Gentherapie hemmt Kokainrausch

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neuester Beitrag: 12.07.04 08:40
eröffnet am: 09.07.04 17:37 von: chrismitz Anzahl Beiträge: 5
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09.07.04 17:37

16591 Postings, 7368 Tage chrismitzGentherapie hemmt Kokainrausch

Kokain ist eine Droge mit hohem Suchtpotenzial. Eine neuartige Therapie könnte verhindern, dass Süchtige nach dem Konsum das «High» erleben.


Kokain wird meist als kristallines Pulver geschnupft, kann jedoch auch in Lösung injiziert oder als Freebase oder Crack geraucht werden.

Mithilfe eines Bakterienvirus wollen Mediziner Kokainsucht behandeln. Im Tierversuch hat sich der neuartige Ansatz als erfolgreich erwiesen. Das Virus transportiert Stoffe ins Gehirn, die die euphorischen Gefühle nach dem Konsum unterbinden sollen.


Bauanleitung für Antikörper
Antikörper, die Proteine des Immunsystems, können an Kokain binden und die Moleküle auf diese Weise aus dem Blutkreislauf «entfernen». Bislang war es jedoch nicht möglich, diese Antikörper ins Hirngewebe zu bringen, wo die Droge ihre Wirkung entfaltet. Forscher um Kim Janda von Scripps Research Institute in La Jolla im US-Bundesstaat Kalifornien haben jetzt ein Bakterienvirus als Transporter für die Immunproteine eingesetzt.

Das Bakterienvirus ist ein so genannter Phage, der aus Erbsubstanz und einer Proteinhülle besteht. Die Gene des Phagen wurden von den Forschern entfernt oder unbrauchbar gemacht, um eine Infektionsgefahr sicher ausschließen zu können. Im zweiten Schritt wurde das Virus mit Genen für Kokain-Antikörper bestückt, berichten die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Proceedings of the National Academy of Sciences».

High unterbunden
Getestet wurde das Mittel an Ratten. Acht Versuchstiere erhielten über drei Tage zwei mal täglich eine Injektion der gentechnisch modifizierten Phagen in die Nase. Acht weitere Tiere wurden nicht behandelt. Am vierten Versuchstag wurde allen Ratten eine Dosis Kokain injiziert.

Die mit den Phagen behandelten Tiere zeigten deutlich weniger Symptome wie gesteigerte körperliche Aktivität oder stereotype Verhaltensweisen, die bei den Tieren von der Droge ausgelöst werden. «Wenn sie diese Aktivität nicht zeigen, verspüren sie wahrscheinlich kein High», sagte Janda dem Online-Dienst des Magazins «Nature». Dies lasse darauf schließen, dass die Viren die Gene erfolgreich ins Hirngewebe transportierten und die Antikörper dort produziert wurden.

Kokain-Süchtigen könnte eine ähnliche Behandlung den Entzug erleichtern. Zwar gebe es bei Abhängigen körperliche Entzugserscheinungen, Hauptantrieb für das Rückfälligwerden sei jedoch die psychische Komponente der Sucht, sagt Janda. Gelingt es jedoch, die euphorisierende Wirkung der Droge zu unterbinden, könnten einmal rückfällig Gewordene nach dieser Erfahrung dem Verlangen besser widerstehen, sagt Janda. (nz)  

09.07.04 17:42

16591 Postings, 7368 Tage chrismitzImpfung gegen Kokain-Sucht geht in klinische

Testphase

Mit einem Impfstoff sollen künftig ehemalige Kokain-Abhängige vor einem Rückfall bewahrt werden. Eine Biotech-Firma beginnt in England jetzt mit Tests an Patienten.

Ein Impfstoff, den eine Biotech-Firma jetzt in Großbritannien in die klinische Testphase schickt, soll das Immunsystem dazu veranlassen, Antikörper gegen Kokain zu bilden.


