Fantastic interessantes Interview :

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 09.05.01 09:42
eröffnet am: 09.05.01 08:52 von: Prosecco Anzahl Beiträge: 8
neuester Beitrag: 09.05.01 09:42 von: Prosecco Leser gesamt: 1015
davon Heute: 1
bewertet mit 1 Stern

09.05.01 08:52
1

1409 Postings, 7037 Tage ProseccoFantastic interessantes Interview :

Performaxx Magazin
von Performaxx    
 
Interview:


Wir werden sicher einmal so groß sein wie Microsoft...

Interview mit dem Finanzvorstand von Fantastic, Marina Speck


Die Fantastic Corporation ist ein globaler Anbieter von End-to-End-Breitbandmultimedia-Lösungen. Die Lösungen des Unternehmens erlauben komfortable Zusammenführungen von Text, Audio- und Videodaten, Grafiken, Bildern, Animationen und Software sowie den Vertrieb über Hochgeschwindigkeits-Netze, z.B. Satellit, xDSL, Kabel, Funkübertragung, Glasfaser- und digitale Bodennetze. Die Kernkompetenzen von Fantastic liegen in Software- und Telekommunikationstechnologien sowie in der Beratung von Unternehmen, die diese Technologien einsetzen wollen, um neue Umsatzquellen zu erschließen. Das Herzstück von Fantastics Breitbandgesamtlösung für Service-Provider ist das Channel Management Center (CMC), mit dem die End-to-End-Übertragung von Multimedia-Paketen durch das gesamte Breitbandnetzwerk gesteuert werden kann. Dies ist gerade im Hinblick auf die Einführung des neuen UMTS-Standards von Bedeutung.

Die Aktien von Fantastic legten seit der Börseneinführung im Herbst 1999 zunächst einen fulminanten Kursanstieg hin. Die Papiere, die zu einem Kurs von 4,50 Euro ausgegeben wurden, konnten sich bis Februar diesen Jahres mehr als verzehnfachen. Seitdem verloren die Aktien aber über 80% ihres Wertes und erreichten nach der letzten Umsatzkorrektur von 50 auf 35 Mio. USD bei 5,60 Euro ihren Tiefstand. Wir führten ein Interview mit Marina Speck, dem Finanzvorstand von Fantastic, über den momentanen Stand und die Zukunftsaussichten des Unternehmens.

Performaxx!: In welchen Phasen erfolgt(e) der Aufbau der Breitband-Multimedia-Broadcasting-Branche?

M. Speck: Das Ganze begann mit der Entwicklung des Rundfunks, der auf Punkt-zu-Multipunkt-Broadcasting aufbaut. Das ursprüngliche Internet basiert hingegen auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Die Idee von Fantastic ist es, daß der Hauptteil der Daten von einem zentralen Punkt hinausgeht, jedoch der Rückkanal (z.B. Transaktionen oder E-Commerce) auf ein Medium (z.B. ISDN oder Kabelverbindung) begrenzt ist. Fantastic verbindet dabei die Vorteile des Breitbandes mit der Interaktivität des Internet. Der Aufbau der Breitband-Multimedia-Broadcasting-Branche befindet sich noch in einer sehr frühen Phase, denn der aktuelle Trend geht in eine ganz andere Richtung. Die einzelnen Internet-Verbindungen werden einfach höher geschaltet. Aus diesem Grund verfügen auch unsere Kunden über verschiedene Netze. Es ist für uns von großer Bedeutung, daß unsere Kunden, die mehrere Netze betreiben, auch unsere zuverlässigen Produkte testen. Ein konkretes Beispiel wäre in diesem Zusammenhang ein Konzern mit weltweit unterschiedlichen Distributionsstellen, der ein Protokoll zuerst via Satellit nach Japan übermittelt. Dort wird es über lokale Netze (Kabelnetz, terrestrischer Rundfunk, etc.) verteilt und an den Bestimmungsort weitergeleitet. Unsere Software unterstützt dabei den gesamten Prozeß der Datenübermittlung. Die verschiedenen Übertragungsmedien verfügen weltweit über unterschiedliche Transportkapazitäten. Wir verkaufen eine Software, die es den Netzbetreibern ermöglicht, die Daten zu aggregieren und die Preise flexibel zu gestalten. Dieser Bereich stellt ein äußerst interessantes Marktsegment dar, denn im Telekom-Sektor geht der Trend weg von den langfristigen Verträgen hin zu einer Verrechnung der puren Leistung. Doch auch das ist nur eine Zwischenstufe. Als nächsten Trend sehen wir, daß nur noch die Qualität des Services (Content) verrechnet wird.

