Für unsere Wahlkämpfer

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 19.08.05 16:50
eröffnet am: 19.08.05 09:27 von: SAKU Anzahl Beiträge: 21
neuester Beitrag: 19.08.05 16:50 von: AbsoluterNe. Leser gesamt: 558
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

19.08.05 09:27

50457 Postings, 6145 Tage SAKUFür unsere Wahlkämpfer

Die Positionen der Parteien (I)

Berlin (dpa) - Der SPD-Vorstoß für die vorgezogene Bundestagswahl hat alle Parteien überrumpelt. Fertig ausformulierte Wahlprogramme gibt es noch nicht. Große Unterschiede gibt es vor allem in der Gesundheits- und Steuerpolitik. dpa gibt einen Überblick über die Konzepte:

ARBEITSMARKTPOLITIK:

SPD: An der Arbeitsmarktreform Hartz IV soll - bei Nachbesserungen im Detail - grundsätzlich festgehalten werden. Die SPD will den weiteren Abbau von Arbeitnehmerrechten verhindern, lehnt neuerliche Lockerungen beim Kündigungsschutz ab. Sie setzt sich für den Erhalt von Flächentarifvertrag und Betriebsverfassung ein.

CDU/CSU: Leistungen der Bundesagentur für Arbeit sollen für niedrigere Beiträge (5,0 statt 6,5 Prozent) reduziert werden. Die Union will den Niedriglohnsektor ausbauen, mehr Lohnsubventionen und mehr betriebliche Bündnisse für Arbeit. Wenn Betriebsrat und Belegschaft zustimmen, soll untertarifliche Bezahlung möglich sein. Die Mitbestimmung soll eingeschränkt werden. Bei Neueinstellung soll der Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, auf den Kündigungsschutz gegen Zahlung einer Abfindung zu verzichten. Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I soll wieder verlängert und stärker an der Dauer der Beitragszahlung ausgerichtet werden. An der Hartz-IV-Reform, an der die Union mitwirkte, soll grundsätzlich nicht gerüttelt werden.

Grüne: Die von den Grünen geforderten Hartz-Nachbesserungen zielen auf Verbesserungen bei den sozial Schwächsten. Die Klausel über zumutbare Arbeit wollen sie ändern, aktive Arbeitsmarktpolitik stärken. Im Niedriglohnsektor sollen die Sozialbeiträge zu einem größeren Teil aus der Steuerkasse bezahlt werden.

FDP: Die radikalsten Vorstellungen vertreten die Liberalen, etwa beim Tarifrecht oder beim Abbau von Mitbestimmung. Kündigungsschutz soll es nur noch in Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten geben. Die Bundesagentur für Arbeit in ihrer jetzigen Form soll abgeschafft werden, Arbeitslosenversicherung stärker privatisiert werden.

KRANKEN- UND PFLEGEVERSICHERUNG:

SPD: Die Sozialdemokraten streben eine Pflichtversicherung für alle an, die Bürgerversicherung. Die traditionellen Unterschiede zwischen Gesetzlicher und Privater Kranken- und Pflegeversicherung gibt es dann nicht mehr. In die Bürgerversicherung einbezogen werden auch Freiberufler, Beamte und Gutverdiener. Beiträge müssen auch für Kapitaleinkünfte bezahlt werden. Aus diesen Mehreinnahmen sollen Beitragssenkungen finanziert werden. Viele Details sind noch offen.

Union: Die Krankenkassenbeiträge gesetzlich Versicherter sollen vom Einkommen abgekoppelt werden. Dafür zahlt jeder eine Kopfpauschale oder Gesundheitsprämie von 109 Euro im Monat; die Arbeitgeber steuern noch 60 Euro dazu. Sozial Schwache erhalten einen steuerfinanzierten Zuschuss, die beitragsfreie Versicherung von Kindern wird aus der Steuerkasse bezahlt. Die Kosten werden auf 17 Milliarden beziffert. Bei der Pflege wird mehr Kapitaldeckung angestrebt.

Grüne: Die Grünen setzen wie die SPD auf die Bürgerversicherung und reklamieren das Konzept für sich: Sie setzen dabei weiterhin auf das Prinzip der paritätischen Finanzierung, also die Beteiligung der Arbeitgeber. Die Grünen wollen auch mehr Möglichkeiten zu Direktverträgen zwischen Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern sowie mehr Wettbewerb für die pharmazeutischen Industrie schaffen.

