Hertie meldet Insolvenz an

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neuester Beitrag: 31.07.08 14:09
eröffnet am: 31.07.08 12:43 von: Happy End Anzahl Beiträge: 9
neuester Beitrag: 31.07.08 14:09 von: jocyx Leser gesamt: 383
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31.07.08 12:43
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95441 Postings, 7319 Tage Happy EndHertie meldet Insolvenz an

+++ EILMELDUNG +++

Hertie meldet Insolvenz an

Die Warenhauskette Hertie hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte eine Sprecherin des Essener Amtsgerichts. Das Unternehmen betreibt bundesweit 73 Warenhäuser - 4100 Mitarbeiter müssen nun um ihren Job bangen.

Hamburg - Hertie war wegen der Finanzprobleme des britischen Haupteigentümers Dawnay Day in Schwierigkeiten geraten. Schon seit Tagen machen Gerüchte über eine baldige Pleite die Runde. Das Unternehmen selbst hat bislang dazu keine Stellung genommen.

Dawnay Day hatte 2005 von KarstadtQuelle, der heutigen Arcandor, 74 kleinere Filialen übernommen, die unter dem Traditionsnamen Hertie betrieben werden. Medienberichten zufolge schrieb Hertie in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 30 Millionen Euro Verlust. Die Warenhauskette äußert sich dazu nicht.

Erst Anfang des Monats hatte die ebenfalls früher zu KarstadtQuelle gehörende Textilkette Wehmeyer mit 1000 Beschäftigten Insolvenz angemeldet. Das Aachener Unternehmen mit 38 Modehäusern in vier Bundesländern war 2005 an einen Investor verkauft worden.

Mehr dazu in Kürze auf SPIEGEL ONLINE.

Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,569289,00.html

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31.07.08 12:45

246340 Postings, 5627 Tage buranFinte! *lol*

31.07.08 12:50

176922 Postings, 7051 Tage GrinchNö buran!

31.07.08 12:53

246340 Postings, 5627 Tage buranHertie?

wollte das nicht ein reicher Russe kaufen?
War doch Hertie,glaube ich.  

31.07.08 12:55

246340 Postings, 5627 Tage buranQuatsch! Nich Hertie!

Das war ein Reiseunternehmen,habe aber den Namen vergessen.
Weiss einer wen ich meine?  

31.07.08 12:55

176922 Postings, 7051 Tage Grinch"Ullas Seniorenreisen" vielleicht???

31.07.08 12:56
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58056 Postings, 4840 Tage jocyxdas macht nachdenklich

immer wenn ein "Investor" irgend etwas kauft, gibt es dann eine Insolvenz.  

31.07.08 14:03
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95441 Postings, 7319 Tage Happy EndHertie bleibt kein Einzelfall

Hertie bleibt kein Einzelfall

Die Warenhauskette ist insolvent. Auch andere Unternehmen, die im Besitz von Finanzinvestoren sind, könnten bald in Schwierigkeiten geraten

Von Arne Storn

Wenig ist bekannt über Barry Pincus. Um die 60 Jahre ist er alt, seit 1981 bei Dawnay, Day und heute einer der Topmanager dieser britischen Investmentfirma. Als solcher sitzt er seit dem Frühjahr im Aufsichtsrat von Hertie. Dort dürfte sein Rat in diesen Tagen sehr gefragt sein: Dawnay, Day ? mit mehr als 85 Prozent der Haupteigner des Warenhauskonzerns ? steckt in Schwierigkeiten. Und damit auch Hertie. Am Donnerstag musste die Warenhauskette Insolvenz anmelden. Rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland sorgen sich um ihre Jobs.

Hertie dürfte kein Einzelfall bleiben. Weltweit müssen Finanzinvestoren ihre Beteiligungen neu bewerten, vereinbarte Übernahmen abblasen und neue Kaufpläne zu den Akten legen. Seit einem Jahr tobt die Finanzkrise, sie drückt Aktienkurse nach unten. Kredite für Akquisitionen sind Mangelware. Die Banken haben Milliarden abgeschrieben, viele Vorstandschefs verloren ihre Posten und einige Institute ihre Eigenständigkeit. Die Angst vor dem Risiko ist zurückgekehrt, und so hat es heute schwer, wer sich von Banken Geld leihen möchte. Wer es bekommt, erhält nur kleinere Beträge, zu schlechteren Konditionen.

