Eierkunde für Fortgeschrittene: Gesprenkelte Eier

Seite 1 von 1
neuester Beitrag: 07.12.06 14:19
eröffnet am: 07.12.06 14:18 von: Scontovaluta Anzahl Beiträge: 2
neuester Beitrag: 07.12.06 14:19 von: Kalli2003 Leser gesamt: 2311
davon Heute: 1
bewertet mit 0 Sternen

07.12.06 14:18

29568 Postings, 5465 Tage ScontovalutaEierkunde für Fortgeschrittene: Gesprenkelte Eier

  

Gesprenkelte Eier - auch bei Höhlenbrütern


Reflexion von UV-Licht macht Gelege für Vögel sichtbar
  


Wer einmal im Naturkundemuseum die Farbenvielfalt von Vogeleiern bewundert hat, kann nachvollziehen, dass sich Ornithologen seit langem mit der Frage beschäftigen, warum manche Eier einfarbig und andere bunt gesprenkelt sind. Bisher galt als Faustregel, dass Farbmuster vor allem bei offen nistenden Arten der Tarnung dienen. Ein Blick in das Nest einer Blaumeise macht jedoch deutlich, dass dies als Erklärung nicht ausreicht: Die crèmefarbenen Eier des Höhlenbrüters sind rostrot gefleckt und wirken dadurch ebenfalls getarnt. Ein Team von britischen Ornithologen um Andrew Gosler vom Edward Grey Institute of Field Ornithology in Oxford hat deshalb nach neuen Erklärungsmöglichkeiten gesucht.[1]

Ausgehend von der Annahme, dass die bei Singvögeln häufige Sprenkelung mit sogenannten Protoporphyrin-Pigmenten keine Laune der Natur darstellt, sondern einen Zweck hat, untersuchten die Forscher die Dicke der Eierschalen von ungefleckten und gefleckten Eiern und kamen zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Es stellte sich heraus, dass die Dicke der Eierschalen variiert und die Pigmentierung stets in jenen Bereichen zu finden ist, in denen die Schale relativ dünn ist. Dies und die chemischen Eigenschaften des Farbstoffs legen laut den Forschern den Schluss nahe, dass das Pigment den dünnen Bereichen der Schalen zusätzliche Stabilität verleiht.

Gestützt wird diese Annahme auch durch frühere Studien, die gezeigt hatten, dass innerhalb eines Geleges die Pigmentierung mit jedem Ei zunimmt - für die Schalen «jüngerer» Eier steht nämlich weniger Calcium zur Verfügung. Die Farbeinlagerung hilft nach Ansicht der Forscher kleinen Vogelarten wie Meisen, mit Calcium, dem wichtigsten Baumaterial der Eierschale, sparsam umzugehen. Dies könnte auch erklären, warum Eier von Weibchen, deren Lebensraum kalkarme Böden aufweist, ebenfalls stärker gefleckt sind.

Andere Untersuchungen zeigen zudem, dass die Menge an Farbstoff auch den Wasserverlust der bebrüteten Vogeleier durch Verdunstung beeinflusst: je höher der Farbanteil der Eier, desto geringer ist der Wasserverlust während der Zeit, in der sie bebrütet werden. Das Brutverhalten der Meisenweibchen wiederum scheint an die Pigmentierung und damit an den jeweiligen Wasserverlust ihres Geleges angepasst zu sein - laut den Forschern regulieren die Weibchen die Nestwärme, um die Verdunstung gering zu halten und so eine optimale Entwicklung ihrer Jungen zu ermöglichen. Ob diese Feinabstimmung durch unterschiedlich lange Brutzeiten ermöglicht wird, sollen weitere Experimente zeigen.

Dass Farbe und Musterung von Eiern auch noch einen anderen Zweck haben können, zeigt eine Arbeit von spanischen Wissenschaftern um Jesus Avilés der Estación Experimental de Zonas ridas in Almería.[2] So leuchten die Eier des in Südeuropa beheimateten Einfarbstars Sturnus unicolor im ultravioletten Bereich des Spektrums - Vögel können auch ultraviolettes Licht wahrnehmen. Die Forscher konnten nun nachweisen, dass diese UV-Färbung die Eier für die brütenden Vogeleltern im Dunkeln besser sichtbar macht.

Die Forscher hatten in mehreren Nistkästen jeweils ein weiteres Starenei neben die bereits bebrüteten Nester gelegt. Das zusätzliche Ei war zuvor mit einem Gemisch aus Fett und einem chemischen UV-Filter bestrichen worden; dadurch war die Färbung der Eier für die Vögel nicht mehr sichtbar. Zur Kontrolle wiederholten sie das Experiment mit Eiern, die nur mit Fett eingerieben waren und das UV-Licht nach wie vor reflektierten. Es zeigte sich, dass Eier, deren UV-Reflexion künstlich verhindert worden war, von den brütenden Staren nicht erkannt wurden, wohingegen die nur mit Fett behandelten Eier von den «Eltern» ins Nest befördert wurden. Diese UV- Färbung von Vogeleiern hat offenbar System - als die Forscher 5598 Eier von 89 Vogelarten aus Museumssammlungen untersuchten, stellte sich nämlich heraus, dass die Eier von Höhlenbrütern durchweg eine höhere UV-Reflexion aufweisen, als dies etwa bei Bodenbrütern der Fall ist.

Daniel Dreesmann

[1] Oecologia 149, 561-570 (2006); [2] Proceedings of the Royal Society B. 273, 2821-2829 (2006).

 
Angehängte Grafik:
eier.jpg
eier.jpg

07.12.06 14:19

58960 Postings, 6253 Tage Kalli2003sconto ist ein Höhlenbrüter??

so einer trinkt auch Kölsch ...

apropopopopo ....



So long (oder doch besser short?)  

Kalli  

 

   Antwort einfügen - nach oben