Geldverdienen mit Ebay

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 23.04.03 19:13
eröffnet am: 23.04.03 19:13 von: calexa Anzahl Beiträge: 1
neuester Beitrag: 23.04.03 19:13 von: calexa Leser gesamt: 324
davon Heute: 2
bewertet mit 0 Sternen

23.04.03 19:13

4691 Postings, 6832 Tage calexaGeldverdienen mit Ebay

Beim Internet-Auktionshaus eBay jagen Studenten nicht bloß nach Schnäppchen. Manche machen dort auch als Unternehmer Karriere.

Der virtuelle Hammer fällt um 20.53 Uhr. Artikelnummer 3009386022. "Daten- und Videoprojektor, Modell Eiki LC-X1. 769 Stunden Laufzeit. Guter optischer Zustand, leichte Gebrauchsspuren." Den Zuschlag bekommt "0815matthias" für 2029 Euro. Zuzüglich 35 Euro Versandkosten. "Super, hat alles bestens geklappt", freut sich der Höchstbietende wenige Tage später in der Auktionsbewertung.
Auch Peter Clemen, 22, ist glücklich über diese Versteigerung, hat er doch mal wieder ein Elektronikschnäppchen unters Online-Volk gebracht. Denn Clemen ist ein eBay-Unternehmer. Vergangenen Sommer war er noch Informatikstudent an der Uni Frankfurt. Jetzt handelt er im Netz mit Hightech-Unterhaltungselektronik - mit "Gebraucht-, Demo-, Auslauf-, aber auch Neugeräten aus dem Bereich der Großbildtechnik", wie das in der Eigenwerbung seiner Firma Homecinemax heißt. Dazu gehören beispielsweise "Beamer" wie der Eiki, die PC-Bilder oder DVDs an die Wand projizieren. Im Sortiment hat Clemen auch Breitformatfernseher, Laptops und Heimkino-Zubehör wie Ersatzlampen, Kabel oder Stecker.

"Das Geschäft läuft blendend", sagt der Hesse. "Ich komme den Aufträgen kaum noch hinterher und habe daher einfach keine Zeit mehr zu studieren." Inzwischen macht er eine Million Euro Jahresumsatz, beschäftigt drei Mitarbeiter und überblickt von seinem 280 Quadratmeter großen Büro im Frankfurter Ostend das Mainufer auf der einen Seite, auf der anderen die Skyline der Bankenmetropole. Im Lager hält er Ware im Wert von bis zu 200.000 Euro versandbereit.

"Ganz heiß auf so ein Ding"

Dabei ist es gerade mal ein gutes Jahr her, dass der Ex-Student Online-Versteigerungen für sich entdeckte. Im Januar 2002 hatte Clemen bei einem Bekannten erstmals einen Videoprojektor gesehen und war "gleich ganz heiß auf so ein Ding". Bei eBay wurde er fündig und ersteigerte in seiner ersten Auktion einen gebrauchten Beamer, den er nur wenig später wieder dort losschlagen sollte - mit Gewinn. Die Idee für den Handel war geboren.

Tausende Fans des Online-Handels in Europa und den USA haben wie der Jung-Entrepeneur ihr Hobby zum Beruf gemacht. Darunter sind auch immer mehr Studenten, sagt Chris Donlay, Sprecher der eBay-Zentrale in Kalifornien. Schätzungen zufolge bestreiten in den USA schon über 100.000 Auktionsfreunde ihren Lebensunterhalt über Online-Versteigerungen. In Deutschland rechnet man mit über 1000 Profi-"eBaylern" - Tendenz rasant steigend.

Die Mutter aller Internet-Auktionen hat den Boom kräftigt gefördert: Seit einiger Zeit veranstaltet eBay regelmäßig eintägige Seminare in Metropolen auf der ganzen Welt. Die "eBay University" soll in die Geheimnisse erfolgreicher Versteigerungsgeschäfte einweihen.

Mit weltweit fast 62 Millionen registrierten Nutzern ist eBay inzwischen die Nummer eins der Branche. Über sechs Millionen Fans der elektronischen Handels-"Bucht" sitzen allein in Deutschland, wo via eBay Waren im Wert von über einer Milliarde Euro pro Jahr umgeschlagen werden. Mindestens jeder achte Besucher der Homepage soll Studien zufolge ein Student sein. Das ist kaum verwunderlich, denn das 1995 als Online-Flohmarkt für Sammler gestartete Unternehmen ist ein Discountparadies. Toaster, Gebrauchtwagen, CDs, Gitarren, Wasserbetten, PCs, Katzenklos, Fernseher, Brillen, Küchenutensilien, Fahrräder oder Markenklamotten, es gibt schlicht nichts, was es nicht bei eBay gibt. Der amerikanische Kunststudent John Freyer aus Iowa verhökerte sogar sein ganzes Leben online, inklusive Kühlschrankinhalt, Zahnprothese und abgeschnittenen Koteletten, und schrieb auch noch ein Buch über diese unorthodoxe A(u)ktions-Performance*.