FDP: Die gesetzlichen Krankenkassen sollen privatisiert werden. Jeder Bürger muss eine Grundsicherung vorweisen. Bedürftige erhalten einen steuerfinanzierten Zuschuss. Der Arbeitgeberanteil wird ausgezahlt und muss versteuert werden. Aus den Mehreinnahmen für den Fiskus sollen auch Kinder krankenversichert werden.

STEUERPOLITIK

SPD: Weitere Einkommensteuersenkungen plant die SPD nicht. Ein umfassendes Reformkonzept zur Einkommen- und Unternehmensteuer sowie zu den Kommunalfinanzen wollte die SPD bis zum Herbst vorlegen, gestützt auf Aussagen der "Wirtschaftsweisen". Unklar ist, ob die SPD eine duale Einkommensbesteuerung anstrebt. Dabei würden international mobile Kapitaleinkünfte geringer besteuert als weniger mobile wie Arbeitseinkommen. Möglich ist auch, dass SPD- Linke sich mit der Forderung nach einer stärkeren Besteuerung großer Vermögen und privater Erbschaften durchsetzen. Geprüft wird eine rechtsformunabhängige Firmenbesteuerung. Wegfallen sollen weitere Subventionen, was aber alle Parteien fordern.

Grüne: Auch die Grünen streben keine weiteren Tarifsenkungen bei der Einkommensteuer an. Sie wollen - wie alle anderen Parteien auch - mehr Transparenz und eine Vereinfachung des Systems. Dafür sollen Ausnahmen gestrichen und Pauschalen eingeführt werden. Die Gewerbesteuer soll ausgebaut werden zu einer Wirtschaftsteuer. Bei dieser neuen Gemeindesteuer sollen auch Mieten, Zinsen und Pachten einbezogen werden. Kleine Familienbetriebe sollen bei der Erbschaftsteuer entlastet, große Privatvermögen aber stärker belastet werden. Mit Mehreinnahmen aus einer Devisenumsatz- und einer Kerosinsteuer soll eine höhere Entwicklungshilfe finanziert werden.

CDU/CSU: Das "Konzept 21" der Union ist noch unvollständig, es gibt noch Differenzen. Zuletzt wollten CDU/CSU das Steuerrecht in zwei Stufen umbauen. Zunächst sollen die Einkommensteuersätze auf 13 beziehungsweise 39 Prozent gesenkt und der linear-progressive Tarif beibehalten werden. Im nächsten Schritt soll zu einem Stufentarif mit den Sätzen 12, 24 und 36 Prozent gewechselt werden. Ausnahmen sollen gestrichen werden, das Ausmaß ist noch offen. Die Gewerbesteuer wollte die Union zuletzt abschaffen und Unternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform besteuern. Die Erbschaftsteuer für Unternehmen soll praktisch abgeschafft werden. Teil des Steuerkonzepts müsste auch die Finanzierung der Gesundheitsreformpläne der Union sein.

FDP: Die Liberalen wollen am stärksten umsteuern. Die FDP will Unternehmen mit maximal 25 Prozent Körperschaft- und Einkommensteuer belasten. Bei der Einkommensteuer soll ein Drei-Stufen-Tarif von 15, 25 und 35 Prozent gelten. Die Gewerbesteuer soll abgeschafft werden, die Kommunen sollen dafür eine höhere Umsatzsteuerbeteiligung erhalten. Wie bei der Union soll ferner ein Zuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer samt Hebesatzrecht gewährt werden - was die Kommunen bisher aber ablehnen.  

