Freundliches Geld

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eröffnet am: 26.06.06 19:19 von: Camenber Anzahl Beiträge: 1
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216 Postings, 5415 Tage CamenberFreundliches Geld

Freundliches Geld

von Jochen Steffens

Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Mails von Ihnen erhalten, deswegen noch einmal der Hinweis: Ich schaffe es leider zeitlich nicht, all Ihre Mails zu beantworten. Aber ich lese jede, das kann ich versprechen. Schließlich interessiert es mich, was Sie denken, was Sie kritisieren oder gut finden. Es ist zugegeben etwas schade, dass nicht die Zeit bleibt, Ihnen allen zu antworten. Ich gebe aber mein Bestes!

Trotzdem möchte ich Ihnen auf diesem Wege auch noch einmal für Ihr Feedback danken. Ohne Sie wüsste ich schließlich nicht, wo Sie stehen und welche Themen Sie interessieren. Oft genug greife ich Ihre Themen auf und schreibe dann ganz offiziell hier im Investor?s Daily eine allgemeine Antwort, ohne es näher zu benennen.

Beruhigend zu wissen

Die meisten Mails von Ihnen kamen in den letzten Tagen zum Thema Trading. Viele schrieben mir, wie froh sie waren, endlich einmal zu lesen, wie schwierig Traden sei. Einige hatten schon das Gefühl, sie wären die ?einzigen, die es nicht schaffen würden?. Für mich bestätigt das den Eindruck, dass viele Menschen mittlerweile zu Hause vor den Monitoren sitzen und alles versuchen, machen und tun, um den Börsen ein wenig Geld abzupressen.

Wenn ich mir dann die ganzen Bücher ansehe, in denen Sie ?Die einfachen Techniken, um schnell an der Börse reich zu werden? finden, kann ich schon verstehen, dass hier ein Bedarf nach Aufklärung vorhanden ist. Seien Sie also nochmals versichert, es ist ein langer beschwerlicher und schmerzhafter Weg, der sich aber, sofern man ihn bis zum Ende geht, wirklich lohnt.

Mit unseriösen Tricks zu Reichtum

Natürlich gibt es viele, die mit unseriösen Tricks an den Börsen auf einfache Art und Weise reich geworden sind. Das übliche Frontrunning z.B.. Man kauft eine Aktie, möglichst einen kleinen völlig unbekannten und marktengen Wert, der in den letzten Monaten extrem wenig Umsatz hatte. Kurz danach empfiehlt man diesen Wert einer breiten Masse von Lesern. Es reichen wenige Käufe, um den Kurs dieser Aktie um 10 ? 40 % hoch zu treiben. In die entstehenden Verkäufe werden die zuvor erworbenen Positionen mit Gewinn hineinverkauft.

Ganz Geschickte machen es im Verbund: Diese empfehlen nach vorheriger Absprache der Reihe nach in mehreren verschiedenen Börsenbriefe den gleichen Wert, immer zeitversetzt. Natürlich haben alle vorher gekauft, aber nicht nur das. Hier machen tatsächlich die Leser des ersten Börsenbriefes, welcher besagte Aktie empfiehlt, auch Gewinne. Zumindest die, die sehr schnell waren. Da jedoch immer reihum ein anderer der drei oder mehreren Börsenbriefe den Wert empfiehlt, gewinnt man einmal und verliert allerdings zweimal. Auch ein mieses Spiel für die Kunden.

Wenige schwarze Schafe

Doch zum Glück, und das mögen Sie mir nun glauben oder nicht, gibt es im Börsenbrief-Metier nur wenige schwarze Schafe, die so handeln. Die meisten Analysten und Chefredakteure, die ich kennen gelernt habe, wollen nichts mit solchen Praktiken zu tun haben. Aus zwei Gründen: Erstens überwacht mittlerweile zum Glück die Bafin die Szene, manche Börsenbriefredakteure würden sich ängstlich wundern, wie genau die Bescheid wissen und zum zweiten, wer will schon seinen ?Namen? in Verruf bringen. Ein dritter Punkt: Immer mehr Verlage, aber auch Banken, etc lassen Ihre Mitarbeiter entsprechende Richtlinien unterschreiben, die auch regelmäßige Kontrollen beinhalten, damit Frontrunning nicht mehr möglich ist. Ich finde das nur vernünftig und habe mich selbstredend selbst solchen Kontrollen und Richtlinien unterworfen.

Unglückliche Betrüger

Grundsätzlich sind diese schwarzen Schafe für mich keine Trader, sondern einfach nur Betrüger. Doch es geht hier nicht darum zu richten. Denn wer meint, mit Geld, dass er auf so betrügerische Art erschwindelt hat, glücklich zu werden, hat etwas ganz Entscheidendes über das Wesen des Geldes noch nicht verstanden. Geld wird nur dann zu deinem Freund, wenn du es freundlich behandelst und dazu gehört auch, es entsprechend ?freundlich? erworben zu haben. Den Rest der Menschen wird das Geld kaputt machen, und zwar auf eine höchst grausame und sehr schleichende Art und Weise. Es gibt mehr reiche Menschen mit unglaublichen Problemen, Angstzuständen und Depressionen, Menschen, die an ihrer inneren wohlhabenden Einsamkeit und der im Luxus ertrunkenen Sinnlosigkeit ihres Dasein elendiglich verdorren, als Sie sich wahrscheinlich vorstellen können. Wer meint, das sei nur Idealismus oder Phantasie, der solle sich einmal mit offenen Augen umsehen. In diesem Zusammenhang finde ich folgende Nachricht höchst interessant:

Warren Buffett spendet sein Vermögen

Warren Buffett zeigt, wie man es macht. Der zweitreichste Mann der Welt will einen großen Teil seines Vermögens verschiedenen Stiftungen spenden. Es geht um immerhin 85 % (!!!) seiner Aktien von Berkshire Hathaway. Der größte Batzen geht an die Stiftung von Microsoft- Gründer Bill Gates, die Bill und Melinda Gates-Stiftung. Bill Gates sagte dazu, dass es schließlich erst Warren Buffett gewesen sei, der ihn vor einigen Jahren auf die Idee zu dieser Stiftung gebracht habe.

So verwunderlich sich das auch in unseren Ohren anhört, in den USA ist es tatsächlich gängige Praxis, dass reiche Menschen einen beachtlichen Teil (!) ihres Vermögens spenden, bzw. wohltätigen Zwecken zuführen. In Deutschland ist das eher selten der Fall - obwohl, es gibt auch hier einige rühmliche Ausnahmen.

Der Markt

Zum Markt kann ich immer noch wenig schreiben. Am Donnerstag erwartet uns die Zinsentscheidung, im Vorfeld wird noch etwas spekuliert werden. Im Moment kommen schon die ersten Analysten und erwarten einen 50 Basispunkte-Schritt. Die überwiegende Mehrheit geht jedoch von einer Zinsanhebung um 25 Basispunkten aus. Es wird spannend zu beobachten sein, ob es im Vorfeld dieses Zinsschrittes zu einer kleinen Rallye kommen wird. Mal schauen, wie sich der heutige Montag in den USA entwickelt. Der heutige Verlauf wird schon ein wenig andeuten, wie die Stimmung ist. Schließlich haben die meisten Investoren über das Wochenende genug Zeit gehabt, zu überlegen, wie sie sich im Vorfeld der Zinsentscheidung positionieren wollen. Also aufgepasst, was heute in den USA passiert.

 

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