Fördert der Staat die Schwarzarbeit?

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neuester Beitrag: 30.10.05 20:45
eröffnet am: 30.10.05 15:47 von: Knappschaft. Anzahl Beiträge: 4
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30.10.05 15:47

8451 Postings, 5897 Tage KnappschaftskassenFördert der Staat die Schwarzarbeit?

In Ländern mit geringer Abgaben- und Steuerlast sei die Schattenwirtschaft weniger ausgeprägt. In Deutschland habe die Schwarzarbeit ein sehr hohes Niveau erreicht, liege bei 16,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der Zoll ist seit vorigem Jahr besser gerüstet, um schwarze Schafe aufzuspüren: Allein in Baden-Württemberg beschäftigt die Sonderabteilung "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" 630 Mitarbeiter. Die Neue Messe in Stuttgart, Prestigeobjekt des Landes, liefert derzeit ein trauriges Beispiel für die Sitten, die zum Teil im Baugewerbe herrschen: Seit Monaten enthält das türkische Subunternehmen eines deutschen Baukonzerns über 30 seiner Arbeiter den Lohn.

 

 

 

"Die Arbeiter müssen den Lohn bekommen, der ihnen zusteht"
 
Messegesellschaft übt Druck auf Baukonzern aus - Regierungspräsidium wollte die 25 ausgebeuteten Türken sofort abschieben
 
Die um ihren Lohn geprellten 25 türkischen Arbeiter sollen rasch Geld erhalten. "Wir wollen eine saubere Baustelle, auf der alles bezahlt wird", heißt es bei der Projektgesellschaft Neue Messe. Die Eisenbieger sollen nächste Woche abgeschoben werden.

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt

Auf der riesigen Messebaustelle neben dem Stuttgarter Flughafen geht die Arbeit normal weiter. Rund um die über der Autobahn liegenden markanten Stahlträger für das neue Parkhaus hieven Kräne schwere Stahlmatten und Kübel mit frischem Beton an die richtigen Stellen.

Seit einigen Tagen aber ist die Welt auf Deutschlands größter Baustelle nicht mehr in Ordnung: Die Fahnder des Stuttgarter Hauptzollamts haben am Dienstag auf der Messebaustelle 25 türkische Billigarbeiter entdeckt (die StZ berichtete). Von den beim Bau des Parkhauses über der A 8 eingesetzten Eisenbieger soll jeder seit Juni nur ein Taschengeld von 150 Euro erhalten haben.

"Es deutet alles darauf hin, dass die Arbeiter nicht den Lohn bekommen haben, der ihnen zusteht", bestätigt Christian Witt, Sprecher der Projektgesellschaft Neue Messe. Dies habe sich bei einem Gespräch mit den Betroffenen herausgestellt. "Die Männer müssen auf jeden Fall ihr Geld bekommen, wir haben eine saubere Baustelle", stellt Witt klar. Die Messe wirke deswegen auf die deutschen Partner des türkischen Subunternehmers ein. Diesem hat die Agentur für Arbeit bereits vor geraumer Zeit wegen Unzuverlässigkeiten die Arbeitslizenz für Deutschland entzogen. Aus diesem Grund sollen die Betroffenen am Mittwoch abgeschoben werden, da sie sich wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis illegal in Deutschland aufhalten.

Der türkische Arbeitgeber hat anscheinend auf der Messebaustelle mit falschen Listen gearbeitet. "Die Angaben über Arbeitszeit und gezahlte Löhne haben sich als falsch erwiesen", so Witt. Es seien zu wenig Stunden aufgeschrieben und fast keine Löhne ausgezahlt worden. Es gehe nun um einen Gesamtbetrag von bis zu 150 000 Euro.

Die Überprüfung der Listen durch den Zoll hat laut Messe zudem ergeben, dass der türkische Subunternehmer keine Sozialabgaben abgeführt habe. Die Zollfahnder ermitteln - wie berichtet - wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Mindestlohngebot. Dieses schreibt einen Stundensatz von 12,47 Euro auf dem Bau vor.

"Die Arbeiter müssen das Geld, das ihnen für ihren Knochenjob zusteht, auf jeden Fall erhalten", betont Christian Witt. Schließlich habe die Messe die Leistung bezahlt. "Die betroffenen Eisenbieger haben eine hervorragende Arbeit geleistet." Die in Containern auf dem Baustellengelände untergebrachten Männer arbeiteten sechs Tage pro Woche, täglich bis zu zehn Stunden.

Nach Angaben der Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) ist die türkische Firma ein Subunternehmer des Baukonzerns Wayss und Freytag. Die Arbeiter seien zu Dumpinglöhnen beschäftigt worden. Ursprünglich habe das Regierungspräsidium die Betroffenen sofort ohne Lohn abschieben wollen. "Dann hätten die nie Geld gesehen", so Hartmut Zacher, Geschäftsführer der IG Bau in Stuttgart. "Es darf nicht sein, dass die Arbeiter ohne den ihnen zustehenden Lohn abgeschoben werden", fordert auch die SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Weckenmann.

Laut Zacher warten 80 polnische Bauarbeiter, die im Frühjahr auf der Großbaustelle hinterm Königsbau um mehrere hunderttausend Euro betrogen worden seien, immer noch auf ihr Geld. Der Subunternehmer habe auch für Wayss und Freytag gearbeitet.
 
Aktualisiert: 22.10.2005, 09:17 Uhr

 

30.10.05 15:53

1443 Postings, 5407 Tage HardstylisterJa, auf jeden Fall.

Wenn ich könnte würde ich auch schwarz arbeiten, lohnt sich doch viel mehr.  

30.10.05 20:28

9950 Postings, 6802 Tage Willi1Als Frisör?

30.10.05 20:45

16568 Postings, 6567 Tage MadChart*gg* Willi1

Aber ernsthaft:

Natürlich "fördert" "der Staat" irgendwo die Schwarzarbeit. Ein Straßenbahnfahrer om öffentlichen Nahverkehr verdient vielleicht 10?/Stunde netto (Steuerklasse 3, 1 Kind). Wenn der sich nen Klempner fürs verstopfte Klo kommen lässt, kostet der ihn 45?/Stunde + Anfahrtspauschale und Materialkosten.

Bedeutet: Eine ehrlich bezahlte Handwerkerstunde kostet den Straßenbahnfahrer einen Tag Arbeit. Wer würde da nicht nach Alternativen suchen?

 

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