19.08.05 09:28

50457 Postings, 6145 Tage SAKU2. Teil

Die Positionen der Parteien (II)

Berlin (dpa) - Der SPD-Vorstoß für die vorgezogene Bundestagswahl hat alle Parteien überrumpelt. Fertig ausformulierte Wahlprogramme gibt es noch nicht. Große Unterschiede gibt es vor allem in der Gesundheits- und Steuerpolitik. dpa gibt einen Überblick über die Konzepte:

RENTE:

Die Rentenfinanzen sind wegen schwacher Beitragseinnahmen extrem angespannt. Zur nachhaltigen Stabilisierung der Kassenlage gibt es nur wenige Stellschrauben. Dazu zählen Rentenkürzungen, Erhöhungen des Beitragssatzes, höhere Bundeszuschüsse und/oder eine deutliche Heraufsetzung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von derzeit 65 auf 67 Jahre. Die Möglichkeiten der Frühverrentung wurden bereits stark beschnitten. Ihre rentenpolitischen Vorstellungen haben die Parteien noch nicht festgelegt. Alle setzen aber - FDP und Union mehr, die SPD weniger - auf den Ausbau der privaten Altersvorsorge.

ENERGIE- und VERKEHRSPOLITIK

SPD: Ökostrom soll weiter gefördert, und an der Verstromung von Kohle festgehalten werden. Der beschlossene Atomausstieg soll fortgesetzt werden. Planung und Bau von Verkehrswegen sollen per Gesetz beschleunigt und private Investoren stärker beteiligt werden.

Grüne: Der Anteil erneuerbarer Energien soll deutlich ausgebaut werden. Der Atomausstieg bis 2020 soll konsequent umgesetzt und Kohlekraftwerke weiter modernisiert werden. Wettbewerbsnachteile des Schienenverkehrs gegenüber der Luftfahrt sollen wegfallen.

CDU/CSU: Die Union will den Atomausstieg verzögern und die Laufzeiten bestehender Atomkraftwerke je nach Technikstand verlängern. Die Planung und der Bau von Verkehrswegen sollen per Gesetz beschleunigt und private Investoren stärker beteiligt werden.

FDP: Die FDP will den Energiemix erhalten, die Kernkraft soll über 2020 hinaus bestehen bleiben. Erneuerbare Energien sollen nicht stärker gefördert werden. Auch die Liberalen streben eine stärkere Beteiligung Privater bei Verkehrsprojekten an.

AUSSENPOLITIK

SPD/Grüne: Die größten Differenzen zwischen den Parteien gibt es über den EU-Beitritt der Türkei. SPD und Grüne sind starke Verfechter der Erweiterung und verweisen auf jahrzehntelange Versprechungen an die Türkei. Rot-Grün kämpft für einen ständigen deutschen Sitz im UN- Sicherheitsrat. Beim China-Waffenembargo ist die SPD in weiten Teilen dafür, Sanktionen aufzuheben, die Grünen sind mehrheitlich dagegen.

CDU/CSU: In der Außenpolitik sind sich CDU und CSU relativ einig. Beide lehnen eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU ab. Die CDU befürwortet stattdessen nur eine "privilegierte Partnerschaft". Die CSU kündigte an, einen Beitritt mit allen Möglichkeiten zu verhindern. Die Union unterstützt auch geschlossen die deutsche Forderung nach einem Sitz Deutschlands im UNO-Sicherheitsrat.

FDP: Die Liberalen wollen die im Oktober 2005 beginnenden Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei "ergebnisoffen" führen. Wie die Union ist die FDP wegen der Menschenrechtslage in China strikt gegen eine Aufhebung der Sanktionen. Ein deutscher UN- Sitz ist für die FDP die "zweitbeste Lösung", sie will einen EU-Sitz.

BILDUNG

Alle Parteien wollen für Bildung und Forschung mehr Geld bereitstellen. SPD und Grüne sind klar gegen Studiengebühren für das Erststudium, Union und FDP sind dafür. Die SPD will an der bisherigen Bafög-Förderung festhalten. Die Union strebt hingegen bei der Studienfinanzierung einen Mix aus Gebühren, zu verzinsenden Privatdarlehnen, Zuschüssen und "Freiplätzen" für Bedürftige und besonders Begabte an.  

19.08.05 09:47

443 Postings, 5546 Tage cassiopaiaWahlkampf ist was für Idioten Saku

Niemand der auch nur für 5 cent Verstand hat beschäftigt sich mit Politik.

Das System rücksichtslos ausbeuten...ohne Moral oder Skrupel ...sein eigenes Einkommen immer weiter steigern...dabei keine Gnade kennen für niemand...das ist es was Spass macht...nicht diese saudumme Politik...

greez  

19.08.05 10:00

50457 Postings, 6145 Tage SAKUOha...

Wahlkämpfer sind Idioten...

