Hans Eichel doch kein Gier-Eichel?

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neuester Beitrag: 19.12.06 12:49
eröffnet am: 17.12.06 00:36 von: Happy End Anzahl Beiträge: 7
neuester Beitrag: 19.12.06 12:49 von: Der WOLF Leser gesamt: 924
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17.12.06 00:36
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95440 Postings, 7271 Tage Happy EndHans Eichel doch kein Gier-Eichel?

(Bankerslast meint ja "Weiter so Bild!")  

Totales Pensions-Durcheinander bei "Bild"

Die Regelungen zu den Pensionsansprüchen von Politikern sind aber auch wirklich verflixt kompliziert. Wer steigt da eigentlich noch durch? Wir kennen jemanden, der es offensichtlich nicht tut: Dirk Hoeren. Das ist, gelinde gesagt, ungünstig. Hoeren fungiert bei "Bild" nämlich als eine Art Experte für das Thema Politikerpensionen.

Aber der Reihe nach: Gestern fand sich diese Schlagzeile auf Seite 1 der "Bild"-Zeitung:

Und im dazugehörigen Text auf der Seite zwei, für den neben Dirk Hoeren auch noch zwei weitere Autoren verantwortlich waren, wurde "Bild" noch genauer:

Mit Klagen vor dem Verwaltungsgericht Kassel will der hessische SPD-Bundestagsabgeordnete [Hans Eichel] sich jetzt zusätzliche Pensionsansprüche sichern: insgesamt 7626 Euro!

Und als wollte "Bild" sichergehen, dass auch ja niemand diesen Teil übersieht, hieß es etwas später über die 7626-Euro-Klagen:

Bei den Klagen geht es Eichel um zusätzliche Pensionsansprüche. Denn schon heute stehen ihm mehrere Pensionen zu.

Diese "Bild"-Berichterstattung hat nun für einigen Wirbel gesorgt, wie "Bild" heute zutreffend schreibt:

Einleitend heißt es:

Totales Pensions-Durcheinander bei Ex-Finanzminister Hans Eichel (64).

Bemerkenswert an dem heutigen Artikel von Dirk Hoeren ist, dass plötzlich nirgendwo mehr auftaucht, was noch einen Tag zuvor so groß auf der Seite 1 stand: Kein Wort davon, dass Eichel vor Gericht über 7000 Euro zusätzliche Pension erstreiten wolle. Auch nennt "Bild" Hans Eichel heute gar nicht mehr "Gier-Eichel".

Wie kommt's? Die "Bild"-Titelgeschichte über Eichels Klagen war offenbar falsch. Der heutige "Bild"-Artikel basiert in weiten Teilen auf einer Pressemitteilung Hans Eichels von gestern, deren Inhalt zusammengefasst in etwa so lautet: "Bild" lag voll daneben. Denn:

Bei diesen Klagen geht es also nicht um eine zusätzliche Pension von 7626.-? sondern um die Klärung, wer welchen Pensionsanteil zu tragen hat.

Das kann man auch aus dem heutigen Artikel herauslesen. Obwohl "Bild" sich mal wieder alle Mühe gibt, zu verschleiern, dass es sich dabei eigentlich um eine Korrektur handelt. So heißt es im Text:

Der SPD-Politiker bestätigte gestern, dass er beim Verwaltungsgericht Kassel zwei Klagen eingereicht hat (BILD berichtete), um die Höhe seiner Polit-Pensionen feststellen zu lassen!

"Bild" verschweigt allerdings, dass das so ziemlich das Einzige ist, was Eichel an dem "Bild"-Bericht bestätigte. Schon der erste Satz seiner Pressemitteilung lautet:

Die Behauptung in der Bild-Zeitung am 14.12.2006, ich strebe mit meinen Klagen vor dem Verwaltungsgericht Kassel gegen das Land Hessen und gegen die Stadt Kassel die Zahlung einer zusätzlichen monatlichen Pension von insgesamt 7.626,00 ? an, ist falsch.

Und auch den letzten Satz sucht man in "Bild" vergebens:

BILD hat wider besseres Wissen die heutige falsche Darstellung gebracht, ich werde deshalb presserechtlich dagegen vorgehen.

Ob Dirk Hoeren und seine Kollegen es wirklich besser wussten, können wir nicht beurteilen. Es erscheint uns aber durchaus vorstellbar, dass sie schlicht und einfach keine Ahnung haben.

 

17.12.06 09:37
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441 Postings, 5273 Tage nasgulDas man die Bild-Zeitung in ihrer

Berichterstattung nicht ernst nehmen kann, dies erfährt man pflichtgemäß im deutschen Schulunterricht. Kurz zusammengefasst, die, welche da arbeiten, sind böse - quasi Undemokraten.

Die arbeitende Klasse innerhalb der SPD, dies sind die Guten. Auch das erfährt die zukünfige Arbeiterklasse während ihrer Pflichtlernzeit - quasi die echten Demokraten und je nach Lehrerinterpretation auch die einzig Wahren.