Performaxx!: Ermöglicht dabei Ihre Software einen reibungslosen Switch zwischen den einzelnen Providern?

M. Speck: Das kann anhand eines einfachen Beispiels illustriert werden: Eine größere Firma verfügt über ein CEC von Fantastic, mit dessen Hilfe die eigenen Daten intern aggregiert werden können. Diese will eine Internet-Community aufbauen und fragt bei verschiedenen Telekommunikationsunternehmen an, was eine Stunde einer bestimmten Übertragungsmenge morgens zwischen 10 und 12 Uhr kostet. Über das System von Fantastic erhält das Unternehmen die einzelnen Angebote. Nach der Auswahl des günstigsten Providers wird das Protokoll je nach Qualitätsanforderungen des Unternehmens auf unterschiedlichen Leveln von Fantastic verschickt. Best Effort ist dabei die unterste Stufe und findet in der Übermittlung weniger wichtiger Daten wie z.B. Videoclips statt. Die nächste Stufe wäre Garanted Delivery, die vor allem bei Software-Updates eingesetzt wird. Wenn das Unternehmen zum Beispiel Download-Files auf ihrer Community-Homepage aktualisieren möchte, dann garantiert Fantastic dafür, daß jedes noch so winzige Datenpaket eines IPs verschickt bzw. heruntergeladen werden kann. Im herkömmlichen Internet existieren noch keine derartigen Garantien. Die höchste einstellbare Qualitätsstufe ist allerdings Realtime-Streaming. Diese können Sie dann einsetzen, wenn Sie direkt am Bildschirm sitzen und Live-Daten übermitteln. Das ist bereits normales Broadcasting, wie wir es beim Fernsehen erleben. Der Unterschied liegt nur in der Möglichkeit, dies interaktiv zu gestalten, indem man nebenbei noch Internet-Contents abrufen oder E-Mails verschicken kann.

Performaxx!: Wie weit ist Fantastic in ihrer Entwicklung fortgeschritten?

M. Speck: Wir sind sehr weit vorn. Das erste, worum wir uns bemühen, ist eine kritische Masse an Kunden zu haben, die mehrere Netzwerke betreiben. Um Standards zu setzen, muß Fantastic dabei geographisch auf jedem Kontinent vertreten sein. Unser 2. Ziel ist, daß bei den einzelnen Netzwerken auch der Traffic (Datenverkehr) stattfindet. Wir müssen unser Business-Modell beweisen. Genau daraus resultiert auch die Verzögerung in der Umsatzentwicklung. Früher haben die Kunden eine Lizenz erworben und das entsprechende Business-Modell darauf aufgebaut. Heute ist es umgekehrt. Die Kunden kalkulieren bereits im Vorfeld das Ertragspotential einer Geschäftsidee. Diese Entwicklung ist für uns sehr interessant, da wir schließlich auch an der Breitband-Strategie der großen Telekom-Unternehmen partizipieren. Ein typisches Beispiel ist Telstra, der größte Telekom-Betreiber Australiens. Hier müssen wir nicht nur unsere CEC-Software verkaufen, sondern auch Kunden gewinnen, die später unser CEC sowohl im B2B- als auch B2C-Bereich verkaufen. Im B2B-Bereich handelt es sich dabei um Firmen, die einen Bedarf an der Versendung hoher Datenmengen haben. Im Consumer-Bereich setzen wir auf Inhalt. Unsere Ansprechpartner sind deshalb die Content-Provider, Fernsehstationen oder Unternehmen, die einen entsprechenden Inhalt für Breitbandnetze bereitstellen. Wir sind davon überzeugt, daß ein Kunde wie Telstra das Produkt kaufen wird und kurz darauf auch die Kunden folgen, die das CEC heute in Betrieb haben. Doch die Ausarbeitung passender Geschäftsmodelle ist natürlich sehr zeitintensiv.

