Einigung mit dem Iran oder nicht? (Steffens)

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891939 Postings, 6089 Tage moyaEinigung mit dem Iran oder nicht? (Steffens)

Einigung mit dem Iran oder nicht?

von Jochen Steffens

Am Freitag ist ein Anschlag auf die weltgrößte Ölanlage der Welt in Abqaiq, im Osten von Saudi Arabien von Sicherheitskräften vereitelt worden. Zwar hatte diese Nachricht nur sehr kurzen Einfluss auf die Märkte, sie ist jedoch für mich ein kleiner Warnhinweis darauf, dass sich nun auch die Lage in Saudi Arabien verschärft. Ich frage mich, was eine militärische Aktion im Iran für Folgen hätte. Aber vielleicht findet sich hier doch noch eine diplomatische Lösung.

Denn am Montag hatte die Nachricht, es sei zu einer teilweisen Einigung zwischen Russland und dem Iran im Atomstreit gekommen, welche eine Einschaltung des UN-Sicherheitsrat unnötig mache, die Märkte wieder stabilisiert. Aber schon gestern wurde von russischer Seite diese Nachricht relativiert. Am Mittwoch sollen erneut Gespräche zwischen Russland und dem Iran stattfinden, wir dürfen gespannt sein.

Ifo-Index als Warnsignal

Ganz erstaunlich, während ich in den letzten Jahren mit meinen Theorien, den ZEW-Index und den Ifo-Index als "Kontraindikator" zu verwenden noch recht alleine da stand, habe ich in den letzten Tagen viele Kommentare zum Ifo-Index gelesen, die genau die gleiche Befürchtung äußern: "Der hohe Ifo-Index sei ein Warnsignal." Sofort hat ein skeptischer Kollege (seines Zeichens Dauerbulle) überprüft, ob man einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Ifo-Index und der Entwicklung des Dax auf Sicht von 1,3,6, und 12 Monaten herleiten kann. Die Antwort verblüfft mich nicht: Nein, kann man nicht.

Ich mag dieses "Backtesting" grundsätzlich nicht. Zu sehr kann man die verschiedenen Parameter, je nachdem wie man es möchte, verändern, anpassen und einstellen. Wie heißt es so schön: Der Betrachter beeinflusst das Experiment.

Es wird nie ein System geben ...

Mein grundsätzliche Einstellung dazu lautet: Letzten Endes wird es an den Börsen nie einen Indikator, Parameter, ein System geben, das in der Lage ist, dauerhaft Gewinn zu erzielen (auch wenn ich nun sicherlich wieder ein paar böse Mails kriege).

Sie müssen sich das so vorstellen: Auf der ganzen Welt suchen Analysten, Individualisten, Marktteilnehmer, Mathematiker, Volkswirtschaftler, Chartisten, Gurus, und einfache Leute wie Sie und ich nach irgendwelchen Anhaltspunkten, die eine sichere Form der Geldschöpfung mit Aktien ermöglichen. Sobald die Börse auch nur einen Ansatz von geldwerter Systematik erkennen ließe, wie auch immer sie geschaffen sei, würden nach und nach immer mehr Menschen und Computer diese Systematik erkennen. Wenn aber zu viele Menschen das gleiche Kaufsignal erkennen, würde sich das Kaufsignal immer weiter nach vorne verschieben müssen, weil es ansonsten zu wenig Verkäufer gäbe. Das System kollabiert.

Eine kleine theoretische Exkursion

Theoretisch wäre es vorstellbar, dass ein System gefunden wird, dass all diese Faktoren mitberücksichtigt. Aber nur so lange keiner, der dieses System kennt, aktiv an der Börse tätig wird oder die Ergebnisse veröffentlicht.

Sobald dieses System als Grundlage zu realen Investitionen genutzt wird, wird es selber Teil des Börsengeschäfts und damit Teil des Systems, welches es analysieren müsste. Damit würde es die notwendige Distanz zu sich selber verlieren und damit unbrauchbar. Darüber können Sie mal in einer ruhigen Sekunde nachdenken oder auch lieber nicht.

Was also letztendlich über den Erfolg oder Mißerfolg an den Börsen entscheidet, ist meines Erachtens die Erfahrung.

Dax auf dem Weg zur 6000-6200 Punkte Marke?

Auch wenn der Dax heute etwas schwächer notiert, die 6000 Punkte Marke ist eingeloggt. Bis jetzt erleben wir heute eine normale und gesunde Konsolidierung, die mir wieder einmal viel zu heftig ist, so fangen nur in den seltensten Fällen Abwärtstrends an. Ein kleiner Hinweis darauf, dass es nach dieser Konsolidierung wieder weiter nach oben gehen wird.