Das werden hier einige aber nicht gerne hören *ggg*  

19.08.05 10:23
3

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiiSein Blick so müd... Schröder im ZDF bei Maybritt

SCHRÖDER IM ZDF

Sein Blick so müd...

Von Claus Christian Malzahn

Im Zweiten Deutschen Fernsehen durfte Gerhard Schröder gestern so etwas wie eine Abschiedsvorstellung geben, anschließend zog der Sender eine vorläufige historische Bilanz von sieben verflixten Jahren Rot-Grün. Kanzler, Kanzler - ist wirklich alles schon vorbei?


Talk-Gast Schröder, Moderatorin Illner: Fragen und Filmchen wie Wespen


Berlin - Die reine Wahrheit kommt ganz zum Schluss. Was er am 19. September denn machen würde, fragt Maybritt Illner den Bundeskanzler am Ende der Sendung. "Mich freuen", sagt Gerhard Schröder spontan, dann lacht er befreit auf und man weiß: Diese Antwort war nicht geplant, sie war echt. Am 19. September ist er den Schlamassel los, so oder so, wahrscheinlich so: Tschüss Deutschland, dann eben nicht.


45 Minuten lang hat die ZDF- Journalistin den Kanzler befragt, nach Parteifreunden und anderen gefährlichen Zeitgenossen, nach Reformen und Bilanzen. Die vom Kanzler wesentlich bestimmte Außenpolitik der vergangenen Jahre fand in dieser Sendung nicht statt, in Berlin Mitte ging es um Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei. Nun kann man an diesem Kanzler viel kritisieren, auch ohne ihm seine Slalomfahrten in der Außenpolitik vorzuhalten. Aber wenn man ihn schon nach Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Reichensteuer und den geknechteten Seelenzustand der SPD befragt, dann wäre auch ein Standpunkt des Fragestellers hilfreich.


Warum kann man nicht anerkennen, dass dieser Kanzler immerhin etwas begonnen hat, was sein Vorgänger 16 Jahre lang nicht einmal mit spitzen Fingern angefasst hat? Einfach nur abfragen, was schief gegangen ist, ist eine allzu leichte journalistische Übung. Haltungen sind ja auch Glückssache, zumal im Wahlkampf. Also wurde in Berlin Mitte mal von links gefragt, mal von rechts, und schließlich hat man im Fernsehen ja diese famosen Filmchen: Wie nervende Wespen schickte Illner ihre 20-Sekunden-Trailer in den virtuellen Raum, mal durften fünf Ossis sagen, dass sie den Kanzler früher lieb hatten und heute ganz doof finden, mal erklärte Ulrich Maurer, der Führer der schwäbischen Arbeiterbewegung, dass Schröder die SPD ruiniert hat, mal ließ die Moderatorin im weißen Anzug den Finanzsenator Thilo Sarazzin zitieren, der die Reichensteuer für populistischen Blödsinn hält. Der Kanzler wedelt die Wespen weg, "mit Verlaub", und dabei wirkte er manchmal für die Ewigkeit einer Sekunde unendlich müde, als wolle er sagen: Kapiert es doch endlich, ohne mich würde dieses Land vollends in die Grütze fahren.


In diesem Wahlkampf gibt es nur noch Duelle, jeder, der in der Politik unterwegs ist, darf losballern. Ein paar billige Sendeplätze weiter duellieren sich gerade Cornelia Pieper und Bärbel Höhn, irgendwo wird vermutlich gerade das Duell Beckstein gegen Schily wiederholt und die taz meldet, dass Joschka Fischer gerade Wolfgang Schäuble seinen ostdeutschen Sekundanten geschickt hätte.


Im ZDF aber läuft das Duell Schröder gegen den Rest der Welt. Illner hört den sachlichen, manchmal gar wehmütigen Erklärungen des Kanzlers meist mit geschürzten Lippen zu. Ihn schmerze nicht der Verlust von Funktionären, sondern der kleinen Sozialdemokraten, denen er seine Politik nicht habe erklären können. Den Satz hat er sich vorher überlegt, aber er wirkt nicht aufgesetzt. Für Illner ist das die Gelegenheit zum nächsten schwarz-gelben Wespeneinsatz, es gibt heute keine Statistik, die nicht gegen Schröder verwendet werden kann.


