Fernsehen ist nichts für Kleinkinder

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neuester Beitrag: 03.11.05 12:16
eröffnet am: 03.11.05 09:33 von: bammie Anzahl Beiträge: 7
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03.11.05 09:33
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8970 Postings, 6127 Tage bammieFernsehen ist nichts für Kleinkinder

Exzessiver TV-Konsum verringert Wortschatz und Lernfähigkeit und streßt stärker als die Schule

von Christian Thiel

Ulm - Der kleine Karl schaut gebannt auf den Fernseher. Die Augen des Zweijährigen sind weit aufgerissen, sein Mund steht offen. Regungslos verfolgt er das "Sandmännchen". "Seit Karl bei meinen Eltern jeden Abend den ,Sandmann" gucken durfte, will er ihn auch zu Hause immer sehen", sagt seine Mutter, Marita Hersberger. Sie selber ist nicht glücklich darüber. Doch andererseits macht es dem Jungen sichtlichen Spaß. "Und mehr als die fünf Minuten ,Sandmann" darf Karl nicht fernsehen", sagt sie bestimmt.

Doch so streng sehen das nicht alle Eltern. In den USA verbringen zweijährige Kinder im Durchschnitt bereits zwei Stunden am Tag vor dem Fernseher. Und auch in Deutschland setzt sich frühzeitiger Fernsehkonsum zunehmend durch. Und das selbst zu Zeiten, zu denen Kinder längst im Bett liegen sollten. In Deutschland sitzen um 22 Uhr noch etwa 800 000 Kinder im Kindergartenalter vor dem Fernseher, um 23 Uhr sind es noch immer 200 000.

Ist Fernsehen überhaupt schon für Zweijährige geeignet? "Nein", sagt Manfred Spitzer, ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm. "Ein Fernsehschirm ist für kleine Kinder auch dann schädlich, wenn die tollste Kindersendung läuft oder das intelligenteste Lernprogramm", ist Spitzer überzeugt: "Im Gehirn prägt sich besonders gut ein, was über mehrere Sinne hineingelangt." Ist also das Ohr, das Auge, die Nase und der Tastsinn beschäftigt - etwa wenn eine Katze gestreichelt wird und zu schnurren beginnt -, dann reagiert das Gehirn auf diese Erfahrung ganz anders, als wenn das Gleiche nur im Fernsehen verfolgt wird. Deshalb macht Fernsehen Kinder keineswegs schlau. Im Gegenteil: Fernsehen, insbesondere frühes Fernsehen, führt zu schlechteren Schulleistungen. "Wer viel fernsieht, lernt schlechter lesen, ist weniger kreativ, nimmt Dinge eher oberflächlich auf und denkt weniger kritisch", sagt Spitzer.

Daß Fernsehen zu schlechteren Schulleistungen führt, zeigte sich auch bei einer Studie aus Neuseeland. Hierfür wurden über 1000 Kinder bis zu ihrem 26. Lebensjahr untersucht und befragt. Das Ergebnis: Der Bildungsgrad eines 26jährigen wird in hohem Maße davon bestimmt, wieviel Zeit er im Alter von fünf bis 15 Jahren vor dem Fernseher verbrachte. Dieses Ergebnis gilt unabhängig von der sozialen Herkunft der Eltern und unabhängig vom Intelligenzquotienten der Kinder. Umgekehrt erhöht ein geringer Fernsehkonsum im Kindesalter die Chancen, einen Universitätsabschluß zu erreichen.

Viele Untersuchungen belegen auch, daß Kinder, die schon mit zwei oder drei Jahren viel Fernsehen schauten, in den ersten Schuljahren gleichaltrigen Wenigsehern deutlich unterlegen waren. Sie kannten weniger Wörter, lernten langsamer lesen. "TV im Vorschulalter führt zu schlechteren Leistungen im Lesen und Schreiben. Und die Kinder lernen auch nur langsamer hinzu als Wenigseher", betont Spitzer.

Außerdem ist Fernsehen nur scheinbar entspannend, zeigte eine deutsche Untersuchung, bei der die Herzfrequenz gemessen wurde. "Der Schulstreß kann nicht mit physiologischen Daten belegt werden. Vielmehr ist das Fernsehen belastender als die in der Schule verbrachte Zeit", sagt Manfred Spitzer. Fernsehstreß zeigt sich schon bei den ganz Kleinen. Etwa bei dem Problem der Hyperaktivität, dem sogenannten Zappelphilippsyndrom. Zappelphilippe gab es zwar schon immer, doch ein hoher Fernsehkonsum hat das Problem nachweislich vergrößert, bewies eine amerikanische Studie 2004. Die Kinder dieser Studie schauten im Alter von knapp zwei Jahren schon durchschnittlich 2,2 Stunden am Tag fern. Mit knapp vier Jahren waren es bereits 3,6 Stunden. "Das wichtigste Ergebnis war, daß der Fernsehkonsum im Kleinkindalter mit dem Bestehen einer Aufmerksamkeitsstörung mit sieben Jahren zusammenhing", erklärt Spitzer.