Nach einer Schätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) müssen Firmen, die im Besitz von Finanzinvestoren sind, bis 2010 »mehr als 500 Milliarden Dollar« an Krediten und Anleihen refinanzieren. Das Risiko, dass sie das nicht schaffen, sei für hoch verschuldete Unternehmen »substanziell« gestiegen. Zum Problem zurückhaltender Banken komme die Belastung durch ein nachlassendes Wirtschaftswachstum.

Weltweit mehren sich die Zeichen, dass die Finanzkrise, begleitet von hohen Rohstoff- und Energiepreisen, auch anderswo ihre Spuren hinterlässt. In Deutschland bauen Infineon, Henkel und Ergo Tausende Stellen ab, der Autokonzern Daimler warnt vor sinkenden Gewinnen, und die Stimmung unter den Verbrauchern ist so schlecht wie seit Jahren nicht. Ein Ende des Booms, ja selbst der Absturz in eine Rezession drohen. Das hieße: weniger Käufer in den Geschäften, sinkende Werbeausgaben der Unternehmen, ein Rückgang der Exporte ins Ausland.

Vorsichtige Banken, fallende Erträge ? es wird enger für Unternehmen, die in der Hand von Finanzinvestoren sind. Zu eng?

Finanzinvestoren, so das Grundmodell, kaufen Unternehmen. Sie trimmen sie auf Profitabilität, zerschlagen sie oder fusionieren sie mit Konkurrenten, um sie nach ein paar Jahren mit Gewinn wieder abzustoßen. Finanziert werden die Übernahmen zum einen durch Eigenkapital, das Anleger bereitstellen, zum anderen durch Kredite, die dann den erworbenen Firmen aufgebürdet werden. Diese begleichen über die Jahre einen Teil der Schulden aus den laufenden Erträgen. Der Rest wird abgelöst, wenn das Unternehmen verkauft wird oder an die Börse geht. Mit dem, was vom Erlös übrig bleibt, machen die Investoren ihren Schnitt. Sie erzielen Renditen auf das Eigenkapital von bis zu 30 Prozent ? aufs Jahr gerechnet.

Schwierig wird es, wenn die Schulden zu hoch oder die Erträge zu niedrig ausfallen. Katastrophal ist es, wenn beides zusammenkommt. Selbst Finanzinvestoren geben zu, dass viele Übernahmen der vergangenen Jahre auf Basis sehr optimistischer Erwartungen finanziert wurden. In einer Studie der Rating-Agentur Standard & Poor?s (S&P) hinkten denn auch 53 Prozent der untersuchten Unternehmen in der Hand von Finanzinvestoren ihren Ergebnisprognosen hinterher ? und das war im Februar. Aktuell warnt der Finanzdienstleister SCM in einer Studie davor, dass Unternehmen ihre Ertragsziele verfehlen könnten. Die Reaktionen dürften nicht lange auf sich warten lassen. Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren würden oft direkter geführt, sagt Burkhard Schwenker, Vorstandschef der Unternehmensberatung Roland Berger: »Es ist denkbar, dass Finanzinvestoren schneller und mit höherem Druck auf einen Abschwung reagieren als andere.«

Er sieht im Retten von Unternehmen bereits »ein Wachstumsgeschäft«. Ein anderer Berater unkt: »Wir machen uns derzeit alle fit in Sachen Rezession.« Kanzleien, Banken und Berater bauen ihre Abteilungen für das Geschäft mit der Krise aus. Selbst Finanzinvestoren bereiten sich schon mit neuen Milliardenfonds darauf vor, notleidende Kredite aufzukaufen.

Schulden sind nicht per se schlecht. In Zeiten billiger Kredite kann es günstiger sein, Investitionen mit fremdem Kapital zu finanzieren, denn die Zinszahlungen senken die Steuerlast. In einer Studie der Managementberatung Oliver Wyman ist gar die Rede von einer »heilsamen Wirkung« von Schulden: Wer aufs Geld achten müsse, neige weniger zu Verschwendung, sei wachsamer und reagiere in der Krise schneller.

