Hahnenkampf, Kombi-Troller + ein 40-Mio-Sparpaket

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eröffnet am: 12.02.02 21:20 von: Happy End Anzahl Beiträge: 1
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95440 Postings, 7204 Tage Happy EndHahnenkampf, Kombi-Troller + ein 40-Mio-Sparpaket

"Schmutzige Tricks" kosten Ryanair 100.000 Euro Ordnungsgeld / Lufthansa entlässt 500 Arbeiter.

Köln/Frankfurt - Im monatelang schwelenden Rechtsstreit der Airlines Lufthansa  und Ryanair  um vergleichende Werbung hat die irische Billig- Fluglinie eine Niederlagen erlitten. Ryanair darf nach einem Urteil des Landgerichts Köln verschiedene Flugreisen nicht mehr mit Angeboten der Lufthansa vergleichen. Die Lufthansa begrüßte den Entscheid, aber auch Ryanair äußerte sich erfreut. Wie weiter bekannt wurde, verhängte das Gericht zudem je 100.000 Euro Ordnungsgeld gegen Ryanair und Vorstandschef Michael O'Leary wegen Verstoßes gegen eine frühere einstweilige Verfügung. Im März steht eine weitere Entscheidung in dem Rechtsstreit aus.

Die Kammer bestätigte mit dem Urteil Teile einer einstweiligen Verfügung, gegen die Ryanair Widerspruch eingelegt hatte (Az.: 33 O 385/01). Den Widerspruch gegen andere Teile hatte das Unternehmen bereits zuvor zurückgezogen.

Ryanair bleibt demnach unter Androhung eines Ordnungsgelds von 500.000 Mark untersagt, sich in Zeitungsanzeigen irreführend mit der Lufthansa auf den Routen zu den Zielflughäfen Shannon (Irland), Bournemouth (England) sowie Montpellier und Perpignant in Frankreich zu vergleichen. Diese Städte fliege die Lufthansa gar nicht direkt an. Ebenfalls bestätigte die 33. Zivilkammer das Verbot für Ryanair, eigene Business-Class-Tarife mit Lufthansa-Preisen zu vergleichen. Dies sei irreführend, weil in den Flugzeugen der Iren nur wenige Plätze auf bestimmten Flügen zur Verfügung stünden.

Teilerfolg für die Iren

Die Billigfluglinie konnte sich in einem anderen Punkt durchsetzen. Die Iren dürfen mit Flugpreisen werben, in denen die zu zahlende Bearbeitungsgebühr noch nicht enthalten ist. Nach Ansicht der Richter habe Ryanair glaubhaft versichern können, dass eine Bearbeitungsgebühr von sechs Euro nur bei Zahlung mit Kreditkarte oder im Lastschriftverfahren anfalle. Das Ordnungsgeld gegen Ryanair und seinen Vorstandschef wurde verhängt, da entgegen einer einstweiligen Verfügung weiterhin Pressemitteilungen verschickt wurden, in denen der Lufthansa "schmutzige Tricks" unterstellt wurden, wie der Vorsitzende Richter auf Anfrage in Köln sagte.

Eine Lufthansa-Sprecherin sagte in Frankfurt, das Gericht habe mit dem Urteil klargestellt, dass Ryanair in der Werbung nicht den Eindruck erwecken dürfe, dieselben Flughäfen wie die Lufthansa anzufliegen. Ryanair-Chef O'Leary sagte in Köln, sein Unternehmen dürfe auch weiterhin vergleichende Werbung verbreiten.

Der Hahnenkampf geht weiter

Im Streit um die Bezeichnung Frankfurt-Hahn für den 100 Kilometer vom Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt entfernten Ryanair-Flughafen Hahn im Hunsrück wird eine endgültige Entscheidung für März erwartet. Die Verwendung der Bezeichnung in der Ryanair-Werbung hatte das Gericht in einer einstweiligen Verfügung untersagt. Die Lufthansa teilte dem Gericht nun mit, bis zur Entscheidung im März nicht auf einer Durchsetzung dieses Verbotes zu bestehen. Ryanair kündigte daraufhin an, die Bezeichnung wieder in Werbeanzeigen zu verwenden.

Ein neues Zeichen für den sich verschärfenden Wettbewerb unter den Airlines: Die Lufthansa will 40 Millionen Euro einsparen, indem sie rund 500 bis 600 Stellen streicht. Dies geht laut "Handelsblatt" (HB) aus einem Schreiben der Lufthansa-Personalvertretung hervor.

Angst vor dem "Kombi-Troller"

Das Kabinenpersonal, so heißt es weiter, soll künftig mit einen "Kombi-Troller" durch die Gänge gehen, von dem Essen und Getränke gleichzeitig an die Fluggäste ausgegeben werden. Der Service solle im März getestet werden.

Die Lufthansa erklärte allerdings, dass durch das "Kombi-Toller"-Konzept "keine bestehenden Arbeitsplätze gefährdet" sind. Für das Kabinenpersonal gilt im Grunde ein sogenanntes Schutzabkommen aus dem vergangenen November. Darin hatten die Gewerkschaft Verdi und die Fluggesellschaft festgeschrieben, dass es bei den 12.000 Mitarbeitern in den Lufthansa-Kabinen zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt.

Bis zum 30. April 2002 wurde mit den Arbeitgebern ein Schutzabkommen vereinbart, dass über die bislang vereinbarte Kurzarbeit hinaus keine Stellenstreichungen zulässt.


100 neue Boeings für den Airline-Zwerg


Der Billigflieger kauft für neun Milliarden Dollar neue Boeings - Airbus hat das Nachsehen.

Noch vor wenigen Tagen hatte sich Airbus ebenfalls Chancen auf zumindest einen Teil des lukrativen Auftrags ausgerechnet - Analysten hielten es für wahrscheinlich, dass Ryanair seinen Einkaufszettel zwischen dem deutsch-französisch-britischem Konsortium und dem US-Konkurrenten aufteilen werde. Noch am Montag hatte eine Ryanair-Sprecherin gesagt, man verhandle mit beiden Anbietern. Doch die Rechnung ging nicht auf.

Heute bestätigte Ryanair offiziell in London die Kauforder an Boeing. Der Katalogpreis beträgt inklusive der über acht Jahre laufenden Kaufoption 9,1 Milliarden US-Dollar. Angesichts der Auftragsflaute und stornierter Aufträge bei den Flugzeugherstellern rechnen Branchenexperten aber mit einem Preisnachlass von bis zu einem Drittel.

Für eine Milliarde Dollar bestellt Ryanair bei CFMI die Turbinen vom Typ CFM 56-7. CFMI ist ein Gemeinschaftsprojekt von General Electric und dem französischen Turbinenhersteller SNEGMA (Ste Nationale d'Etude et de Construction de Moteurs d'Aviation). Die ersten Jets sollen schon in diesem Jahr, die letzten im Jahr 2010 ausgeliefert werden.
 

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