Performaxx!: Für die einzelnen Projektstufen werden bei Ihnen unterschiedliche Softwareprodukte wie CEC, CMC und der Mediaserver eingesetzt. Stellt letzterer die nächste Stufe dar?

M. Speck: Der Mediaserver ist das Produkt für den Endkunden. Bei einem B2B-Unternehmen ist das, je nachdem, wer als End-User in Frage kommt, der einzelne Mitarbeiter oder ein Kunde. In der Regel wird der Mediaserver als Plug-in in einen Standardbrowser des PCs integriert und im Consumer-Bereich wird das Produkt auch in anderen Geräten (Future-mobiles wie z.B. mobile Multimediageräte und digitale Handys) installiert. Hier ist die Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten.

Performaxx!: Sie bauen also gegenwärtig hauptsächlich nur die Infrastruktur der einzelnen Telekom-Gesellschaften mit auf. Kann man das so definieren?

M. Speck: Wir bauen die Infrastruktur auf und suchen gleichzeitig die Kunden, die vor allem im B2B-Bereich den entsprechenden Inhalt haben, denn der Netzwerkbetreiber kauft nur dann unser Produkt, wenn wir garantieren können, daß auch Traffic über unser CEC lauft.

Performaxx!: Sie betreiben Marketing, um Kunden zu gewinnen. Doch das ist nicht leicht und auch die Hardware-Infrastruktur ist noch nicht ganz ausgereift. Resultieren daraus nicht Verzögerungen in der Umsatzentwicklung?

M. Speck: Es fehlen einzelne End-User-Devices wie zum Beispiel die Set-Top-Boxen. Der PC-Bereich ist bereits fortgeschritten und funktionsfähig. Dann sind noch einzelne Projekte im Gange wie zum Beispiel die Multimedia-Car-Plattform. Wir haben voriges Jahr auf der IFA gemeinsam mit BMW und der Deutschen Telekom einen Test durchgeführt. Ein fahrendes Auto wurde mit einem Flachbildschirm bestückt, über den interaktive Daten einer Stadt abgerufen werden konnten. Der interaktive Teil bezog sich dabei auf Contents, die täglich mehrmals aktualisiert wurden. So wurde täglich zweimal ein Update von einer Tageszeitung versandt. Dieses Projekt wird von der EU-Kommission gefördert, um einen einheitlichen europäischen Standard zu entwickeln. Fantastic ist der einzige Software-Provider in diesem Projektteam. Die Dauer dieses Projektes schätzen wir auf zwei Jahre. Aber wir gehen davon aus, daß bereits Einzelapplikationen als Zwischenstufen auf den Markt kommen könnten. Es ist ein für uns sehr bedeutendes Projekt, aber es ist noch weit von der Marktreife entfernt. Ähnlich verhält es sich mit einem Nokia-Gerät, an dessen Entwicklung wir uns beteiligen.

Performaxx!: Nokia hat diesen Prototypen eines mobilen Breitbandzuganggerätes in A5-Größe entwickelt. Liefern Sie die passende Verteilersoftware? Wann wird dieses Produkt auf den Markt kommen?

M. Speck: Wir liefern die Software, doch diese ist nicht unbedingt ein Verteiler. Vielmehr erfüllt die Software die Funktionen Aggregation, Transport und Datenverwaltung. Wir wollen weder jedes Auto mit gleicher Software noch jeden End-User mit gleichen Produkten beliefern. Gemeinsam mit Nokia entwickelten wir eine Lösung namens Mediascreen, eine Kombination von Linux und digital terrestrischem Rundfunk. Diese Entwicklung ist auch bei den Endverbrauchern auf reges Interesse gestoßen.

Performaxx!: Nun kommen wir langsam auf die Finanzen zu sprechen. Wie waren die bisherigen Lizenzverträge aufgebaut?

