Für Karlchen & friends

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neuester Beitrag: 06.12.06 11:25
eröffnet am: 22.02.06 09:29 von: Rheumax Anzahl Beiträge: 134
neuester Beitrag: 06.12.06 11:25 von: Sahne Leser gesamt: 4488
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22.02.06 09:29
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8584 Postings, 7105 Tage RheumaxFür Karlchen & friends

Klopapier bedruckt
Prozess gegen Koran-Scherzbold
| 22.02.06, 09:15 Uhr |
Weil ein Aktivist Klopapier-Rollen mit ?Koran? bestempelte, steht ein kleines Städtchen im Münsterland nun zur Unzeit im Fokus der Öffentlichkeit.

Wolfgang Schweer geht dieser Tage in Klausur. ?Wenn sich schon die Weltpresse im Münsterland ankündigt, muss ich anständig vorbereitet sein?, weiß der Oberstaatsanwalt um die Bedeutung von Anklageschrift, Zeugenvernehmung und Plädoyer eines Prozesses, der an einem einzigen Verhandlungstag dem Städtchen Lüdinghausen zu internationaler Beachtung verhilft. Vor dem Amtsgericht der Kleinstadt, 30 Kilometer südwestlich von Münster, steht am Donnerstag ab 9 Uhr der
frühverrentete Kaufmann Manfred van H. wegen des Verdachts der religiösen Verunglimpfung des Koran sowie der islamischen Glaubensgemeinschaft und damit einer Störung des öffentlichen Friedens.

Ein Vorwurf, der in diesen Wochen keine Chance hat, in den Niederungen der Justiz unterzugehen. Zu welch internationaler Bedeutung sein ? zu jeder Zeit ? untauglicher
Scherz kommen könnte, ahnte H. nicht, als er im Juli vergangenen Jahres mehrere Dutzend Meter Toilettenpapier Blatt für Blatt mit dem Stempelaufdruck ?Koran? versah. Einige dieser ?Handarbeitsproben? verschickte H. unter anderem an Moscheen in Duisburg, Hamburg und Dortmund, beschimpfte den Koran in einem Begleitschreiben als ?Kochbuch für Terroristen? und gab an, zur Unterstützung eines Denkmalbaus für die Opfer islamistischen Terrors seien die Klopapierrollen bei ihm käuflich zu erwerben.

Strafanzeige und diplomatische Verwicklungen

Eine Duisburger Moscheegemeinde informierte die iranische Botschaft in Berlin und erstattete Strafanzeige gegen H. Der Beschuldigte gab sich entrüstet, gestand zwar die Vorwürfe, aber zeigte nach Angaben der Staatsanwaltschaft ?keinerlei Unrechtsbewusstsein?. Vielmehr müsse seine Aktion durch das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Kunst abgedeckt sein. Die iranische Regierung wandte sich sofort mit einer offiziellen Verbalnote an das Auswärtige Amt in Berlin mit der Bitte ? so Wolfgang Schweer ? ?um sofortige Unterbindung der öffentlichen Beleidigung des heiligen Koran?.

Urheber abgetaucht

Einschlägige Chatforen im Internet heizten die Empörung über den Missgriff des Frührentners so sehr an, dass H. seither unter Personenschutz steht und für die Öffentlichkeit weitgehend untergetaucht ist.

Medieninteresse bis Japan

Dass die aktuelle Diskussion um den Abdruck verbotener Mohammed-Karikaturen, und das Auftauchen zwar alter, aber bisher unveröffentlichter Folter-Fotos aus dem Bagdader Abu Ghoreib Gefängnis die Sensibilität für jeglichen gotteslästerlichen Unfug dieser Tage extrem schärfen würde, verursacht der deutschen Justiz ein mulmiges Unbehagen. ?Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen? kündigt ein Justizsprecher für das Amtsgericht Lüdinghausen an und will ?aus verständlichen Gründen nicht ins Detail? gehen.

Mediale Anziehungskraft wie ein Terroristenprozess entwickelt die Lüdinghauser Ein-Tages-Veranstaltung offenbar aber doch. Sämtliche elf Presseplätze im kleinen Amtsgerichtssaal sind seit Monaten vergeben. Sogar eine japanische Tageszeitung, so Oberstaatsanwalt Schweer, habe sich schon erkundigt.

Vom arabischen TV-Sender ?el Dschasira? war in Lüdinghausen 48 Stunden vor Prozessbeginn noch keine Anfrage eingegangen. ?Aber?, so ein Justizsprecher, ?wenn da Donnerstag plötzlich Übertragungswagen vorm Gericht auftauchen, würde uns das nicht wundern?.

Drei Jahre Knast drohen

Sicher ist, dass H.?s Vorgehen nach Auffassung der Anklagebehörde ?den Rahmen einer auf Toleranz und Achtung der personalen Würde ausgerichteten Gesellschaft sprengt und unter dem Deckmantel der Meinungs- und Kunstfreiheit das friedliche Zusammenleben zu gefährden droht?. Dafür droht H. eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

 
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108 Postings ausgeblendet.

28.02.06 23:55

687 Postings, 5603 Tage EulenspiegelNicht alle Muslime sind Islamisten.

Aber die meisten syphatisieren mit dieser Gruppe. Ansonsten würde wohl kein Türke, der in DEutschland bei der  Polizei arbeiten will, als Verräter betrachtet.
Noch Fragen?  

28.02.06 23:57

69017 Postings, 6168 Tage BarCodeNö, keine Fragen...

 

Gruß BarCode

 

01.03.06 00:09

687 Postings, 5603 Tage EulenspiegelSpeziell für Rheumax, Barcode und Schwachköpfe

Kampf und Spiegelgefecht

Ein Dialog also, wohin man schaut. Jeder redet mit jedem, als wäre die Ringparabel von G.E. Lessing Wirklichkeit geworden, mit Nathan, Saladin und dem Tempelherren als Moderatoren des großen interkulturellen Palavers. Wer heute nicht für einen "Dialog der Kulturen" eintritt, der ist ein Reaktionär, der die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Und wer sich am "Dialog der Kulturen" beteiligt, der steht automatisch auf der richtigen Seite der Geschichte, und wenn er nur regelmäßig zu seinem "Türken" geht, um dort einen Döner zu bestellen.


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von Dschinny  

Der "Dialog der Kulturen", wie er heute praktiziert wird, steht in einer langen Reihe von politischen Absichtserklärungen, deren einziges Ziel es ist, virtuelle Debatten zu erzeugen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben, dafür aber politisches und kulturelles Engagement simulieren. Da war, in der Frühzeit der Bundesrepublik, die "formierte Gesellschaft", sie wurde von der "freiheitlich-demokratischen Grundordnung (FDGO)" abgelöst, auf deren Boden jeder Briefträger stehen musste, wenn er verbeamtet werden wollte.

Dann kam eine Weile nix, weil in der Bundesrepublik die "Spaßgesellschaft" ausgebrochen war, die sogar die politische Klasse erfasst hatte, während die maßgeblichen Intellektuellen die Feuilletons mit Beiträgen über den subversiven Wert von "Big Brother" füllten. Weil aber keine Party ewig dauert, setzte eine Diskussion über die "Leitkultur" ein, die von dem Gejammer über die "Mauer in Köpfen" und von dem Verlangen nach der "inneren Einheit" abgelöst wurde.

Es waren immer die usual suspects, die sich an solchen Debatten beteiligten, die immer mit demselben Seufzer endeten: Es müsse noch viel getan werden, bis alle Ungerechtigkeit und Ungleichheit beseitigt ist, bis niemand mehr in der Dritten Welt hungern muss und jedes Arbeiterkind in Thüringen das Abitur machen kann. Dabei war der "Dialog der Kulturen" eher ein Vehikel der guten Laune als ein Ziel an sich. In Berlin gibt es jedes Jahr den "Karneval der Kulturen", ein großes, buntes Straßenfest mit Teilnehmern aus allen Migranten-Milieus, viel Musik und der Möglichkeit, alle Hemmungen fallen zu lassen.

