Erich Kuby gestorben

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SPIEGEL ONLINE - 12. September 2005, 14:58
URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,374266,00.html

"Linkes Gewissen"
 
Publizist Erich Kuby gestorben

Nach dem Zweiten Weltkrieg verhalf Erich Kuby späteren Pressegiganten wie Axel Springer und Rudolf Augstein zu publizistischen Lizenzen. Er selbst galt bis 1968 als "linkes Gewissen" der Bundesrepublik. Nun ist der kritische Autor im Alter von 95 Jahren gestorben.

DPAPublizist Kuby: "Einer der profiliertesten Journalisten der deutschen Nachkriegsgeschichte"

Venedig/München - Erich Kuby galt über Jahrzehnte hinweg als einer der markantesten linken Journalisten in der Bundesrepublik. "Er war, bis die Studentenbewegung 1968 ihn abgelöst hatte, das linke Gewissen der Nation", sagt sein Sohn Clemens. Erich Kuby hatte unter anderem für den SPIEGEL, die "Süddeutsche Zeitung", den "Stern", und die Berliner Wochenzeitung "Freitag" geschrieben.

Zu seinen größten Bucherfolgen gehörte neben "Das ist des Deutschen Vaterland - 70 Millionen in zwei Wartesälen" vor allem "Rosemarie, des deutschen Wunders liebstes Kind", in dem er sich mit dem Leben der ermordeten Frankfurter Prostituierten Rosemarie Nitribitt auseinander setzte. Das Buch wurde in 17 Sprachen übersetzt. Auch die Verfilmung von "Rosemarie", Kubys großer Analyse der deutschen Doppelmoral, nach einem von ihm selbst geschriebenen Drehbuch, wurde ein Welterfolg.

Der in Baden-Baden geborene und in Oberbayern aufgewachsene Landwirtssohn hat auch Hörspiele geschrieben und insgesamt rund 40 Bücher veröffentlicht. In einer seiner letzten großen Arbeiten hat Kuby die Geschichte seiner Familie erzählt. Das im Münchner Hanser Verlag erschienene Werk "Lauter Patrioten" ist - so der Untertitel - eine "deutsche Familiengeschichte von 1800 bis 2000". Sein umfangreiches Werk "Verrat auf Deutsch. Wie das Dritte Reich Italien ruinierte" und "Der Fall 'Stern' und die Folgen" um die gefälschten Hitler-Tagebücher erregten großes Aufsehen.

Erich Kuby stritt in den Anfangsjahren der Bundesrepublik vehement gegen die Wiederbewaffnung und hinterfragte gesellschaftskritisch das "Wirtschaftswunder" der fünfziger Jahre. Kuby mischte sich immer wieder ins kulturpolitische Tagesgeschäft ein, zuletzt bei der Debatte um die Vereinigung der beiden deutschen Autorenverbände. Dabei setzte er ein Zeichen und wechselte ins ostdeutschen PEN-Zentrum.

In jungen Jahren war Kuby nach dem Studium der Volkswirtschaft bis zu seiner Einberufung in die Wehrmacht in einem Buchverlag tätig, als Soldat diente er in Frankreich und Russland. 1947 wurde er Chefredakteur der von Alfred Andersch und Hans Werner Richter gegründeten Zeitschrift "Der Ruf". Nach seiner Absetzung durch die US-Amerikaner, denen Kuby wie schon zuvor Andersch und Richter zu kritisch war, gehörte er jahrelang dem Redaktionsstab der "Süddeutschen Zeitung" an.

"Erich Kuby war nach dem Krieg als anerkannter Nicht-Nazi von den Amerikanern beauftragt worden, deutsche demokratische Persönlichkeiten zu finden, denen man eine Lizenz zur Herausgabe einer Zeitung geben könne", sagt Sohn Clemens rückblickend. "Mein Vater lizenzierte Augstein, Springer, Nannen - er vergaß nur, sich selbst eine Lizenz auszustellen." Aber dafür habe er dann in all diesen Blättern und Magazinen mitgewirkt. Der SPIEGEL würdigte ihn heute als "einen der profiliertesten Journalisten der deutschen Nachkriegsgeschichte".

Nach über fünf Jahrzehnten als kritisch-wachsamer Journalist zog sich der Autor dann nach Venedig zurück. Dort lebte er zusammen mit seiner zweiten Frau Susanna Böhme und mit seinem jüngsten Sohn Daniel, in deren Beisein er jetzt auch starb. Nach Angaben seines älteren Sohnes Clemens starb Kuby in der Nacht zum vergangenen Samstag im Alter von 95 Jahren. Er soll an diesem Donnerstag im evangelischen Teil der Friedhofsinsel San Michele in Venedig beigesetzt werden.


Ich hoffe, ich jimpse nicht. Die Suche hatte nichts ergeben.


A.N.
(vincit saltando)

geschichtsunterricht ist das eine, die wahrheit oftmals eine andere. war in meck/pomm und es gab nur einen, der bei diesem lehrer je eine 1+ in der mündl. prüfung bekam.

 

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