M. Speck: Die ersten Kunden kamen aus dem Bereich der Netzwerkbetreiber. Sehr interessant war für uns, daß es sich dabei um Betreiber von verschiedenen Netzen gehandelt hat. Sie haben bis jetzt meist eine Lizenz gekauft. In der Regel testen die Netzwerkbetreiber unser System auf eine funktionierende Interaktion mit bestehenden Komponenten. Der nächste Schritt ist die Ausarbeitung des Revenue-Modells, eines Geschäftsmodells für Netzwerkbetreiber. Zahlreiche Breitbandbetreiber sind erst in den letzten Jahren mit der Ausarbeitung einer konkreten Breitbandstrategie konfrontiert worden und verfügen noch immer über kein eigenes Revenue-Modell. In der Geschäftsmodell-Phase werden auch verschiedene Contents auf Akzeptanz beim Publikum getestet. Zu diesem Zweck ziehen wir noch weitere Partner hinzu, die den passenden Inhalt liefern. Im vergangenen Jahr haben wir zum Beispiel mit British Telecom einen Test in 1.000 Haushalten durchgeführt. Wir hatten damals den Inhalt von vier Kanälen (darunter auch Reuters und Eurosport) technisch aggregiert und zusammen mit anderen Inhalten interaktiv an die einzelnen Haushalte geliefert. Nach der Testauswertung hat sich dann die British Telecom entschlossen, ihre ADSL-Netze stark auszubauen. Mittlerweile haben wir mit der British Telecom ein Joint-venture im B2B-Bereich gegründet und bereits 25 Testapplikationen und zwei Lizenzverträge abgeschlossen. Bei einem Teil dieser Tests erhielten wir auch von unseren Kunden eine Aufwandsentschädigung.

Performaxx!: Sie bekommen also Meilensteinzahlungen für Ihre Trials und erhalten dann pro Neukunde des von Ihnen mitaufgebauten Netzwerkes Royalties.

M. Speck: Prinzipiell arbeiten wir mit einer Grundlizenz. Dann erwirtschaften wir noch einen Solution- und Ser-viceumsatz und später folgen Royalties für den Mediaserver. Zwar wird Fantastic mit den Endkunden nie Kontakt haben, doch die Anzahl der Endkunden wird in Zukunft unseren Umsatz determinieren. Ob es sich dabei um Einnahmen in Form von Royalties oder Subscription-Prices handelt, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Wir haben in den letzten zwei Monaten unser Umsatzmodell angepaßt. Damit wir in Zukunft mehr Kunden gewinnen, haben wir die Gebühren für die Anfangslizenzen reduziert. Dieser Umstand trägt zur gegenwärtigen Prognoserevision bei.

Performaxx!: In Ihrer offiziellen Presseaussendung erwähnten Sie auch, daß ein länger als erwarteter Softwarezyklus zu einer Umsatzverschiebung führt. Könnten Sie das genauer erläutern?

M. Speck: Im alten Zyklus sind wir an Konzerne wie z.B. Telecom Italia herangetreten. Diese haben innerhalb weniger Monate unser CMC erworben. Doch dann gab es eine große Lücke, bis das Umsatzmodell feststand und die ersten Tests begannen. Dies hat sich nun geändert. Heute werden wir zwar von Firmen wie Telstra für einen Extended Trial bezahlt, aber wir müssen dafür gemeinsam mit ihnen das Umsatzmodell erarbeiten. Die Kunden wollen einfach ein funktionierendes Modell sehen, bevor sie die einzelnen Teile kaufen. Und die Erstellung eines kundenfreundlichen Leistungspakets erfordert mehr Zeit als ursprünglich erwartet.

Performaxx!: In welchem Segment verfügen Sie über eine monopolistische Stellung?

M. Speck: In einem derart großen Markt kann heute noch kein Player von sich behaupten, über eine Monopolstellung zu verfügen. Das Ziel von Fantastic ist es, einen Standard zu setzen und möglichst viele große Netzwerkbetreiber als Kunden zu gewinnen. Optimal wäre es, wenn Fantastic einen Standard setzt, da dann die einzelnen CMCs auch miteinander kommunizieren können. Ein konkretes Beispiel liefern unsere beiden Kunden Deutsche Telekom und NTT in Japan: Nachdem NTT unser Produkt evaluiert hat, war die Deutsche Telekom Referenzkunde. Sie hat unsere Lösung mit der Begründung empfohlen, daß nicht wenige ihrer Kunden auch über Stützpunkte in Japan verfügen und im Falle einer Anschaffung unserer Produkte gemeinsam ein durchgängiges Netz betrieben werden könnte. Eine Daimler-Chrysler kann zum Beispiel Kunde von NTT oder der Deutschen Telekom sein und wäre dadurch in der Lage, Daten über denjenigen auszuschicken, der sie am günstigsten übermittelt. Die Kommunikation ist dabei nicht nur auf ein konzerninternes Netzwerk beschränkt, sondern Daimler könnte zum Beispiel über die Deutsche Telekom ein Protokoll an seine japanischen Kunden übermitteln.