Alles verstehen, nichts begreifen

Der Zeitpunkt, an dem aus dem fröhlichen Treiben blutiger Ernst wurde, lässt sich auf die Stunde genau festlegen. Es war der 11. September 2001. Kaum waren die Türme des WTC eingestürzt, setzte eine Diskussion über die Frage ein, was die Terroristen zu ihren Taten angetrieben hatte.

Noch am Abend des 11. September gab es im damaligen SFB ein "Nachtgespräch" mit Eugen Drewermann, dem Moraltheologen und katholischen Querdenker aus Paderborn. Er erinnerte seine Zuhörer "an Hiroshima, als man mit einer einzigen Bombe über 100.000 Menschen getötet hat", beklagte die "Embargo-Politik gegen den Irak", die eine Million Menschen das Leben gekostet habe, und kam dann auf die Ereignisse vom selben Tag in New York zu sprechen, die vor dem Hintergrund von Hiroshima und Irak-Embargo natürlich zu Petitessen verblassten. "Terror ist die Ersatzsprache der Gewalt, weil berechtigte Anliegen nicht gehört wurden, es ist die Sprache der Ohnmächtigen, der Selbstmörder..."

Warum die ohnmächtigen Selbstmörder freilich 3000 Menschen in den Tod mitnehmen mussten, statt friedlich am Strand von Abu Dhabi Selbstmord zu begehen, ließ Drewermann unerwähnt. Und so wie er den Terror als "Ersatzsprache der Gewalt" definierte, wo es sich doch eher um eine primäre Form der Artikulation und keinen "Ersatz" für irgendwas handelte, so setzte schlagartig der Ruf nach Maßnahmen ein, um die Menschen, die ihr Leben einer Sache zuliebe opfern, besser verstehen zu können.

Sensibilität der Ohnmächtigen

Dabei ging es vor allem um zwei Fragen, die von existenzieller Bedeutung waren: Was haben wir den Tätern angetan, dass sie so gemein werden mussten? Und: Was müssen wir jetzt tun, damit wir verschont bleiben? Die Antwort auf die erste Frage war schnell gefunden: Wir haben sie gedemütigt. Zuerst als Kolonialmächte, dann durch die schamlose Zurschaustellung unserer Überlegenheit als liberale Demokratien. Die Antwort auf die zweite Frage war ebenso logisch: Wir müssen einen Dialog der Kulturen etablieren, auf gleicher Augenhöhe und ohne Vorbedingungen, um das gegenseitige Kennenlernen zu befördern.

Würde jemand vorschlagen, Kannibalen und Vegetarier, Brandstifter und Feuerwehrleute, Drogendealer und Junkies sollten in einen Dialog miteinander eintreten, würde man ihm zur Ernüchterung kalte Fußbäder verordnen. Aber in einer Situation, da die eine Seite "ohnmächtig" agierte und die andere vor Angst ohnmächtig wurde, war jeder Vorschlag, der die "Eskalation der Gewalt" dämpfen sollte, willkommen. Nur: Was taugt ein "Dialog", der als eine Art von Notbremse dienen soll, nachdem die eine Seite erkannt hat, dass sie von der anderen an die Wand gedrückt wird?

Es gab in den zwanziger und dreißiger Jahren in Deutschland einen "deutsch-jüdischen" Dialog, der im Wesentlichen darin bestand, daß die Juden untereinander diskutierten, ob und wie weit sie sich an die deutsche "Leitkultur" anpassen sollten, während die deutsche Seite den innerjüdischen Dialog verständnislos bis amüsiert verfolgte. Der Philosoph Gershom Sholem nannte den Vorgang später ein "jüdisches Selbstgespräch", das auf die Einstellung der Deutschen zu den Juden völlig wirkungslos blieb.

Therapie des Aufschubs

Etwas Ähnliches findet heute statt: Es sind vor allem die vielen "Migrationsforscher" und "Integrationsbeauftragten", die über den "Dialog der Kulturen" miteinander reden, während die Objekte ihrer Umtriebigkeit sich der Teilnahme enthalten: die einen, weil sie längst integriert sind und sich nicht manipulieren lassen wollen, die anderen, weil sie es vorziehen, in ihren Enklaven zu bleiben, was man ihnen weder verbieten noch verübeln kann. Denn auch die Deutschen, die auf Mallorca leben, bilden eine "Parallelgesellschaft" und halten Distanz zu den Einheimischen.

Der "Dialog der Kulturen" ist eine therapeutische Maßnahme, die auf Verzögerung, auf Zeitgewinn spielt, hervorgegangen aus einer Gesellschaft, die fest davon überzeugt, daß man jeden Konflikt gesprächsweise lösen oder wenigstens entschärfen kann. Und so wie jeder zweite Therapeutenwitz mit der Pointe "Gut, dass wir darüber gesprochen haben!" endet, hört jede Debatte über den "Dialog der Kulturen" mit der Erkenntnis auf, daß man den Dialog fortsetzen müsse. Es ist wie eine Reise zum Horizont: Man kann sicher sein, daß man nie ankommen wird, aber unterwegs gibt es viel zu erleben.

Und es ist kein Zufall, dass der "Dialog der Kulturen" gerade von jenen als Therapie zur Lösung von globalen Konflikten empfohlen wird, die sich sonst mit Konflikten innerhalb von Familien und Kleingruppen beschäftigen. Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter empfahl in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE als Mittel der Deeskalation: "Der Westen sollte alle Provokationen unterlassen, die Gefühle von Erniedrigung und Demütigung hervorrufen. Wir sollten die kulturelle Identität der islamischen Länder mehr achten." "
Hand ab, alle Achtung

Leider hat H.E. Richter, der wesentlich zur Therapeutisierung des öffentlichen Lebens in Deutschland beigetragen hat, nicht gesagt, wie man seinen Vorschlag praktisch umsetzen sollte: Wie sollen "wir" die kulturelle Identität der islamischen Länder mehr achten? Indem wir das schöne Ritual des freitagnachmittäglichen Handabhackens auch bei uns einführen? Indem wir unsere Frauen zuerst genital verstümmeln und dann unter Burkas und Tschadors verstecken? Indem wir Homosexuelle öffentlich hängen und Ehebrecherinnen steinigen?

Und auf welche Provokationen sollten wir verzichten, um keine Gefühle von Erniedrigung und Demütigung hervorzurufen? Sollen wir eine Liste der Themen aufstellen, die unsere Karikaturisten nicht behandeln dürfen? Sollen wir den Christopher Street Day abschaffen und auf den Genuß von Eisbein verzichten? Soll Sasha Waltz ihre Tänzer nicht mehr nackt auftreten lassen? Sollen wir uns jeden Hinweis darauf verkneifen, wie wenige Bücher in Saudi-Arabien verlegt und übersetzt werden? Sollen wir auch bei uns die Fatwa einführen und sie gegen Gotteslästerer anwenden? Sollen wir die Werke von Voltaire, Freud und Rushdie verbieten? Wie soll die "Partnerschaft auf gleicher Augenhöhe", die H.E. Richter fordert, im Alltag funktionieren? Indem wir in die Knie gehen? Sogar die Super-Nanny von RTL weiß, dass man störrischen Kindern Grenzen setzen muss und ihnen nicht nachgeben darf, wenn man sie nicht vollends korrumpieren will.

Natürlich gibt es auch Situationen, wo ein "Dialog der Kulturen" einen Sinn ergibt. Die Firma Hansgrohe AG, die Armaturen für Badezimmer herstellt, sponsert internationale Workshops über "die "Beziehung Wasser-Raum-Mensch". Der letzte Workshop unter dem Motto: "Das Bad im Dialog der Kulturen" fand 2004 in Beirut statt. Die Künstlerin Jeannette Rossi ("Fit durch Bauchtanz") aus 77654 Offenburg in Baden-Württemberg will mit ihrer Arbeit dazu beitragen, "Brücken zu schlagen" und "Dialoge zwischen den Bürgern beider großer Religionen über das Medium Orientalischer Bauchtanz anzustoßen und zu fördern". Da können Eugen Drewermann, Horst Eberhard Richter und Gotthold Ephraim Lessing einfach nicht mehr mitbieten.




