Hartz IV für Schauspieler

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eröffnet am: 25.08.05 14:13 von: EinsamerSam. Anzahl Beiträge: 1
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24466 Postings, 5840 Tage EinsamerSamariterHartz IV für Schauspieler

Harte Zeiten angebrochen

Hartz IV für Schauspieler

Schauspieler, Kameraleute und Requisiteure haben sich schon immer von einem kurzfristigen Engagement zum nächsten gehangelt. Durch die Arbeitsmarktreform Hartz IV sind die Bedingungen für die Ausübung schwieriger geworden.

Verantwortlich dafür ist die neue Fassung der so genannten Rahmenfrist. "Wer in der Kulturbranche tätig ist und Arbeitslosengeld I beantragen will, muss künftig 360 Beschäftigungstage innerhalb von zwei Kalenderjahren erbringen", erklärt Michael Kerwer, Vermittler bei der Zentralen Bühnen-, Fernseh- und Filmvermittlung (ZBF) der Bundesagentur für Arbeit in Köln. "Vor dem 1. Januar 2005 war diese Zahl von Tagen noch in drei Jahren zu erbringen." Nun würden zum ersten Mal von Ende 2006 an rückwirkend die Beschäftigungstage zusammen gezählt.

Können Kameraleute, Requisiteure oder Maskenbildner dann nicht mindestens 360 Arbeitstage vorweisen, haben sie nur noch Anspruch auf Arbeitslosengeld II. Wer außerdem über Ersparnisse verfügt oder mit einem gut verdienenden Lebenspartner zusammen wohnt, erhält weniger oder gar nichts. Auch für Sänger, Tänzer und Musical-Darsteller ist es Branchenverbänden zufolge daher annähernd unmöglich, die neue Vorgabe zu erfüllen.

Hintergrund ist, dass etwa Schauspieler, gerade die bei Film und Fernsehen, nicht durchgehend beschäftigt sind. "Zwei bis drei Drehtage am Stück sind bei denen schon viel ? es sei denn, die arbeiten bei Seifenopern-Produktionen", sagt Michael Kerwer.

In den branchenüblichen Pausen konnten sie bisher Arbeitslosengeld beantragen, denn sie verfügten über Phasen sozialversicherungspflichtiger Arbeit, in denen sie in die Arbeitslosenversicherung einzahlten und Ansprüche erwarben, erklärt Ingo Harms von der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in Hamburg. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) in Berlin arbeiten Schauspieler in Deutschland entweder als selbstständige Honorarkräfte oder als sozialversicherungspflichtige Angestellte.

Im zweiten Fall werde für jeden Drehtag ein befristetes Angestelltenverhältnis etabliert. Tatsächlich werde in der Branche überwiegend nach der zweiten Variante gearbeitet, erklärt Ingo Harms. "Die Leute gelten als abhängig beschäftigt." Viele Verbände setzen sich nun für eine Verkürzung der Rahmenfrist ein. Die Gewerkschaft ver.di hat eine Vereinbarung über Zeitkonten mit den Produzentenverbänden ausgehandelt.

"Es kommt in diesem Berufsfeld zu sehr vielen Überstunden. Die werden seit dem 1. Juni zu den Produktionstagen hinzu gerechnet", erklärt Olaf Hofmann vom ver.di-Netzwerk für Medien- und Filmschaffende connexx.av in Hannover. Überschreitet die Arbeitszeit 50 Stunden in der Woche, wanderten die Überstunden auf das Arbeitszeitkonto. 80 Überstunden würden so zu zehn Arbeitstagen, einschließlich der vorgeschrieben einzurechnenden Wochenenden sogar zu 14 sozialversicherungspflichtig abzurechnenden Tagen.

So erhöhe das Modell die Zahl der Tage, die als Beschäftigungstage zählen. Hofmann rät Kulturschaffenden, in Zukunft ihre Arbeitszeit genau zu erfassen. Wer auch damit die Erfüllung der neuen Rahmenfrist nicht schafft, dem bleibe wohl nur der Weg, den in der Branche ohnehin schon viele beschreiten: "Da kann man dann nur noch kellnern, als Aufseher im Museum arbeiten oder sonst etwas machen, für das man sozialversicherungspflichtig angestellt wird", sagt Hofmann.

Quelle: n-tv.de

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