Sicherheitstest bestanden
Gegenüber der Londoner «Times» ließ das Untenehmen Xenova aus dem südenglische Slough verlauten, die erste Testphase habe gezeigt, dass der Impfstoff für den Menschen sicher sei. In dieser sogenannten «Phase IIa-Studie» sollten jetzt, so eine Mitteilung der Firma, die für Menschen sinnvollen Dosen genau bestimmt werden. In der vorigen Testphase habe sich gezeigt, dass die Wirkung einer viermaligen Impfung besser sei als die Gabe von nur drei Dosen. Wie lange die klinischen Tests dauern werden, ist noch ungewiss. Sie werden an der Yale University in den USA durchgeführt.

Die Impfung, so meldet die Nachrichtenagentur epd, ist für ehemalige Kokain-Abhängige gedacht. Sie sollen so vor Rückfällen geschützt werden. Wenn die Strategie funktioniert, fangen die Antikörper das Kokain in der Blutbahn ab und mildern oder verhindern so seine Wirkung im Gehirn. (nz)  

09.07.04 17:46

16591 Postings, 7368 Tage chrismitzHirnzellen provozieren Drogen-Rückfall

Verhängnisvolle Erinnerungen: Bestimmte Reize können bei abstinenten Drogenkranken offenbar eine Hirnregion aktivieren, die einen Rückfall auslösen kann.


Kokain-Süchtige haben lange mit den Folgen der Krankheit zu kämpfen.

Schon das Hören eines Liedes oder der Spaziergang durch eine bestimmte Gegend können Drogenkranke, die längere Zeit abstinent waren, rückfällig werden lassen. Jetzt haben Forscher den Hirnbereich identifiziert, der solche äußere Reize verarbeitet, so dass sie den Wunsch nach der Droge wecken können.

Kokain auf Hebeldruck
«Für einen geschickten medikamentösen Therapieansatz könnte dieser Hirnbereich ein Ziel sein », sagt Mark West von der US-amerikanischen Rutgers University in Piscataway, New Jersey. Der Psychologe hat mit seiner Arbeitsgruppe den Anteil des so genannten Nucleus accumbens am Suchtverhalten untersucht. Sie testeten die Aktivität dieser Hirnregion bei Ratten, die sich über längere Zeit durch das Drücken eines Hebels Kokain zuführen konnten.

Vor dem Drücken des Hebels musste ein bestimmter Ton erklingen, der den Tieren anzeigte, das eine Portion Kokain abrufbar war. Ein Hebeldruck ohne den Ton erbrachte keine Drogen-Belohnung. So lernten die Tiere den Ton mit der Droge zu assoziieren. Anschließend entfernten die Forscher den Hebel und gaben den Tieren keine weiteren Drogen.

Langsames Vergessen
Wie die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift «Neuroscience» berichten, ignorierten die Tiere den Hebel völlig, als er nach einer einmonatigen Abstinenzphase wieder im Käfig angebracht wurde. Doch als die Forscher den Signalton erklingen ließen, änderte sich ihr Verhalten. «Die Tiere begannen mit einer recht hohen Rate den Hebel zu drücken», sagt West. Die Forscher werten das als Rückfall-Verhalten.

Aufzeichnungen der Hirnaktivität zeigten, dass ein Teil des Nucleus accumbens sehr schnell mit Aktivität auf den gehörten Ton reagierte. Auch als die Tiere nach wiederholten, erfolglosen Versuchen ? es wurde kein weiteres Kokain verabreicht ? das Rückfall-Verhalten einstellten und den Hebel nicht mehr drückten, reagierte die Hirnregion weiterhin auf das Erklingen des Tons.

Nach Wests Einschätzung verdeutlicht diese Untersuchung, warum der dauerhafte Drogenentzug für Betroffene so schwierig ist. So lange die Erinnerungen an die Droge fortbestehen, kann auch das Sucht-Verhalten durch äußere Reize ausgelöst werden. Und das Gehirn würde diese Reize nur sehr langsam vergessen, sagt West.