Mal sehen ob der Dow heute kurz unter die 11.000 Punkte Marke lugt, um einige aus dem Markt zu treiben. Wichtiger wird dann sein, was er anschließend macht.

Natürlich kann es theoretisch sein, dass wir heute den entscheidenden Trendwechsel erleben. Schließlich wird am 6. März weiter über den Atomstreit befunden, am 28 März sind Wahlen in Israel. Der März hat sicherlich einiges an Brisanz zu bieten.

Doch wie ich seit über zwei Jahren immer wieder zurecht wiederhole:

Wechseln Sie nicht auf die Short-Seite. Bis jetzt hatte ich immer Recht damit. Ich will aber nicht vergessen darauf hinzuweisen, dass ich auch irgendwann einmal mit dieser Warnung vollkommen falsch liegen werde. Nämlich dann, wenn wirklich ein großer Trendwechsel stattfindet. Nur, dieses eine Mal verdienen Sie auf der Short-Seite kein Geld, aber die vielen anderen Male hätten Sie Geld verloren. Da ziehe ich doch ersteren Fall vor.

Noch ist der Trend in Ordnung, noch ruft die 6000er Marke.

Geld und Aktien

Ich hatte es geahnt. Der Vergleich mit dem "Wahnsinn" war offenbar sehr richtig gewählt. Ich habe erneut eine Vielzahl von sinnigen und unsinnigen Mails zu dem Thema "Geld" erhalten. Ich muss nach der Lektüre Ihrer Mails zumindest eines klarstellen, da ich mich offensichtlich unglücklich ausgedrückt habe. Ich bitte dies zu verzeihen, deswegen eine Anmerkung, die eine Vielzahl der Mails beantworten wird:

Natürlich wird kein "reales" Geld erschaffen. Es materialisiert sich nicht irgendwo in den Weiten der Börsenlandschaft plopp aus dem Nichts ein neuer 100 ? Schein, ich dachte das sei klar. Die reale Geldmenge bleibt natürlich zunächst unverändert. Ich hatte auch deswegen darauf hingewiesen, dass es "Buchwerte" sind, die geschaffen werden, wenn Aktien steigen. Ich hatte in diesem Zusammenhang ebenfalls darauf hingewiesen, dass "reales Geld" selbst nichts anderes als eine Art "Buchwert" sei. Wenn der Bäcker Ihnen für Ihren Geldschein kein Brötchen mehr gibt (einige ältere Leser werden sich eventuell noch an so einen Fall erinnern können) dann ist auch "Geld" nichts mehr "wert".

Im eigentlichen Sinne geht es also im gesamten Bereich des Geldes und seiner Anlageformen immer nur um "Werte". Ein Leser hat dazu eine interessante Ausführung geschrieben, welche die Problematik ausgezeichnet und ausführlich wiedergibt (und mir damit eine Menge Arbeit abnimmt). Ich möchte mich für diese Ausführung bedanken und habe Ihnen die Mail im übernächsten Beitrag "Geld und Aktien ausführlich - ein Leserbrief" angefügt.

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US-Konjunkturdaten

von Jochen Steffens

Das US-BIP ist, wie erwartet, in der vorläufigen Fassung um 1,6 % gestiegen. Damit wurde die offizielle Vorabschätzung von 1,1 % nach oben revidiert.

Der Chain Deflator ist von 3,0 % auf 3,3 % nach oben revidiert worden.

Erwartet wurde ein Plus von 3,0 % nach zuvor 3,3. Das verstärkte die Inflationssorgen und war ein erster Grund für die schwachen Märkte.

Der Einkaufsmanagerindex notiert bei 54,9. Erwartet wurde der Index im Bereich 58,2 bis 59,0 nach zuvor 58,5.

Der Vertrauensindex notiert bei 101,7. Erwartet wurde der Index bei 104,0 nach zuvor 106,8 (revidiert von 106,3).

Die Zahl der Hausverkäufe ist um 2,8 % auf 6,56 Mio. gesunken.

Erwartet wurden 6,60 bis 6,75 Mio. Hausverkäufe nach zuletzt 6,75 Mio.

(revidiert von 6,60 Mio.).

Auch diese Zahlen sind alle nicht sonderlich überzeugend. Besonders ein weiterer Hinweis, dass der US-Immobilienmarkt sich weiter abkühlt, auch das wird diverse Sorgen der Investoren unterstützt haben.