 

01.03.06 00:19

40963 Postings, 7099 Tage Dr.UdoBroemmeJIMPS

Und hat Henryk Broder jetzt ne Doppel-ID(Dschinny)?


Never argue with an idiot -- they drag you down to their level, then beat you with experience.  

01.03.06 00:21

69017 Postings, 6168 Tage BarCodeEule im Spiegelgefecht...

Danke, dass du den Text nochmal reingestellt hast. Der Text vier postings weiter oben war einfach um Längen schlechter...
Mal wieder ein paar Schwierigkeiten mit dem Kapieren der Welt?

 

Gruß BarCode

 

01.03.06 00:29

69017 Postings, 6168 Tage BarCodeRheumax wird sich aber freuen,

dass er sich mich jetzt als Wurmfortsatz eingefangen hat. Das dürfte auf eine Notoperation hinauslaufen...

 

Gruß BarCode

 

02.03.06 14:59

8584 Postings, 7105 Tage RheumaxWegen einer verpfuschten Eulendarmspiegelung

oder nem akuten Appendix begeben wir uns doch nicht gleich unters Messer.
In meinem Alter hat man schon das ein oder andere Zipperlein kommen und gehen sehen.
Ich versuchs lieber erst mal auf die sanfte Tour.

Vielleicht kannst Du mir einen guten Exorzisten empfehlen?

Gruß
Rheumax  

02.03.06 23:54

687 Postings, 5603 Tage EulenspiegelAch Barkot

Du und deine Gesinnungsgenossen sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.  

02.03.06 23:57

69017 Postings, 6168 Tage BarCodeWelchen Wald? Und welche Gesinnungsgenossen?

Sowas kenne ich gar nicht. Ich habe keine Gesinnung. Geschweige denn Genossen. Das ist wohl eher deine Welt...

 

Gruß BarCode

 

03.03.06 16:38

687 Postings, 5603 Tage EulenspiegelSag ich ja, du bist blind

gegenüber allem, das dir nicht passt  

03.03.06 17:48

69017 Postings, 6168 Tage BarCodeOh, Besuch von Eule...

Noch Fragen?

 

Gruß BarCode

 

12.04.06 16:02
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7336 Postings, 6470 Tage 54reabAus der Welt geschafft

12.04.2006   13:23 Uhr
Ehrenmord-Prozess

Aus der Welt geschafft


Hatun Sürücü wollte ihr eigenes Leben und endete tot auf dem Straßenpflaster mitten in Berlin ? der Prozess führt in die Abgründe einer türkischen Familie.
Eine Reportage von Constanze von Bullion


Die Zeichnung zeigt die wegen Mordes angeklagten Brüder Mütlü (von li.), Alpaslan und Ayhan Sürücü in einem Saal des Kriminalgerichts Berlin-Moabit.
Foto: dpa


Vielleicht hat er gehofft, sein Held könnte ihn noch retten. In letzter Sekunde, wie das in Filmen immer so ist.

Als es kracht jedenfalls und fremde Leute in sein Schlafzimmer kommen, da hält er sich an seinem Spiderman fest, an diesem Supermann, der Gangster bekämpft und immer das Gute siegen lässt. Spiderman aber schafft es nicht in dieser Nacht. Diesmal versagen seine Kräfte.

Can Sürücü ist fünf Jahre alt und sitzt mit seinem Spielzeughelden im Kinderbett, als Polizisten die Wohnungstür öffnen und die Wirklichkeit einbricht in seine Welt.

"Wo ist Mama?"

Jemand zieht ihn an und bringt ihn weg, zu Pflegeeltern. ?Wo ist Mama??, soll der Kleine gefragt haben, aber es hat wohl keiner so direkt geantwortet.

Weil Mama da schon draußen auf der Straße liegt. In einer Hand hält sie eine verglimmte Zigarette. Der Kaffeebecher ist ihr aufs Pflaster gefallen. Aus ihrem Kopf läuft Blut.

Zwei Kugeln haben ihr das Gesicht zerrissen, die dritte hat den Schädel am rechten Ohr durchschlagen. Die Projektile haben sie aus nächster Nähe getroffen, und das letzte Geschoss vermutlich, als sie schon am Boden lag.

Hatun Sürücü wurde am 7.Februar 2005 an einer Berliner Bushaltestelle ermordet. Eine Tat war das, als hätte da jemand das Drehbuch eines Thrillers mal eben in die Tat umgesetzt.

Und weil diese bedrohliche Inszenierung wirkte, als sei ein Exempel statuiert worden an einer ungehorsamen Frau, hat dieser ?Ehrenmord? viele verstört, die sich sonst wenig dafür interessieren, in welchem Film die Töchter und Söhne ihrer muslimischen Nachbarn eigentlich so unterwegs sind.

Der Kampfgeist scheint erloschen

Landgericht Berlin, Saal 700, hinter einer Balustrade aus gedrechseltem Holz steht ein Hochsicherheitskasten aus Panzerglas. Drei junge Männer spähen durch die Scheibe, ihre Gesichter sind fahl, der Kampfgeist scheint erloschen zu sein.

Ein gutes Jahr dauert das Verfahren um die Ermordung von Hatun Sürücü nun, am Donnerstag soll ein Urteil fallen, nun haben die Angeklagten das letzte Wort.

Als Erster steht Alpaslan Sürücü auf, der mit den zwei Gesichtern, er spricht heute leise und mit weicher Stimme. ?Wenn ein Mensch einen Menschen umbringt, dann verdient er meine große Verachtung?, sagt er.

Dann erhebt sich Ayhan, der Kleine. ?Ich bedauere die Tat. Ich wünschte, sie wäre nicht geschehen.? Mutlu, der Fromme, steht nicht mal auf für seine Erklärung. Er ist ?sehr sauer? auf die Presse, murmelt er. Und dass es Leute gibt da draußen, die das Verhalten von Aynur ?missbilligen?.

In der Schurkenrolle

Aynur, Mondstrahl. So haben sie ihre Schwester Hatun genannt, ehe sie in einer Februarnacht sterben musste, mit 23 Jahren. Eine ?Hinrichtung? nannte der Staatsanwalt den Mord, der ?eiskalt geplant? worden sei von drei Brüdern, die nicht klarkamen mit dem Leben der Schwester.

Ayhan, damals 18,hat die Tat zugegeben, die Anklage fordert knapp zehn Jahre Jugendhaft. Seine großen Brüder sollen lebenslang hinter Gitter: Alpaslan, der 24 war und den Mord überwacht haben soll. Und Mutlu, der 25 war und angeblich die Waffe besorgt hat.

Höchststrafe hieße das, doch ob die Älteren wirklich Lebenslang kriegen, bleibt ungewiss bis zuletzt. Alpaslan und Mutlu bestreiten, etwas geahnt zu haben von der Tat.

» Ich hab? Angst! Ich hab? ein achtjähriges Kind! «
Gülsah S., Zeugin

Und weil keines ihrer Geschwister aussagt und das Gericht oft mit schläfriger Distanziertheit agiert, dringt die Wahrheit nur widerwillig ans Licht bei diesem Prozess, der wirkt, als müssten ein paar Leute wachgerüttelt werden.

Er will ein Mafiosi sein, er trifft radikale Islamisten

Ayhan, der Jüngste und Schütze, ist so ein Typ, der offenbar glaubt, in Hollywood unterwegs zu sein. Er spielt im Gerichtssaal die Schurkenrolle, will seine Schwester ganz allein getötet haben, und wer ihm nicht glaubt, den schreit er an.

