Friedenspreis für Rumsfeld

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neuester Beitrag: 15.04.03 12:45
eröffnet am: 15.04.03 12:32 von: calexa Anzahl Beiträge: 3
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15.04.03 12:32

4691 Postings, 6829 Tage calexaFriedenspreis für Rumsfeld

Der US-Verteidigungsminister hat mehr für den Weltfrieden geleistet als die Anti-Kriegs-Bewegung. Es gab immer zwei Sorten von Kriegsgegnern, und während des Krieges war es nicht ganz leicht, sie auseinander zu halten.

Es handelte sich dabei einerseits um diejenigen, die kein Blutvergießen wollten, und um eine zweite Gruppe von Amerika-Gegnern - also Leute, die nicht grundsätzlich gegen Krieg sind, aber grundsätzlich gegen jeden amerikanischen Krieg. Am Tag des Triumphs war es dann leicht, diese beiden Gruppen zu unterscheiden. Die wahren Kriegsgegner haben sich über das Ende des Krieges gefreut.

Die anderen outeten sich ebenso eindeutig: Sie waren zutiefst verstört, vor allem als sie sahen, dass die Bewohner Bagdads ihren amerikanischen Befreiern zujubelten. Auch die Reporter von ARD und ZDF hatten Schwierigkeiten, diese Vorgänge richtig einzuordnen. Es sei ja nur eine kleine Anzahl von Leuten, die sich da freuten, so hieß es im deutschen Fernsehen.

Besonders interessant fand ich die Anti-Kriegs-Demonstration am Samstag in Berlin. Der Krieg war zu diesem Zeitpunkt so gut wie zu Ende. Die alliierten Truppen mussten nur noch Tikrit einnehmen, was dann am Sonntag geschah. Gleichzeitig gab es eine kleinere Demonstration vor der amerikanischen Botschaft in Berlin. Dort versammelte sich eine Gruppe von Exil-Irakern, die die Befreiung ihres Landes feierten.


Pro-Saddam-Demo in Berlin

Die Ereignisse der vergangenen Tage zeigen, wie schnell sich eine politische Lage komplett verändern kann. Die Welt teilt sich heute nicht mehr in Kriegsgegner und Kriegsbefürworter auf, sondern in die Gruppe derjenigen, die die Befreiung Iraks propagierten, und diejenigen, die indirekt Saddam Hussein und sein Regime unterstützten. Die Berlin-Demo war insofern dann eine Pro-Saddam-Demo - getreu dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund".

Unter der Annahme, dass der vergleichsweise schnelle Sturz des irakischen Diktators tatsächlich eine Demokratisierung des Landes einleitet, kann der amerikanische Präsident George W. Bush als Befreier Iraks gelten. Er wird dafür jedoch keinen Friedensnobelpreis bekommen, zumindest nicht während seiner Amtszeit. Vielleicht wird es ihm ähnlich gehen wie Jimmy Carter, der den Preis erst im Jahre 2002 - 21 Jahre nach seinem politischen Abschied - entgegennehmen durfte.

Sollte Irak langfristig wirklich demokratisiert werden, wäre der viel kritisierte und in Deutschland so herzlich verachtete US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dagegen der eigentliche Held der Stunde, der wahre Befreier Iraks. Es wäre eine schöne Geste, wenn gerade wir Deutschen, die wir mit zielsicherer politischer Instinktlosigkeit die Befreiung Iraks so vehement ablehnten, unseren US-Freunden eine Geste der Wiedergutmachung zuteil werden ließen - insbesondere dem deutschstämmigen Rumsfeld. Da würde sich zum Beispiel der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels anbieten. Es gäbe dieses Jahr da wohl keinen geeigneteren Kandidaten als Rumsfeld. Wenn man indes allein die intellektuelle Leistung honorieren möchte, könnte man auch Rumsfelds Vize Paul Wolfowitz für diese Ehre in Betracht ziehen.


Blühende Landschaften in Irak

Nach Jahren der Tyrannei, der Kriege, der Folter haben diese Männer mit einem kurzen Krieg dafür gesorgt, dass Irak jetzt gute Chancen hat, die erste Demokratie nach Israel im Nahen Osten zu werden. Es kann sogar sein, dass Irak "blühende Landschaften" erlebt, noch weit bevor dasselbe in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern passiert. Wahrscheinlich wird Irak in fünf Jahren eine gut funktionierende Marktwirtschaft haben - während Deutschland dann immer noch auf dem dritten Weg zwischen Markt- und Planwirtschaft herumlavieren wird.

Als Alternative für den Friedenspreis käme der Karlspreis der Stadt Aachen in Frage, der an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vergeben wird, die sich besonders um die europäische Integration verdient gemacht haben, in diesem Fall um die deutsch-französische Freundschaft. Dies wäre natürlich ein wenig zynisch: Die plötzliche Wiederentdeckung der deutsch-französischen Zusammenarbeit war ja nie das Ziel, sondern nur eine Konsequenz von Rumsfelds globaler Friedenspolitik. Nichtsdestotrotz wäre die Verleihung eines solchen Ordens eine schöne Geste.

Vielleicht erscheint dem einen oder anderen Leser die Darstellung der Dinge ein wenig verklärt oder zumindest ein wenig übertrieben. Mag sein. Es ändert dennoch nichts daran, dass sich in der Politik nicht nur die jeweilige Lage schnell ändert, sondern vor allem die Beurteilung der Lage.

So wie des einen Terrorist des andern Freiheitskämpfer ist, sind Rumsfeld und Wolfowitz für die einen Kriegshetzer, für die anderen gelten sie als Befreier. Noch vor wenigen Tagen wähnten sich die Kriegsgegner in Deutschland und Frankreich in einer moralisch unangreifbaren Position. Nachdem sie die Bilder im Fernsehen gesehen haben, ist sich der eine oder andere seiner Position vielleicht nicht mehr so sicher. Die Mehrheit wird zunächst auf ihren alten Positionen verharren. Und eines Tages werden die Bewohner von Bagdad und Basra sie fragen: Wo wart ihr eigentlich, als die Amerikaner und Briten unser Land befreiten und somit den grausamen Menschenrechtsverletzungen ein Ende bereiteten? Und sie werden antworten: Wir waren auf einer Demo.
(Quelle: ftd.de)

So long,
Calexa
www.investorweb.de  

15.04.03 12:40

9123 Postings, 7182 Tage ReilaAusgeschlafen?

Der Scheiß steht schon seit 8:27 Uhr im Board und könnte eher von dieter Hildebrandt kommen als von der ftd.  

15.04.03 12:45

384 Postings, 7453 Tage nobodydas ist bei happy sowieso besser

Immer nur zitieren mit gaaaanz kleiner Quelle, ist nicht aufregend.  

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