Performaxx!: In welchem Bereich sind Sie der stärksten Konkurrenz ausgesetzt?

M. Speck: Wir beschreiben den Markt grundsätzlich über zwei Dimensionen: Die 1. Dimension betrifft die ganze Wertekette und bedeutet soviel wie Aggregation (die Kunden dieser Stufe sind entweder Content Provider oder Firmen im B2B-Bereich), Broadcasting (Netzwerkbetreiber) und Consumer (Mediaserver). Zur Zeit bieten nur sehr wenige Unternehmen Produkte für die gesamte Wertekette an. Die 2. Dimension sind die einzelnen Netzwerke (Kabel, Satellit, XDSL). Es existieren einige Player wie z.B. Real Networks, die zwar das gesamte ABC abdecken, sich aber nur auf zwei oder drei Netze spezialisiert haben. Aber wir sind noch auf keinen Mitbewerber gestoßen, der, so wie wir, alle Netze auf der ganzen Wertekette abdeckt. Am ehesten tendiert noch NDS in diese Richtung. Dieses Unternehmen ist auf den Bereich Kabel- und Broadcasting spezialisiert und stark von der Muttergesellschaft abhängig. Fantastic ist einer der wenigen Player, die vollständig unabhängig sind. Wir haben keinen Mehrheitsaktionär und werden von keinem Netzwerkbetreiber dominiert.

Performaxx!: Sind Sie im Content-Bereich einem starken Wettbewerb ausgesetzt?

M. Speck: Wir sehen, daß sich der zukünftige Markt über die Qualität des Inhalts definieren wird. Das zeichnet sich heute schon im WAP-Bereich ab. WAP verliert, trotz funktionierender Hardware, mangels interessanter Inhalte langsam an Bedeutung. Die Endkunden sind nur noch bereit, für gute Inhalte Geld zu bezahlen. Der Content Bereich ist deshalb extrem wichtig. Fantastic hingegen wird nicht selbst im Content-Bereich tätig sein. Wir versprechen uns viel mehr Erfolg aus den entsprechenden Allianzen mit Content-Providern wie z.B. unserem Joint-venture mit der Kirch Gruppe, Worldzap, das sportbegeisterte Kunden interaktiv mit den aktuellsten Informationen versorgt.

Performaxx!: Wie sieht eigentlich Ihre B2B-Strategie aus?

M. Speck: Im B2B-Bereich wollen wir Kunden gewinnen, die hohe Datenmengen verarbeiten, weltweit über mehrere Standorte verfügen und ihre Inhalte in regelmäßigen Zeitabständen immer wieder updaten müssen. An diese Kunden gelangen wir heute in erster Linie durch Testinstallationen. Im Hardware-Bereich beschränken wir uns auf Consulting. Wir liefern keine Hardware, denn wir wollen uns hier auf keinen Standard festlegen. Wir glauben, daß mit unseren Testinstallationen das Interesse geweckt wird und somit auch Traffic über unser CMC stattfindet. Die Kunden sehen dann, daß sie ein Produkt kaufen, das nicht nur für eine einzelne Applikation wichtig ist, sondern vielmehr eine Betriebssoftware für zukünftige Kommunikationsplattformen darstellt.

Performaxx!: Liefern Sie auch die Betriebssysteme für die mobilen Internetzugangsgeräte?

M. Speck: Nicht die Betriebssoftware, sondern die CEC und CMC, also unsere eigene Software. Im Moment werden hier erst einmal die Lizenzen verkauft. Da ist der Markt noch nicht klar definiert. Wir konzentrieren uns im mobilen Bereich verstärkt auf den Consumer-Markt, für den wir einen qualitativ hochwertigen Inhalt bereitstellen wollen, sobald die ersten End-User-Geräte auf den Markt kommen, die einzelnen UMTS-Lizenzen verteilt sind und sich die neuen Netze etabliert haben.

