Für den Irak undenkbar, für Nordkorea kein Problem

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eröffnet am: 05.03.03 20:59 von: Happy End Anzahl Beiträge: 1
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95440 Postings, 7196 Tage Happy EndFür den Irak undenkbar, für Nordkorea kein Problem

Was die Bush-Regierung im Fall des Irak für undenkbar hält, soll nun offenbar für Nordkorea gelten: Die USA wollen angeblich den Bau von Atomwaffen hinnehmen - um anschließend eine wirksame internationale Koalition gegen das Land zu schmieden.

Washington - Wie die "Washington Post" berichtet, haben sich die USA mit der nuklearen Bewaffnung des kommunistischen Landes abgefunden - und sind sich darin einig mit Japan und Südkorea. Die Devise laute nunmehr, das Regime in Pjöngjang einzudämmen und es an der Weiterverbreitung seiner Atomwaffen-Technologie zu hindern. Zugleich wolle Washington die Existenz des Waffenprogramms benutzen, die internationale Stimmung gegen Nordkorea zu wenden.

Botschafter des südkoreanischen Präsidenten Roh Moo Hyun haben laut "Washington Post" gegenüber der US-Regierung betont, ihnen sei ein nuklear bewaffnetes Nordkorea lieber als ein unkontrollierter Zusammenbruch der Regierung in Pjöngjang. Auch in Japan, das innerhalb der Reichweite nordkoreanischer Raketen liegt, sei man der Meinung, dass eine atomare Aufrüstung des Nachbarlands nicht mehr verhindert werden könne. "Wir müssen darüber reden, wie wir mit Nordkorea leben, mit oder ohne Atomwaffen", sagte Taro Kono von der Regierungspartei.

Die US-Regierung hat Nordkorea wiederholt davor gewarnt, waffenfähiges spaltbares Material zu produzieren, geht dem Bericht zufolge aber mittlerweile davon aus, dass Pjöngjang in den nächsten zwei bis vier Wochen diesen Schritt unternehmen wird. "Die Regierung hat sich damit abgefunden, dass Nordkorea eine Atommacht wird", zitiert die "Washington Post" einen Mitarbeiter des US-Senats, der in der vergangenen Woche über die künftige Politik der Regierung informiert worden sei. Er habe es als ein "sehr gefährliches Spiel" bezeichnet, die nordkoreanischen Pläne zur Wiederaufbereitung von Plutonium nicht zu stoppen.

Hinter der auf den ersten Blick zurückhaltenden Politik der US-Regierung steht dem Bericht zufolge jedoch der Plan, Nordkorea bewusst zu einer Bedrohung werden zu lassen - und so zum Opfer seiner eigenen Rüstungspläne zu machen. Sollte Pjöngjang nukleares Material weiterverbreiten, so das angebliche Kalkül Washingtons, wären Russland, China, Südkorea und andere Staaten gezwungen, ihren Widerstand gegen ein hartes Vorgehen gegenüber Nordkorea aufzugeben. Plutonium, das heimlich an andere Staaten verkauft wird, "würde die Gleichung fundamental verändern", sagte ein Regierungsmitarbeiter der "Washington Post". "Buchstäblich jede Stadt auf dem Planeten wäre bedroht."

Schon im vergangenen Monat war während einer Debatte im US-Kongress die Rede von solchen Gefahren. Der stellvertretende Außenminister Richard Armitage warnte, dass Nordkorea angesichts seiner Armut nur zu gern satte Gewinne aus dem Verkauf von Waffentechnik einstreichen würde. CIA-Chef George Tenet erklärte gar, Nordkorea sei in der Lage, mit Atomraketen die Westküste der USA zu treffen.  

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