Endlich enthüllt:

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neuester Beitrag: 11.09.05 21:24
eröffnet am: 11.09.05 21:24 von: B Ghost Anzahl Beiträge: 1
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11.09.05 21:24

3379 Postings, 5723 Tage B GhostEndlich enthüllt:

 Notizen eines Wahlkampfs I
Im Buhlen um die Gunst der Wähler folgen Spitzenpolitiker mehrbändigen Strategiekonzepten ebenso wie Beraterstäben in Kleinstadtgröße. Doch was für Individuen verbergen sich hinter der minutiös konstruierten Wahlkampffassade, was bewegt diese Menschen privat? Auf der Suche nach einer Antwort veröffentlichen wir exklusiv und unregelmäßig verschiedene Fragmente aus den Tagebüchern deutscher Politiker. Diesmal: CSU-Chef Edmund Stoiber.

Liebes Tagebuch,

Du kannst Dir ja gar nicht vorstellen, was mir passiert ist. Angefangen hat alles damit, dass ich gestern Abend vor lauter Anspannung wegen der Neuwahlen wieder einmal einen Kamillentee über den Durst getrunken habe, und dann nicht einschlafen konnte. Stundenlang hab ich mich nur unruhig von einer Seite auf die andere gewälzt und Bundestagsmandate gezählt. Irgendwann muss ich aber doch weggedämmert sein.

Harmlos?
Mitnichten
Mitten in der Nacht hat mich dann ein Prasseln und Ächzen aus dem Schlaf gerissen. Als ich die Augen aufgemacht habe, da schwebte vor mir ein brennender Gamsbart. Du kannst Dir sicher meine Verwunderung vorstellen, liebes Tagebuch, als plötzlich aus seinem Inneren die Stimme von Franz Josef Strauß erklang: "Ja mir Bayern sind halt doch die Gscheidsten", das hat er gesagt. Dann hat sich der Gamsbart in eine fliegende Weißwurst verwandelt und ist aus meinem Schlafzimmer gezischt.

Ich war vor Schreck ganz starr, bis mir klar geworden ist, dass das eine Vision war und ich offenbar schon vor dem Papstbesuch auserwählt wurde. Ich soll dieses neue Evangelium unter die Menschen bringen; und damit fang ich unverzüglich an.
Bis bald liebes Tagebuch, ich muss los. Arbeit ruft.

Dein Edmund

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Liebes Tagebuch,

schon wieder eine Eingebung, ich komme von Wahlkampftag zu Wahlkampftag besser in Fahrt. Endlich weiß ich, wie wir die jungen Wähler gewinnen können: Ich muss ein Lied aufnehmen, am besten etwas Aktuelles, das im Trend liegt. So was wie Rap, hab ich mir überlegt. Die Angela könnten wir im Backgroundchor unterbringen, und die Einnahmen aus den Klingeltönen würden unserer Wahlkampfkasse gut tun. Ein Gewinn in jeder Hinsicht.

Wahlberechtigt
Den Refrain hab ich schon: "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber". Was meinst du, liebes Tagebuch? Das ist doch geradezu ein Geniestreich. Rotzfrech und doch subtil. Politisch flexibel, dennoch zielgenau. Eine Hommage an die Bauernschaft und gleichzeitig ein großstädtischer Gassenhauer; und es reimt sich sogar.

Wenn mir der restliche Text auch so gut gelingt, haben wir nicht nur die Erstwähler in der Tasche. Jetzt kann ich nur hoffen, dass mir der Raab nicht wieder zuvorkommt. Drück mir bitte die Daumen, liebes Tagebuch.

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Ausbrechbar
Liebes Tagebuch,

welch großes Unglück. Offenbar ist mein lange vor der Öffentlichkeit versteckt gehaltener böser Zwillingsbruder Edmond aus seinem Verließ in meinem Gemüsegarten entkommen, und läuft nun medial Amok. Er hat doch glatt behauptet, ich wolle ein Fernsehduell mit dem Lafontaine austragen. Edmond muss mich wirklich sehr hassen.

Hoffentlich finden wir ihn, bevor noch mehr passiert, oder mir die Dementis ausgehen. Ich habe bereits veranlasst, im ganzen Freistaat Fahndungsbilder von ihm aufzuhängen und zu verteilen. Nachdem ich daraufhin wegen unserer Ähnlichkeit zweimal verhaftet wurde muss ich jetzt das Haus hüten. Ich bin wirklich verzweifelt.

Dein unglücklicher Edmund

 

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