Performaxx!: Fantastic liefert als kleines Unternehmen Softwarelösungen für eine neue Generation von mobilen, multimediafähigen Internetzugangsgeräten, die die stationären PCs in einem ähnlichen Tempo verdrängen wie einst die PCs die schwerfällige Großrechner. Darüber hinaus kooperieren Sie mit fünf der acht weltweit größten Telekommunikationsunternehmen. Bestehen da nicht aus strategischer Sicht Parallelen zu Microsoft?

M. Speck: Wir werden sicher einmal so groß sein wie Microsoft, da unser Aufbau sehr ähnlich ist. Wir müssen eine kritische Masse erreichen, um Standards setzen zu können. Im Gegensatz zu Microsoft sind wir jedoch einer stärkeren Konkurrenz ausgesetzt.

Performaxx!: Welche Fehler von Microsoft möchten Sie generell vermeiden?

M. Speck: Microsoft nützt seine Größe, um sich stark in die Angelegenheiten des Kunden einzumischen. Nicht wenige Kunden haben deshalb Angst davor, daß, sobald sie Microsoft benutzen, geschäftlich abhängig werden. Viele unserer Kunden haben uns gesagt, wenn Microsoft das gleiche Produkt wie Fantastic angeboten hätte, wäre es nie zu einem Vertragsabschluß gekommen, denn das CMC ist der Kern der Breitbandstrategie von ganzen Netzwerkbetreibern. Sie hätten Angst davor gehabt, mit einem derart dominanten Player wie Microsoft zusammenzuarbeiten. Das bedeutet, daß wir etwas breiter gehen müssen als Microsoft und unser System, ähnlich wie Linux, sehr offen halten sollten. Unsere Grundsoftware wird um so weiter verbreitet, je mehr Applikationen darauf geschrieben werden. Einen Teil programmieren wir auch selbst wie zum Beispiel Smart Card, doch grundsätzlich wollen wir unsere Applikation offen halten. Geschlossener sind wir hingegen im Broadcasting-Bereich. Im Consumer-Bereich werden wir uns allerdings bald öffnen, denn neben unserem Media Surfer (gegenwärtig noch auf CD-Rom, Update via Broadcasting) werden bald auch andere Produkte auf den Markt kommen.

Performaxx!: In welcher Größenordnung sehen Sie den Anpassungsbedarf bei Ihrer Ergebnisprognose?

M. Speck: Wir haben gerade unsere Umsatzprognose von 50 auf 35 Mio. Euro im Jahr 2000 zurückgenommen und festgestellt, daß unsere kostensenkenden Maßnahmen bereits greifen. Wir werden aber trotzdem unser Plan-Ergebnis nicht ganz erreichen. Am operativen Break-even im 4. Quartal 2001 halten wir noch immer fest. Da die Budgets für das nächste Jahr noch nicht erstellt sind, kann ich noch keine konkreten Zahlen nennen. Wir haben den zuvor beschriebenen Trend erkannt und kostensenkende Maßnahmen ergriffen, doch Einzelprognosen gestalten sich auf einen kurzen Zeitraum äußerst schwierig.

Performaxx!: Können Sie auch konkrete Maßnahmen erwähnen?

M. Speck: Wir haben den ganzen Overhead etwas zurückgenommen und dafür verstärkt in Forschung, Entwicklung und Vertrieb investiert. Wir haben den Fixkostenblock etwas überschätzt. Ursprünglich wollten wir bis Jahresende unseren Personalstand auf 500 Mitarbeiter aufstocken. Gegenwärtig beschäftigen wir 325 Mitarbeiter und werden bis Jahresende nur noch maximal 35 weitere einstellen.

Performaxx!: Wird sich durch den neuen CFO im Herbst die Unternehmensstrategie ändern?

M. Speck: Ich habe den neuen CFO nicht kennengelernt, aber ich denke, er wird das vertreten, was Reto Brown begonnen hat. Der Schwerpunkt sollte deshalb weiterhin bei Gesamtlösungen für den Kunden liegen.

Performaxx!: Wie schätzen Sie die Entwicklung von Fantastic ein?