 

09.07.04 17:59

16591 Postings, 7368 Tage chrismitzDie Kokain-Sucht in den Genen

Auch Gene können süchtig machen: Wissenschaftler haben jetzt ein solches entdeckt. Dessen Variation bestimmt die Anfälligkeit für Kokain-Sucht.

Eine Genvariation macht manche Personen weniger anfällig für eine Kokainsucht. Darauf deuten Untersuchungen amerikanischer Neurowissenschaftler hin. Bei diesen Menschen produzieren die Gehirnzellen demnach besonders große Mengen des Eiweißstoffes Dynorphin, das die berauschende Wirkung des Kokains eindämmt - und damit die Suchtgefahr senkt.


Sucht vom Dynorphin-Gen abhängig
«Diese Ergebnisse haben noch vorläufigen Charakter», so Mary Jeanne Kreek von der New Yorker Rockefeller University, «sie lassen aber vermuten, dass genetische Unterschiede in dem Gen für Dynorphin mit der individuellen Anfälligkeit für Kokainmissbrauch in Zusammenhang stehen.»

Kreek und ihr Team analysierten DNA-Proben von 83 Probanden, bei denen zuvor Kokainabhängigkeit oder -missbrauch festgestellt worden war, und verglichen sie mit den entsprechenden Proben von 91 Kontrollpersonen. Wie die Forscher im «American Journal of Medical Genetics» berichten, haben Personen mit der so genannten «high output»-Form des Dynorphin-Gens ein geringeres Risiko für eine Kokainabhängigkeit als Personen mit der «low output»-Variante.


Körpereigenes Opioid
Kokain aktiviert vorrangig die Belohnungsschaltkreise des Gehirns, indem es die Ausschüttung großer Mengen Dopamins und anderer Botenstoffe auslöst. Frühere Untersuchungen von Kreek und ihrer Arbeitsgruppe hatten gezeigt, dass das Gehirn jedoch eine Art Gegengift in Form des körpereigenen Opioids Dynorphin besitzt. Das kurze Peptid hat selbst eine euphorisierende Wirkung und senkt die Schmerzempfindlichkeit. Gleichzeitig reduziert es aber auch die Dopamin-Menge und schwächt so die Kokainwirkung ab.

Alexander Zimprich und seine Kollegen von der Universität Magdeburg hatten schließlich entdeckt, dass das für die Produktion von Dynorphin verantwortliche Gen in mehreren Varianten vorkommt. Bei der «high output»-Variante ist eine kurze DNA-Sequenz in der Aktivierungsregion des Gens, dem Promotor, drei- oder viermal vorhanden. Dadurch wird besonders viel Dynorphin produziert. Dagegen ist das DNA-Stück bei der «low output»-Variante nur ein- oder zweimal vorhanden. Die Untersuchungen von Kreek und ihren Kollegen lassen nun vermuten, dass diese minimalen Variationen sich darauf auswirken, wie leicht Kokainkonsumenten abhängig werden.


Prävention und Therapie der Sucht
«Bei unseren Probanden erfolgte die Diagnose nach sehr strikten Kriterien, das erhärtet unsere Befunde», erläutert Kreeks Mitarbeiter Andrew Chen. «Auf der anderen Seite«, so Chen weiter, »war unsere Probandengruppe relativ klein, so dass die Ergebnisse durch zukünftige Studien mit mehr Patienten bestätigt werden müssen.» Kreek hofft, ihre Ergebnisse «für die Entwicklung sowohl präventiver als auch medikamentöser Behandlungsstrategien für Personen mit einer Kokainabhängigkeit» einsetzen zu können. (nz/jkm)


Kernspintomographie eines Hirns im Kokain-Rausch (links oben Schädeldecke nach rechts unten Schädelbasis). In den gelben Bereichen ist der Kokaineinfluss am stärksten.
Foto: Harvard University  

12.07.04 08:40

16591 Postings, 7368 Tage chrismitzup für vega2000! *gg* o. T.

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