Ayhan ist der kleinste der drei Brüder, ein schmaler Kerl mit dünnen Nerven, der sich in Szene zu setzen weiß. Oft lacht er Zeugen aus, schreit, mault das Gericht an. Mitleid mit seinem Opfer zeigt er nie.

Ayhan tritt gern bei Boxkämpfen an, aber da wird er dauernd verdroschen, erzählt ein Freund. Ayhan will kein Verlierer sein, aber seine kaufmännische Ausbildung bricht er ab. Also nennt er sich Carlito, nach dem Film, in dem Al Pacino einen Mafioso spielt.

Er treibt sich bei radikalen Muslimen herum, posiert mal mit martialischen Spielzeugwaffen und inszeniert sich eine Erlebnislandschaft, in der es um Kampf geht, um Moral und Tod.

Ihr Zuhause zwischen Dealern und Junkies

Und eines Tages kauft so einer eine echte Pistole und erschießt seine Schwester? Die Verteidigung müht sich, das Bild eines verirrten Alleintäters zu zeichnen. Sie verweist auf ein psychiatrisches Gutachten, wonach Ayhan sich ?überhöht und überschätzt?.

» Die Schlacht möge gesegnet sein «
Alpaslan Sürücü

Er ist der letzte Sohn, der bei den Eltern wohnt, der Vater ist alt und oft in der Türkei, Ayhan vertritt ihn bei den Lehrern seiner Schwestern, will zu Hause Bestimmer sein. Was aber hat diesen Wichtigtuer zum Killer gemacht?

Der U-Bahnhof Kottbusser Tor ist ein Ort, an dem niemand lange bleibt, der nicht unbedingt muss. Hier stehen trostlose Gestalten, Dealer und Junkies, und nur ein paar Schritte entfernt liegt die Wohnung der Familie Sürücü.

Elf Menschen haben sich hier vier Zimmer geteilt, Männer und Frauen essen und beten getrennt. Kommt ein unverheiratetes Mädchen, wird es vor Männerblicken abgeschirmt.

Die Sürücüs sind sunnitische Kurden aus dem Osten Anatoliens. Der Vater arbeitete als Bäcker in Berlin und hat seine neun Kinder in strenger Frömmigkeit erzogen, doch ist die Frage aufgetaucht, ob es immer so züchtig zuging.

Missbrauch in der Familie

Oder ob die Mauer zwischen den Geschlechtern errichtet wurde, weil es Dinge gab, die es nicht hätte geben dürfen.

Gülsah S. ist eine ängstliche Zeugin, als die junge Frau vor dem Richter sitzt, da weint sie und fleht, gehen zu dürfen. ?Ich hab? Angst! Ich hab? ein achtjähriges Kind!? Gülsah war gut befreundet mit Hatun Sürücü und wusste vom Kummer mit den Eltern.

Die hatten sie mit 16 Jahren vom Gymnasium genommen und mit einem Cousin in der Türkei verheiratet. Er soll sie geschlagen haben, da ließ sie ihn sitzen, kam schwanger zurück, zog ihren Sohn Can allein groß, und mit wem sie schlief, entschied sie selbst. Aus der Familie hat man sie dafür verbannt.

Hatun Sürücü war intelligent und konnte kämpfen, sagen Zeugen, aber fiel oft in Depression. Manchmal tauchte sie tagelang weg und mit zerschlagenem Gesicht wieder auf. Todesängste habe sie gehabt vor den Brüdern, sagt Gülsah S., und da soll noch etwas gewesen sein.

Ein Bruder habe sie vor Jahren ?angetatscht?. Welcher, fragt der Richter, da weint sie wieder. Alpaslan, sagt sie schließlich. Leise, als dürfe es keiner hören.

Er wirkt nett, doch dann...

Vier Zeugen berichten von sexuellem Missbrauch, es bleibt aber unklar, um welchen Bruder es sich handeln soll. Eine Sozialarbeiterin, die Hatun betreute, nennt Mutlu. Hatuns letzter Freund sagt, die ganze Familie habe es gewusst.

Eine Sozialpädagogin, die Hatun bei ihrer Elektrikerlehre betreute, bemerkte noch etwas: ihr ?distanzloses Verhalten gegenüber jungen und älteren Männern?. So ein sexualisiertes Verhalten gehört zu den typischen Symptomen eines Missbrauchs, also nahm sie an, dass da was war.

Wenn das stimmt, musste Hatun Sürücü nicht sterben, weil sie Schande über die Familie brachte. Sondern weil mit ihr die Schande eines Bruders aus der Welt geschafft werden sollte.

Vor Gericht aber bleibt es bei Vermutungen. Schon möglich, dass es da mal ein ?Ereignis? gab, ein ?Missverständnis unter Pubertanden?, sagt Matthias Kock, der Alpaslan Sürücü verteidigt.

Geheimnisvolle Losung

Als Tatmotiv für seinen Mandanten aber scheide die Sache aus. Alpaslan sei seine Schwester egal gewesen, auch ihr Tod lasse ihn kalt, ?da war seit Jahren Funkstille?.

?Alpi?, der mittlere Bruder, das ist so einer, der auf den ersten Blick ganz nett aussieht, er hat eine Frau ohne Kopftuch und wirkt intelligenter als seine Brüder. Seine Gemütslagen aber können blitzschnell kippen, dann brüllt er los, ohrfeigt die Luft, bedroht Zeugen, immer sind es Frauen.

In der Haft, sagt ein Mithäftling, weint Alpaslan. Vielleicht, weil er zu Unrecht beschuldigt wird, in der Mordnacht Schmiere gestanden zu haben. Oder weil die Wirklichkeit sich leise in seine Zelle geschlichen hat.

Melek heißt ?Engel?, aber wenn Melek A. im Gericht erscheint, ist es, als tauchte ein Geist aus einer Gruft. Eine zarte, hübsche Person steigt dann aus einem Kellerraum, in schusssicherer Weste und unter Polizeischutz. Melek A. ist 18 Jahre alt und lebt im Zeugenschutzprogramm an einem geheimen Ort, sie ist eine Gefangene und könnte lange eine bleiben.

Melek A. ist die Kronzeugin, weil sie mit Ayhan zusammen war und er ihr verraten haben soll, wer Regie führte bei dem Mord. Melek kommt aus einer liberalen türkischen Familie, sie ist behütet und gut in der Schule ? und sucht. Nach Gott, und einem, der Bescheid weiß.

Mutlu, der Düstere

Ayhan erzählt ihr im Kino von einer ?Last? auf seinen Schultern. Seine Schwester lebe nicht nach dem Islam, sie sei eine Hure, er müsse sie töten. Sie habe das nicht ernst genommen, sagt Melek vor Gericht, aber bald mitgekriegt, dass in Ayhans Filmen keine Witze vorgesehen waren.

Die Zeugin spricht ruhig, mit klarer Stimme, sie wirkt glaubwürdig und unglücklich, als müsste sie etwas in Ordnung bringen. Schon vor der Tat soll Ayhan ihr von einem Treffen mit Alpaslan und Mutlu erzählt haben. Die Tötung der Schwester hätten sie besprochen.

Und wenn stimmt, was sie erfahren haben will, war Ayhan wütend, weil Hatun bei der Mutter gewesen war und öfter kommen wollte. Mutlu habe gedrängt, Alpaslan gezögert ? und dann zugestimmt mit einem Satz, den Melek nicht verstand. ?Die Schlacht möge gesegnet sein.?

Es sind religiös aufgeladene Marschbefehle und geheimnisvolle Losungen, die da kolportiert werden, und sie klingen nicht nach der Sprache der Kreuzberger Hinterhöfe.

Wer ihre Quelle sucht, landet irgendwann bei Mutlu, dem Ältesten der drei Brüder. Er trägt zum Bart lange Hemden und eine düstere Miene, was manche dazu verführt hat, ihm die Rolle des finsteren Paten zuzuweisen.