Und wenn man ehrlich ist, dann muss man dies auch anerkennen, denn es dürfe unbestritten sein, dass diese politische Organisation in der Vergangenheit (die der BRD) hervorragende Köpfe hervorgebracht hat, welche sich um die Demokratie und die Gestaltung der BRD im besonderen Maße verdient gemacht haben.

Nur, und das dürfte zumindest dem aufmerksamen Schüler nicht entgangen sein, ist die Zeit der bedeutenden Köpfe in der SPD wohl vorbei und damit auch deren positive Einfluss auf die Gestaltung der BRD.

Doch halt, da ist ja noch der Eichel Hans. Dieser umtriebige Sozialdemokrat, der hat es weit gebracht und zwar auf allen politischen Ebenen, welche unsere Republik zu bieten hat.

Und jetzt, da der Eichel Hans alt geworden ist, steht ihm auch das zu, was jeden guten Deutschen am Arbeiten hält. Nämlich seine Alterversorgung, je nach gesellschaftlicher Klasse Rente oder Pension genannt.

Dabei hat der Eichel Hans es gut, denn er hat - wir erinnern uns an seine Umtriebigkeit - aus dem politischen Aufbau und der Gestaltung der BRD folgend, gleich mehrfach Ansprüche erworben. Allerdings kann er die, wegen der Begrenztheit unseres Systems, nicht alle in Anspruch nehmen.

Aber das will der Eichel Hans nach eigenen Aussagen auch gar nicht wirklich. Nun könnte Otto Normalverbraucher und zukünfiger Schmalspurrentenempfänger ja meinen, bei den Berufspolitikern wäre die Altersversorge ähnlich klar geregelt wie für ihn selber. Doch weit gefehlt.

Die BRD wäre schließlich nicht die BRD, wenn für die Nichtzwangsversicherten im Allgemeinen und für die Politiker-Kaste im Besonderen nicht eine bis mehrere zusätzliche Türchen offen stehen würden, ihr Individualrecht auch einzuklagen. Dabei geht es hierbei nicht um fehlende Regelungen, sondern um den hübsch belassenen Interpretationsspielraum, den die Politiker sonst so gewissenhaft, wie sie nun mal sind, dem Zwangsversicherten in seiner kleinen Solidargemeinschaft so gut es nur eben geht versperren wollen.

Nun muss sich der Eichel Hans aber nicht wundern, wenn er durch sein Verhalten eine Neiddebatte auslöst und die Spekulationen ins Kraut schießen. Schließlich könnte er ja auch gleich öffentlich verkünden, um was und vor allem um wie viel es ihm denn nun geht. Nicht nur weil ihm als Sozialdemokrat das politische Mittel zur Entfachung von Neiddebatten bestens bekannt sein müsste, sondern auch wegen der eindringlichen Warnung seines Parteikollegen Münte, dass der Fortbestand des gewohnten Heimatlandes z.Z. besonders stark von den Heuschrecken bedroht wird.  

18.12.06 10:41

95440 Postings, 7271 Tage Happy EndMaßlos?

Politiker stehen beim Bürger unter dem Generalverdacht, sich hohe Diäten und üppige Pensionszahlungen zu genehmigen. Da scheint der Fall von Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel genau ins öffentliche Feindbild zu passen. Doch blanke Raffgier kann man dem einst obersten Kassenhüter der Nation nicht unterstellen, wenn er gerichtlich die exakte Höhe und den Zahlungspflichtigen seiner künftigen Ruhestandsbezüge ermitteln lässt, nachdem sich die mutmaßlich leistungspflichtigen Institutionen in Kassel und Wiesbaden nicht einig sind. Zudem dürften Eichel Alimentenansprüche seiner Ex-Ehefrau im Nacken sitzen, die um so höher ausfallen, je größer seine Pension eines Tages ist.

Ein Abgrund von Selbstbereicherungslust scheint sich bei dem SPD-Politiker nicht aufzutun. Zumal die geforderte Nachschlagssumme von brutto 2495 Euro monatlich für den Großverdiener Eichel "Peanuts" sein dürfte. Für jeden einfachen Rentner jedoch wäre solch ein Betrag ein Traum. Eichel steht unter anderem Geld zu für seine Zeit als Kasseler OB, als Landtagsabgeordneter, als Ministerpräsident und als Bundesminister. Je nach Bundesland addieren sich bei der Gesamtrechnung von Pensionsansprüchen Beträge, es gibt teilweise wechselseitige Verrechnungen, Ruhezeiten oder andere Modalitäten.

Laut Steuerzahlerbund ist der Regelungswirrwarr in Hessen besonders groß. Das weiß man auch im Landtag, wo hinter den Kulissen schon länger diskret ein Reformkonsens gesucht wird. Weil die zu erwartenden erheblichen Pensionseinbußen aber nicht durch eine Diätenerhöhung kompensiert werden könnten, liegen die Reformbemühungen derzeit praktisch auf Eis. Bis zur Landtagswahl 2008 könnte eine Reform der maßlosen Versorgungsregelung noch auf den Weg gebracht werden. Als Vorbild bräuchte man nur auf das Modell in Nordrhein-Westfalen zu blicken, das der Steuerzahlerbund ausdrücklich lobt.  

