Im Internet tobt der moderne Wahlkampf

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15324 Postings, 5712 Tage quantasIm Internet tobt der moderne Wahlkampf

Aachen. Der ideale Kanzler heißt Anhard Schrökel, ein klassischer Schröder-Merkel-Mix.

Zu diesem Ergebnis kommen zumindest 31.234 Internet-Nutzer, die sich unter http://www.kanzlergenerator.de aus Frisur, Augen, Nase, Mund und Kinn von Angela Merkel, Gerhard Schröder, Guido Westerwelle, Joschka Fischer, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi ein virtuelles neues Kanzlergesicht gebastelt haben. Möglich waren, hieß es, 15.625 Variationen.

Wahlkampf spielerisch im Internet. Wo man unter http://www.games.de auch so putzige Animationen wie «Merkeldance» oder «Kanzlerboxen» findet.

Aber auch die «richtige» Politik nutzt das Internet. Nicht zuletzt, weil der kürzeste Bundestagswahlkampf aller Zeiten dieses Medium zwanghaft ins Blickfeld rückt. Kampagnen im Internet lassen sich schnell organisieren, haben eine große Reichweite und sind im Vergleich zu Prospekten und Plakaten billig.

Aber: Das Publikum ist eher begrenzt. Auf die politischen Seiten «verirren» sich nur selten Parteifremde, angesprochen wird eher eine bestehende «Gemeinde». Bei der aber lässt sich nicht nur die Parteibindung stärken.

Das Beispiel USA, wo der Internetwahlkampf schon seit Jahren eine deutlich größere Rolle spielt als hier zu lande, zeigt, dass sich Anhänger per Internet und E-Mail effektiv mobilisieren lassen. Zudem werden dort über das Netz beachtliche Summen an Spenden eingefahren.

Entdeckt haben auch deutsche Politiker das Netz schon vor etwa zehn Jahren. Kaum ein Kandidat, der nicht über seine eigene Webseite verfügte - wenn auch mit prominenten Ausnahmen. So haben weder Verteidigungsminister Peter Struck, Wirtschaftskollege Wolfgang Clement noch Kassenwart Hans Eichel (alle SPD) eine eigene Domain.

Auch die linken Spitzen Gregor Gysi und Oskar Lafontaine unterhalten keine eigene, SPD-Chef Franz Müntefering und Grünen-Chefin Claudia Roth lassen sich auf die Parteiseite umleiten. Die sind mit zahlreichen Rubriken und Links das Herzstück jeder Internet-Kampagne, um das sich Unterstützer- und Mitmach-Seiten gruppieren. Denn Interaktion ist eins der Zauberworte.

Das andere lautet: Weblog oder kurz Blog - ein Wortkonstrukt aus Web und Logbuch. Es handelt sich um nichts anderes als laufend aktualisierte persönliche Wahlkampftagebücher, die von Besuchern mit Kommentaren versehen werden können.

Wahlkampfbeobachter zählen 94 zumeist grüne «Blogger». Die Prominentesten unter ihnen - zu finden auf http://aol.de/blogs - sind die Kandidaten Katherina Reiche (CDU), Niels Annen (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Hermann Otto Solms (FDP) und Petra Pau (Die Linke.PDS). Übrigens sind auch die Weblogs keine deutsche Erfindung; die USA und manche europäische Länder kennen Blogger seit langem. Einer der engagiertesten ist etwa Frankreichs Ex-Premier Alain Juppé.

Natürlich bietet das Netz auch Platz, über den politischen Gegner herzuziehen. So teilt die CDU unter http://www.leere-versprechen.de in Richtung Gerhard Schröder aus; die SPD kontert auf der Seite http://www.die-falsche-wahl.de mit Häme gegen Schwarz und Gelb.

Als nützliches Instrument zur Meinungsbildung im Wahlkampf hat sich die partei-unabhängige Seite http://www.kandidatenwatch.de etabliert. Hier lassen sich anhand von Postleitzahlen die heimischen Kandidaten finden und befragen. Es werden nicht nur Fragen und Antworten protokolliert, sondern auch, wer wie oft (nicht) antwortet.

So gab es insgesamt in den vergangenen Wochen bis Mittwoch 2635 Anfragen an SPD-Kandidaten; 1814 oder 68,84 Prozent wurden beantwortet. Bei der Union waren es 3030 Fragen mit 1995 oder 65,84 Prozent Antworten. Die meisten Fragen wurden übrigens mit 2275 aus Nordrhein-Westfalen gestellt. Bundesweit waren es am Mittwoch 10734.

Wer wissen will, bei welcher Partei sich seine Wähler-Meinung widerspiegelt, für den lohnt sich ein Blick auf eine niederländische Erfindung - die interaktive Wahlmaschine http://www.wahlomat.de. Hier klickt sich der Benutzer durch 30 aktuelle Polit-Thesen etwa zu Tempolimit oder EU-Beitritt der Türkei, kreuzt ja, neutral oder nein an und erhält am Ende das Ergebnis, welcher Partei er am nächsten steht. Überaschungen nicht ausgeschlossen.

Natürlich gibt es auf dieser Seite der Bundeszentrale für politische Bildung Querverbindungen zu den Parteiprogrammen - auch zu einem so exotischen wie dem der «Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands».

Einem besonderen Test halten die wenigsten Parteiseiten stand: Dem von Behinderten. So kommen der Blinden- und Sehbehindertenverband DBSV und das Projekt «Barrierefrei informieren und kommunizieren» (BIK) zu dem Ergebnis: Die Seiten sind durchweg stark verbesserungsbedürftig.

Während die Internetauftritte von «Die Linke.PDS» und SPD noch mit «eingeschränkt zugänglich» bewertet wurden, kassierten die übrigen Seiten ein «für behinderte Menschen nur schlecht oder sehr schlecht nutzbar».

Der Hintergrund: Barrierefrei erstellte Internetseiten lassen sich durch eine Übersetzung in Blindenschrift auch von Sehbehinderten nutzen. Für alle Bundesbehörden ist das seit Juni 2003 durch die «Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung» im Zuge des Behindertengleichstellungsgesetzes verbindlich. http://www.bik-online.info.

Fehlt nach aller Surferei nur noch der Gang zur Wahlurne. Einen genauen Countdown bis zur Wahl gibts auf der Seite http://www.egal-ich-geh-zur-wahl.de. Und der Nichtwähler findet im Internet natürlich auch ein Forum, seine Stimmverweigerung zu erklären: http://www.ich-gehe-nicht-hin.de.

Union: http://www.cdu.de ; http://www.csu.de ; http://www.leere-versprechen.de ; http://www.team-zukunft.de ; http://www.cdunion.de ; http://www.angela-merkel.de ; http://www.angie-merkel.de

SPD: http://www.spd.de ; http://www.rote-wahlmannschaft.de ; http://www.roteblogs.de ; http://www.wirkaempfen.de ; http://www.gerhard-schroeder.de

FDP: http://www.liberale.de ; http://www.fdp-bundesverband.de ; http://www.fdp-buergerfonds.de ; http://www.wahlkampf.fdp.de ; http://www.guido-westerwelle.de

Bündnisgrüne: http://www.gruene.de ; http://www.prozentfabrik.de ; http://www.gruene-aktion.de ; http://www.joschka.de

Die Linke.PDS.: http://www.sozialisten.de

Überparteilich: http://www.wahl-fang.de

Achener Zeitung Rolf Faltmann   (15.09.2005 | 13:00 Uhr)

 

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