Der überforderte Richter

Es gibt spärliche Hinweise auf Mutlus Rolle. Der Dokumentarfilmer Gert Monheim hat Mutlus Spur in eine Berliner Moschee verfolgt, in der sich Islamisten treffen.

Mutlu sei ?besessen religiös?, sagt Monheim, er sei in Pakistan und Leeds gewesen, wo das Attentat auf die Londoner U-Bahn geplant wurde. In Berlin, berichtet Melek, habe Mutlu die Waffe beschafft und den Segen eines Geistlichen eingeholt.

Der Staatsanwalt glaubt, dass es so war, ohne die Spur in die Moscheen deshalb weiter zu verfolgen. Überhaupt fällt er mit eher bescheidenem Wissen auf. Was ein Hodscha ist, fragt er, und wie man dieses seltsame Wort schreibe.

Auch der Vorsitzende Richter, der kurz vor der Pensionierung steht, wirkt manchmal überfordert, lässt die Angeklagten schwatzen und toben, guckt weg, als an einem Gerichtstag ohne Panzerglas-Absperrung ein Kumpel Ayhans kommt, ihn küsst und die Brüder abklatscht wie Helden, bevor er sich auf einen Stuhl lümmelt, und ? ?kann sein?, ?weiß nicht? ? eine Aussage hinrotzt.

Vielleicht fehlt es an Mut, vielleicht an Interesse, solchen Jungs mal klar zu machen, dass das hier ein Gericht ist und keine Gerichtsserie. Eine Chance hätte das sein können, Wörter wie ?Respekt? und ?Ehre? mit neuen Inhalten zu füllen.

Tausend wertlose Details

Melek A., die Kronzeugin, die mit ihrer Aussage alles riskiert hat, wirkt verlassen vor dieser unbekümmerten Kulisse. Sie heult, als die Verteidigung sie jagt, zurück zum Abend der Tat, an dem Ayhan zu ihr kam, ganz schwarz gekleidet wie Zorro.

Er habe ihr seinen Geldbeutel übergeben, sagt sie, und sei dann los, um Alpaslan zu treffen. Der habe in der Nähe gewartet, als Ayhan schoss. Stimmt nicht, sagt Alpaslan, er habe zur Tatzeit mit seiner Frau zu Abend gegessen.

Ans Essen, die Kleider, tausend Details kann Alpaslans Frau sich erinnern, und das Alibi, das sie ihm liefert, wirkt fast perfekt.

Als aber Verhörprotokolle bei ihr gefunden werden, die sie gar nicht kennen darf, wird klar: Hier konnten Aussagen abgesprochen werden. Alpaslans Alibi ist quasi wertlos geworden.

Eine goldene Uhr als Geschenk

Aber auch Melek, der ?Engel?, gerät in Erklärungsnot, als die Verteidigung fragt, warum sie sich erst vor Gericht an ein wichtiges Detail erinnert. ?Ich hab dir doch gesagt, schieß ihr in den Kopf?, soll Alpaslan zu Ayhan gesagt haben, als die drei Brüder am Tag nach der Tat mit Melek U-Bahn fuhren.

So einen brutalen, unmissverständlichen Mordbefehl vergisst man doch nicht, sagt Alpaslans Anwalt. Im Plädoyer spricht er von einem ?Schleier?, der sich über die Aussage der Kronzeugin gelegt habe. Dass Melek sich alles nur ausgedacht hat, glauben aber weder der Verteidiger noch der Staatsanwalt.

Als der Vorhang zugeht am Berliner Landgericht, hat der Prozess zweifelsfreie Beweise für die Schuld der älteren Brüder nicht zutage gefördert. Aber der Verteidigung ist es auch nicht gelungen, sie überzeugend zu entlasten.

Ayhan lacht nicht mehr, als das Publikum sich erhebt und Saal 700 sich langsam leert. Als man ihn abführt, blitzt an seinem Arm die vergoldete Uhr, die sein Vater ihm geschenkt haben soll. Vier Tage, nachdem Hatun Sürücü starb.


Sie nannten sie Aynur, Mondstrahl: Die ermordete Hatun Sürücü.
Foto: ddp

(SZ vom 12.4.2006)

http://www.sueddeutsche.de/,tt3m3/panorama/artikel/800/73727/
 

13.04.06 09:58

7336 Postings, 6470 Tage 54reabHeute werden die Urteile

gefällt.


MfG 54reab  

13.04.06 10:03

7336 Postings, 6470 Tage 54reabNur der jüngste Bruder verurteilt

13.04.2006   08:57 Uhr
Ehrenmord-Prozess

Nur der jüngste Bruder verurteilt


Ayhan Sürücu muss für den Mord an seiner Schwester eine Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verbüßen. Seine Brüder wurden dagegen freigesprochen - ihnen konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden.

In dem siebenmonatigen Verfahren hat der heute 20-jährige Ayhan gestanden, seine Schwester erschossen zu haben. Seine beiden mitangeklagten Brüder, der 25-jährige Alpaslan und der 26-jährige Mutlu, haben eine Tatbeteiligung bestritten.

Die 23-jährige Mutter eines damals fünfjährigen Jungen war am 7. Februar vergangenen Jahres an einer Bushaltestelle in der Nähe ihrer Wohnung in Berlin-Tempelhof durch drei Kopfschüsse getötet worden.

Die Staatsanwaltschaft ist davon ausgegangen, dass der 25-jährige Bruder die Tat überwachte und der älteste Angeklagten die Waffe dafür beschafft hatte.

Einzige Belastungszeugin war die damalige Freundin des jüngsten Angeklagten, die zu ihrer Sicherheit in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde.

(sueddeutsche.de/AFP/dpa)

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt1m3/panorama/artikel/856/73783/

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13.04.06 10:14

10041 Postings, 6672 Tage BeMiDiese Mentalität, Gewohnheiten,

Lebensweisen holen sich die
Deutschen - zusätzlich zu ihrem eigenen
Gesocks - noch ins Haus.
Hoffen wir, daß die Türkei bald in die
EU kommt und daß die Menschen dort
bald freien Zugang zu den EU-Staaten haben.
;-((

Ciao
BeMi  

13.04.06 12:19

7336 Postings, 6470 Tage 54reabDie überwiegende Mehrheit der

bei uns lebenden türkischstämmigen Menschen ist nicht so. Dieses spielt sich hauptsächlich in einer viel zu großen Minderheit ab und entwickelt sich leider negativ. Zwangsheirat und Ehrenmord nehmen leider nicht ab sondern zu! Die Zeit alleine wir also offensichtlich diese Probleme nicht lösen.

MfG 54reab  

13.04.06 15:29

7336 Postings, 6470 Tage 54reabRevision

13.04.2006   14:00 Uhr
Ehrenmord-Prozess

Staatsanwaltschaft legt Revision ein


Neun Jahre Gefängnis für Ayhan Sürücu, Freisprüche für seine beiden Brüder: Nicht nur der Staatsanwaltschaft ist das Urteil deutlich zu milde. Berlins Innensenator Körting von der SPD fordert die Familie zur sofortigen Ausreise auf, die CDU plädiert für eine Änderung des Jugendstrafrechts.

Kurz nach dem Urteil im Prozess um den so genannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü hat die Staatsanwaltschaft Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Das Berliner Landgericht hatte einen 20-jährigen Bruder am Donnerstag als Todesschützen zu neun Jahren und drei Monaten verurteilt. Seine Brüder im Alter von 25 und 26 Jahren wurden freigesprochen.

Die Anklage hatte zwei Mal lebenslange Haftstrafen wegen gemeinschaftlichen Mordes sowie neun Jahre und acht Monate Jugendstrafe für den zur Tatzeit 18-jährigen Angeklagten gefordert.

Ausreise nahe gelegt

Nach Überzeugung des Staatsanwalts hat einer der älteren Brüder die Waffe besorgt, der andere habe Schmiere gestanden. Laut Gericht war die Beweislage zu bruchstückhaft für eine Verurteilung.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat der Familie der von ihrem Bruder ermordeten Deutschtürkin Hatun Sürücü die Ausreise aus Deutschland nahe gelegt.