Verrückte Sachen

Doch selbstredend findet sich auch zweckmäßigeres Studienmaterial bei eBay: Allein in der Bücherkategorie "Studium & Wissen" stehen 18.000 Titel. Wer clever und zudem kreativ ist, kann sich auch ein Zubrot verdienen. "Die Möglichkeiten sind praktisch ebenso unbegrenzt wie die Ausstellungsfläche", sagt Donlay. "Und das lässt viel Spielraum, um mit Geschäftsideen zu experimentieren - auch ohne Diplom." Damit meint er insbesondere auch die Entwicklung eigener Produkte, für die es im Offline-Handel schwierig sein kann, Vertriebspartner zu finden. "Es gibt da die verrücktesten Sachen", weiß Donlay. In den USA vermisste etwa eine junge Frau im Handel vernünftige Reisepflegesets für Zahnspangen. Kurzerhand machte sie sich daran, aus Drogerien verschiedene Utensilien zusammenzukaufen und in kleinen Päckchen bei eBay anzubieten. Laut Donlay macht sie ganz gute Geschäfte.

Einem ehemaligen Politikstudenten aus Marburg bescherte seine Sammelleidenschaft einen einträglichen Nebenverdienst - so einträglich inzwischen, dass der eBay-Händler aus Angst vor der Steuerfahndung ungenannt bleiben möchte. Vor vier Jahren entdeckte der Student seine alte Märklin-Eisenbahn auf dem Speicher und versuchte, diese in Stand zu setzen. "Als ich bei eBay nach Teilen suchte, packte mich regelrecht das Fieber", sagt er. Das neue alte Hobby sollte sich allerdings bald als teurer Spaß entpuppen. Das brachte ihn auf die Idee, komplette Anlagen über den Netz-Marktplatz zusammenzukaufen, zu filetieren und in Einzelteilen zu versteigern, um so mit der Besessenheit anderer Bieter Kasse zu machen.

Nachschub beschafft sich der Eisenbahn-Experte auch aus der Offline-Welt über Kleinanzeigenmärkte. "So luchse ich Unbedarften ihren Schatz aus der Jugend für 'nen Appel und ein Ei ab", grinst er. Inzwischen hat er über 700 Auktionen hinter sich und nimmt in einem guten Monat über 1000 Euro ein. Damit finanziert er derzeit sein Aufbaustudium, das er auf Grund erfolgloser Jobsuche nach dem Examen begann.

Verramschte Einzelteile

Aus der drohenden Not der Joblosigkeit versucht auch der Politik- und Pädagogikstudent Jürgen Scheiwein bei eBay sein Glück. "Ich würde nach dem Studium gern was im E-Learning-Bereich machen", sagt Scheiwein, der gerade seine Magisterprüfungen an der Uni Stuttgart schreibt. "Da es derzeit aber nicht gut aussieht, muss man eben kreativ sein, um sich über Wasser zu halten." Vor einigen Monaten hat Scheiwein, der nebenbei an Computern herumschraubt, einen Markt für ausrangierte Rechner bei eBay entdeckt und damit begonnen, in der Küche seiner kleinen Dachwohnung PCs zu zerlegen und in Einzelteilen wieder mit Profit über die Webbörse zu verramschen. Nun denkt er daran, sich damit nach Studienabschluss selbständig zu machen.

Unter ähnlich beengten räumlichen Verhältnissen wie Scheiwein hat nicht nur Clemen vor einem Jahr seine eBay-Karriere gestartet, sondern einst ja auch der Informatiker Pierre Omidyar im kalifornischen San José die Web-Company gegründet - so will es zumindest die offizielle eBay-Legende. Omidyar ist inzwischen Multi-Millionär. Den amerikanischen Traum träumt auch der deutsche Homecinemax-Gründer. So reich wie sein Vorbild Omidyar will Clemen auch werden - spätestens mit Dreißig.
(Quelle: Spiegel.de)

So long,
Calexa
www.investorweb.de  

   Antwort einfügen - nach oben