarbar! Alle deutschen tragen doch (weiße) Socken zu Sandalen?! Tststststs

Gruß  

28.08.03 14:55

4503 Postings, 7036 Tage verdiA propos Socken in Sandalen ;-)

Socken in Sandalen

Britische Archäologen haben entdeckt, dass diese modische Todsünde auf die Römer zurückgeht

Von Jürgen Krönig für ZEIT.de


In der amüsanten Monty Python Filmkomödie „Das Leben des Brian“ stellten aufgebrachte Juden die Frage: „Was haben die Römer je für uns getan“, mal abgesehen von funktionierender Wasserversorgung und Kanalisation, ordentlichen Straßen und einer reibungslosen Verwaltung. Die modernen Briten haben nun wirklich einen Grund gefunden, auf die Römer sauer zu sein. Ein brandneuer archäologischer Fund belegt, dass sie den Römern eine Angewohnheit zu verdanken haben, die sie weithin zum Gespött anderer europäischer Nationen macht (abgesehen von denen natürlich, die sich, wie die Deutschen, des gleichen schlechten Rufes erfreuen). Die Rede ist von der Angewohnheit, Socken zu Sandalen zu tragen. In den Augen mode- und stilbewusster Zeitgenossen gibt es kaum eine größere Sünde als diese Kombination. Auf der Insel war sie offenkundig bereits vor fast 2000 Jahren gang und gäbe. Bei Ausgrabungen in London stießen britische Archäologen auf eine Bronzestatue, die eine männliche Person zeigt, deren Füße in Sandalen und Socken stecken. Die Archäologin Nancy Rosenberg wartet mit einer einleuchtenden Erklärung für diesen Faux Pas auf: Das miese englische Wetter habe die Römer dazu bewogen, ihre Füße gegen Kälte und Nässe zu schützen. In gewisser Weise also verständlich, aber letztlich doch unentschuldbar. Immerhin wartete die Wissenschaftlerin zugleich mit dem Geständnis auf, dass sich viele ihrer männlichen Kollegen leider auch dieses Verstoßes schuldig machten.

Die Times nahm sich der brennenden Sockenthematik gar in einem Leitartikel an und bemerkte völlig zu Recht, beinah nichts wirke so abschreckend auf das weibliche Geschlecht wie die unsägliche Kombination aus Socken und Sandalen, „nicht einmal verschwitzte Achselhöhlen, Schuppenbedeckte Schultern oder ein Bierbauch, der über dem Gürtel heraushängt“. Das Blatt geht sogar noch einen Schritt weiter. Angesichts dieses archäologischen Fundes müsste man womöglich das gängige Urteil über die antike Zivilisation überprüfen, wenn denn der Begriff Zivilisation überhaupt noch gerechtfertigt sei. Trotz solch harschen Urteils gebildeter Kreise darf man eines mit Sicherheit voraussagen: Viele männliche Inselbewohner werden sich auch fürderhin einen Teufel um die ästhetischen Einwände scheren und weiterhin Socken zu Sandalen tragen. Was auch sein Gutes hat. Ihrer Umwelt bleibt dann, dank der Socken, wenigstens der unattraktive Anblick gekrümmter, gelblicher, männlicher Fußnägel erspart.


ZEIT.de 27.8.2003

Gruss verdi
 

28.08.03 15:04

4286 Postings, 7101 Tage HeinzDafür hat er aber 1a rasierte Beine

muß man ihm echt lassen!
tatütata...
 

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