Heard in New York am Freitag

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 22.07.02 10:55
eröffnet am: 22.07.02 10:51 von: zit1 Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 22.07.02 10:55 von: Eukalyptus Leser gesamt: 522
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

22.07.02 10:51

3574 Postings, 7190 Tage zit1Heard in New York am Freitag


Im Handelsverlauf sackte der Dow Jones am Freitag zwischenzeitlich um über 400 Punkte ab. Der Index durchschlug das Handelstief vom 21.September 2002 und schloss nur knapp über der 8.000er Marke. Dies ist der niedrigste Stand des Dow Jones seit 1998. In der US-Presse und in den normalen Nachrichten wird der Aktienmarkt (welcher die längste Zeit nicht erwähnt wurde) nun leider immer öfter in den Mittelpunkt gerückt. Die am Freitag veröffentlichten Wirtschaftsdaten hatten keinen direkten Einfluss auf das Marktgeschehen. So vermochten die meisten der Firmen welche bis jetzt ihre Ergebnisse für das vergangene Quartal veröffentlichten, die Erwartungen zu erfüllen, wenn nicht zu übererfüllen. Leider gibt es jedoch kaum Firmen welche eine rapides Ansteigen ihrer Auftragslage erwarten. Warnungen des größten US-Rentenfonds (Pimco, $ 240 Mrd. unter Management) das deflationäre Tendenzen die wirtschaftliche Gesundung unterminieren können verstärkten die Unsicherheit vieler Anleger zusätzlich.


Auf den Dollar wirkte der Verlust an den Aktienmärkten kaum, anders war es am US-Rentenmarkt. Hier fielen die Renditen (stiegen die Kurse) in allen Laufzeitbereichen. Es wird in starkem Masse davon abhängen wie die asiatischen und europäischen Aktienmärkte am Montag (vor US-Handelsbeginn) auf die Kursverluste and Wall Street reagieren, ob der amerikanische Markt am Montag Folgeverluste verbucht.


George Bush (sowie diverse weitere amerikanische Politiker beider Parteien) und Alan Greenspan lassen uns immer wieder wissen, das es zwischen dem Aktienmarkt und der Volkswirtschaft der USA einen ?disconnect? (falsche Abkoppelung/ bewegen sich nicht in Tandem) gibt.


Beiden ist bewusst, das die Verluste der Portfolios der privaten Haushalte eine Schmerzgrenze erreicht haben, an welcher sie die Konsumentenzuversicht, das Konsumverhalten und die Einschätzung der politischen Führung des Landes negativ beeinflussen können. Dies würde den gegenwärtig sehr verhaltenen Wachstumsausblick weiter eintrüben. (Gestern standen wir 20Centimeter vor dem Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter). Wo ist sie jedoch, die Recovery? Die Anzahl der Arbeitslosen steigt weiter, Firmen sind nicht in der Lage ihre Ertragsmargen oder Umsätze zu erhöhen und der Dollar garantiert den USA nicht mehr vom Rest der Welt als ?Fluchtwährung? benutzt zu werden. Capital Spending (Investitionen) werden von fast allen befragten Firmen auf die lange Bank geschoben da die Auftragslage sich erst verbessern soll. Aber selbst dann darf nicht vergessen werden, das die Kapazitätsauslastung der Industrie nur bei 76,6% liegt. So kann nur ein langfristig niedriger Dollar den USA aus ihrer Misere helfen. Exporte als Rezept für ein Land, das süchtig nach Importen ist. Das erste Stadium der Entzugskur durchleben wir momentan. Von nun an steigt jedoch das Risiko für ausländische Anleger in den USA, welche bei weiteren $-Verlusten mehr in ihrer Heimatwährung verlieren können als amerikanische Aktieninvestoren. Der Zeitpunkt der ?outperformance? des europäischen Aktienmarktes im Vergleich zum amerikanischen scheint gekommen. Nur exportorientierte amerikanische Aktien sollten mittelfristig in der Lage sein die amerikanischen Aktienindices klar zu schlagen ! Kommende Rallyes müssen deshalb weiter als Bärmarktesrallyes gesehen werden und Stop/Loss Orders sollten entsprechend nachgezogen werden.


Das Klima in den USA wird durch eine Umfrage der Washington Post und ABC News verdeutlicht. 4 von 10 befragten Amerikanern sagten aus das sie oder ein Familienmitglied durch den Aktienmarkt direkt Verlust erlitten haben. 1987 (nach dem grössten prozentualen Tagesver-lust des Dow Jones) waren es nur 2 von 10 Befragten. 8 von 10 Amerikanern sehen den Aktienmarkt als riskant an , vor 3 Jahren waren es nur 50%. Die Wahrscheinlichkeit das die Amerikaner nun ausserhalb des Aktienmarktes sparen werden erhöht sich deshalb, gerade als sich die USA von einer Nation von Sparern (bei der Sparquote von unter 2% schwer nachzuvollziehen) zu einer Nation von Investoren entwickelten. Kein Wunder also, das TrimTabs (eine Marktforschungsfirma, welche Fonds Zu- und Abflüsse mist) schätzt, das Amerikaner Ende Juli $ 59,9 Mrd. aus Aktienfonds abgezogen haben werden. Im September 2001 waren es nur $ 29,9 Mrd. Ein ehemaliges Flagschiff im Aktienfondsgewerbe hat dies schon schmerzhaft erfahren. Magellan, der größte Aktienfond von Fidelity Investments fiel auf sein niedrigstes Markt-kapitalisierungsniveau in 4 Jahren ($ 65,9 Mrd.), im Augsut 2000 waren es in der Spitze $ 109,8 Mrd.

 

22.07.02 10:55

231 Postings, 7222 Tage EukalyptusDanke!

War wieder sehr aufschlussreich.
Thx!

Euka  

   Antwort einfügen - nach oben