?Wenn sie wirklich Ehre im Leib hätten, dann sollten sie die Konsequenz
ziehen und die Bundesrepublik Deutschland verlassen?, sagte Körting im Inforadio des RBB.

Zentralrat der Muslime warnt vor Verallgemeinerung

Das Verfahren habe gezeigt, ?dass es sich hier um eine scheinintegrierte Familie gehandelt hat, die offensichtlich mit ihren Wertvorstellungen in der Bundesrepublik Deutschland mit den meisten Familienmitgliedern noch nicht angekommen ist?.

Dies sei auch im Verhalten der drei Brüder während des Prozesses zum Ausdruck gekommen. Mit dem Freispruch der beiden älteren Brüder sei er zufrieden. In einem Rechtsstaat könne nur der verurteilt werden, dessen Schuld hundertprozentig nachgewiesen wurde.

Nach dem Urteil hat die Berliner CDU die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts von 18 Jahren an gefordert. ?Das Jugendstrafrecht mit seiner Auslegung bis zum 25. Lebensjahr ist nicht mehr zeitgemäß?, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Nicolas Zimmer.

Ehrenmorde haben nach Auffassung des Zentralrats der Muslime nichts mit dem Islam zu tun. Kein Mord könne durch den Islam gerechtfertigt werden, insbesondere nicht der ?Ehrenmord?, teilte die Vereinigung als Reaktion auf das Urteil im Berliner ?Ehrenmord?-Prozess mit.

(AFP/AP/dpa)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/panorama/artikel/879/73806/  

13.04.06 17:32
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10041 Postings, 6672 Tage BeMiEhrenmorde kommen ja so selten in Berlin vor

Mit Slogans und Wettbewerben kämpfen Berliner Migrantenorganisationen gegen Gewalt an Frauen

BERLIN taz
 Der Mord an Hatun Sürücü löste in Berlin auch unter Einwanderern und ihren Organisationen eine breite Debatte über Zwangsverheiratungen und Ehrenmorde aus. Denn er ist kein Einzelfall:

In den sechs Monaten zuvor hatte es in der Hauptstadt fünf ähnliche Morde gegeben.

Die Täter waren meist Männer kurdisch-türkischer Herkunft, die Opfer ihre Noch- oder Ex-Ehefrauen. Viele Migrantenorganisationen entwickelten daraufhin Initiativen, um die Diskussion innerhalb der Gemeinschaft anzuregen.

So stellte der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) einen Zehnpunkteplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen vor. Er fordert innertürkische sowie innerislamische Diskussionen über das Thema Gleichberechtigung und ein Bekenntnis aller türkischen und islamischen Organisationen zum Selbstbestimmungsrecht der Frau. Von den Behörden verlangte er die konsequente "Durchsetzung der Schulpflicht in Bezug auf Schwimm-, Sport-, Biologie und Sexualkundeunterricht".

Einen anderen Weg beschritt der islamische Verein Inssan: Unter dem Titel "Isl'Amour" veranstaltete er einen Wettbewerb der "schönsten muslimischen Heiratsgeschichten". So will er zeigen, dass auch im Islam Ehen nicht auf Zwang und Gewalt beruhen. Außerdem verteilte Inssan 4.000 Postkarten mit dem Aufdruck "Zwangsehen sind ein Verbrechen" in Schulen, Moscheen und Cafés.

Türkisch- und arabischstämmige Mädchen aus dem Mädchentreff Madonna in Berlin-Neukölln gestalteten ebenfalls Postkarten: "Ehre ist, für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen" steht darauf. Die Mädchen und die beiden Jungen Sinan und Saithan, die auf den Postkarten abgebildet waren, wurden von der taz mit dem 2005 zum ersten Mal ausgeschriebenen Panter-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. ALKE WIERTH

taz vom 13.4.2006, S. 5, 63 Z. (TAZ-Bericht), ALKE WIERTH


 

14.04.06 11:08
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7336 Postings, 6470 Tage 54reabHeute gehen wir einen trinken

13.04.2006   16:32 Uhr
Ehrenmord-Prozess

"Heute gehen wir einen trinken"


Das Landgericht Berlin verurteilt den jüngsten der drei Sürücü-Brüder für den Mord an ihrer Schwester. Die türkische Familie jubelt, der Richter geht vorsorglich in die Defensive.
Von Oliver Das Gupta und Johannes Honsell


Gute Laune: Der älteste Sohn der Familie Sürücü (l.), steht neben seinen zwei Schwestern und einer Freundin (r.) vor der JVA Berlin. Rund 14 Monate nach dem so genannten Ehrenmord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü sind zwei Brüder der Getöteten aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden.
Foto: ddp

Am Tag der Urteilsverkündung im Berliner Ehrenmord-Prozess scheint es, als habe sich die Familie Sürücü für alle Fälle gewappnet.

?Wenn es schlecht ausgeht, verreisen wir?, sagt Nalan Sürücü lachend und schaut auf die noch verschlossene Tür des Gerichtssaals B 129. Der Familienberater, ein schwerer Mann im Anzug, legt Nalan eine Hand auf den Arm und murmelt etwas auf Türkisch. ?Und wenn es gut ausgeht, dann gehen wir feiern?, fährt Nalan fort.

Das Gesicht einer Pubertierenden

Die junge Frau mit dem geschminkten Gesicht einer Pubertierenden gibt sich gelöst, nur ihre tippelnden Füße verraten ihre tatsächliche Anspannung. Nalan ist mit Alpaslan Sürücü verheiratet.

Sein jüngerer Bruder Ayhan ist angeklagt, seine Schwester Hatun erschossen zu haben. Die Brüder Mutlu und Alpaslan sollen mit Ayhan zusammen den Tod der Schwester beschlossen haben. So behauptet es der Staatsanwalt.

Sicher ist: Der jüngste, Ayhan schoss Hatun am 7. Februar 2005 drei Kugeln in den Kopf, weil sie über ihr Leben in allen Bereichen selbst entscheiden wollte und damit der Familie Schande bereitet haben soll. Ein Verbrechen, über das nun das Berliner Landgericht urteilt.

Im Verhandlungssaal sitzen die drei Brüder in einem Panzerglaskasten: Mutlu, 25, ganz vorne, in einem beigen Pullover. Die schulterlangen schwarzen Haare hat er wie einen Vorhang ins Gesicht geschoben, hinter dem nicht zu erkennen ist, ob er sich vor dem Urteilsspruch fürchtet, den der Richter gleich verkünden wird. Daneben sein Bruder Alpaslan in grauer Kapuzenjacke, ähnlich regungslos.

Nicht bediente Erwartungshaltung

Ganz hinten, hinter einer separaten Glaswand sitzt der zwanzigjährige Ayhan, in weißem Poloshirt mit schwarzen Querstreifen, und faltet die Hände. Läuft es günstig für die Familie Sürücü, wird nur er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Läuft es schlecht, müssen auch die beiden Brüder ins Gefängnis ? lebenslang.

Es läuft gut. Die Urteilsverkündung durch den vorsitzenden Richter Michael Degreif quittieren Nalan Sürücü und ihr Anhang mit lautem Jubelgeschrei. Ayhan muss für neun Jahre und drei Monate in Haft. Alpaslan und Mutlu werden freigesprochen.


Alpaslan Sürücü (li.) nach seinem Freispruch aus Mangel an Beweisen.
Foto: dpa

Degreif nimmt sich mehr als zwei Stunden Zeit, ein Urteil zu begründen, das, wie er selbst sagt, ?eine gewisse Erwartungshaltung nicht bedient?. Die begrenzte Aufgabe des Gerichtes sei es gewesen, den Fall strafrechtlich aufzuarbeiten, sagt Degreif. Das bedeutet: Nur eine ?lange gedanklich vorbereitete? Einzeltat lässt sich nachweisen, die Mittäterschaft der beiden Brüder nicht.