18.12.06 10:47
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441 Postings, 5273 Tage nasgulWie schon im Fall Welteke scheinen

Unterhaltsansprüche aus gescheiterten Beziehungen eine nicht unwesentliche Motivation zu spielen. Diese schränken natürlich den eigenen finanziellen Handlungsspielraum gewaltig ein.  

19.12.06 11:53
1

95440 Postings, 7271 Tage Happy EndEin armer Mensch

Hans in ?Bild?

?Der nächste Gierige? ? welch eine Schlagzeile wieder für ?Bild?. In dicken Lettern entrüstet sich das Blatt in dieser Woche auf Seite 1: ?Eichel will 7000 Euro mehr Pension!?

Einmal in Fahrt geht es dann auf der nächsten Seite richtig zur Sache: ?Spar-Eichel ist jetzt Gier-Eichel? und darunter dann: ?Als Bundesfinanzminister knauserte Hans Eichel (64, SPD) mit jedem Cent. Nur bei sich darf es ein bisschen mehr sein!? ?Bild? schäumt vor Empörung über Eichels Forderung.

Zahlen sollen die anderen

Dabei bestreitet nicht einmal der Bund der Steuerzahler, dass Eichels Ansprüche berechtigt sind. Er beklagt lediglich, dass die Pensionsregelungen für Politiker so undurchsichtig seien, ?dass sogar die Fachbeamten vor der Berechnung von Eichels Pension kapitulieren? und fordert ?endlich eindeutige und klare Regelungen?. Den in Wahrheit geht es darum: Der Politiker war sechzehn Jahre Oberbürgermeister von Kassel und anschließend 8 Jahre Hessischer Ministerpräsident. Für diese Amtszeiten sieht die Stadt Kassel nun das Land in der Pflicht und will nichts zahlen, das Land wiederum will auch nichts zahlen und verweist auf die Stadt. Hier will Hans Eichel nun vor Gericht klären lassen, wer welchen Pensionsanteil zu tragen hat.

Um aus diesem relativ schlichten Sachverhalt eine Gier-Kampagne zu stricken, dazu bedarf es schon eines reichlich großzügigen Umgangs mit den Tatsachen. Während das Blatt jeden Ansatz zu einer Vermögenssteuer umgehend als ?Neidsteuer? diffamiert, die die Leistungsträger unserer Gesellschaft bestrafe, wird hier mit der großen Moralkeule zugeschlagen

Ein armer Mensch

Besonders ergreifend der Beitrag des Bild-Kolumnisten und Beckenbauer-Ghostwriters Franz Josef Wagner mit einem originellen Lob der Armut, bei dem der Leser grübelt: Ist der wieder zugedröhnt? Von der eigenen Suada, oder sind es vielleicht andere Stoffe? ?Liebe Gierige, ich meine nicht nur Sie; Herr Welteke, oder Sie, Herr Eichel. An der Krankheit der Vorteilssucht scheinen zurzeit in Deutschland besonders diejenigen zu leiden, die den Bauch schon voll haben. (?) Arme Menschen leiden viel weniger an der Krankheit der Gier. Es ist erwiesen, dass die Freigiebigsten unter uns Menschen diejenigen sind, die am wenigsten besitzen.
Kann ich einem an Gier erkrankten Menschen helfen? Ich fürchte nein. Ein gierkranker Mensch ist nicht seelisch interessiert. Es interessieren ihn keine Menschen, das Einzige, was ihn interessiert, ist der Geldbeute. Was für arme Menschen?, seufzt der Kolumnist, der nach Auskunft der Züricher ?Weltwoche? 700 000 Euro im Jahr verdient, das ist grob kalkuliert das Vier- bis Fünffache des Gehalts eines Bundesministers.

Was für ein armer Mensch.

Quelle: http://www.vorwaerts.de/magazin/...4361&type=2&menuid=366&topmenu=366  

19.12.06 12:01
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6506 Postings, 7054 Tage Bankerslastlieber Happy, zu Deinem

Eingangsposting meint Bankerslast kurz und bündig:

Sozi-Pensionsklägern mögen im Recht sein. Dass es aber so kompliziert ist, müsste nicht sein, es sei denn, man wollte Superpensionen vor dem Bürger verstecken. Da backt der Kleine Mann kleinere Brötchen, und mit der Rente mit 67 noch kleinere. Wer wünschte sich da nicht die Sorgen von Eichel & Welteke? Neid? Mitnichten, wenn sich die Volksvertreter die gleichen Regeln geben, die sie dem Volk aufstellen.  

19.12.06 12:49
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9500 Postings, 5523 Tage Der WOLFBL - schätzungsweise 80% der Bundesbevölkerung ...

können sich aufgrund ihrer etwas eingeschränkteren Wahrnehmungsfähigkeit kein eigenes Urteil über so einen Buldzeitungsartikel bilden ...
Antipropaganda gegen Politiker ist immer noch ein gutes Mittel für Auflagen ...
So hats Adolf H. aus B. früher auch angefangen ... und was soll ich sagen - er hat fast alle eingelullt ...

Gruesschen
 
Der WOLF
 

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