Im Osten geht jetzt die Börsensonne auf

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eröffnet am: 16.04.03 23:27 von: Nassie Anzahl Beiträge: 1
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15990 Postings, 6760 Tage NassieIm Osten geht jetzt die Börsensonne auf

EU-Beitritt verheißt neue Anlage-Chancen - Besonders der Finanzsektor profitiert von ökonomischer Aufholjagd
 
Berlin  -  Nicht nur EU-Bürokraten, auch Börsianer müssen wegen der kommenden EU-Erweiterung ihren Horizont erweitern. Schließlich gilt es, mit der geografischen Kräfteverschiebung innerhalb Europas auch das eigene Portfolio neu zu justieren. Während die Politiker aber noch bis 2004 Zeit haben, sich umzustellen, wird es für Anleger langsam eng. In der Regel nimmt die Börse wichtige Ereignisse bereits sechs bis zwölf Monate vorweg.


"Mit der Unterzeichnung der Beitrittsverträge ist das größte politische und ökonomische Projekt in diesem Jahrzehnt nun offiziell auf den Weg gebracht", sagt Zsolt Papp, Stratege bei ABN Amro in London. Der EU-Beitritt werde den vermutlich zehn neuen Mitgliedern auf Jahre hinaus ein größeres Wachstum als den etablierten 15 Staaten bescheren. "Im Klartext: Die Börsen der Beitrittsländer dürften langfristig die klaren Outperformer sein."


Als Blaupause für ihren Optimismus dient den meisten Experten der EU-Beitritt Irlands oder Spaniens. Irland - einstmals das Armenhaus Europas - entwickelte sich seit dem Beitritt 1973 zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften. Betrug die irische Wirtschaftsleistung pro Einwohner beim Eintritt noch 60 Prozent des EU-Durchschnitts, gehört das Land heute mit 115 Prozent zu den reichsten Mitgliedern. Die EU-Mitgliedschaft bescherte den Iren Wachstum und Stabilität sowie ein Rückgang von Inflation und Zinsen. Auf einen ähnlichen Segen hoffen die Experten auch bei Polen, Ungarn oder den baltischen Staaten.


Der Finanzsektor übernimmt dabei klar die Favoritenrolle und sollte auch von Anlegern übergewichtet werden. Denn die Kreditvergabe der Banken floriert besonders dann, wenn eine Ökonomie anspringt und gleichzeitig die Zinsen sinken. Doch nicht in allen zehn Beitrittsländern gibt es attraktive Kaufkandidaten. So ist beispielsweise Polen "overbankt". Das heißt es gibt zu viele Institute, die sich gegenseitig die Margen kaputt machen. In Ungarn setzen die Experten auf die OTP Bank, in Tschechien zieht Komercni Banka das Interesse der Analystengilde auf sich. Als Geheimtipp gilt die estnische Hansabank, die dank des Wirtschaftswachstums in dem Baltenstaat hohe Zuwachsraten aufweist.


Polen macht dagegen durch interessante IT-Titel auf sich aufmerksam. Potenzial wird in diesem Sektor Computerland und Procom zugetraut. So erwarten viele Branchenbeobachter im Zusammenhang mit dem Beitritt Investitionen in neue Technologien. Mit zusätzlicher Nachfrage dürfen auch die Telekomgesellschaften des Ostens rechnen. Ganz oben auf den Kauflisten stehen die tschechische Cesni Telecom, die ungarische Matav sowie als kleinerer Player die litauische Lietuvos Telecom. Auch dem Pharmasektor trauen die Experten einiges zu. Die ungarischen Titel Egis und Richter Gedeon sowie die slowenische Krska werden favorisiert.


Auch wenn im Osten enormes Gewinnpotenzial schlummert, sollten Anleger aber nicht wahllos Titel aus den Beitrittsländern ins Portfolio heben. Vielen Börsen mangelt es an Liquidität, so dass Investoren im Ernstfall auf den Aktien sitzen bleiben. Der gesamte lettische Markt etwa ist gerade einmal umgerechnet 665 Mio. Euro schwer. Noch geringer ist die Marktkapitalisierung Litauens. Sicherheitsorientierte Anleger sollten daher die Auswahl auf die drei Hauptbörsen Prag, Warschau und Budapest beschränken, wo ausreichende Stückzahlen gehandelt werden.


Wer Einzelinvestments tätigt, muss zudem ständig am Ball bleiben. Denn die Managementqualität in Osteuropa lässt mit Ausnahme von Ungarn oftmals sehr zu wünschen übrig, was zu bösen Überraschungen führen kann. Doch die Anleger sollten sich von solchen Widrigkeiten nicht von Investments abschrecken lassen.


Als nächsten Katalysator sehen Experten die Diskussion um einen Beitritt zum Euro, die schon bald nach der EU-Mitgliedschaft aufkeimen dürfte. Jürgen Kirsch, Fondsmanager bei Griffin Capital: "Gerade das Beispiel Griechenland hat gezeigt, dass damit die ökonomische Aufholjagd und damit die Rallye an den Märkten noch einmal richtig beschleunigt wird."


 

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