Manchmal ist der Kanzler schneller. Wirtschaft kaputt? Falsch. Dann greift er in die Innentasche seines Anzugs und faltet grinsend einen Artikel-Ausdruck auseinander: Der Economist bejubelt die deutsche Wirtschaft. Vermutlich wird ihn der Beifall des liberalen britischen Blattes nicht retten. Aber da sind wieder ein paar mehr, die sagen, dass er nicht nur Fehler gemacht sondern vor allem etwas Richtiges auf den Weg gebracht hat.


Schröder kämpft im ZDF auch um den künftigen Eintrag ins Geschichtsbuch: Da will er jetzt rein. Nicht alleine übrigens, auch wenn es im Wahlkampf keine Koalitionen gibt: Einen Wahlkampfauftritt mit Joschka Fischer kann sich der Kanzler plötzlich wieder vorstellen. Warum auch nicht. Wenn man auf Abschiedstournee geht, sollte man auch die größten Erfolge zum Besten geben. Fischer und Schröder müssen gemeinsam über "troubled water"; Simon und Garfunkel gaben ihr bestes Open-Air-Konzert übrigens auch erst nach langjähriger Trennung. Haben Fischer und Schröder eigentlich im Sommer 2009 schon was vor?


Im Anschluss an das ZDF-Verhör zeigt der Sender einen kurzen Film von Wolfgang Herles zum langen Abschied des "rot-grünen Projekts". Gar nicht schlecht, sich heute noch einmal daran zu erinnern, wie das war, als Fischer und Schröder 1998 in den Zentren der Macht angekommen waren. Weiß noch einer, wie mit Helmut Kohl gar nichts mehr ging? Wie der Pfälzer Mitte der Neunziger Jahre live im Fernsehen auftrat - damals war das noch etwas Besonderes - und den Unterschied zwischen der Datenautobahn und der A1 nicht kannte? Sein SPD-Nachfolger jedenfalls wird nicht daran scheitern, dass er seine Zeit nicht mehr kannte.


Schröder, der müde Panther? Vor etwa einem Vierteljahrhundert wollte ein Jurist aus Niedersachsen mit einem ehemaligen Taxifahrer aus Frankfurt die Republik verändern. Das haben sie geschafft. Dany Cohn-Bendit bringt es als grüner Kronzeuge in Herles Film auf den Punkt: Eine geschiedene, kinderlose Ostdeutsche und ein schwuler Liberaler an der Spitze von Union und FDP - das wäre ohne Rot-Grün nicht möglich gewesen. Es ist vollbracht. So liberal war Deutschland noch nie. Nun reicht es aber auch.


Wolfgang Herles beschließt im ZDF seinen filmischen Essay über die 68er an der Macht mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke - und zeigt dazu die Gitter vom Bonner Kanzleramt, an denen der junge Schröder im letzten Jahrhundert einmal nach durchzechter Nacht gerüttelt hatte. Und weil in Rilkes Zeilen mehr Erklärung steckt als in 45 Minuten Mitte, soll die erste Strophe hier nicht fehlen: "Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt."


Machs gut, Kanzler.



MfG
kiiwii
ariva.deWo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?  

19.08.05 10:29

Clubmitglied, 44303 Postings, 7314 Tage vega2000Guter Artikel

Sachlich & fair.  

19.08.05 10:42

36708 Postings, 6212 Tage TaliskerÜber kleinere Widersprüchlichkeiten

Nur mal den ersten Punkt aus #1 genommen, zur Arbeitsmarktpolitik:

"CDU/CSU: Leistungen der Bundesagentur für Arbeit sollen für niedrigere Beiträge (5,0 statt 6,5 Prozent) reduziert werden. Die Union will den Niedriglohnsektor ausbauen, mehr Lohnsubventionen und mehr betriebliche Bündnisse für Arbeit. Wenn Betriebsrat und Belegschaft zustimmen, soll untertarifliche Bezahlung möglich sein. Die Mitbestimmung soll eingeschränkt werden. Bei Neueinstellung soll der Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, auf den Kündigungsschutz gegen Zahlung einer Abfindung zu verzichten. Die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I soll wieder verlängert und stärker an der Dauer der Beitragszahlung ausgerichtet werden. An der Hartz-IV-Reform, an der die Union mitwirkte, soll grundsätzlich nicht gerüttelt werden."

