Heard in New York am Freitag

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eröffnet am: 06.05.01 14:53 von: tom68 Anzahl Beiträge: 1
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06.05.01 14:53

4579 Postings, 6926 Tage tom68Heard in New York am Freitag

Heard in New York am Freitag

Vor Börsenbeginn fielen die US-Aktienindexfutures stark, als bekannt
gegeben wurde, dass die Zahl der Arbeitslosen im April ihren stärksten
Anstieg seit 10 Jahren verzeichnete und die Arbeitslosenrate so mit 4,5%
auf ein 2 1/2 Jahreshoch anstieg. Während die Einkommen p.a. um ca. 4%
steigen, sinkt die Produktivität im Umfeld einer schwachen Volkswirtschaft.
So steigen die "Unit Labor Costs" (Kosten pro hergestellter Einheit)
während Firmen dies kaum als Preissteigerung an den Konsumenten
weiterrechen können. Daraufhin schrumpfen die Ertragsmargen weiter und
lösen Entlassungen aus. Dies schwappt nun vom herstellenden Bereich
der Wirtschaft auch auf den Servicebereich über.  

An dieser Stelle haben wir wiederholt darauf hingewiesen, dass die
Arbeitslosenquote in den USA weiter steigen wird und dies der FED
weitere Argumente für Zinssenkungen gibt. War via Fed-Funds Futures bis
jetzt eine Zinssenkung von 25 Basispunkten für den 15.Mai (nächstes
FOMC-Meeting) eingepreist, sind es nun 37 Basispunkte. DasLager der
Geld- und Rentenhändler ist sich also noch nicht sicher ob es nicht doch
50 Basispunkte werden können. Hier werden vor allem der nächste Woche
veröffentlichte Producer Price Index und der University of Michigan
Confidence Index helfen ein klareres Bild zu erhalten. Von diesem Umfeld
könnten zyklische Konsumwerte (Wall-Mart, Target, 7-Eleven, usw.)
profitieren und an "schlechten" Börsentagen, ein guter Kauf sein. Die
Vorgaben der Indexfutures ließen den Dow Jones zur Handelseröffnung bis
auf 10.673 Punkte und den NASDAQ bis auf 2.089 Punkte fallen. Die
Aussicht auf eine baldige Zinssenkung der FED ließ den Markt dann aber
eine Kehrwendung vollziehen, wie sie an die"buy the dips" Rallys von
1999/2000 erinnerte. Dow und NASDAQ stiegen in Tandem und konnten
starke Kursgewinne verbuchen. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von
154 Punkten bei 10.951, dem höchsten Schlussstand in dieser Woche.
Der NASDAQ vermochte um 45 Punkte zu steigen und beendete die
Handelswoche bei einem Stand von 2.191 Zählern.  

Oh, Lordy the troubles Ive got, nobody knows the troubles Ive got, nobody
knows my troubles but God,..... Stellt sich die Frage ob der US-Dollar
mittel- bis langfristig (2002) ein Problem für den US-Aktienmarkt darstellen
wird. Die britische Zeitschrift "The Economist" errechnet seit Jahren den
Big Mac Index. Was kostet der Hambuger-Klops in $ wo in der Welt. Nach
dieser vereinfachten Betrachtungsweise ist der $ gegenwärtig stark
überbewertet. Dies gilt gegenüber dem Euro, aber vor allem dem
Chinesichen Renmimbi, Thai Baht und der indonesischen Rupie. In Europa
ist interessant zu beobachten, dass der Schweizer Franke, das britische
Pfund und die dänische Krone bei weiterem (in der Reihenfolge) besser
gegenüber dem $ abschneiden. Der Euro hat noch keinen
"Fluchtwährungsstatus" erreicht. Was sollte aber passieren, wenn der Big
Mac Index sich normalisiert und der $ fällt ? Da es auch sehr stark
europäische Investoren waren, welche US-Aktien kauften könnte dies für
die Indices eine große Kraftprobe darstellen. Argentinien beschloss am
Donnerstag den Peso nicht mehr nur an den US-Dollar zu koppeln,
sondern auch an den Euro. Dies aber erst, wenn die Währungsparität
wieder 1 zu 1 erreicht hat. Denkt das Orakle von Omaha (Warren Buffet)
doch jetzt schon über Investitionen am europäischen Aktienmarkt nach.
Ein schwächerer Dollar sollte aber exportorientierte US-Aktien
unterstützen, die Inflation (Öl wird in $ bezahlt) in Europa und Asien in
Schach halten und somit den dortigen Zentralbanken Senkungsspielraum
einräumen. War es früher so, dass wenn die USA husteten, der Rest der
Welt eine Lungenentzündung bekam, muss dies diesmal nicht der Fall
sein. Geld ist ein scheues Reh - vielleicht ist es einfach an der Zeit, dass
der europäische Aktienmarkt für ein paar Jahre eine weltweit führende Rolle
annimmt ?  