Bildschirme liefern dem kleinen Kind weniger Struktur als wirkliche Realität. Ein hoher Konsum von Bildschirmmedien führt deshalb nach Spitzers Überzeugung zu einer unklareren Strukturierung des kindlichen Gehirns und damit wiederum der kindlichen Erfahrungswelt - und bahnt so den Weg zu einer späteren Aufmerksamkeitsstörung.

Manfred Spitzer kritisiert aber auch die sozialen Auswirkungen eines hohen Fernsehkonsums. "Das Weltbild der Vielseher wird ganz erheblich vom Fernsehen geprägt. Und dieses Bild hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun." Darüber hinaus sind Vielseher öfter allein und verbringen weniger Zeit mit Freunden. Diese Entwicklung verschärft sich mit der Zeit. Bei Elfjährigen ist der Unterschied zwischen Viel- und Wenigsehern in Studien schon deutlich erkennbar. Bei 15jährigen ist die Diskrepanz noch ausgeprägter, verstärkt sich also in den Jugendjahren.

"Damit ist auch das oft gehörte Argument entkräftet, Kinder und Jugendliche müßten fernsehen, damit sie nicht zu Außenseitern würden", sagt Manfred Spitzer. Das Gegenteil ist der Fall. "Es sind diejenigen, die viel fernsehen, die mehr allein sind und weniger Zeit mit Freunden verbringen, also zu Außenseitern werden."


Artikel erschienen am Do, 3. November 2005, welt.de  

03.11.05 09:59

5684 Postings, 5619 Tage NolteVerblöden unsere Kinder?


oder liegt es am HipHop?

uralt aber Kult!  


Gruß
leo  

03.11.05 11:18

10302 Postings, 7053 Tage chartgranateletztendlich entscheidet

die Art der Eltern,wie sie vor allem die ersten Jahre ihrer Kinder begleiten und prägen.Wie viel Zeit verbringe ich mit meinen Kindern,wieviele Erlebnisse beschere ich ihnen,die schon früh ein Stamm an unterschiedlichsten Erfahrungswerten bilden.Wie sehr fördere ich die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstbewusstsein.Wie viel rede ich mit ihnen und bringe sie schon frühzeitig und konsequent mit dem Medium "Buch" zusammen.Wie sehr achte ich auf ausreichende Bewegung, usw usw.
Das ist entscheidend,wenn hier die Weichen richtig gestellt werden kann das von 1-2 Stunden TV am Tag meiner Meinugn anch nicht kaputtgemacht werden.
Dick zu werden ist ja auch nicht eine Sache des Essens alleine sondern vor allem auch auf  mangelnde Bewegung und die unglückliche Verbindung beider Dinge zurückzuführen.  

03.11.05 11:51

8970 Postings, 6127 Tage bammiesehr oft ist zu beobachten, wie Eltern selbst im

Stress sind, Probleme haben oder sonstiger Ärger, zusätzlich "nerven" dann die Kinder in deren Augen noch rum. Dann ist es für sie am leichtesten die Kunder ruhig zu stellen, wenn man denen ein Fernseher vor die Nase stellt. Und denn kommen die Probleme erst richtig ins Rollen.

Generell ist das Verhalten der Kinder, egal wo man sie antrifft, oft das Spiegelbild der Eltern.

greetz bammie  

03.11.05 11:55

19522 Postings, 7101 Tage gurkenfredsehe ich ähnlich, charti.

ich setz mich mit meinem "großen" (4,5 jahre) auch zusammen vor die flimmerkiste (würg) und frag ihn dann was zur gerde laufenden sendung, etc. dann ist er zwar genervt :-)), aber da musser durch. häufig fragt er auch was, und dann isses gut, wenn der olle daneben sitzt....

mfg
GF

 

03.11.05 11:58

10635 Postings, 7332 Tage Ramses IIlol gurke,

mit meinem "großen".

kann mich noch erinnern als du die geburt hier mitgeteilt hast. wie die zeit vergeht.

grüße  

03.11.05 12:16

19522 Postings, 7101 Tage gurkenfredstimmt, ramses, mannomann. das

darf man sich garnicht vergegenwärtigen. man wird alt und grau, verhärmt und dem verfall ausgesetzt und die brut wächst einem über den kopf :-))


p.s.: du hast ein gutes gedächtnis, hihihi.

mfg
GF

 

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