Ich sehe das alles wiederum viel positiver, die schlechten Zahlen (außer der Bip Deflator) sind alle ein Hinweis darauf, dass die Fed keinen großen Spielraum mehr hat, die Zinsen anzuheben. Das wird der Markt irgendwann begreifen und spielen ...

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Geld und Aktien ausführlich - ein Leserbrief

Leserbrief

Lieber Herr Steffens,

vielen Dank für Ihre Ausführungen zum Thema Geld in Ihrer "Investor's Daily"-Ausgabe von Freitag. Ich halte den Ansatz, Theorien durch Beispiele zu belegen für genau richtig.

Prinzipiell stimme ich mit Ihnen darin überein, dass an der Börse quasi aus dem Nichts (bzw. aus Stimmungen heraus) Werte geschaffen oder vernichtet werden können.

Vor allem aber ist Ihr Beitrag über Geld deswegen ausgezeichnet, weil hier ein Missverständnis gut deutlich wird. Wenn ich in Zusammenhang mit Börsen-Geschäften von der Unveränderbarkeit/Veränderbarkeit der Geldmenge bzw. Liquidität spreche, so meine ich Geld bzw. Liquidität im eigentlichen Sinne. Anders formuliert: Aktien sind kein Geld. Wovon ich spreche, das ist die tatsächliche Geldmenge M im volkswirtschaftlichen Sinne.

Die Geldmenge M1 beispielsweise ist definiert als Summe der Bargeldbestände der Nichtbanken und Sichtguthaben der Nichtbanken bei den Geschäftsbanken (Nichtbanken: z.B. = Privatpersonen, Firmen ...).

Fasst man den Geldbegriff weiter, so kommt man zu den Geldmengen M2 bzw. M3, die zusätzlich Termingelder der Nichtbanken mit Fälligkeit bis zu 4 Jahren und Spareinlagen der Nichtbanken mit 3monatiger Kündigungsfrist beinhalten) .

Dabei ist es bedeutsam zu wissen, dass die Geldmenge, die sich um Umlauf einer Volkswirtschaft befindet, durch die Zentralbank des jeweiligen Staates (z.B. EZB für die EU oder FED in den USA) gesteuert wird z.B. orientiert an der Geldwertstabilität. Zur Geldvermehrung

(Geldschöpfung) kommt es z.B. durch Kreditvergabe von Geschäftsbanken an Privatpersonen/Firmen. Die Geschäftsbanken wiederum erhalten Kredite von den Zentralbanken. Die Möglichkeiten der Geldschöpfung über die Geschäftsbanken werden durch Vorgaben der Zentralbanken hinsichtlich Mindestreserven oder Zinsen gesteuert. Soweit genug der Hintergründe.

Im Folgenden werde ich Geld(Cash) bzw. Geld(Cash)-ähnliches Vermögen (sei es nun M1 oder M3) vereinfacht als Geld bezeichnen. Dieses Geld ist streng getrennt zu sehen von z.B. Aktien-/Immobilien-Vermögen.

Geld ist in überschaubaren Zeiträumen deutlich wertstabiler als Aktien-/Immobilien und vor allem eine ganz besondere Spezies, die wie kein anderes Medium den weltweiten Handel erst ermöglicht.

In Ihrem ersten Kapitel zu Geldvernichtung bzw. -Schaffung schreiben Sie als Fazit: " ... die im Markt befindliche Geldmenge ist alles andere als konstant. Es kann Geld vernichtet, wie erschaffen werden, ohne dass dieses Geld ein anderer hat oder nicht!"

Ich verstehe Ihre Ausführungen in diesem Kapitel so, dass Sie mit "Geldmenge" die Summe der Aktien und Geld-Vermögen meinen.

Zur Verdeutlichung einiger Gesichtspunkte möchte ich im Folgenden auf Ihre Beispiele in Kapitel 2 eingehen, die sich hierfür sehr gut eignen.

Nehmen wir für den Fall 1 steigender Kurse an, die Börsenteilnehmer A, B und C besäßen zu Beginn der Börsengeschäfte ein Geldvermögen von:

A=3, B=1 und C=2 ?; zusätzlich besitzt A eine Aktie mit Marktwert 1 ?; daraus ergibt sich ein Gesamt Geldvermögen von 6 ? und ein Aktienvermögen von 1 ?, also ein Gesamtvermögen von 7 ?. Was passiert nun in dem von Ihnen beschriebenen Kreis-Zyklus?:

A verkauft die Aktie an B, erhält dafür 1 ?; zum Ende des Zyklus kauft A die Aktie von C zu 3 ? zurück; Bilanz: A besitzt am Ende 3+1-3= 1 ? Geld plus eine Aktie mit Marktwert 3 ?.

