Gegen die "Anti-Kohl-Mafia"

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eröffnet am: 03.11.05 09:33 von: quantas Anzahl Beiträge: 1
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Alt-Kanzler Helmut Kohl stellt Band 2 seiner Erinnerungen vor und will ?Legendenbildung? bekämpfen. Von Armin Fuhrer, Berlin


Nein, zu Angela Merkel wolle er nichts sagen, sagt Helmut Kohl einen Tonfall zu brüsk, als dass viele Journalisten nicht doch kurz aufhorchen. Auch, wenn er als Begründung angibt, er sei schließlich ins Berliner Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt, um über sein neues Buch zu reden. Hatte er nicht gerade noch gesagt, der Posten als Ministerpräsident sei eine gute Startposition für eine Kanzlerkandidatur ? und zugefügt: ?Das geht einigen wohl gerade im Kopf herum.? SPD-Chef Franz Müntefering nimmt der Altkanzler dagegen in Schutz: ?Ich habe Verständnis für seinen Rücktritt. Das ist selbstverständlich, wenn man die ganze Arbeit macht und die eigenen Leute einem dann so die Beine wegsäbeln.?

Geballte Geschichte

Viel mehr wollen die Berichterstatter am Mittwoch aber über die Wirren der aktuellen Politik aus Kohls Mund auch gar nicht hören. Steht vor ihnen doch die in seiner Person geballte Geschichte: Kanzler der Einheit, 16 Jahre Regierungschef, 25 Jahre CDU-Vorsitzender. Und schießlich geht es um Band zwei von Kohls Erinnerungen (Droemer-Verlag), die die Jahre 1982 bis 1990 erfassen. Vom Regierungswechsel von Helmut Schmidt zu Kohl über den Nato-Doppelbeschluss, den CDU-internen Putschversuch gegen ihn 1989, bis zum Fall der Mauer und den Monaten des Wiedervereinigungsprozesses also. Wen interessiert da schon das kleingeistige Berliner Chaos der Jetztzeit?

Lob für Thatcher

Über Personen erzählt Kohl in seinem 1150-Seiten-Werk ja trotzdem in Hülle und Fülle. Magaret Thatcher, die resolute Dame aus London, kommt natürlich vor. Auch wenn sie in Fragen der Deutschen Einheit fundamental gegensätzliche Meinungen gehabt hätte, so achte er sie doch ? vor allem wegen ihrer Ehrlichkeit. ?Schließlich hat sie doch nur das gesagt, was in Deutschland auch ganz viele dachten.?

Der doppelte Mitterrand

Dann sein Freund Francois Mitterrand, der große Franzose an der Spitze der Grande Nation. Den müsse man in die Privatperson und den Staaspräsidenten teilen, wenn es um die Wiedervereinigung ging, findet Kohl. Als Privatmann habe er nie den Gedanken des Selbstbestimmungsrechts aufgegeben. Als Politiker dagegen sei ihm klar gewesen, dass ein wiedervereinigtes Deutschland die stärkste Kraft in Europa würde. Und das sei für einen Franzosen nun mal nicht einfach zu akzeptieren.

Viel Spaß beim Lesen, Norbert Blüm!

Helmut Kohl habe oftmals kein Blatt vor den Mund genommen und erfrischend undiplomatisch geschrieben, freut sich Verleger Hans-Peter Übleis, der das Werk zunächst in einer Auflage von 100 000 Exemplaren drucken ließ. Bis Weihnachten hofft er aber noch auf eine zweite Auflage. Sein Fett weg bekommt zum Beispiel Norbert Blüm, der Kohl als einziger Minister die ganzen 16 Jahre zur Seite stand. ?Alles, was ich über Norbert Blüm schreibe, wird ihn nicht freuen.?

Dank an Hannelore

Geplant habe er ursprünglich, überhaupt keine Memoiren zu schreiben. Nun werden es drei Bände, da kann Helmut Kohl es schon mit Bismarcks ?Gedanken und Erinnerungen? aufnehmen. Überzeugt habe ihn seine Frau Hannelore, die wegen einer unheilbaren Krankheit Selbstmord beging und ihn in ihrem Abschiedsbrief aufgefordert habe, sich an die Arbeit zu machen. Er wolle vor allem gegen ?Legendenbildung? vorgehen, die sich überall festsetze, zum Beispiel mit Blick auf den Nato-Doppelbeschluss oder die Wiedervereinigung.

Gerade durch die Spendenaffäre sei ihm klar geworden, wie wichtig es sei, diese Legenden zu bekämpfen. Dass später zum Beispiel Studenten sein Werk lesen sei seine Hoffnung, ?wenn ich verblichen bin und die ganze deutsche Anti-Kohl-Mafia unter den Journalisten, vor allem in Hamburg, auch?. Die Spendenaffäre wird übrigens erst in Band 3 abgehandelt. Man darf gespannt sein.

 

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