Ein gutes Zeichen ? Das Wall Street Journal berichtet am Freitag in seiner
US-Ausgabe, dass Merrill Lynch seinen Internet Strategy Fund (MBNTX)
nach 13 Monaten und einem Verlust von ca. 60% schließen will. Die
Investoren werden gebeten ich Einverständnis zu geben, dass die
restlichen Vermögenswerte des Fonds in den Merrill Lynch Global
Technology Fund eingebracht werden. Der Internet Fund begann mit über $
1 Mrd. als er 2 Tage nach dem historischen Hoch des NASDAQ aufgelegt
wurde. Bleibt zu hoffen, dass dies ein gutes Zeichen für eine
Flurbereinigung des Marktes ist und so die Internetblase, noch das letzte
bisschen Luft verliert das in ihr steckte. Ähnliches lässt sich auch bei allen
Aktienfonds in den USA beobachten. Im Februar 2000 konnten sich diese
über Rekordzufluss von $ 36,5 Mrd. freuen, welche von $ 33,4 Mrd. im
März 2000 gefolgt wurden. In 2001 sahen wir für den Februar nur einen
Zufluss von $ 1,2 Mrd. und im März gar einen Rekordabfluss von $ 15,7
Mrd. Der bis dahin größte Abfluss aus Aktienfonds in den USA geschah im
Oktober 1987, gleich nach dem "Crash". Damals hielten die Fonds eine
durchschnittliche Cash-reserve von 10%, jetzt sind es nur 5,4%. So hoffen
wir doch, dass die Abflüsse einen übergroßen Pessimismus widerspiegeln
und wir uns so weiter in einer Bodenbildungsphase befinden. Die niedrigen
Cashreserven sollten uns jedoch darauf vorbereiten, dass die Kursanstiege
der Zukunft langsamer und in kleinen Schritten geschehen werden. Noch
hat die Liquidität welche in den sprunghaft angestiegenen Geldmarktfonds
einen sicheren Hafen angelaufen hat, noch nicht ihren Weg in den
Aktienmarkt gefunden. Mit weiter sinkenden Renditen am kurzen Ende der
Zinskurve (Fed Zinssenkungen) sollte die Bereitschaft für höhere Returns
wieder Risiko in Aktien einzugehen jedoch steigen. Dies könnte aber erst
nach den Sommer- Monaten der Fall sein. (Dies würde auch in die
historische Beobachtung der jährlichen Investmentzyklen seit 1950
passen, welche ich am 01.05.01 besprach.) Auch sollten die Energiepreise
in den USA zum Sommerende (driving season) fallen oder zumindest nicht
weiter steigen, was positiv für den Inflationsausblick, privaten Konsum und
Firmenerträge wäre. Bei vielen Firmen steigen gegenwärtig die Kosten
(Energie) stärker als sie sie über Preise an ihre Kunden weiter reichen
können.  

Werden President George W. Bush und sein Vorgänger Bill Clinton
Geschäftspartner ? Underneath.com, nach eigenen Angaben populärster
Verkäufer von Unterwäsche für Damen, Herren und Kinder im Internet bietet
beiden 15% des Aktienkapitals der Firma, wenn sie sich bereit erklären die
neue Herrenkollektion als Model vorzuführen.  

Bis zum 15.05.01 bin ich leider außer Haus, werde mich aber ab und zu
mal kurz von unterwegs melden, falls mir etwas wissenswerteres durch den
Kopf geht oder mir sonst Ideen zum Markt einfallen sollten, also ab und zu
bei http://www.finance-online.de die Marktkommentare checken.  

Bis dahin, auch in Deutschland für alle viel Sonnenschein  

Gruß und schönes Wochenende, Jerry  

Bei den hier aufgeführten Ideen und Beobachtungen handelt es sich wie
immer einzig und allein um meine eigenen subjektiven Einschätzungen des
Marktes und einzelner Werte. Gerhard Summerer kann auf über 8 Jahre
New York Erfahrung zurückblicken und ist derzeit im Wertpapierhandel
tätig; auch der Devisenhandel gehörte schon zu seinem Aufgabenbereich.
In seiner Kolumne ?Heard in New York? gibt er aus seiner persönlichen
Sicht einen Einblick in die New Yorker Börsenwelt und was die Händler
und Investoren dort bewegt. Wegen seiner profunden Kenntnisse des
Marktes ist Gerhard Summerer auch im deutschen Fernsehen (z.B. ARD
Tagesschau, Bloomberg TV) ein immer wieder begehrter Inter  

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Quelle: Finance Online 05.05.2001 10:55  

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