B kauft die Aktie von A, zahlt dafür 1 ? und verkauft die Aktie an C, erhält dafür 2 ?; Bilanz B: B besitzt am Ende 1-1+2= 2 ? Geld.

C kauft die Aktie von B, zahlt dafür 2 ? und verkauft die Aktie an C, erhält dafür 3 ?; Bilanz C: C besitzt am Ende 2-2+3= 3 ? Geld.

Gesamtbilanz am Ende sieht so aus:

Die Gesamt-Geldmenge ist unverändert 6 ? (A hat 1 ? + B hat 2 ? + C hat 3 ?); zusätzlich ist eine Aktie im Wert von 3 ? (in Besitz von C) vorhanden. => Die Gesamt-Geldmenge ist gleich geblieben, das Gesamt-Vermögen inkl. Aktie hat sich aber von (6+1=) 7 auf (6+3=) 9 ? erhöht.

Jetzt nehmen wir den analogen Fall 2 bei fallenden Kursen ausgehend von der Endsituation des vorhergehenden Falles mit folgenden

Start-Vermögenswerten:

A=1, B=2 und C=3 ?; zusätzlich besitzt A eine Aktie mit Markt-Wert

3 ?. Das Gesamt-Geldvermögen beträgt somit 9 ? (6 ? Geld + 3 ? Aktienwert). Erneut Bilanzierung, nun aber bei fallenden Kursen:

A verkauft die Aktie an B, erhält dafür 3 ?; zum Ende des Zyklus kauft A die Aktie von C zu 1 ? zurück; Bilanz: A besitzt am Ende 1+3-1= 3 ? Geld plus eine Aktie mit Marktwert 1 ?

B kauft die Aktie von A, zahlt dafür 3 ? und verkauft die Aktie an C, erhält dafür 2 ?; Bilanz B: B besitzt am Ende 2-3+2= 1 ? Geld.

C kauft die Aktie von B, zahlt dafür 2 ? und verkauft die Aktie an C, erhält dafür 1 ?; Bilanz C: C besitzt am Ende 3-2+1= 2 ? Geld.

Gesamtbilanz am Ende (entspricht der Start-Situation des ersten

Falles): die Gesamt-Geldmenge bleibt weiterhin unverändert 6 ? (A hat

3 ? + B hat 1 ? + C hat 2 ?); zusätzlich ist eine Aktie im Wert von

1 ? (in Besitz von C) vorhanden.

Die Gesamt-Geldmenge ist wiederum gleich geblieben, das Gesamt-Vermögen inkl. Aktie hat sich aber von (6+3=) 9 auf (6+1=) 7 ? erniedrigt.

Nimmt man die Fälle 1 und 2 steigender und fallender also volatiler Börsenkurse zusammen, so ist zu erkennen, dass bei gleich bleibender Geldmenge dennoch veränderliche Vermögenswerte entstehen können.

Um es vorwegzunehmen: klar ist andererseits auch, dass die Entstehung/Vernichtung von Aktien-Vermögenswerten (quasi aus dem Nichts heraus) in Wechselwirkung mit der Geldmenge steht. So sind beispielsweise Banken geneigt, die Bewertung eines Aktiendepots als Sicherheit für die Vergabe von Krediten zu akzeptieren. Hohe Aktienkurse bedeuten dann verstärkte Kreditvergaben, sprich Erhöhung der Geldmenge. Und hier bin ich wieder bei Ihnen: so gesehen ist sogar die Entstehung von Geld aus dem Nichts möglich, ein gefährlicher Prozess. Übrigens kann man die Betrachtung zu Aktien in weitem Umfang auch auf Immobilien übertragen. Der Prozess einer solchen Immobilien-Hausse-genährten Geldvermehrung ist in den USA ja gerade in vollem Gange. Wehe aber, die Börsenbewertungen werden übertrieben und schwappen zurück zu niedrigeren Bewertungen, dann kommen Vermögenswerte und Geldmengen aus dem Gleichgewicht.

