Geldanlage: Fonds, vollgepackt mit Spaß

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1594 Postings, 7522 Tage mothyGeldanlage: Fonds, vollgepackt mit Spaß

ftd.de, Do, 14.2.2002, 7:00  
Geldanlage: Fonds, vollgepackt mit Spaß
Von Martin Diekmann

Eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung wird für viele immer wichtiger. Das hat auch die Wirtschaft längst entdeckt. Fonds, die auf die Gestalter der Mußezeit setzen - so genannte Leisure-Funds -, versprechen langfristiges Wachstum.

Die meisten Menschen geraten ins Schwärmen, wenn sie an Spitzensportler wie Lance Armstrong, den US-Radrennfahrer und dreimaligen Tour-de-France-Gewinner, denken. Kein Wunder also, dass die Sport-Branche boomt. Aber nicht nur die: Durch die sinkenden Arbeitszeiten bekommt eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung eine immer größere Bedeutung. Folge: Die Industrie bringt permanent neue Produkte auf den Markt, um den Kunden die freie Zeit zu füllen. Und sich selbst die Kassen.

Wer an dieser Entwicklung teilhaben will, sollte ein Investment in Freizeitfonds erwägen. Diese Leisure-Funds investieren in fast alles, was auch nur im entferntesten mit Freizeit zu tun hat: Sport, Medien, Entertainment, Hotels, Restaurants, Tourismus, Nahrungsmittel, Brauereien oder Autos. Alle diese Bereiche erfreuen sich wachsender Beliebtheit, auch wenn der Tourismus unter der derzeitigen Reiseflaute infolge der Anschläge vom 11. September in den USA leidet.



Tourismus im Portfolio


"In unserem Fonds ist Tourismus derzeit mit 15 Prozent vertreten", sagen Mark Brumby und Antonio Perez, Manager des Global Leisure Fund von Vermögensverwalter Pictet. "Wir setzen auf Flughafenbetreiber wie die englische TBI oder das spanische Flugbuchungssystem Amadeus. Die leiden nicht so unter der Krise wie die Airlines." Ihr Fonds konzentriert sich auf die Bereiche Media/Entertainment, Tourismus, Restaurants/Getränke und Videospiele/Sport. Auf den Sektor Automobile verzichten sie ebenso wie auf nicht alkoholische Getränke oder Nahrungsmittel- und Zigarettenhersteller.


Mit 45 Prozent stellt Europa den größten Depotanteil, gefolgt von den USA mit 40 Prozent. Unter den 40 Aktien im Fonds sind Sony, Walt Disney und AOL die größten Positionen. Die Fondsmanager tätigen am liebsten nur solche Investments, von deren Qualität sie sich selbst überzeugen können. Dass sie ihre Freizeit fast nur mit Essen, Trinken, Fernsehen und Videospielen verbringen, weisen sie allerdings zurück. Ebenso wie die immer gern wiederholte Behauptung, dass die ganze Freizeit-Branche zyklisch sei: "Die Rezession ist natürlich für niemanden erfreulich, doch Medienunternehmen wie AOL Time Warner oder Getränkehersteller wie Heineken oder Diageo sind weniger zyklisch, als Investoren glauben."



Defensive Freizeitqualitäten


Dieser Meinung ist auch Mark Greenberg, Fondsmanager des Invesco Leisure Fund. Mit einer Performance von acht Prozent auf Jahressicht weist er die beste Bilanz aller acht in Deutschland erhältlichen Leisure-Funds auf. "Viele Anleger glauben, dass Unternehmen der Freizeitbranche unter einer Rezession besonders leiden würden. Wir sehen dagegen, dass die Freizeitbranche über ausgeprägt defensive Qualitäten verfügt. Die Abkehr der Anleger während eines Abwärtstrends ist daher ungerechtfertigt." Greenberg ist der Meinung, dass der massive Ausverkauf von Titeln nach den Terroranschlägen "eher eine gute Kaufgelegenheit" war. Der massive Verkaufsdruck habe dazu geführt, dass einige Freizeittitel unterbewertet und äußerst attraktiv seien.


Dazu zählt er den Spielehersteller Mattel, eine der Kernpositionen. "Ein neuer CEO, Kostensenkungen, Lizenzvereinbarungen und ein besseres Logistik-Management sollten in den nächsten drei Jahren zu einem Gewinnwachstum von 20 Prozent pro Jahr führen können", schwärmt Greenberg von diesem Favoriten. Der Manager investiert zu 80 Prozent in seinem Heimatmarkt USA und setzt neben Mattel vor allem auf Hotelbetreiber wie Marriott, Medienfirmen wie Liberty Media oder Brauereien wie Heineken und Anheuser Busch.



Zielgruppe "Baby-Boomer"


Einige Faktoren sprechen für eine anhaltend starke Entwicklung des Freizeitsektors: "Die Nachfrage nach Freizeitangeboten wird durch Verschiebungen in der demografischen Struktur, dem Wunsch nach Freizeit und Erholung sowie die Lancierung neuer innovativer Produkte stimuliert werden", heißt es in einer Studie von Invesco.


Die massiven Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur zumindest in den USA dürften sich bis 2012 günstig auf die Freizeitindustrie auswirken. Für die Jahre 2000 bis 2010 wird ein Bevölkerungszuwachs von mehr als 23 Millionen oder acht Prozent erwartet. Das nahende Rentenalter der "Baby-Boomer" sollte zudem das Wachstum der Branche entscheidend mitbestimmen.


Diese Gegebenheiten lassen sich auch auf Europa und Deutschland übertragen, meint Emil Dörig, Fondsmanager des Credit Suisse Global Leisure Fund. "Durch kürzere Arbeitszeiten und größere Vermögen nimmt das Interesse an Freizeit und Luxusgütern weiter zu." Dörigs Fonds investiert zu 45 Prozent in den USA, in Japan zu zwölf Prozent und in Deutschland zu knapp zehn Prozent. Bei der Aktienauswahl stehen großkapitalisierte Firmen mit Substanzcharakter im Vordergrund. "Ich lege großen Wert auf die Marktpositionierung, Innovationsfähigkeit, Transparenz, Ertragskraft und die solide Finanzstruktur eines Unternehmens", sagt Dörig. Der Fokus liege auf Firmen aus der Reisebranche, der Luxusgüterindustrie, des Sportartikelsektors sowie des Medien- und Unterhaltungsbereichs. Die größten Positionen: Sony, Nintendo, AOL Time Warner, Adidas und Porsche.



© 2002 Financial Times Deutschland  

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