Zeugin vom "Hörensagen"

Ayhan dachte, ?er müsse es tun, weil es andere nicht getan haben?, sagt Degreif, und blickt zu den Freigesprochenen. Nach der Tat hätten alle in der Familie von dem Verbrechen gewusst. Aus diesem Grund habe Mutlu auch Kronzeugin Melek, die damalige Freundin des Mörders, vor der polizeilichen Vernehmung ?eingenordet?, damit sie schweigt. So hat es Melek den Ermittlern berichtet, und das glaubte ihr die Kammer. Anderes nicht.

Melek, ?im Prinzip eine belastbare und glaubhafte Zeugin?, habe manches nur ?bruchstückhaft? zu Protokoll gegeben, erklärt der Richter. Ihr Aussageverhalten sei ?nicht unproblematisch?. Hinter der Scheibe presst Ayhan nun seine Finger gegen das Glas, als wolle er es eindrücken. ?Ich habe dir doch gesagt, schieß ihr in den Kopf?, soll Alpaslan dem jüngeren Bruder geraten haben. Zumindest behauptet das Melek.

Das Gericht will das nicht glauben. So ist es mit vielen Aussagen Meleks: Oft konnte sie nur berichten, was ihr Ayhan über seine Brüder erzählt hat, Juristen sagen dazu eine ?Zeugin vom Hörensagen?. Das reicht dem Gericht nicht.


Freude, aber über welchen Sieg? E. Sürücü, Bruder der ermordeten, macht das Victory-Zeichen.
Foto: ddp

"Ganz gerecht und okay"

An der Schuld Ayhans lässt es hingegen keinen Zweifel. Der Mord habe ?Hinrichtungscharakter?, sagt Richter Degreif. Ayhan sei geplant und ?eiskalt? vorgegangen. Nur das Jugendstrafrecht schützt ihn vor lebenslanger Haft ? Ayhan war zum Zeitpunkt der Tat 18 Jahre alt.

Am Ende einer ungewöhnlich langen Urteilsbegründung spricht Richter Degreif noch ein wenig gedämpfter als in den Stunden zuvor. Er weiß, morgen werden die Zeitungen voll sein mit Berichten, und viele werden schreiben, das Urteil sei zu mild. ?Wir haben alles sorgfältig bewertet,? sagt Degreif, als verteidige er sich schon jetzt.

Dann will der Richter noch etwas anmerken, etwas, was in ihm gearbeitet zu haben scheint während der Prozessmonate: ?Es ist ganz selbstverständlich, dass hier jede junge Frau, egal welcher Nationalität, leben darf, wie sie will. Das ist ihr Recht.? Die Debatte werde weitergehen und sie werde wohl immer mit dem Namen Hatun Sürücü verbunden sein. Das, so schließt der Richter, ?ist das Allerletzte, was man ihr gewünscht hätte?.

Nach dem Ende der Verhandlung läuft Nalan Sürücü, Alpaslans junge Frau, quietschend durch die Sicherheitsschleuse ins Freie, wo schon die Kameras auf sie warten. ?Ganz gerecht und okay?, findet sie das Urteil. Den Rest lässt sie den schweren Mann im Anzug erklären, geht ein paar Meter weiter und ruft ihren Begleiterinnen zu: ?Heute gehen wir einen trinken?.

(sueddeutsche.de)

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/,tt1m3/panorama/artikel/901/73828/
 

14.04.06 12:28

10041 Postings, 6672 Tage BeMiMich würde mal

interessieren,
wovon lebt der Clan?  

14.04.06 12:30
2

6506 Postings, 6983 Tage BankerslastBeMi von der Verarsche o. T.

14.04.06 14:05
1

10041 Postings, 6672 Tage BeMiBankerslast

Das denke ich auch!
Abschieben in die Heimat,
den ganzen Clan.
Da können sie dann täglich feiern.
Die Deutschen sind einfach zu blöd.

Grüße
BeMi  

14.04.06 14:54
3

10041 Postings, 6672 Tage BeMiEinladung zu weiteren Verbrechen

"Ehrenmord"-Prozeß: Unverständnis für Urteil

Neun Jahre Haft für den Täter und zwei Freisprüche: Das Urteil des Berliner Landesgerichtes im Fall ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü sorgt nicht nur in Deutschland für Kritik.

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E. Sürücü, ein Bruder der ermordeten Hatun, präsentiert nach dem Urteil das Victory-Zeichen
Foto: ddp
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Istanbul/Berlin -

 Als ?Einladung zu weiteren Verbrechen? hat eine führende Frauenpolitikerin in der Türkei das Berliner Urteil im sogenannten ?Ehrenmord?-Prozeß gewertet.

?Das Urteil ist sehr schlecht?, sagte Gaye Erbatur am Freitag. Solche Entscheidungen verstärkten den Druck auf Frauen. Erbatur ist Vize-Vorsitzende eines Untersuchungsausschusses im türkischen Parlament, der sich mit den sogenannten Ehrenmorden befaßt. Die Türkei habe ihre Gesetze verschärft, um diese Delikte besser bekämpfen zu können, sagte sie mit Blick auf eine im vergangenen Jahr in Kraft getretene Strafrechtsreform. Andere Länder sollten dies ebenfalls tun.

Das Berliner Landgericht hatte den jüngsten Bruder der ermordeten Deutsch-Türkin Hatun Sürücü für schuldig befunden, seine Schwester erschossen zu haben. Er wurde zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Seine beiden mitangeklagten älteren Brüder wurden freigesprochen. Ihnen konnte eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden. Der Lebensstil der jungen Frau war in ihrer Familie auf Mißfallen gestoßen.

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Derartige ?Ehrenmorde? würden ?sehr sorgfältig geplant?, berichtete Naime Kardas vom Frauenzentrum KA-MER in der Türkei. Die ?Todesurteile? würden dabei keineswegs einem Einzeltäter gefällt, sondern vom sogenannten Familienrat. Während des siebenmonatigen Prozesses hatte es Spekulationen gegeben, daß die Familie den jüngsten Sohn als Vollstrecker eines Todesurteils ausgesucht haben könnte. Nach Einschätzung der Hamburger Soziologin Necla Kelek wird in traditionellen Familienstrukturen oft der Jüngste ausgesucht, der die niedrigste Strafe zu erwarten hat. Laut Urteil konnte aber nicht nachgewiesen werden, ob die Familie den Plan zur Tötung Hatuns faßte.

Nach Ansicht der Grünen-Politiker Josef Winkler und Irmingard Schewe-Gerigk ist gerade die Verschwiegenheit der ?Familienräte? ein Problem: Das ?patriarchalische Rollenmuster? innerhalb Hatuns Familie habe nicht aufgebrochen werden können - was dann wiederum dazu geführt habe, daß den beiden älteren Brüdern Ayhans eine Tatbeteiligung nicht habe nachgewiesen werden können.

Türkische Zeitungen werteten die neunjährige Freiheitsstrafe für den Hauptangeklagten als milde.

Ayhan Sürücü sei mit einer leichten Strafe davongekommen, hieß es im Boulevard-Blatt ?Sabah?. Andere Zeitungen kritisierten das Verhalten der Sürücü-Familie nach dem Urteilsspruch vom Donnerstag. Sie zeigten Fotos, auf denen eine lachende Schwester des Mordopfers Hatun Sürücü zu sehen war. Auf einem anderen Bild präsentierte ein Bruder der Getöteten das Siegeszeichen. ?Sie lachen schamlos?, kommentierte die Zeitung ?Vatan?.