Ich dachte, alle Subventionen sollen wech? Hallo, Herr Kirchhof, da müssen Sie doch energisch gegen angehen? (mal ganz ab von den zusätzlichen Schwierigkeiten mit dem Kombilohn wie zu erwartenden Mitnahmeeffekten und den Missbrauchmöglichkeiten).
Die Bezugsdauer des ALG1 soll wieder verlängert werden - schön für viele, wird auch viele freuen. Die Ossis hingegen, denen eine Angleichung des ALG2 an Westniveau (es geht pro Nase um 14?) mit der Begründung "Is kein Geld für da" verwehrt wird, dürften sich verwundert die Augen reiben.

Gruß
Talisker  

19.08.05 10:49

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiiUnion legt wieder zu

SPIEGEL


Union legt wieder zu


Die Union kann ihren Vorsprung laut einer neuen Umfrage leicht ausbauen. Gemeinsam mit der FDP würde es nun wieder für eine absolute Mehrheit reichen. Die Linkspartei verliert erneut.


Berlin - Laut ZDF-Politbarometer könnte die Union, falls bereits an diesem Sonntag Bundestagswahl wäre, mit 43 Prozent der Stimmen rechnen, einen Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. Zusammen mit der FDP, die weiterhin auf acht Prozent kommt, würde dies für eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag reichen. Die SPD bleibt demnach unverändert bei 29 Prozent, die Grünen bei neun Prozent. Die Linkspartei verliert einen Punkt auf acht Prozent.


In der politischen Stimmung verbessert sich die CDU/CSU um drei Punkte auf 44 Prozent. Die SPD verliert drei Punkte und erreicht nur noch 28 Prozent.


Bei der Kanzlerpräferenz holte Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel im direkten Vergleich mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf. Bei einer Direktwahl wären demzufolge 43 Prozent für Merkel als Kanzlerin und 47 Prozent für den Amtsinhaber.


Die Angaben beruhen auf einer repräsentativen Telefonumfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen.



MfG
kiiwii
ariva.deWo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?  

19.08.05 11:25

9123 Postings, 7294 Tage ReilaDie Schröder-Halbwahrheit:

Nun gut, andere würden es Lüge nennen. Der Economist lobte Deutschland für den Beginn der Reformen. Im weiter Text schreibt der Economist, dass die Reformen nun weitergehen müssen und dass könne die Rot-Grüne Regierungskoalition eben nicht leisten. Schröder tat bei Illner aber so, als wäre durch ihn schon alles geregelt und nun der Aufschwung sicher. Dazu hatte er den Inhalt des Artikels sehr verkürzt und verzerrt wiedergegeben.

Denke Schröder wird in die Geschichte eingehen als der Kanzler, der gegen den Widerstand seiner Partei den Beginn der ewig verschleppten notwendigen Reformen unserer Gesellschaft einleitete. Das ist viel. Dafür muss man sich nicht schämen. Er hätte die Lüge bei Illner gar nicht nötig gehabt.  

19.08.05 11:42

7336 Postings, 6466 Tage 54reaber hat hingeschmissen

mit der begründung, dass seine partei nicht bereit ist, seinem reformkurs zu folgen. aus welchen gründen sollte man jetzt die spd wählen? weil sie nicht mehr bereit ist, die angefangenen reformen weiter zu verfolgen? wenn ja, hätte sie in der vergangenheit nur mist gebaut. wenn nein, wieso entsprechen die landeslisten praktisch den heutigen spd-bundestagsabgeordneten - also lügen sie? oder?  

19.08.05 11:47

5687 Postings, 7167 Tage duschgelder war gut

"Eine geschiedene, kinderlose Ostdeutsche und ein schwuler Liberaler an der Spitze von Union und FDP - das wäre ohne Rot-Grün nicht möglich gewesen. Es ist vollbracht. So liberal war Deutschland noch nie."  