Jetzt noch mal einen Schritt zurück: die (Ihre) Fälle 1 und 2 zeigen, dass Kursbewegungen, so stark sie auch ausfallen, zunächst mit keiner Veränderung der Geldmenge verbunden sein müssen, dies ist (muss aber

nicht) erst in der zweiten Stufe der Geldschöpfung über die Banken der Fall (wobei die Zentralbanken auch immer ein regulierendes Wörtchen mitzureden haben). Nun zur von Ihnen aufgestellten Theorie der vagabundierenden Geldströme: ich gehe einmal davon aus, dass Sie wirklich Geld- und nicht Aktienströme meinen. Selbst wenn man unterstellt, dass die Gesamt-Geldmenge einer Volkswirtschaft bei Kursveränderungen zunächst konstant bleibt, so schließe ich mich Ihrer Sichtweise an, dass Geld den Aktienmärkten entzogen bzw. zugeführt werden kann hin zu/weg von anderen Anlageformen.

Innerhalb der konstanten Geldmenge wechselt Geld ständig den Besitzer.

Im Verlaufe dieses Prozesses ändert sich in unregelmäßigen Zyklen die Einstellung einer signifikanten Anzahl von Geldbesitzern hinsichtlich er Frage, wo das Geld am ertragreichsten angelegt werden kann. Das kann beispielsweise ein Schwenk der Anlageverhaltens hin zu anderen geografischen Regionen, hin zu anderen Branchen oder auch hin zu grundsätzlich anderen Anlageformen wie z.B. Rohstoffen, Immobilien oder gar hin zum Geld selbst sein.

Nehmen wir einmal an, das Anlegerinteresse wendet sich von den europäischen Aktien ab und den US-Aktien zu, weil diese bisher nicht so gut gelaufen sind. Gemeinhin wird dann kommentiert, Geld wird aus den europäischen Aktien abgezogen und fließt in die US-Märkte.

Wörtlich genommen ist dies sehr missverständlich, da Aktien kein Geld haben und erst recht keines sind; es ist noch nicht einmal erforderlich, dass tatsächlich Geld in den US-Markt fließt. Es reicht vollkommen aus, dass im US-Markt bei gleich bleibender Geldmenge (siehe Beispiel Fall 1) Aktien hin und her verkauft werden, um die Kurse steigen zu lassen. Entscheidend ist, dass steigende Kurse in den USA durch einen Paradigmenwechsel bzw. geänderte Profit-Aussichten der Geldbesitzer ausgelöst werden können. Bei an sich konstanter Geldmenge erhält das Geld in den Köpfen der Besitzer quasi eine Etikettierung mit der Aufschrift "reserviert für US Aktien". Hierdurch entsteht eine erhöhte Nachfrage nach US-Aktien und Beispiel Fall 1 setzt ein.

Wenn sich jetzt auch noch die durch steigende Aktien-Vermögen in Gang gesetzte Vermehrung der Geldmenge M (jetzt bin ich wieder voll bei

Ihnen) auf die US-Märkte richtet, dann werden Kurssteigerungen der US-Aktien noch beschleunigt. Aber, und das möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen: die Steigerung der Geldmenge M ist weder unbedingt Voraussetzung noch Folge der Hausse.

Ich bin daher der Meinung, dass den Lesern des "Investor's Daily" die Bedeutung des Geldbegriffes ein wenig mehr verdeutlicht werden sollte.

Ihre ABC-Beispiele halte ich für ganz hervorragend und haben meine Sichtweisen um vieles deutlicher werden lassen.

Zum Schluss noch ein Kommentar zum Thema Geldmarkttheorien (beschweren Sie sich nicht, Sie haben das Gespenst selbst aus dem Sack gelassen; habe allerdings schon darauf gewartet).

Was ist Geld eigentlich? Eine Frage, die einen fast so zur Verzweiflung bringen kann wie die Frage nach dem Ursprung der Welt (Sie wissen schon: wenn Gott das Universum geschaffen haben sollte, wer hat dann Gott geschaffen ... usw.?).

Ich nähere mich diesem Thema vorzugsweise, indem ich frage: wie würde man in einem Land Geld einführen, das bisher ausschließlich vom Warentausch gelebt hat? Würde man vereinfachend annehmen, dass alle Waren dieses Landes in einem festen Tauschverhältnis zueinander stehen (z.B. 5 Kilo Kartoffeln ist soviel Wert wie ein Kilo Zucker und gleichzeitig so viel wert wie 1 Arbeitsstunde usw.) könnte man zumindest schon einmal eine Währung einführen, deren Wert für eine Einheit man z.B. entsprechend dem Wert von 1 Kilo Zucker festlegen könnte.