Faruk Sen vom Essener Zentrum für Türkeistudien verwies darauf, daß es mit der strafrechtlichen Ahndung der sogenannten Ehrenmorde nicht getan sei. Sein Appell: ?Die türkische Community selbst muß noch viel mehr Druck entfachen, diesen Verbrechen den Nährboden zu entziehen.? WELT.de/AFP/dpa


Artikel erschienen am Fr, 14. April 2006

http://www.welt.de/data/2006/04/14/874083.html

 

16.04.06 21:27
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10041 Postings, 6672 Tage BeMiStreit um das Kind der Ermordeten

Berlin

Fall Sürücü: Streit um das Kind

Familie will das Sorgerecht für den Sechsjährigen

Nach dem umstrittenen Urteil im Prozeß Sürücü droht jetzt ein Rechtsstreit um den kleinen Sohn der ermordeten Deutschkurdin Hatun Sürücü. Die Familie, deren jüngster Sohn Ayhan gestanden hat, seine Schwester Hatun erschossen zu haben, will das Sorgerecht für das Kind einfordern. Dieses Vorhaben wurde gestern aus dem engeren Familienkreis bekannt. Der sechsjährige Can lebt zurzeit bei einer Pflegefamilie in Tempelhof.

Wie die türkische Zeitung "Hürriyet" berichtet, gibt es in der Familie bereits einen Alternativplan, falls der Antrag vom deutschen Familiengericht abgelehnt werden sollte. Dann soll der leibliche Vater des Jungen, der in Istanbul lebt, das Sorgerecht beanspruchen.

Nach deutschem Recht sei ein solcher Antrag möglich, sagt Christian Wowra aus der Berliner Rechtsanwaltskanzlei "Dr. Esch & Kollegen", die auf Familien- und Strafrecht spezialisiert sind: "Über den Erfolg entscheidet das Familiengericht nach einer großen Kindeswohlprüfung, bei der auch Psychologen und das Jugendamt gehört werden." Die Richter seien bei ihrer Entscheidung nicht gebunden an das Urteil des Landgerichts, das den jüngsten Sohn der Familie Sürücü zu neun Jahren und drei Monaten Jugendstrafe verurteilt hatte. Wenn sie nach eigener Prüfung zu der Überzeugung gelangten, daß weitere Familienmitglieder an dem Mord beteiligt gewesen sind, könne das sogar zur Wiederaufnahme eines rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens führen, sagte Wowra.

Mit der Zustimmung des Jugendamtes in Tempelhof-Schöneberg kann die Familie kaum rechnen. "Wir haben nach dem Mord bewußt den Antrag auf Unterbringung in einer Pflegefamilie gestellt, weil wir davon ausgegangen sind, daß der Junge in der Familie Sürücü nicht so erzogen wird, wie sich seine Mutter Hatun das gewünscht hätte", sagt Jugendstadträtin Angelika Schöttler (SPD). Letztlich entscheide aber das Familiengericht.

Die Äußerung von Innensenator Ehrhart Körting (SPD), die Familie Sürücü solle Deutschland verlassen, hat bei Berliner Spitzenpolitikern und dem Türkischen Bund ein geteiltes Echo hervorgerufen. CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger sagte gestern dieser Zeitung, er unterstütze Körtings Forderung. "Ich würde es begrüßen, wenn diese Familie Deutschland verlassen würde und der jüngste Bruder nach Verbüßen seiner Haftstrafe abgeschoben wird", sagte Pflüger. "Wir müssen mit der großen Mehrheit der Migranten versuchen, Leute mit anderem Wertekontext zu isolieren. Sie dürfen hier nicht leben." Pflüger begrüßt, daß die Staatsanwaltschaft die Revision des Urteils beantragt hat. Denn das Urteil habe das Rechtsempfinden der Menschen, auch das der Mehrheit der Türken, nicht getroffen. Das Urteil wie auch die Art und Weise, wie die Familie Sürücü auf das Urteil reagiert habe, würden Integration erschweren. Pflüger plädierte überdies für die Anwendung des normalen Strafrechts auch auf 18- bis 21jährige.

Auch der Fraktionsvorsitzende der FDP, Martin Lindner, forderte die Familie Sürücü auf, Deutschland zu verlassen und dort hinzugehen, wo ihre Wertvorstellungen verwirklicht würden. "Hier muß mit entschiedener Härte und nicht falscher Nachsicht durchgegriffen werden."

Der Geschäftsführer des Türkischen Bundes, Kenan Kolat, nannte Körtings Äußerung dagegen "unglücklich". Sie schüre populistische Stimmungen und bringe die Diskussion auf eine schiefe Ebene. "Statt über Abschiebung zu diskutieren, müssen wir jetzt daran arbeiten, daß solche Taten von der überwältigenden Mehrheit der türkischen Bevölkerung geächtet werden. Es ist ganz klar, daß Mord und Ehre zwei Begriffe sind, die nicht zusammenkommen." Auch der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei.PDS, Stefan Liebich, hält Körtings Äußerung für eine Reaktion, die der Stimmung der Bevölkerung nachgebe. Eine Lösung sei dies nicht. Nur langfristige Strategien wie verbesserte Integration oder zum Beispiel der neue Ethik-Unterricht könnten einen Bewußtseinswandel herbeiführen.

schoe/chb/ali/tz
Aus der Berliner Morgenpost vom 16. April 2006
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06.12.06 11:25

8215 Postings, 7083 Tage Sahne Kommt der Sohn in die Familie ihrer Mörder?

Mordfall Sürücü: Kommt der Sohn in die Familie ihrer Mörder?

Das Familiengericht im Bezirk im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat noch immer keine Entscheidung darüber getroffen, wer das Sorgerecht für den kleinen Sohn der ermordeten Hatun Sürücü erhalten wird. Die Familie des Mörders möchte das Kind gerne für sich haben. Und in einem Land, in dem gutachterlich befürwortet wird, einen Mario M. wieder auf die Menschheit loszulassen, muss man leider mit allem rechnen.

(...) "Das zuständige Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg (muss heißen: Friedrichshain-Kreuzberg) wird so schnell wie möglich entscheiden", sagte gestern eine Sprecherin. Wann das sein wird, ließ sie offen.

Das Verfahren hatte sich nicht zuletzt deshalb verzögert, weil das Gericht auf eine gesetzlich vorgeschriebene Stellungnahme des zuständigen Jugendamts Tempelhof-Schöneberg warten musste. Diese liegt nun vor. "Wir haben mit allen Betroffenen noch einmal gesprochen, das brauchte einfach Zeit", sagte Angelika Schöttler (SPD), Jugendstadträtin von Tempelhof-Schöneberg. In diesem Fall habe Sorgfalt aber höchste Priorität.

Die Familie Sürücü, deren jüngster Sohn Ayhan gestanden hatte, seine Schwester Hatun erschossen zu haben, will das Sorgerecht für das Kind einfordern, das zurzeit bei einer Pflegefamilie lebt. Sollte dies vom zuständigen Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg abgelehnt werden, will die Familie, dass der leibliche Vater des Kindes, der in Instanbul lebt, das Sorgerecht beansprucht.

Das Jugendamt Tempelhof-Schöneberg hingegen hat nach dem Mord an der jungen Frau bewusst den Antrag auf Unterbringung des Kindes in einer Pflegefamilie gestellt. Man sei davon ausgegangen, dass der Junge in der Familie Sürücü nicht so erzogen wird, wie sich seine Mutter Hatun das gewünscht hätte, hatte Schöttler bereits im April das Vorgehen ihres Amtes begründet.


Die Mutter wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie leben wollte wie eine (dreckige) Deutsche und ihrem Kind ersparen wollte, im finsteren Patriarchat des türkischen Familienclans aufzuwachsen. Und dennoch gilt es offenbar abzuwägen, ob man das Kind genau in diese Gesellschaft steckt, die seine Muter für sich und ihren Sohn ablehnte, in die Familie ihrer Mörder, die dem Kind außerdem keine gute Erinnerung an die Mutter ermöglichen wird. Hierzulande kann man leider nicht sagen, dass diese Entscheidung "zum Wohl des Kindes" unmöglich ist. Hierzulande muss man mit allem rechnen.

 

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