Es sind plausible Argumente ? solange sich die Verschuldung in Grenzen hält. Im Boom bis 2007 ließen etliche Finanzinvestoren aber alle Grenzen hinter sich. Weil Banken die Kredite ? und damit die Risiken ? an andere Investoren weiterreichen konnten, gingen die Preise für Unternehmen und der Anteil der Schulden daran in ungekannte Höhen. Zudem genehmigten sich Finanzinvestoren Sonderausschüttungen, die die Unternehmen über neue Kredite finanzierten. Terra Firma, so heißt es, habe auf diesem Weg vom Raststättenbetreiber Tank & Rast 400 Millionen Euro erhalten, Permira und zwei weitere Investoren ließen sich vom Chemiekonzern Cognis 850 Millionen Euro auszahlen. Sie sind damit schon im Plus ? und nach wie vor Eigentümer. Die Unternehmen hingegen haben in Summe Schulden zu schultern, die das Jahresergebnis im Fall Cognis etwa um den Faktor sechs, im Fall Tank & Rast inzwischen wohl um den Faktor zwölf übersteigen. Als kritisch gilt gemeinhin alles über drei.

»Es ist unser Job, die Finanzierung sauber durchzukalkulieren«

Es sei zu spüren, »dass der konjunkturelle Rückenwind nachlässt«, sagt ein Sprecher von Tank & Rast, man werde daher den »Gästen noch mehr bieten, damit sie noch öfter bei uns haltmachen«. In den nächsten Jahren sollen 400 Millionen Euro investiert werden. Auch bei Cognis läuft angeblich alles nach Plan. »Cognis ist hoch verschuldet, aber nicht zu hoch«, sagt Permiras Deutschland-Chef Jörg Rockenhäuser. Weder seien sie »Finanzjongleure« noch »Schönwetterkapitäne«, vielmehr sei es bei Übernahmen »unser Job, die Finanzierung sauber durchzukalkulieren ? und das auch für den Fall, dass das Geschäft einmal nicht so läuft.«

Rockenhäuser hat sich in den vergangenen Monaten viel Kritik anhören müssen. Zum Beispiel im Fall ProSiebenSat.1: Zusammen mit KKR kaufte Permira 2007 den Fernsehkonzern, der kurz darauf selbst den Satellitenbetreiber SBS übernahm ? Besitzer: Permira und KKR. Der Deal ließ die Schulden von ProSiebenSat.1 auf mehr als drei Milliarden Euro hochschnellen. Im Frühjahr drückte unter anderem eine Kartellstrafe den Nettogewinn auf 89 Millionen Euro, was die Eigentümer freilich nicht hinderte, den Konzern eine Dividende von 270 Millionen Euro auszahlen zu lassen. Geld, das an freie Aktionäre floss, vor allem aber in den Schuldendienst ? und damit indirekt, denkt man weiter bis zum Verkauf, in die Taschen der Investoren.

Der Verschuldungsfaktor liege nur bei vier, wehren sich die Investoren, keine Investition, die Management und Aufsichtsrat für wichtig erachteten, werde wegen der Last unterbleiben. »Die Schulden schränken das Unternehmen in seiner Handlungsfähigkeit nicht ein«, sagt Rockenhäuser. Schon allein aus Sorge um ihre Reputation und um das Geld der Anleger würden sie sehr genau abwägen, was sie ihren Unternehmen zumuteten.

Das gelte auch für den Modekonzern Hugo Boss. Der hatte im Frühjahr ebenfalls eine sehr hohe Dividende gezahlt, 445 Millionen Euro, die vor allem der Ablösung von Schulden dienten. »Ein Unternehmen, in das wir bis zu einer Milliarde Euro stecken, werden wir natürlich schützen«, sagt Rockenhäuser. Wie um das zu unterstreichen, garantierte Permira im März auf fünf Jahre die bestehende Stellenzahl, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie weitere Sozialleistungen. Es gebe »keine einseitige Ausstiegsklausel«, so Rockenhäuser. Gefragt, ob für 2009 wieder eine Sonderdividende geplant sei, verweist er auf das Management um den in dieser Woche neu antretenden Claus-Dietrich Lahrs.

Firmen werden Stellen abbauen und Investitionen reduzieren

Skepsis bleibt. »Natürlich hat man weniger Wasser unterm Kiel«, kommentiert Hans Albrecht vom Finanzinvestor Nordwind Capital Ausschüttungen wie die bei ProSiebenSat.1 oder Boss. Bedenklich scheint, dass etliche Firmen in den vergangenen Monaten mehrfach Manager verloren haben.