So weit so gut. Aber wie viel dieser Währung würde man unters Volk bringen? Ich bin zu dem erstaunlichen Schluss gekommen: so wenig wie möglich. Gerade so viel, dass man für einige Zeit bezüglich des täglichen Bedarfs liquide bleibt. Das eigentliche Geldmengen-Wachstum ist dann ein eigendynamischer Effekt. Geld erhalten von einer neu geschaffenen Zentralbank diejenigen, die entsprechendes Vermögen als Sicherheit hinterlegen. Nichtgeld-Vermögen wiederum ist entweder bereits vorhanden oder kann geschaffen werden durch Produktion von Waren. Mit dem dafür von der Zentralbank zur Verfügung gestellten Geld werden Arbeiter bezahlt. Mit dem gezahlten Löhnen können Waren gekauft werden. Es entsteht ein Geldkreislauf und die im Umlauf befindliche Geldmenge ist irgendwie durch Vermögenswerte gedeckt. So oder so ähnlich meine zugegebenermaßen relativ diffuse Vorstellung vom Wesen des Geldes. Schnell aber beginnt es schwindelig zu werden. Wenn man sich vorstellt, dass die Währungsmenge einer über Jahrzehnte bestehenden Währung einigermaßen sauber riesige Ersparnisbeträge, deren Entstehung teilweise ebenfalls Jahrzehnte zurückliegt, sauber auf den heutigen Tag projezieren soll und dabei noch Inflation, Devisenrelationen, volatile Bewertungen von Aktien/Immobilien und wer weis noch was berücksichtigen soll, so kann man erahnen in welch labilem Kartenhaus man sich befindet.

Das Funktionieren der heute unendlich komplexen Finanzmärkte grenzt schon fast an ein Wunder. Wer kann so etwas noch kontrollieren? Je mehr man sich mit der Thematik befasst, desto mehr wird deutlich, an welche dünnen Fäden die weltweiten Geldsysteme hängen und wie leicht und schnell ein Kollabieren möglich ist. Aber man spielt trotzdem mit in der Hoffnung, dass es unbekannte selbstregulierende Kräfte gibt oder dass man im Crash-Fall den Absprung noch rechtzeitig schafft.

Aber den Absprung wohin eigentlich? D.h. wie kann ich mich absichern, um im Ernstfall der großen Geldentwertung (Hyperinflation) mein Vermögen halbwegs zu retten?

Nehmen wir einmal an, Geld sei von heute auf morgen nichts mehr wert.

Klar, dass dann die Geldbesitzer besonders schlecht da stehen. Aber wie sieht es mit anderen Vermögenswerten aus? Ob man in so einer Situation mit Gold viel erreichen kann ist fraglich. Aktien, d.h.

Firmen oder Immobilien können mit Geld nicht mehr bezahlt werden.

Besser als Geld aber sind sie alle Male, denn jetzt beginnt wieder die Zeit des Tauschhandels. Die elementaren Dinge des Lebens treten in den Vordergrund. Ein Dach über dem Kopf gehört z.B. dazu oder Nahrungsmittel (glücklich, wer dann Landwirt ist; gibt es eigentlich Aktienbeteiligungen an landwirtschaftlichen Betrieben, dann hätte man wenigsten Anspruch auf Naturalien als Dividende). Viele Firmen werden schließen, einige werden sich auf Tauschhandel-Basis gerade so über Wasser halten (so viel zu den Aktienwerten). Menschlicher Zusammenhalt wird plötzlich wichtig, Aber jetzt gleite ich ab.

Jedenfalls beunruhigt das, was sich zur Zeit in den USA abspielt:

Immobilien-Preise und die damit verbundenen vermeintlichen Vermögenswerte steigen immer weiter und dann auch noch das Geldmengenwachstum gestützt auf das Vermögenswachstum und die Staats-/Handelsbilanz-Defizite.

Trotzdem, die alljährlichen sich nicht bewahrheitenden Voraussagen von Herrn Martin Weiss bezüglich Geld-Krisen im jeweils nächsten Jahr finde ich mittlerweile ziemlich peinlich, während die Dauer-Warnungen von Herrn Bill Bonner, dass irgendwann ein Zusammenbruch droht, langsam langweilig werden.

Andererseits, im Kern haben die beiden ja recht. Vielleicht ist eine steigende Aversion gegenüber den Warn-Litaneien der beiden sogar ein Alarmzeichen dafür, dass man drohenden Gefahren gegenüber abstumpft.[ ...]

Mit freundlichen Grüßen

V. Winkhaus

Gruß Moya 

 

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