19.08.05 11:53

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiiwarum hast Du den letzten Satz weggelassen ?

"Nun reicht es aber auch."



MfG
kiiwii
ariva.deWo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?  

19.08.05 11:57

5687 Postings, 7167 Tage duschgel;-)

meinst du, die Union und die FDP könnten noch mehr Liberalität vertragen?  

19.08.05 12:05

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiiKeine Frage !!

MfG
kiiwii
ariva.deWo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?  

19.08.05 13:14

9123 Postings, 7294 Tage Reila54reab, Posting 10,

sehr logisch, was Du schreibst. Wenn man an die Reformen glaubt, darf man keinesfalls mehr SPD wählen. Schröder sprach ja selbst vom Widerstand in seiner Partei. Und jetzt stehen die selben Figuren auf dem Wahlzettel. Allerdings sollte man ihm lassen, dass letztlich er das Eis für Reformen gebrochen hat. Das ist doch schon eine historische Leistung. Kohl hat das nicht geschafft. Denke, Deutschland ist auf einem guten Weg auch dank Schröder. Und dass die Merkel für Überraschungen gut ist, zeigt mir der Kirchhof in ihrem Team. Man sollte vielleicht wieder Aktien kaufen.  

19.08.05 16:36

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiialso, wenn schon Rilke, dann aber richtig:

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.

Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes

grausames Etwas, das ein Schönverbundnes

noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,

das, da es mich, mich rufend, gehen ließ.

Zurückblieb, so als wärens alle Frauen

und dennoch klein und weiß und nichts als dies:

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,

ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum

erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,

von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.







MfG
kiiwii
ariva.de
Wo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?
 

19.08.05 16:37

26159 Postings, 6041 Tage AbsoluterNeulingLeere Worte - Du postest ja doch gleich weiter...


A.N.
(vincit sedendo)

geschichtsunterricht ist das eine, die wahrheit oftmals eine andere. war in meck/pomm und es gab nur einen, der bei diesem lehrer je eine 1+ in der mündl. prüfung bekam.

 

19.08.05 16:43

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiinur für die, die ein poetisches Äderchen haben

Zwei Wege sinds. Sie führen keinen hin.

Doch manchmal, in Gedanken, läßt der eine

dich weitergehn. Es ist, als gingst du fehl;

aber auf einmal bist du im Rondel

alleingelassen wieder mit dem Steine

und wieder auf ihm lesend: Freiherrin

Brite Sophie ? und wieder mit dem Finger

abfühlend die zerfallne Jahreszahl -,

warum wird dieses Finden nicht geringer?

Was zögerst du ganz wie zum ersten Mal

erwartungsvoll auf diesem Ulmenplatz,

der feucht und dunkel ist und nie betreten?

Und was verlockt dich für ein Gegensatz,

etwas zu suchen in den sonnigen Beeten,

als wärs der Name eines Rosenstocks?

Was stehst du oft? Was hören deine Ohren?

Und warum siehst du schließlich, wie verloren,

die Falter flimmern um den hohen Phlox.






MfG
kiiwii
ariva.de
Wo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?
 

19.08.05 16:46

26159 Postings, 6041 Tage AbsoluterNeulingOh - ich hab auch ein schönes Zitat

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen,
aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

(Arthur Schoppenhauer)


A.N.
(vincit sedendo)

geschichtsunterricht ist das eine, die wahrheit oftmals eine andere. war in meck/pomm und es gab nur einen, der bei diesem lehrer je eine 1+ in der mündl. prüfung bekam.

 

19.08.05 16:46

129861 Postings, 6151 Tage kiiwiiWohl wahr!

MfG
kiiwii
ariva.de
Wo ist eigentlich das rot-grüne Inkompetenzteam ?
 

19.08.05 16:50

26159 Postings, 6041 Tage AbsoluterNeulingWie? Mehr nicht? Nix zum Schoppenhauer?

Na gut...


A.N.
(vincit sedendo)

geschichtsunterricht ist das eine, die wahrheit oftmals eine andere. war in meck/pomm und es gab nur einen, der bei diesem lehrer je eine 1+ in der mündl. prüfung bekam.

 

   Antwort einfügen - nach oben