Stefan Hepp von SCM erwartet, dass im Abschwung eine Reihe von Firmen Stellen abbauen und Investitionen zurückfahren werden, um ihre Schulden weiter bedienen zu können: »All das wird passieren.« Auch dass Firmen in die Insolvenz gingen, sei zu erwarten. Eindeutige Aussagen, wonach Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren anfälliger sind als andere, lassen sich laut BIZ nicht treffen. Nach dem Boom in den USA Ende der achtziger Jahre sei bei ihnen aber der Anteil derer, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen konnten, doppelt so hoch gewesen wie bei börsennotierten Konzernen.

Im Krisenfall, so die BIZ, könne die Restrukturierung der Schulden heute länger und kostspieliger ausfallen. Oft sitzen heute neben der Hausbank auch Hedgefonds oder sogenannte Geierfonds am Tisch, die den Banken notleidende Kredite mit einem Abschlag abgekauft haben und diese in Firmenanteile umwandeln wollen. »Das geht dann nach dem Motto: 3, 2, 1 ? meins«, sagt Investor Albrecht. Hinzu kommen oft PR-Berater und hart verhandelnde Anwälte, bisweilen aus mehreren Ländern. »Anspruchsvoller« sei die Aufgabe geworden, einen Konsens zu erzielen, bestätigt Roman Zeller, der Deutschland-Chef der auf Krisenfälle spezialisierten Unternehmensberatung Alix Partners. »Wenn der Kreis internationaler wird, wenn Investoren dazukommen, die sehr kurzfristige Strategien verfolgen, dann wird es schwieriger.«

Finanzinvestoren, die mühselige Verhandlungen vermeiden wollen, werden im Ernstfall neues Eigenkapital nachschießen müssen. »Das reduziert die Rendite der Finanzinvestoren, ist aber allemal besser, als ein Unternehmen an die Wand fahren zu lassen«, sagt Hepp. Jüngstes Beispiel: die Werkstattkette A.T.U. Nach starker Expansion, in deren Verlauf sie pro Jahr mehrere Dutzend neue Filialen eröffnete, ließen warme Winter den Gewinn aus dem Geschäft mit Reifenwechseln und Reparaturen binnen zwei Jahren fast um die Hälfte einbrechen. Ende April schossen die Investoren, darunter KKR, 140 Millionen Euro Eigenkapital nach. Mehrere Hundert Stellen werden gestrichen.

Fälle wie A.T.U. »werden wir öfter sehen«, glaubt Hepp. Ablesen lässt sich an diesem Beispiel zweierlei: zum einen, wie schnell Probleme auf der Ertragsseite durchschlagen können, zum anderen, dass Finanzinvestoren ihre Unternehmen in der Krise nicht gleich fallen lassen. Ob das allerdings auch für alle gilt? KKR ist einer der renommiertesten Investoren, der Anfang der Woche sogar trotz Finanzkrise den Gang an die Börse verkündete. Auf mehrere Milliarden zurückgreifen können viele, aber »einige werden verantwortungsvoll handeln, andere nicht«, so Investor Albrecht.

Wie schlimm die Folgen der Exzesse im Abschwung ausfallen, wird von dessen Dauer abhängen. Bei vielen im Boom geschlossenen Kreditverträgen fallen Zinsen und Tilgung erst am Ende der Laufzeit an, vielfach fehlen auch Klauseln, die den Banken im Krisenfall erlauben, Kredite zurückzufordern. »Das hilft, löst letztlich aber nicht das Problem«, sagt Szenekenner Hepp. Irgendwann muss gezahlt werden, und es ist auf Jahre hinaus fraglich, ob Preise, wie sie zuletzt gezahlt wurden, wieder erreicht werden können ? ob sich die enormen Schulden also je wie erhofft begleichen lassen. Die Rating-Agentur S&P will künftig Transaktionen mit Schulden von mehr als einer Milliarde Euro öffentlich bewerten ? ein Versuch, mehr Transparenz zu schaffen. Ein Versuch, der in einigen Fällen aber wahrscheinlich zu spät kommt.

Quelle: http://www.zeit.de/2008/32/Private-Equity
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31.07.08 14:09

58056 Postings, 4840 Tage jocyxdas war ganz schön lang ...

aber sehr interessant  

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