M. Speck: Ich glaube, wir sind in einem sehr interessanten Markt tätig, den wir bereits sehr früh entdeckt haben. Noch vor wenigen Jahren haben wir unsere Kunden um Termine ersucht und heute ist es umgekehrt. Das heißt, der Markt für Multimedia-Breitband-Kommunikation ist extrem stark gewachsen. Aber es ist auch eine große Unsicherheit im Markt und viele Investoren fragen sich, wie man an dieser Entwicklung konkret profitieren kann.

Performaxx!: Wie möchten Sie die Glaubwürdigkeit bei den Anlegern zurückgewinnen?

M. Speck: Das beste, was Fantastic jetzt tun kann, ist zu beweisen, daß unser Business-Modell Erfolg hat. Kurzfristige Zahlen sind dabei wenig aussagekräftig, da der Markt im Laufe der Zeit immer interessanter wird.

Performaxx!: Es kursierten Gerüchte, wonach ein Konsortium um den Unternehmensgründer Ohnemus massiv Aktien verkaufte.

M. Speck: Ich habe verschiedene Anfragen in dieser Richtung erhalten und diesbezüglich bei ETF, mit rund 30% Hauptaktionär unseres Unternehmens, und Peter Ohnemus angefragt. Beide haben mir versichert, daß sie weder Aktien verkauft haben noch an einen Verkauf denken.

Das Interview führte Michael Kordovsky.
Feedback an Autor (Performaxx Redaktion)
 
 
Mittwoch, 09.05.2001  
 

09.05.01 08:55

2719 Postings, 7123 Tage luizaSuper Info, danke! o.T.

09.05.01 09:09

1409 Postings, 7037 Tage ProseccoWennn ich das richtig verstehe dann

wäre es möglich, dass man eigentlich keinen PC mit Festplatte und Programmen mehr braucht sonderen ständig vie Netz verbunden wäre? Seht ihr das auch so?  

09.05.01 09:16

2719 Postings, 7123 Tage luizaGenau richtig, nur noch mobiles Eingabegerät und v

on überall auf der Welt zugreifen können, Fernsehen, Banking, Aktienkaufen etc.  

09.05.01 09:20

1409 Postings, 7037 Tage ProseccoDas wiederum würde dem Netz auch in der 3. Welt

zum Durchbruch verhelfen können. Zumindest würde sich die Userzahl von Heute vervielfältigen.  

09.05.01 09:23

7538 Postings, 6890 Tage Luki2danke Klasse gute Info !! :-) o.T.

09.05.01 09:28

135 Postings, 6940 Tage St. JustInterview ist vom Herbst 2000 !!!

Ich habe mich auf der Seite von Performaxx noch mal umgeschaut, leider ist da kein Datum des Interviews verzeichnet. Wer sich die Mühe machen will und die Newsletter von Performaxx vom Herbst letzten Jahres noch mal durchgeht wird allerdings feststellen, daß das Interview mehr als ein halbes Jahr alt ist. Innerhalb dieses letzten halben Jahres ist bei Fantastic so viel Negatives passiert daß man den Inhalt des Interviews vergessen kann.  

09.05.01 09:42

1409 Postings, 7037 Tage ProseccoWas heisst viel Negatives, das war ja im Herbst

bekannt, dass Umsätze geschweige den Erträge nie und nimmer erreicht werden. In der Zwischenzeit hat sich doch einiges zum Positiven verändert, insbesondere die Vertiefung der Zusammenarbeit mit IBM. In diesem Zusammenhang ist auf der Seite von Performaxx unter Fantastic auch ein Interview nachzulesen mit Reto Braun. Aber du hast ja recht man muss bedenken, dass Fantastic Cash verbrennt und nach aussagen des neuen CFO reichen die Flüssigen mittel ohne berücksichtigen von Einnahmen noch 7 Quartale aus. D.bedeutet bis ende 2002 mit ein paar Einnahem bis ende 2003 und dann ist schluss wenn ....... und das ist ja die Frage.
diesbezüglich hät ich noch eine Frage: UMTS welchen Einfluss hat das auf Fantastic ist das eine weitere Verzögerung oder eher eine Beschleunigung. Könnte Matchentscheidend sein.
Dann sedi noch vermert, dass IBM Fantastic Aktien kaufen will. Das heisst für mich nichts anderes, dass Fantastic überleben wird entweder als eigenständiges Top Unternehmen oder als übername Kandidat von. z.B. IBM

 

   Antwort einfügen - nach oben